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»Wie unterschiedlich das von Depression über
Neugierde, Sensationslust und Panik bis zu Chauvinismus und offener
Begeisterung reichende Spektrum der Reaktionen auf den Krieg tatsächlich
war, hat nun der amerikanische Historiker Jeffrey Verhey in
seiner kürzlich auf deutsch veröffentlichten Arbeit dargelegt (Der
„Geist von 1914“ und die Erfindung der Volksgemeinschaft, Hamburg
2000). Seine Studie verdeutlicht darüber hinaus den konstruierten
Charakter der vielbeschworenen nationalen Volksgemeinschaft, mit der im
Zeichen des Krieges alle gesellschaftlichen Kräfte ihre politischen Ziele
zu legitimieren versuchten und damit erst einen nationalen Mythos
schufen, der nach der Niederlage eine besonders fatale
Geschichtsmächtigkeit entwickeln konnte.« [Wolfgang Kruse[1]]
Dem Bewusstsein fällt
es schwer, den Wandlungen und Verstrickungen der Realität, der
gesellschaftlichen Realität, zu folgen. Gerne flüchtet es sich in
künstliche Realitäten, in Schein, Illusion, Ideologie und Mythos. Doch die
Realität holt das Bewusstsein ein. Bewusstseinskrisen sind Existenzkrisen
für den Menschen, kollektive Bewusstseinsdeformationen stellen das
Fortbestehen der Gesellschaft in Frage.[2]
»Sie tun das, weil sie hoffen, dadurch die
Säkularisierung der Kultur aufhalten zu können, die „Gottesfurcht“ zu
bewahren und der künftigen Zivilisation die Argumente für eine
optimistische Sicht der Welt zu entziehen.
Auf einer anderen, eher
philososphisch-abstrakten Ebene kann man denselben Konflikt auch lesen
als Illustration der These, daß Kultur prinzipiell offen und mobil sein
muß. Wie die Illustration, die Übersetzung und die Paraphrase ist
auch die Parodie eine Umcodierung, die die Sprache der Kultur bereichert,
ihr neue Zeichen zuführt und die Bedeutung der vorhandenen erweitert.
Unveränderlichkeit des Verhältnisses von Signifikanten und Signifikaten
führt zum Tod der Kultur«.
[Elena Kostjukovic: Der unbegrenzte
Zeichenprozeß als Grundlage der Kultur]
Der Begriff „Mythos“
wird bestimmt von einer eigentümlichen Unbestimmtheit und manchmal auch –
Willkürlichkeit. Damit entspricht er den Inhalten von Mythen, deren
Hauptcharakteristiken ihre Ambiguität und Interpretierbarkeit sind – und
damit auch ihre Funktionalisierbarkeit. Mythen können Versuche der
Sinngebung von (gesellschaftlichen) Realitäten sein, aber gleichermaßen
Konstrukte der gesellschaftlichen Stabilisierung wie der
Herrschaftssicherung. Zu diesem letzten Punkt gehören vor allem die
neueren „Nationalmythen“[3],
die von Herrschaftsseite her – oft in Anlehnung älterer mythischer
Überlieferungen – konzipiert und durchgesetzt wurden, wie z.B. der
„Bismarckmythos“ Ende des 19. Jahrhunderts.
»Zuweilen reichen die mythologischen
Geschichtserzählungen, die die Nationalhistoriographien für schiere
wissenschaftliche Wahrheit hielten (mindestens als solche ausgaben), weit
zurück; bis zu Hermann dem Cherusker, der erst seit 1810 vom
unkultivierten Barbaren zum „Volks“-Helden mutierte, oder zu jenem
Vercingetorix, den sich die Franzosen einverleibten, seit sie sich als
Gallier wiederentdeckten, was ihnen zu Zeiten der Valois oder Bourbonen
gewiß nicht eingefallen wäre.«[4]
»Besonders kurios in dieser Liste ist der
„Lombardische Bund“ von 1176, den die oberitalienischen Städte mit dem
„Schwur von Pontida“ (ein großes Wandbild, das ihn zeigt, hängt heute im
Ratssaal von Siena und ist derzeit in der Ausstellung zu betrachten) gegen
den deutschen Kaiser schlossen. Im 19. Jahrhundert wurde er zum Symbol für
die erhoffte Einheit und in unseren neunziger Jahren zum Signal neuer
Spaltung: Umberto Bossi, der Führer der „Lega Nord“, ließ ihn seine
Anhänger schwören: gegen den Nationalstaat Italien und das räuberische
Rom.«[5]
Wenn der Unterricht
mit diesen Vorstellungswelten konfrontiert wird, wenn „Mythen“ zu
Unterrichtsgegenständen werden – was in den Wertfächern überwiegend der
Fall ist und in den Fächern Geschichte und Politik immer wieder aufscheint
– sind besondere Nachdenklichkeiten, sind Reflexionsbereitschaft und
Distanzierungsfähigkeit notwendig, um die Mehrdeutigkeiten und Funktionen
der „Mythen“ zu klären, ohne dabei – was nicht möglich sein wird –
eindeutige Erklärungen anzubieten.
So stehen im Folgenden
didaktische Reflexionen neben inhaltlichen Beispielen, die ein „Nachdenken
über…“ provozieren sollen. Dabei stehen Beispiele aus der
Religionsgeschichte im Vordergrund, da diese im Unterricht am häufigsten
angesprochen werden, weil sie eine unübersehbar alte
Überlieferungstradition umfassen und weil sie – Jahrhunderte als
buchstäbliche Wahrheit geglaubt – tief im kulturellen Bewusstsein der
eigenen Gesellschaft verankert sind. Als Beispiele werden der Mythos der
Sintflut und der Mythos des Sinai eingehender dargestellt und in Frage
gestellt – im wortwörtlichen Sinne.
Werte und Normen – Ideologie und Überbau
Vorbemerkung
Eine immer wieder von
Schülern gestellte Frage ist: „Gibt es einen Gott?“ bzw. „Woher kommen die
Legenden, Erzählungen aus der Bibel? Wer hat sie sich ausgedacht, sie
erfunden, geschrieben?“ Es ist immer die Frage nach dem Warum!
-
Keinesfalls soll im
Folgenden der eigene individuellen Glauben in Frage gestellt, kollektive
Glaubensinhalte und Lehren als solche hinterfragt, kritisiert oder gar
diskreditiert werden.
-
Der Glaube bleibt jedem
Menschen als sein ureigenes Individualrecht und ist zugleich ein
garantiertes Gruppenrecht.
-
Unser Ziel ist es,
Distanz aufzubauen, die Fähigkeit zur Distanzbildung zu erzeugen. Die
individuelle Glaubensüberzeugung ist nicht anzugreifen, sie ist nicht
in Frage zu stellen, sondern zu schützen und zu verteidigen!
-
Die Verfasser möchten
nicht verschweigen, dass sie dem Prinzip von Glauben durchaus positiv
gegenüber stehen und die Wirkung von Religionen für Menschen in vielen
Bereichen wertschätzen.
-
Ihrer protestantischen
Prägung zufolge legen sie individuellen wie kollektiven
Glaubensbekundungen wie nach außen gerichtete und sichtbare Rituale eine
grundsätzliche Zurückhaltung auf.
Im Folgenden sollen
deshalb zur Herausarbeitung der Ebenen ausschließlich wissenschaftliche
Kriterien gelten.
Ein Beispiel für einen Alttestamentarischen
Mythos, die Sintflut Erzählung, soll den Einstieg in die Denkanstöße zur
Auseinandersetzung mit „klassischen Mythen“ bilden.
Nachdenken über…
…die Sintflut, die
Sinn-Suche und die „ewige Frage: wozu?“
Der Begriff „Sintflut“
»Die Sintflut wird in den mythologischen
Erzählungen verschiedener Kulturen als eine göttlich veranlasste
Flutkatastrophe beschrieben, die die Vernichtung der Zivilisation zum Ziel
hatte. Als Gründe für die Sintflut nennen die historischen Quellen zumeist
Verfehlungen der Menschheit. Die bekanntesten Berichte sind im 1. Buch
Mose der Bibel, im Gilgamesch-Epos und im Atra’asis-Epos überliefert… Das
deutsche Wort „Sintflut“ ging aus mittelhochdeutsch „sin(t)vluot“,
althochdeutsch „sin(t)fluot“ hervor, das so viel wie „immerwährende
Überschwemmung“ bedeutet, es hat also nichts mit dem Wort „Sünde“ zu tun.
Die germanische Vorsilbe „sin“ bedeutet „immerwährend, andauernd,
umfassend“ und wurde seit dem 13. Jahrhundert volksetymologisch zu „Sünd-“
umgedeutet. Im Englischen heißt Sintflut „The (Great) Flood“ oder − nach
dem französischen Wort − „Deluge“. Französisch heißt es „déluge“, spanisch
„diluvio“ und italienisch „diluvio universale“. Das hebräische Wort für
Sintflut, „mabul“, bedeutet Vermischung oder Vermengung und steht im
Zusammenhang mit „Babel“ und der babylonischen Sprachverwirrung (Gen
11,1-9)« (aus Wikipedia).
Die Suche nach der „objektiven Wahrheit“
Seit langer Zeit
bemühen sich Historiker, Theologen oder „Bibelforscher“ herauszufinden,
auf welche „objektive Flutkatastrophe“ sich die Sintflut-Überlieferung
bezieht. Verwirrend ist dabei die Vielzahl der Flutmythen in verschiedenen
Kulturen und die Vielzahl möglicher Flutkatastrophen, die die Historiker
und Geologen heranziehen können.
Wenn wir darüber
nachdenken… sollten wir es mit einem Perspektivwechsel versuchen. Wenn uns
die Frage nach der „objektiven Wahrheit“ nicht mehr in erster Linie
interessiert, sondern der Sinn des Mythos in den Vordergrund gestellt
wird, kann eine Vielzahl existenzbedrohender Flutkatastrophen zur
Mythenbildung beigetragen haben.
Hier wird
festzustellen sein, dass die Überlieferung in der Zeit vor der
Schriftkultur sich auf orale, narrativ geformte „Erzählungen“
beschränken lässt. Wert für die narrative Tradition hat nicht die
Darstellung „historischer Fakten“, sondern die Erklärung des Sinns von
Erfahrungen, die sich im gegenwärtigen Alltagsleben spiegeln, die als
existenzbedrohend erfahren werden. Eine „abstrakte Sicht“ im Sinne
unserer heutigen Wissenschaft war damals noch nicht möglich und auch
gesellschaftlich nicht gefordert.
Auch heute überlagert
der Rückfall in vorwissenschaftliche Denkkategorien die Reaktion auf
emotional erlebte persönliche Katastrophen, wie Mord, plötzliche
Unglücksfälle, Naturkatastrophen wie den Tsunami, wenn die Frage in den
Mittelpunkt gestellt wird: Warum muss das mir passieren, welchen Sinn hat
diese unvorstellbare Katastrophe, wer lässt diese Schrecken zu?
Daher rückt in der
biblischen Erzählung nicht der Tatbestand der Flut an sich, sondern der
Gedanke eines „strafenden Gottes“, der auf die Sünden und Verbrechen der
Menschheit reagiert, in den Mittelpunkt – indem er auch auf Erfahrungen
des Alltags und der familiären Erinnerung zurückgreift, indem die Angst
vor der alles ertränkenden Flut aufgegriffen wird. Dass dieses Motiv auch
für unterschiedliche Raum- und Zeitbezüge Gültigkeit erlangt, dürfte die
Suche nach der „einen realen Wahrheit“ ins Absurde rücken.
Die Größe der
berichteten mythischen Katastrophe sagt in einer Zeit nichts aus, in der
„die Welt“ dasjenige war, was der Einzelne selbst erfahren konnte –
vielleicht dasjenige, was sich in seinem eigenen Horizont befindet. Alles
Weitere sind narrative Überlieferungen, deren Wert ihre Tauglichkeit zur
Sinnvermittlung darstellt…
Der Anachronismus der modernen „Bibelforschung“
In der Gegenwart
treffen nun unvereinbare Denkstile aufeinander. Der gläubige Mensch
vertraut auf die biblische Überlieferung des „Wahren Wortes“ – sei es
Christ, Jude oder Muslim –, aber der moderne Zugang zu den Schriften
übersieht deren Sinn und Darstellungsansatz völlig und er sucht nach der
„historischen Wahrheit“ der Überlieferung.
Besonders seltsam sind
die Bemühungen der Suche nach den Überresten der „Arche Noah“. Sie soll
auf dem Ararat am Ende der Sintflut gelandet sein (die physikalische
Unsinnigkeit einer Flutwelle von 5000 m Höhe einmal als
„Glaubensrealität“ außer acht gelassen) – wobei einerseits die Zuordnung
zum heutigen Berg Ararat völlig strittig ist – wie kommt dieser in eine
Überlieferung aus der südmesopotamischen bis auf Sumer zurückreichenden
Kultur? – und andererseits auf unterschiedliche Überlieferungen in den
einzelnen Religionen zurückgeführt wird. Befassen wir uns auch hier einmal
mit lexikalischen Einträgen:
»Der Berg Ararat, auch Großer Ararat
(aus dem Hebräischen, entstanden aus assyrisch Urartu und kurdisch
Çiyayê Agirî / Shaxi Ararat, türkisch Büyük Ağrı Dağı,
armenisch Մասիս
/ Masis oder Արարատ
/ Ararat), ist ein ruhender Vulkan im Ararathochland in
Ostanatolien nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran. Er ist mit 5.137
Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg auf dem Gebiet der Türkei.
Der kurdische Name, Çiyayê Agirî, bedeutet „der feurige Berg“ (agir
= Feuer, çiya = Berg). Der kleinere Nachbarberg, der Kleine
Ararat (türk. Küçük Ağrı Dağı), ist 3896 Meter hoch. Im Jahre
2004 wurden beide Araratberge Teil eines Nationalparkes… Im Gebirge Ararat
soll nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein (Gen 08,04 EU[6]).
Die Vulgata spricht hierbei von den montes Armeniae, also den
„Bergen Armeniens“, während es in der Nova Vulgata in montes Ararat,
„Berge von Ararat“, geändert wurde. Anerkannte wissenschaftliche Belege
für diesen Bericht fehlen allerdings. Der Koran gibt den Cudi Dağı
als Landeplatz an.« [Aus Wikipedia. Ararat.]
»Der Cudi Dağı ist mit 2.114 m der
höchste Berg in der türkischen Provinz Şırnak. Er hat vier Gipfel… Theodor
Nöldeke nahm 1898 an, daß der ursprüngliche Name des Berges Kardu (von
Gordiene) gewesen sei.[7]
Er könnte auch mit dem in frühen syrischen erwähnten Qardū,[8]
dem Land, in dem Noahs Arche landete, identisch sein. Mehrere Forscher
haben den Cudi als Landeplatz der Arche Noah in Betracht gezogen,
namentlich David Rohl, Bill Crouse, Charles Willis
und Timo Roller[9]«
[Aus Wikipedia. Cudi Dağı.]
Nur noch mit leichter
Ironie kann man heute die „ernsthafte Suche“ nach Überresten der Arche
Noah betrachten, die immer mal wieder in die Schlagzeilen gerät.[10]
»Welch Geistes Kind sind diese
fundamentalistischen Bibelgläubigen, die unbeirrt am Berg Ararat nach der
Arche suchen? Unmittelbar vor dem Aufbruch zu einer eigenen Reise in die
Türkei reizt mich dieser Artikel doch dazu, den Unfug einmal ernst zu
nehmen und an einige, bei Archäologen und Orientalisten unstrittige
Sachverhalte zu erinnern (damit nicht ein neuer Noah-Massentourismus diese
großartige Landschaft „überschwemmt“):
Der Ararat an der nordöstlichen Grenze der
Türkei hat mit dem biblischen Berg Ararat, der in den alten Schriften zwar
ähnlich lautet, aber erst in einer später unverstandenen Textüberlieferung
dem nun nur noch bekannten Ararat sprachlich angeglichen wurde, nichts zu
tun. Der biblische Ort, der nicht mehr widerspruchsfrei zu lokalisieren
ist, liegt im Zweistromland und ist sicherlich einer der Hügelzüge, die
auch bei katastrophalen Überschwemmungen trocken blieb. Der türkische Berg
Ararat hat seinen Namen von dem altorientalischen Reich Urartu, das in
anderem zeitlichen Kontext zwar auch im Alten Testament erwähnt wird,
niemals aber in der Namensform Ararat.
Und im Übrigen: muss Bibelglauben auch
bedeuten, den Sintflut Text so zu verstehen, dass es auf einmal auf der
Erde Wassermassen gab, die die Erdoberfläche in einer Mächtigkeit von 5000
m überdeckten und dann wieder spurlos verschwanden?
An solchen Absurditäten sollte auch echte
Gläubigkeit nicht hängen (vor allem, da die Originalüberlieferungen etwas
ganz anderes meinen). Die Sintflut Überlieferung, von ihrem viel
bedeutsameren ethischen Aussagewert einmal abgesehen, bezieht ihren
Realitätsgehalt aus einer oder mehreren katastrophalen Überflutungen, die
das Zweistromland tatsächlich kannte. Dass andererseits am türkischen
Ararat Artefakte zu finden sind, ist bei einem so alten Kulturland nicht
verwunderlich – eher, wenn man nichts Derartiges fände. Was aber immer
gefunden wird: die „Arche Noah“ kann es nicht sein.«
[Leserbrief Frankfurter Rundschau – Noah
Ararat 20.10.89[11]].
Sinn-Suche
Es gehört zu den
anthropologischen Grundtatsachen, dass der Mensch nach dem Sinn fragt für
das, was er erlebt, erduldet und erleidet. Vor der Entwicklung abstrakter,
auf Kausalitätsbeziehungen abhebender Denkstile, war die Erklärung der
Realität der Versuch einer Antwort nach dem Sinn des Erfahrenen. Es ist
dabei folgerichtig, dass
-
Sinn in der Annahme eines sinngebenden
Verursachers,
-
in der Annahme der Beseeltheit aller
Realität – dem Animismus – und
-
in der Annahme, dass das Erlebte und
Erlittene auf die eigene Person sinnvoll gerichtet ist – als Lohn oder
Strafe – gesucht und gefunden wird.
Die Erklärung durch „Naturgesetze“, Zufall und
Wahrscheinlichkeit und vom Menschen unabhängige Kausalität setzt ein neues
Distanzierungsvermögen voraus, das die Realität als äußere Entität
begreift, die nicht auf die Befindlichkeiten der Person bezogen ist. Das
setzt einige Schritte der Kulturentwicklung, anfänglich auch eines
Zivilisationsprozesses voraus, deren wichtigste sind:
-
Entwicklung der schriftlichen Überlieferung.
-
Professionalisierung des Denkens mit dem
Übergang von der Theologie zur Philosophie.
-
Fortschritte in der „Beherrschung der Natur“
durch Technik und Entwicklung einer Naturwissenschaft.
Es ist hier nicht der
Ort, die grundlegenden gesellschaftlichen Umwälzungen seit der klassischen
Antike nachzuzeichnen, die diese Entwicklung möglich machte.
Zurückzugreifen ist aber vielleicht auf das Aperçu nach einem
Nietzsche-Zitat, das sich unter anderem im Aphorismus 125 der Fröhlichen
Wissenschaft findet: „Gott ist tot“. Wie kann das aber interpretiert
werden? Zum einen postuliert es die ersichtliche Unmöglichkeit des
Postulats der „Letztbegründung“ in einer wissenschaftlichen Philosophie –
wobei „Gott“ für die unfassbare „Letztbegründung“, das „Absolutum“, steht
– und zum anderen die neue Aufgabe der Philosophie, Sinn und Werte nach
eigenen Maßstäben zu entwickeln: „Alle Wissenschaften haben nunmehr der
Zukunfts-Aufgabe der Philosophen vorzuarbeiten: diese Aufgabe dahin
verstanden, dass der Philosoph das Problem vom Werthe zu lösen hat, dass
er die Rangordnung der Werthe zu bestimmen hat“ [Nietzsche: Zur
Genealogie der Moral[12]].
Letztlich ist dies
eine unlösbare Aufgabe, und in diese „Unlösbarkeit“ hinein stößt auch
heute der Anspruch der Religionen, das Bedürfnis nach Sinn-Suche beim
einzelnen Menschen zu befriedigen, so auch ethische und moralische Hilfe
und Wegweisung zu leisten.
Aus der
Unauflösbarkeit dieses Widerspruchs ergibt sich die Philosophie des
Rechtshistorikers und Psychoanalytikers Pierre Legendre.
»In der christlichen Ordnung der Welt ist der
Vater der Ursprung der Dinge und damit der Ursprung der Gesetze. Diese
biblische Fiktion können wir nur durch aktualisierte, durch variierte
Fiktionen ersetzen. Das Volk, so lautet unsere heutige Fiktion, ist der
Ursprung unserer Gesetze und autorisiert unsere Rechtssprüche. Wir glauben
an das Volk, es ist unvermeidlich, aber strukturell ist dies das gleiche
wie der Glaube an Gott.
Man könnte natürlich auch fragen: Warum muß
ausgerechnet der Glaube diesen Ursprung bezeichnen und verwalten?
Antwort: Es gibt nichts anderes. Wo das Rätsel regiert, dort verwaltet der
Glaube. Und merkwürdigerweise ist der Glaube eben jene Kraft, die der
anderen Kraft, die die Welt regiert, antwortet: der Macht. Eine Macht ist
eine Unternehmung, die Schriften hervorbringt, heißt es in einer lapidaren
Definition Legendres. Für die Wahrheit des Parallelenaxioms würde niemand
in den Krieg ziehen. Nur der Glaube geleitet uns in den Krieg und in den
Tod. Und gerade das ist nach wie vor die Funktion der Institution, die
schreibt und sich einen dogmatischen Grund gibt: den Menschen ins Leben
und in den Tod zu geleiten.«
[Manfred Schneider]
Beenden wir unsere
Überlegungen – ohne greifbares Ergebnis, aber mit Herausarbeitung der
Widersprüche und Rätsel – mit einem Gedicht von Gottfried Benn[13]:
Durch so viele Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?
Dies ist eine Kinderfrage.
Die wurde erst spät bewußt.
Es gibt nur eines: ertrage
– ob Sinn, ob Sucht, ob Sage –
dein fernbestimmtes: Du mußt.
Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge, die Leere
und das gezeichnete Ich.
Die Genese von Völkern und Symbolsystemen
Im Ursprung gab es
Gentes, Stammesidentitäten aus denen sich die Identitäten von Völkern
entwickelten, nachdem sich diese vergrößert, d.h. die Menschen vermehrt
hatten, sowie auch durch Vereinnahmung unterworfener oder angeschlossener
Volksgruppen. Es stellt sich die Frage nach dem Volk (z.B. der
Juden), nach Gemeinschaften.
Die Überklammerung
erfolgte in vielen Fällen durch vergegenständlichende Symbolgestalten,
die als Götter verstanden und bezeichnet wurden. Es konnten auch sog.
„heilige Tiere“ oder Phantasiegestalten sein, die oftmals aus der
überhöhten Phantasie aus Tiergestalten erwuchsen: feuerspeiender
Drache, fliegender Drache, Phönix,
fliegende Schlange, weißer Hirsch oder weißer Adler
etc., also Phantasiegestalten, die oftmals zusammengesetzten
Wahrnehmungen, Beobachtungen oder sog. Erscheinungen (Träumen)
entstammten. Alle hatten die Funktion einer Überklammerung einer
kleineren oder größer werdenden Gruppe, einer Figuration.
Wenn man in die
schriftlose Vorzeit zurückgeht, trifft man auf die Kultur der
Höhlenzeichnungen, z.B. in Lascaux[14].
Es war eine Kultur der Jäger. Die Bilder an den Höhlenwänden machen
deutlich:
-
die Jäger identifizierten sich mit dem
gejagten Wild,
-
die Jäger empfanden Furcht (und Ehrfurcht)
vor dem gejagten Wild,
-
die Jäger versuchten mit ihren Bildern das
Wild zu bannen und
das getötete Wild – dessen
Seele im Sinne des Animismus als real wirkend verstanden wurde – zu
besänftigen.

Wandmalerei aus Lascaux
Dabei bildeten sich
Identifikationsmythen heraus, indem bestimmte Tierarten als überlegen
und doch der Gruppe zugehörig wahrgenommen wurden: sie wurden die
Symboltiere – d.h. später: die Götter – des Stammes. Im
Übergang zu späteren Formen des Monotheismus wandelte sich diese
Gottgleichheit eines bestimmten Tieres in ein Tabu – ein Tier, dessen
Verzehr und Verwendung verboten wurde. So ging es wohl im Nahen Osten mit
dem – unzweifelhaft schon früh als besonders klug und „menschenähnlich“
beobachteten – Schwein. Es ist also anzunehmen, dass das spätere
Schweinefleischverbot im Judentum und Islam religiöse Gründe aus der
Vorzeit hatte und keinesfalls – im Sinne einer späteren Rationalisierung –
hygienische oder gesundheitliche Risiken eine Rolle spielten.
Man anerkannte die
jeweiligen Götter der benachbarten Gruppierung, mit der man sich oftmals
in Konkurrenz befand; im Kampf wurde daraus der Feind.
Bekannt sind Freund/Feind-Bilder; der Gast, der zugleich der
potentielle bzw. vermutete Feind ist. Man vergleiche:
Gastfreundschaft, Gastrecht als die gegenseitige Akzeptanz der
Regel, dass ein Kampf an diesem Tage, in dieser Nacht unterbleibt; das
Waffenablegen vor dem Haus, das Grüßen mit der offen gezeigten Hand, der
sog. Waffenhand, u.v.a.m. Ein Beispiel dafür aus dem Nahen Osten ist das
Friedensgebot beim Besuch heiliger Stätten, z.B. für die
vorislamische wie islamische Welt vom Heiligtum in Mekka, das auf gewisse
Zeiträume, die für die Pilgerfahrt (Hadj)[15]
vorgesehen sind, ausgedehnt wird. Das zeigt aber auch, dass ein Gebot wie
„Du sollst nicht töten“ aus den „Zehn Geboten“ des Alten Testaments nicht
die universale Bedeutung hat, die ihm heute oft theologisch zugesprochen
wird, sondern das Friedensgebot für die Stammesmitglieder
untereinander beinhaltete.
Man anerkannte
zugleich die negativen Symbolgestalten der anderen und damit auch deren
Tabu-Funktionen, z.B. das Verbot, Schweinefleisch zu essen.
Es entstanden Methoden und Machtmittel zur Gruppen-Definition und
-Abgrenzung. Kennzeichnend ist, dass derartige Regeln, Verbote,
Tabus etc. logisch nicht ableitbar sind. Vermutlich entstammen sie bereits
vorzeitlicher Praxis, den Vorstellungswelten der frühen Menschen, ihrem
Denken und Handeln.
Es entwickelten sich
positive Regeln (man soll, man muss) und andererseits
negative Regeln (man darf dieses und jenes nicht tun). Also
Gebote und Verbote! Klarer formuliert: »Man« hat alles
dieses getan, es ist nur nicht mehr nachweisbar, wer es vollbracht hat und
wann in welchen Zeitabläufen es geschehen ist. Ein Theologe benutzte gern
als Kommentar zur Genese der Zehn Gebote: „Sie sind nicht einfach vom
Himmel gefallen.“[16]
In den
innergesellschaftlichen Machtkämpfen also innerhalb verdichteter
Gesellschaften, wie auch zwischen den jeweils benachbarten, in unserem
Kulturkreis, dessen Ursprung im Vorderen Orient liegt, entwickelte sich
die Überhöhung von Gottheiten, bis zum Einen, die eine Abstraktion ins
Transzendente darstellte. Über den Zusammenhang dieses Prozesses mit der
Entwicklung und Wandlung der Lebensformen – beim Judentum der Rückkehr zur
nomadischen Lebensform nach dem „Auszug aus Ägypten“[17]
– werden wir noch später berichten.
Methode und
Gestaltungsprozess war wahrscheinlich die Zusammenführung von Weltlicher
und Göttlicher Macht im Ägypten der Pharaos. Vermeintlich war es
Tut-Ench-Amun, der sich als erster als den Alleinigen Gott
definierte und damit die Religiöse und Weltliche Macht in seiner Person
zusammenführte, diese auch beanspruchte und damit eine in sich
geschlossene Herrschaft ausübte. Zum Vergleich: Der Kaiser in Japan war
Gott und Kaiser bis 1945. Die erzwungene Ablegung der Gotteseigenschaft
war eine Bedingung der Siegermächte.
Vermutlich haben die
Juden dieses Bild nach ihrer Ausreise/Auswanderung aus Ägypten übernommen,
die als „Flucht aus Ägypten“ mythisiert und mythologisiert wurde. Man kann
den Beginn der Herausbildung der Eingott-Vorstellung ca. drei
Tausend Jahre zurückdatieren. Dieser Übergang war zweifellos ein hoher
qualitativer Entwicklungssprung in diesen Gesellschaften.[18]
Er entsprang Legitimierungsansätzen der eigenen jetzt wieder neu
unabhängig ausgeübten Herrschaft, Versuchen zu Plausibilitäten. Es galt,
nicht Erklärbares den Menschen plausibel zu machen, es ihnen scheinbar zu
erklären und verständlich zu machen. Man benötigte Scheinerklärungen zur
Rechtfertigung in der gegebenen Situation. Der hier Verwendete Begriff
„Scheinerklärungen“ ist jedoch problematisch, da er unsere eigenen
„Erklärungen“ der Natur und Gesellschaft für Realität postuliert, obwohl
auch unser eigenes Denken nur augenblicklicher Stand einer geistigen
Entwicklung ist und weiterhin mythische Elemente unser Alltagsbewusstsein
– aber auch die angeblich „objektive Wissenschaftlichkeit“ – bestimmt.
»Heute kettet sich das Leben
an die Wissenschaft, weil die Wissenschaft eine Religion ist. Wie der
große amerikanische Rechtshistoriker Harold J. Bennann in seinem
Buch von 1983 The Formation of the Western Legal Tradition
dargestellt hat, liegt der Ursprung der westlichen Rechtstraditionen in
der Revolution Papst Gregors VII. (1073-1085). Die wichtigste, bis heute
wirksame Reform im Gefolge Papst Gregors bildete die erste systematische
Darstellung der römisch-christlichen Rechtstradition durch den Bologneser
Mönch Gratian um 1140: das Corpus iuris canonici. Sowohl die Methode als
auch die materiellen Grundsätze dieses Buches blieben in der
Rechtstradition des Westens erhalten.
Doch damit nicht genug.
Die Methodik der neuzeitlichen Wissenschaften, einschließlich der
Naturwissenschaften, entstammt dieser juristischen Revolution. Es war der
Jurist Robert Grosseteste, der im Übergang vom 12. zum 13.
Jahrhundert das methodische Instrumentarium der Rechtswissenschaft auch
auf Naturphänomene anwandte. Sein Schüler Roger Bacon prägte den Begriff
„Naturgesetz“. Was unsere Schulweisheit noch träumt und was die
Naturwissenschaft wieder zu den Akten legt – die Natur von Gesetzen
regiert zu denken –: das ist nach wie vor das juristische Unbewußte der
Wissenschaft. Und unser gesamtes kulturelles System trägt ein solches
Unbewußtes in sich.« [Thesen nach Pierre Legendre von Manfred
Schneider.[19]]
Man definierte das
Ausbrechen aus der ägyptischen Herrschaft als Stärke des Eigenen Gottes
– der aber erst in diesem historischen Prozess zum Alleinigen
Gott wird. Dieses hatte eine Legitimierungsfunktion für die sich neu
etablierten Machteliten im Volk Israel, die wiederum ihre Herrschaft über
die intellektuellen Eliten stabilisierten, die ihrerseits sich immer mehr
zu religiösen Eliten umbildeten, um es in der modernen Sprache zu sagen.
Die Herausbildung der Priesterkaste in ihrer Mehrfachfunktion erfolgte
langsam in Entwicklungsschüben.
In dieser Phase einer
Bildung eines Herrschaftsgebietes mit sich ständig erhöhendem
Organisationsgrad bildete sich zeitlich parallel die Vorstellung des
Alleinigen Gottes heraus.
Als Wesentlich
erscheint dabei: Die ursprüngliche Definition des Judentums war: Jude
ist, wer eine jüdische Mutter hat. Diese bis heute gültige Definition,
ist zweifellos eine biologische (biologistische). Sie wurde überlagert
durch die zunehmend wirksam werdende religiöse Definition: der Glaube an
den gleichen Gott, aus dem der Alleinige Gott (aller
Menschen) erwuchs. Die Definition des „jüdisch Seins“ wurde also
nicht ersetzt, sondern durch Überformung ergänzt.
»An dieser dogmatischen
Lösung eines Dilemmas zeigt sich, wie Legendre betont, daß die juristische
Normierung (der „zureichende Grund“) der Fortpflanzung in unmittelbarem
Bezug zu den Regeln der philosophischen Logik steht. Der „zureichende
Grund“, definiert Leibniz in der Monadologie, erklärt eine Tatsache oder
Aussage für wahr, ohne daß uns der Grund wirklich bekannt wäre. Denn
unsere Rationalität setzt allenthalben ein Verhältnis von Ursache und
Wirkung. Die Welt besteht überhaupt nur aus Dingen und Sachverhalten, die
eine causa haben. Wer ist aber der Einrichter der causa, was ist die causa
des Prinzips der Kausalität? Hier endet die Dekonstruktion. Aber hier
setzt die Arbeit der Juristen ein. Allein an der Position des Vaters
beginnt und endet die Ratio. Der absolute Vater ist der Ursprung seiner
selbst. Ein Ding ohne Ursache zu denken, das wäre sonst der Gegensatz von
ratio, nämlich Demenz. Hand in Hand definieren Juristen, Theologen und
Philosophen, was Wahnsinn ist, nachdem sie definiert haben, was Vernunft
ist.
In der christlichen
Ordnung der Welt ist der Vater der Ursprung der Dinge und damit der
Ursprung der Gesetze. Diese biblische Fiktion können wir nur durch
aktualisierte, durch variierte Fiktionen ersetzen. Das Volk, so lautet
unsere heutige Fiktion, ist der Ursprung unserer Gesetze und autorisiert
unsere Rechtssprüche. Wir glauben an das Volk, es ist unvermeidlich, aber
strukturell ist dies das gleiche wie der Glaube an Gott.« [Thesen nach
Pierre Legendre von Manfred Schneider.[20]]
So entsteht nicht nur
beim Judentum, sondern in vielen Gruppen des frühen Nahen Ostens ein
doppelter Bestimmungsgrund: für das Alltagsleben ist die strikte
Rollenverteilung nach Geschlechtern verbindlich – wie sie den
Rollenerfahrungen der Nichtstaatsgesellschaften zwischen „Kampf“ und
„Jagd“ auf männlicher Seite und Haushaltsführung („Herrschaft im
Haus“) und Nachkommenschaft der weiblichen Seite – entsprach. In der
späteren türkischen Gesellschaft entwickelt sich daraus ein kompliziertes
Geflecht aufeinander bezogener Vorstellungen von „Ehre“, wie sie von Elçin
Kürşat dargestellt wird:
»Männliche Ehre hat
stets mit Demonstration, Kampf und Wettbewerb, vor allem mit der
Reputation und dem Ruhm eines Mannes zu tun, der fähig ist, seinen
Haushalt, seinen Besitz und seine Frauen gegen die Übergriffe anderer
Männer zu schützen. Das Normensystem beinhaltet eine scharfe
Rollentrennung; „männliche“ und „weibliche“ Ehre sind völlig verschieden.
Für Frauen baut es auf Keuschheit, sexuelle Reinheit, Zurückgezogenheit,
Gehorsamkeit und Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Mann auf. Aber für
den Mann gilt ein Normensystem von Kampfesmut, Kampfbereitschaft,
Tapferkeit, Geistesgegenwart und selbstbewusstem Auftreten. In allen
Kriegergesellschaften, bzw. noch nicht befriedeten Gesellschaften, waren
und sind Frauen den Männern unterlegen. Die Verrechtlichung und die
langsame Emanzipation der Frauen setzte in der Geschichte den
Machtverlust der Kriegerschicht gegenüber dem Zentralsaat und die
Pazifizierung der Gesellschaft voraus (Elias 1976, Bd. 2, S.
88-120).[21]
Erst nach der staatlich durchgesetzten Befriedung, Entwaffnung und somit
einer relativen Herabsetzung des Gefahrenniveaus im Zusammenleben der
Menschen sind Bedingungen für die geschlechtliche Gleichberechtigung
entstanden. Der Schlüsselbegriff des Ehrenkodex für den Mann ist
„Virilität“, für die Frau „Virginität“, also Jungfräulichkeit, die die
Fähigkeit des Mannes symbolisiert, Frauen der Familie zu schützen. Der
Mann muss als Hüter seiner „geheiligsten Objekte“, d.h. des Hauses, der
Frauen und des Gewehrs (Bourdieu 1972, S. 34), stets in der Lage
sein, die Herausforderungen des Rivalen anzunehmen und sie mit den eigenen
Kräften zu neutralisieren. Der „Ehrenmann“ muss also im Alltag ständig „in
Form“ sein. Die Tücken der „Honor and Shame Society“ erlauben keine
Entspannung (Peristiany 1965, S. 14).[22]
Die Ehre der Frauen der eigenen Gruppe – in erster Linie der eigenen
Familie und Verwandtschaft – muss stets bewacht und kontrolliert werden,
denn die Frauen sind physisch und moralisch schwach. Da die Ehre des
Mannes von der Ehre der weiblichen Familienangehörigen abhängt, werden
Frauen als potentielle Gefahrenquelle und mit Misstrauen angesehen. Bei
der z.B. arbeitsbedingten Abwesenheit der Männer üben in Ausnahmefällen
auch die älteren weiblichen Familienangehörigen die Kontrolle aus, deren
Ehre nicht mehr verletzbar ist, weil sie aus dem kulturell definierten,
geschlechtlich aktiven Lebensalter heraus gekommen sind. Diese
Überwachungs- und Schutzfunktion der Männer legitimiert und begründet die
männliche Autorität. Eine Frau, die sich in mediterranen Gesellschaften
allzu oft in der Öffentlichkeit zeigt oder die durch demonstratives
Verhalten auffällt, wirkt stets suspekt. In den traditionellen
Agrargesellschaften des Mittelmeerraumes kann für Frauen bereits die
außerhäusliche Arbeit, wie etwa die Tätigkeit in der Landwirtschaft, einen
Ehrverlust bedeuten. So berichtet Davis, dass die Einwohner Pisticcis (Lukanien)
bei der Tabakernte in der Regel fremde eingewanderte Arbeitskräfte
einsetzen, um die Ehrbarkeit der eigenen Frauen nicht in Gefahr zu bringen
(Davis 1973, S. 106[23]).«[24]
Auf der anderen Seite
steht aber das die Stammesidentität sichernde matrilineare Prinzip,
das die Zugehörigkeit zum „Volk Israel“ und die Erbregelungen bestimmt.
Wir sehen, dass
biologische Unterscheidungskriterien für unsere Beispiele eine
entscheidende Rolle spielen, sollten uns aber klar machen, dass diese
seinerzeit nicht als „biologisch“, sondern als sozial bzw.
ethisch-religiös verstanden worden sind. Neben die geschlechtsspezifische
Rollenverteilung tritt bei vielen Stämmen im Nahen Osten die
Abstammungsregelung, die oft „matrilinear“ – nach dem Rechts- und
Erfahrungssatz „Mater semper certa est“ – ausgestaltet ist und
damit eine größere Sicherheit im Zusammenhalt des Stammes- und
Familienzusammenhalts bot.
»Das lateinische
Rechtssprichwort Mater semper certa est (die Mutter ist immer sicher)
bezieht sich auf die Mutter im Rechtssinne. Mutter des Kindes ist die
Frau, die es geboren hat… Der lateinische Rechtsspruch aber geht weiter.
Nach der früher einfachen Aussage über die Person der Mutter kommt das
eigentliche Rechtsproblem, nämlich die Feststellung des Vaters.
Eigentlich gilt ja: „pater semper incertus est“ – der Vater ist immer
ungewiss, denn für den Vater gibt es kein mit dem Austritt der
Leibesfrucht aus dem Mutterleib gleichwertiges äußeres Beweiszeichen
seiner Vaterschaft. Es bleibt immer die Möglichkeit, dass jemand anders
als der Ehemann der wahre Vater ist. Um einer solchen Rechtsunsicherheit
vorzubeugen, heißt es: „pater est, quem nuptiae demonstrant“ – Vater ist,
wer durch die Heirat als solcher erwiesen ist. Das bedeutet: In Ansehung
der während einer bestehenden Ehe erzeugten Kinder gilt der Ehemann der
Mutter als Vater der Kinder, solange die Vaterschaft des Ehemanns nicht
erfolgreich vor Gericht durch eine Vaterschaftsanfechtungsklage (früher:
Ehelichkeitsanfechtungsklage) angefochten wurde.« [Wikipedia. Mater
semper certa est.]
Traditionelles
Matriarchalisches Recht – wie in der Abstammungsregel bei den Juden,
jedoch nicht unbedingt im „öffentlichen Alltag“, der durchaus
patriarchalische Züge trägt[25]
– steht nach wie vor in Konkurrenz zur überlagernden, religiös-mythisch
abgeleiteten Gruppen- bzw. Volksdefinition. Beide stehen im Abwehrkampf zu
dem Anspruch des Staates, die Volkszugehörigkeit modern zu definieren. Es
gibt bis heute in Israel kein über eine Verfassung definiertes
Staatsbürgerschaftsrecht. Moderne Israeli trennen zwischen ihrer
Zugehörigkeit zum Staat und der Religion, zumal wenn sie sich als
Religionslose verstehen, andere Angehörige orthodoxer Gruppen bestehen auf
dem archaischen Recht. Die traditionellen Zugehörigkeitskriterien bestehen
in heutiger Auffassung in biologischen Zugehörigkeitsbezügen. Die
Relativierung durch die Eigenwahrnehmung in der frühen Zeit wurde schon
angesprochen. So wäre eine Beschreibung als „biologistische Kategorie“
nicht sachgerecht. Erst in der Entstehung der Staatsgesellschaft[26]
entwickeln sich bewusste biologische Kriterien zur Außenabgrenzung der
entstehenden „Nationen“. Der dabei gesuchte Bezug zu einer „Tradition“ der
jüdisch-christlichen Volkskategorie ist wohl als legitimatorischer
Mythos anzusprechen. Doch verstärkt dieses Traditionskonstrukt die
Wirksamkeit biologistischen Denkens. Wir wissen, welche Bedeutung und
bösen Folgewirkungen der Biologismus im 19. Jahrhundert und danach hatte.
Am Beispiel der Juden in Europa kann man die Entwicklung verdeutlichen.
In der Neuzeit
erfolgte über die Duldung der Juden deren Einordnung als Untertanen
die der Pflicht zu Abgaben bzw. Steuern unterlagen. Als spätere Folge
ergab sich die Einbeziehung in die Staatsbürgerschaft wie die
Zugehörigkeit zur jeweiligen Nation. Letzteres geschah oftmals um den
Preis der Aufgabe der religiösen jüdischen Identität und die Übernahme der
neuen christlichen. Zumeist geschah diese Taufe aus strukturellem, wenn
nicht gar physischem Zwang heraus, ein Überlebensmechanismus schlechthin.[27]
Die neue Überklammerung schloss nicht aus eine verzögerte, verhinderte
Ausgrenzung aus der Volkszugehörigkeit der jeweiligen
Mehrheitsgesellschaften bis hin zu Diskriminierungen als in vielen
europäischen Gesellschaften nachweisbares Phänomen. Bis heute tut sich
auch die Gesellschaft der in Israel lebenden Menschen [der Israelis, der
Juden?] schwer, zu einer modernen einheitlichen Definition zu kommen.
Die Anhänger des
(vermutlich hingerichteten[28])
Wanderpredigers und Heilers, Jesus von Nazareth, des Gesalbten
(Christos), wie sie ihn nannten, der in einer alten jüdischen Tradition
der Prediger und Propheten stand, definierten sich selbst nach diesem und
fühlten sich als Christen. Inwieweit letztere eine von „außen“
kommende Bezeichnung ist (den herrschenden Römern oder Nachbarvölkern,
bzw. deren Völkern. in die sie nach dem Jahre 70 u. Z. hinein diffundiert
sind), mag schwer zu klären sein, ist aber auch nachrangig.
Die frühen Christen
verstanden sich eine lange Zeit noch als jüdische Gruppe /
Gemeinschaft, aus der nach und nach eine eigenständige
religiöse Sekte wurde. Gleichzeitig überlagerte die Definition der
Glaubenszugehörigkeit diese Gruppe und bildete die entscheidende Klammer,
der Glaube bestimmte die Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe. Aufgrund ihres
Missionierungsgebotes [„gehet hin und lehret…“] wurde die jetzt
neue Überzeugungs- bzw. Bekenntnisreligion zur neuen entscheidenden
Klammer von immer mehr Menschen. Das Mutterrecht verschwand bei
dieser Gruppe parallel zur Zu- bzw. Unterordnung im Römischen Reich. Dort
waren sie wesentlich als Arbeitskräfte und Steuer- bzw. Tributzahlende
interessant. Sie waren bald keine Juden mehr, nur noch Christen, im
Römischen Reich lebende Menschen minderen Rechts.[29]
Die Menschen, die sich als Juden verstanden, definierten sich weiterhin
über das Mutterrecht einerseits und die Anerkennung der Thora
andererseits.[30]
Symbol sind die Thorarollen, die als heilig verstanden werden. Die
weltlichen Regeln der Juden sind zunächst mündlich überliefert worden und
in der Diaspora aufgeschrieben worden. Sie sind im Talmud enthalten.
Die aus ihrem Lande,
ihren Wohngebieten, den Lebensbereichen vertriebenen Juden, die in den
nördlichen, südlichen und östlichen Mittelmeerraum wanderten, in die
heutigen arabisch überformten Regionen, blieb die traditionale
mutterrechtliche Definition und zunehmend entwickelte sich die religiöse.
In diesem Zusammenhang erhöhte und verfestigte sich die Bedeutungswirkung
des Eingottes. Der Monotheismus bekam die gleiche hohe Bedeutung,
nunmehr für Juden und Christen, die sich als ehemalige Brüder bzw.
Volksangehörige[31]
recht feindlich gegenüber standen.
Aber dieses ist ein
eigenes spezielles Kapitel. Wesentlich bleibt aber: es handelt sich nach
wie vor um den identischen Einen Gott.
Auf der Basis der
Facetten der jüdisch-christlichen Kultur, wobei das überwiegend Gemeinsame
und weniger das noch Verbindende des Trennenden zu betrachten ist,
entwickelte Mohammed – vermutlich zusammen mit seinem Team anderer
befreundeter Schriftkundiger – die Neuformulierung der Geistesgeschichte
der damaligen Zeit, den Koran. Dieser stellt nicht nur eine neue
Zusammenstellung der bisherigen Mythen, Erzählungen, Legenden der
jüdischen und christlichen Kultur als Basis und Bezugsgröße dar. Man hat
jetzt, im siebenten Jahrhundert. u. Z. das in zwei bis drei Tausend Jahren
herausgebildete alte Regelsystem des jüdisch-phönizischen Kulturraumes in
Ergänzung zu dem von Christen entwickelten, neu diskutiert und ergänzend
definiert. Insofern ist der Koran ein für das siebente Jhdt. modernes
gesellschaftliches Regelwerk. Er umschließt also ein moderneres religiöses
Symbolsystem und zugleich ein weltliches Normensystem.[32]
Als wesentliche Basis
bleiben der Monotheismus und die jeweilige Definition als
Bekenntnisreligion verbunden mit dem Missionierungsgebot.[33]
Dass letzteres zugleich eine Legitimierungsfunktion darstellt für die
Eroberung benachbarter Territorien und damit die Ausdehnung des eigenen
Herrschaftsgebietes, ist ein anderes Phänomen, damit aber untrennbar
verbunden.[34]
Die Tatsache, dass die
Gottesdefinition (Allah) nicht von vornherein, bzw. nur im Ursprung, als
identisch mit der jüdisch-christlichen angesehen wird, hat seinen Ursprung
wesentlich in der Funktion zur Ausgrenzung, Abgrenzung und damit zur
Legitimierung des eigenen Herrschaftsbereiches über eine neue Religion.
Wenngleich dieses vor allem für die frühe Eroberungsphase islamischer
Herrscher galt. Später wäre es zur Feinbildproduktion nicht mehr nötig
geworden, hat aber seine Wirkungsmächtigkeit bis heute erhalten. Im
Zusammenhang mit der Feindbildproduktion steht dessen zentrales Bild der
als ungläubig bezeichnete und damit herab gestufte Feind, der zu
bekämpfen und zu bekehren ist, in der Regel mit physischer und auch
psychischer Gewalt.
Angesichts der
erheblichen Gemeinsamkeiten, resultierend aus den identischen
kulturell-gesellschaftlichen Wurzeln, der Konkurrenten und sich
gegenseitig bekämpfenden, resultiert die Notwendigkeit bzw. der Zwang zur
Abgrenzung. Hierzu dient die Symbolebene auf der Regeln geschaffen werden:
Formen des Gebetes, der Gesänge, der Gottesdienste.
Für den Islam
bedeutete das z.B. Postulierung und Verhängung des Bilderverbotes.[35]
Manche, insbesondere kleinere Religionsgruppen verhängen Verbote zur
Ausübung gemeinsamer religiöser Praxis. Man verbot gemeinsame Gebete und
Gesänge und gar das Betreten anderer Gotteshäuser. So soll es Juden und
Zeugen Jehovas verboten sein, christliche Kirchen zu betreten. Die Ökumene
hat in diesem Zusammenhang viel Positives und Entspannendes bewirkt. Für
Christen unterschiedlicher Konfessionen ist das Betreten und der
gemeinsame Gottesdienst kein Problem mehr, abgesehen von Vorbehalten der
katholischen Kirche z.B. beim Abendmahl.
Man entwickelte eigene
Rituale und Bestimmungen in der Kleiderordnung: Die Beschneidung von
Jungen im Islam, übernommen von den Juden, oder das Kopftuch für
muslimische Frauen.[36]
Man grenzte sich über
Erkennungszeichen gegenüber anderen ab. Dazu gehört z.B. das Läuten von
Glocken bei Christen und das zum Gebet rufen bei Muslimen. Es wird heute
zumeist als Tradition wahrgenommen, hat aber eine
Disziplinierungsfunktion: Man sieht, wer in das Gotteshaus, die Kirche,
die Moschee geht, wer also die Regeln befolgt – und wer nicht! Eine
wirkungsvolle gesellschaftliche Kontrollmöglichkeit für Klerus und
Obrigkeit.
Die Entstehung des
Monotheismus ist eng verbunden mit der Ethnogenese des „jüdischen
Volkes“, wie sie in mythischer Form bei Mose im Alten Testament
dargestellt wird. Schlüsseltext dazu ist die Erzählung über die „vierzig
Jahre dauernde Wanderung“ der „Kinder Israel“ durch die Wüste Sinai nach
ihrem „Auszug aus Ägypten“.
-
When Israel was in
Egypt’s land: Let my people go, Oppress’d so hard they could not stand,
Let my People go. Go down, Moses, Way down in Egypt land, Tell old
Pharaoh, Let my people go.
-
Thus saith the Lord bold
Moses said: Let my people go, If not I’ll smite your firstborn dead. Let
my People go. Go down, Moses,…
-
No more shall they in
bondage toil. Let my people go, Let them come out with Egypt’s spoil!
Let my People go. Go down, Moses,…
-
O let us all from bondage
flee. Let my people go, And let us all in Christ be free. Let my
People go. Go down, Moses,…
Der Moses-Mythos
gehört zu den grundlegenden Bildern und Vorstellungen der Glaubenswelt der
monotheistischen (abrahamitischen) Religionen und tritt in immer neuer
Form in die Gegenwart. Im Spiritual „When Israel was in Egypt’s
land“ zeigt sich eine Verwendung als Symbol der Hoffnung der
Beendigung der Sklaverei in Nordamerika… In unserem nächsten Beispiel zum
„Nachdenken über…“ einen Mythos wählen wir daher die Erzählung über
die Wanderung der „Kinder Israel“ durch die Wüste des Sinai, in dem sich
die divergierenden Aspekte der Rolle eines Mythos besonders deutlich
herausarbeiten lassen.
Nachdenken über…
…den Sinai, die vierzig
Jahre und die Ethnogenese eines Volkes
Eine
Fahrt über den Sinai
»Samstag, 18. Juli: Aqaba’:
Beschaffung der Fährtickets, gegen Abend Einschiffung auf der „Mekka I“
nach Nuweiba {Ägyptische Grenze}; Nuweiba: Zollabfertigung bis in den
frühen Morgen. Sonntag, 19. Juli: Morgenrast an der Straße hinter Nuweiba.
Fahrt durch den Sinai; Katharinenkloster; Feiran; Abu Rudeis. Übernachtung
bei Abu Rudeis am Golf von Suez im Gelände. Montag, 20. Juli: Abu Rudeis,
Suez-Kanal, Ismailia, Zagzig, Tanta, Alexandria. Behelfscampingplatz in
Abukir«[37].
Ja, tatsächlich – die Fahrt über
den Sinai, von Jordanien kommend, dauerte – mit unseren vier VW-Bussen und
zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern nur einen Tag. Doch wir waren am
Mosesberg, dem Djebel Musa, haben das Katharinenkloster gesehen – das
leider an diesem Tag nicht für Touristen zu besichtigen war – und sahen
Wüsten, schroffe Berge und grüne Dattelpalmoasen – und ab und zu
ausgebrannte Panzer neben der Straße: Der letzte Krieg zwischen Israel und
den arabischen Ländern war noch nicht allzu lange her. Das beängstigendste
Kriegsrelikt wurde uns aber erst bewusst nach unserer Übernachtung bei Abu
Rudeis – im fahlen Licht der beleuchteten Ölraffinerie in einem
Steppengelände am Bergfuß, etwas abgeschirmt vom Blick von der Straße
durch einen Dünenwall –, als wir bei der Abfahrt hinter uns die (in der
Dunkelheit übersehenen) Warnschilder entdeckten: Vorsicht,
Minengelände, Lebensgefahr!
Die „Heilige Zahl Vierzig“
Seit alters her werden bestimmten Zahlen
mythologische und religiöse Bedeutungen zugewiesen. In vielen Fällen sind
bestimmte Erfahrungsgrundlagen einsichtig, wenn auch nicht unbedingt
beweisbar. Es ist hier nicht der Ort, die grundlegenden „Heiligen Zahlen“
Eins, Zwei, Drei, Sieben, Zehn und
Zwölf, die auch heute noch Zeiträume gliedern und im Bewusstsein
verankert sind, näher zu erörtern, denn es geht hier um die Zahl
Vierzig, die im Alten Testament die Vierzig Jahre des Weges durch die
Wüste Sinai der Israeliten bezeichnet.
»Vierzig ist die Symbolzahl der
Prüfung, Bewährung, Initiation bzw. für den Tod. Als die verzehnfachte
Vier repräsentierte sie Vollkommenheit. Der Ursprung des
Vierzig-Tage-Rhythmus lässt sich in Babylonien suchen, wo eine Verbindung
des vierzigtägigen Verschwindens des Sternbildes der Plejaden hinter der
Sonne mit Regen, Unwetter und Gefahren beobachtet wurde. Bei der
Wiederkehr der Plejaden wurde als Zeichen der Freude ein Bündel aus
vierzig Schilfrohren verbrannt«. [Aus
Wikipedia. Vierzig.]
Ob diese Erklärung zutreffend ist, sei
dahingestellt. In der Bibel treten vierzig Tage und vierzig Jahre noch
mehrfach auf. Wikipedia stellt folgende Fälle in einer ersten Übersicht
zusammen:
»Vierzig Tage ist im
Alten Testament die Zeit der Sintflut, des Aufenthaltes des
Mose auf dem Sinai, die Zeit in der Ezechiel Israels
Fehlverhalten Einhalt gebietet, des Verbergens des Elija, sowie der
Prüfung für Ninive unter Jona.
Vierzig Jahre wanderten die
Hebräer durch die Wüste, lebten sie unter der Herrschaft der Philister,
währte jeweils die Herrschaft der Könige David und Salomo, und das
2. Buch Mose enthält vierzig Kapitel.
Im Neuen Testament lehrte der
auferstandene Christus vierzig Tage lang seine Jünger über das
Reich Gottes und wurde dann in den Himmel auf den Platz „zur Rechten
Gottes“ erhoben (Christi Himmelfahrt). Im Christentum währt daher die
Freudenzeit von Ostern bis Himmelfahrt vierzig Tage. Das vierzigtägige
Fasten Jesu hat außerdem Bedeutung für die Spanne der Fastenzeit vor
Ostern bzw. Weihnachten (Advent).«
Zu erwähnen sei hier auch, dass viele Tempel
der Antike vierzig Säulen hatten, so z. B. in Persien, Baalbek, bei
Ezechiel oder den Kelten. Einen ambivalenten Umgang mit diesem Bauschema
kann man in Persien in der Zeit der Safawiden in ihrer damaligen
Hauptstadt Esfahan bewundern, im Gartenhaus Chehel Sotun.

Chehel Sotun-Palast in Isfahan. Foto:
Voigt, 1970[38]
»Seit frühester Zeit ist in
Persien mit der Anlage von Gärten die Vorstellung des Paradieses
verbunden.[39] Die
weitläufigen, schön gegliederten Gartenanlagen veranschaulichen zugleich
die Herrschermacht des Königtums. Die Einzelgebäude in den verschiedenen
Gärten bilden jeweils den Hauptakzent; auf sie sind die Wasserläufe,
Bassins und die Bepflanzung ausgerichtet. Der erste Garten, den wir
betreten, ist nach seinem Hauptgebäude Chehel Sotun-Garten benannt und in
seiner Gestaltung exemplarisch. Drei Alleen hochgewachsener Platanen
beschatten die Wege des beinahe quadratischen Parks und betonen zusammen
mit dem Verlauf der Wasserbecken die Achse der Palastausrichtung von
Westen nach Osten…
Das Dach der Terrassenhalle
an der Stirnseite des Gebäudes wird von einer dreifachen Reihe
achtkantiger Holzsäulen getragen. Der Name Chehel Sotun bedeutet
Vierzig-Säulen-Palast.
Mit der Zahl 40 wird in der
persischen Sprache eine unbestimmte Vielheit bezeichnet. In Wirklichkeit
ruht das Vordach mit der wunderbar bemalten Kassettendecke auf 18 vollen
Säulen. Zählt man die zwei Eingangssäulen zum angrenzenden Thronsaal dazu
und blickt aus Distanz über das grosszügige Wasserbecken auf den Palast,
entsteht ein prachtvoller Eindruck. Durch die Spiegelung des Wasser sind
jetzt tatsächlich insgesamt 40 Säulen zu sehen…
Datum der Bauvollendung
zur Zeit Schah Abbas II ist das Jahr 1647. Durch einen kleinen Brand nötig
gewordene Instandstellungsarbeiten erfolgten unter Schah Sultan Huseins um
1706.« .“ (aus
t o r b a 2/99.)
Bezeichnend ist in dieser Darstellung die
Betonung der Doppeldeutigkeit des symbolischen Bauschemas, einmal als
„Vorstellung des Paradieses“ und zum anderen – in weltlicher Bedeutung –
als Verkörperung der „Herrschermacht des Königtums“. Dabei ist es
schwierig zu unterscheiden, ob sich solche „Mehrdeutigkeit“ aus
kultureller Selbstverständlichkeit entwickelt, oder ob symbolische
Bedeutungen bewusst für Machtzwecke funktionalisiert werden.
Dies ist Anlass zu einer grundsätzlichen
Überlegung. Die Bedeutung von Mythologemen ist evident und bis in die
heutige Zeit wirksam. Dennoch ist immer eine Gegenströmung zu beobachten,
die sich im Laufe der Entwicklung der „Hochkulturen“, das heißt auch der
monotheistischen Religionen, immer mehr verstärkt. Es ist die
Mehrdeutigkeit, die Ambiguität der Bedeutungsinhalte und der Verwendung
der mythologischen Symbolsprache. Gerade in letzter Zeit ist das für die
Geschichte des Islam – bei der man sub species der heutigen
islamistischen Rigorosität eigentlich kaum an das Topos der „Ambiguität“
denkt – untersucht worden, mit dem Ergebnis, dass in den Hochzeiten der
islamischen Kultur die Ambiguität eine bedeutende Rolle gespielt hat.[40]
Zurück zum Chehel Sotun-Palast in Isfahan.
„Ernsthafte“ Interpretationen weisen auf die umgangssprachliche Verwendung
des Zahlwortes „Vierzig“ im Farsi hin im Sinne von „ungezählt, viel“;
näher liegt aber hier eine unterströmige ironische Brechung des
Palast-Namens. Bleiben wir in der Persischen Kultur, sehen wir, dass nicht
nur beim Begriff „Vierzig“ die Ambiguität durchscheint, sondern dass das
kulturelle Selbstverständnis seit jeher gegenläufige Interpretationen
kennt, so z.B. in der Bedeutung des „Hussein-Mythos“, der eine
zentrale Rolle im shiitischen Selbstverständnis einnimmt, als „Hoseyn
als Vermittler“ – „Hoseyn als Vorbild“[41]
oder in dem derzeitigen Aufeinanderprallen antagonistischer
Kulturkonzeptionen – der „biophilen Kultur“ der Demonstranten und der
jungen Generation gegen die „nekrophile Kultur“ der heutigen
Herrschaftsklasse in Iran.[42]
Fassen wir die Ergebnisse bis hierhin in
Thesen zusammen:
-
Mythen sind symbolische Zeichensysteme.[43]
-
Symbolische Zeichensysteme entziehen sich
einer eindeutigen („beweisfähigen“) Deutung.
-
Mythische Aussagen sind gekennzeichnet durch
ihre Ambiguität.
-
Mythen dienen gesellschaftlichen
Bedürfnissen – vor allem im Sinne der Stabilität der „Überlebensgruppe“
und des inneren Zusammenhalts des Gesellschaftsverbandes.
-
Mythen sind – in nicht eindeutig bestimmter
Hinsicht – funktionalisierbar.
-
Mythen dienen dem Machterhalt und können für
diesen konstruiert werden (im Sinne einer propagandistischen Aufgabe;
vgl. weiter unten: Legitimationsmythen).
Vierzig Jahr wandert das Volk der Israeliten
unter der Führung von Moses durch die Wüste des Sinai. Es ist an der Zeit,
sich die Bedeutung dieser Darstellung – die so fernab jeder Realerfahrung
auch im Altertum war – genauer anzuschauen. Der Sinai war seit
vorgeschichtlicher Zeit Durchgangsraum für Volksstämme, Nomaden und
kriegerische Expeditionen. Besonders bekannt wurde der Feldzug des
ägyptischen Pharaos Ramses II., der – erfolglos – das
Hethiterreich erobern wollte und dabei in wenigen Tagen den Sinai, der
zum ägyptischen Herrschaftsbereich gehörte, durchquerte. Am Rande sei hier
auf ein frühes Beispiel propagandistischer Umdeutung der Geschichte
aufmerksam gemacht: die Inschriften auf Ramses-Statuen, die der Pharao
nach dem missglückten Abenteuer aufstellen ließ, und in denen er „den
heldenhaften Mut“ seiner Armee in leuchtenden Farben schilderte… (sodass
ein unbeteiligter Leser glauben musste, die Ägypter hätten gesiegt).
»Die Herrscher Ägyptens,
Babyloniens und Assyriens betrachteten den hethitischen Großkönig
weitgehend als gleichrangigen Partner, mit dem sie diplomatische Kontakte
und Handelsbeziehungen unterhielten aber auch Kriege führten. Ein Beispiel
für dieses Spiel der Mächte ist die Schlacht bei Kadesch (1274 v.
Chr.)[44]
und der nachfolgende Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Hattušili
III. Hierbei handelt es sich um den ältesten bekannten Friedensvertrag der
Welt, von dem – als ein Symbol für den Frieden – eine Kopie im UNO-Gebäude
in New York City zu sehen ist.« (Aus Wikipedia, Hethiter.)
Die Volkwerdung der Juden
»Das Anwachsen der Söhne Israels zu einem
zusammenhängenden Volksstamme ist unter ungewöhnlichen Umständen erfolgt,
und ihre Anfänge glichen nur wenig denen anderer Völker. Sonst waren die
Völker, wenigstens die der alten Welt, sobald sie ihre Vereinzelung
aufgegeben und sich zusammengeschlossen und gruppiert hatten, mit dem
Boden ihres Wachstums eng verknüpft und fühlten sich eins mit ihm. Aus ihm
schöpften sie meistens ihre Vorstellungen, ihre Sprachen und ihre Götter.
Die Berge, die Flüsse, die Luft, das Klima, die Veränderungen darin
bildeten nicht bloß ihren Charakter, sondern auch ihre Geistesrichtung und
ihre Götterlehre. Sie liebten den Boden, auf dem sie zu einem
einheitlichen Ganzen zusammengewachsen waren, wie einen Teil ihres Selbst,
verteidigten ihn gegen Angriffe und fühlten eine tiefe Wunde, wenn sie ihn
verlassen mußten. Nicht so das israelitische Volk. Sein Ursprung entstand
in einer fremden Umgebung, und es konnte kaum auf diesem andern Boden
Wurzel fassen. So dunkel auch dieser Ursprung ist, so ist doch so viel
gewiß, daß einer seiner Stammgründer infolge einer Hungersnot im Lande
Kanaan mit seiner Familie und seinen Herden nach Ägypten wanderte, sei es
auf Verwendung eines seiner Söhne, Joseph, der als Sklave dahin
verkauft wurde und eine hohe Stellung am Hofe eines der ägyptischen Könige
eingenommen hatte, sei es, weil die Ägypter einen Widerwillen gegen
Schafhirten empfanden und sie nicht in ihrer nächsten Nähe dulden mochten,
sie aber nicht entbehren konnten und es daher gern sahen, wenn
Hirtenstämme sich in ihrer Nähe ansiedelten. Den eingewanderten Söhnen
Israels wurde das von Ägyptern wenig bevölkerte Land Gosen
[45]
oder Land Raamses als Wohnplatz eingeräumt. Es lag am östlichen
Nilarme zwischen diesem und der großen Sandwüste im Osten. Hier waren
weite Weideplätze für ihre Herden, und da die Gegend noch wenig bewohnt
war, so konnten sie weit und breit nomadisieren. Auch andere Stämme
sprachverwandten Ursprungs mit den Söhnen Israels, semitische
Stämme, siedelten sich hier an; der Landstrich wurde daher als das
ägyptische Arabien angesehen. Nach und nach nahmen die Israeliten, je
größer ihre Zahl wurde, eine seßhafte Lebensart an, verlegten sich auf
Ackerbau, gruben Kanäle vom östlichen Nilarme, bewässerten damit ihre
Felder und lernten von den Ägyptern Handwerke und wohl auch die in diesem
Lande heimischen Künste.«
Quelle: Heinrich Graetz: Geschichte der
Juden. Bd. 1 S. 9-10[46]
Diese Darstellung der Frühzeit des „jüdischen
Volkes“ von Heinrich Graetz zeigt in einem traditionellen, noch an
der Quelle des Alten Testaments orientierten Zugehensweise, dennoch
einige wichtige und interpretationsfähige Charakteristiken, die als
Thesen zu einer weiteren Diskussion einmal zusammengestellt werden sollen:
-
In dieser Frühzeit der Geschichte ist es
noch nicht sinnvoll, von „Völkern“ zu sprechen. Es standen sich familial
gebundene Gruppen und zentralisierte Reiche gegenüber, wobei letztere –
Ägypten, Altorientalische Reiche, Iran in dem von uns beschriebenen
geographischen Raum – als eine kulturelle Weiterentwicklung im
Zusammenhang mit der „zweiten landwirtschaftlichen Revolution“[47]
stehen, die Wittfogel
[48]
als „hydraulische Kulturen“ beschreibt, während die familialen
Vergesellschaftungen noch zum großen Teil der nomadischen Lebensform
anhängen und, um mit Norbert Elias zu sprechen, als
„Überlebenseinheiten“ im Kampf gegen die Umwelt und die Stammesnachbarn
existieren.
-
Die Aussage, dass diese frühen
Vergesellschaftungen „mit dem Boden ihres Wachstums eng verknüpft“ seien
und sich „eins mit ihm“ fühlten, dürfte eher die Ausnahme gewesen sein,
auch wenn sich im Laufe der genannten „zweiten landwirtschaftlichen
Revolution“ Ansätze dieser kulturellen „Sesshaftigkeit“ vor allem im
Zweistromland und in Ägypten feststellen lassen. Doch wichtiger waren
die Machtprozesse, die sich auf eine abgeschlossene Kaste des
„Priester-Königtums“ konzentrierte, die ihre Sonderstellung in einer
strengen Endogamie bis hin zur zwangsweisen Geschwisterehe sicherten.
Die mythologisch-religiöse Beschreibung dieser Prozesse divergiert dabei
sehr stark, indem die familial-nomadischen Gruppen eher allgemeine,
abstraktere, genealogisch verankerte Gottesvorstellungen entwickelten,
die dann in einer einleuchtenden Folge zum Monotheismus im Sinne eines
„Volksgottes“ führten, während sich die Gottesvorstellungen der Reiche
auf eine Materialisation von Gottesbildern und Gebets- und Ritus-Stätten
hin entwickelten.
-
In den alten Großreichen wie Ägypten
differenzierte sich die Bevölkerung in einerseits seit alters her
sesshafte Gruppen – Clans, Familien –, die die Basis für die
Herrschaftskaste waren, und die randständigen – zugewanderten,
halbnomadischen oder eroberten – Gruppen, die letztlich wie die
„eigentliche Reichsbevölkerung“ in Sklaverei-ähnlichen Abhängigkeits-
und Dienstverhältnissen standen und durch Fronarbeit der
Herrschaftskaste zugeordnet waren. Einen Ausweg für diese
randständigen Bevölkerungsgruppen, vor allem im eroberten Grenzbereich
zu den Wüstengebieten des Nahen Ostens, war weniger der offene
Widerstand als der „Auszug aus Ägypten“ in die nicht-sesshafte
Lebensform.
So wird auch der alttestamentarische „Auszug
aus Ägypten“ der „Kinder Israels“ verständlich als Flucht vor der Fron in
Ägypten – und die Rückkehr in eine nomadische Lebensform in der Wüste,
deren Dauer unabsehbar war und daher mit dem symbolischen Zahlwort der
„vierzig Jahre“ umschrieben wurde.
Diese Perspektivlosigkeit, die für Gruppen
zwischen Sesshaftigkeit und Wanderweidewirtschaft besonders deutlich
wahrgenommen wurde, erhielt eine mythologische Sinngebung in der
Erinnerung an die Urheimat.
»Nach der Thora, den fünf Büchern Mose,
beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Bund, den Gott mit
Abraham schließt (Gen 12 LUT[49]).
Die jüdische Tradition sieht Abraham als den Begründer des Monotheismus,
des Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott. Diesen Bund setzt Gott
mit Abrahams Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob fort, der seit dem Ringkampf
am östlichen Ufer des Flusses Jabbok (Gen 32 LUT) Jisrael genannt
wurde. Jakob hatte zwölf Söhne, die als Stammväter der Zwölf Stämme
Israels (Israeliten) gelten. Diese ziehen von Kanaan, dem heutigen
Palästina bzw. Israel nach Ägypten, wo ihre Nachfahren vom Pharao
versklavt werden. Aus dieser Sklaverei werden die von Mosche (Moses)
angeführten Hebräer durch Gott befreit, der ihnen am Berg Sinai die,
schriftliche und mündliche, Thora offenbart. Obwohl das jüdische Volk an
dieser Aufgabe häufig scheitert, was die späteren Propheten immer wieder
beklagen, bleibt der Bund mit Gott ungebrochen.« (Wikipedia
„Judentum“.)
»Als Urväter der Juden gelten Abraham, Isaak
und Jakob, die westsemitische Nomadenstämme anführten, die irgendwo
zwischen dem Mittelmeer und Mesopotamien lebten. Historische Belege für
ihre Existenz gibt es keine. Wenn, dann lebten sie wahrscheinlich während
der Zeit der Sesshaftwerdung der Nomaden zu Beginn der Bronzezeit, also
zwischen 1900 und 1500 v. Chr. … Als eigentlicher Begründer des heutigen
Judentums gilt Esra (um 440 v. Chr.). Esra war in der Zeit des
Babylonischen Exils Hohepriester und durfte mit seinem verschleppten
israelischen Volk, das aus vermutlich etwa 20.000 Menschen bestand, auf
Erlass des Perserkönigs Artaxerxes I. zurück nach Jerusalem. Dort ordnete
er Tempeldienst und Priestertum neu und ließ Ehen von Juden mit
heidnischen Frauen scheiden. Die religiöse Identität ist seitdem für das
Judentum von ähnlicher Bedeutung wie die der Herkunft.« (Wikipedia
„Juden“.)
Bezeichnend ist in
diesen kurzen Textausschnitten das Hervortreten der machtpolitischen
Dichotomie zwischen sesshaften Völkern und Nomaden, die die Geschichte des
Nahen Ostens immer wieder bestimmt hat und zu Wanderungsbewegungen,
Machtverschiebungen und Kriegen geführt hat. Interessant ist es, dass in
der klassischen arabischen Wissenschaft dieser Aspekt schon erörtert und
zur Erklärung geschichtlicher Prozesse herangezogen wurde. Das wichtigste
Werk – und gleichzeitig der Beginn einer arabischen Soziologie – stammt
von Ibn Chaldun.[50]
»Seine Lehre von der Zivilisation und der
Kultur ilm al-umran / علم العمران
/ ʿilmu ʾl-ʿumrān umfasst ausführliche Diskussionen des
Verhältnisses von ländlich-beduinischem und städtisch-sesshaftem Leben,
das einen für ihn zentralen sozialen Konflikt liefert. In diesem
Zusammenhang und mit Hilfe des Konzepts der ‘aṣabiyya erklärt er sowohl in
der islamischen als auch in der nicht-islamischen Geschichte den Aufstieg
und Fall von Zivilisationen, wobei auch die Religion und der Glaube die
Wirkung der ‘aṣabiyya ergänzen und flankieren kann, wie zum Beispiel
während der Herrschaft der Kalifen. Die Beduinen als Bewohner der
ländlichen Regionen haben eine starke ‘aṣabiyya und sind fester im
Glauben, während die Bewohner der Städte im Verlauf mehrerer Generationen
immer dekadenter und korrupter werden, ihre ‘aṣabiyya also an Kraft
verliert. Nach einer Spanne von mehreren Generationen ist die auf der
‘aṣabiyya gründende Macht der städtischen Dynastie derart geschrumpft,
dass sie Opfer eines aggressiven Stammes vom Land und mit stärkerer
‘aṣabiyya wird, der nach Eroberung und teilweiser Zerstörung der Städte
eine neue Dynastie stellt.«[51]
Ibn Chaldun interessiert vor allem die
Erklärung der Geschichtsprozesse und die Erörterung der
Legitimität der Staatsmacht, die er auf den arabischen Begriff der
Asabiyya / عصبيّة / ‘aṣabiyya zurückführt.[52]
»Die Übersetzung dieses
Begriffs stellt sich schwierig dar, die Bedeutungen reichen von
„Stammeszugehörigkeitsgefühl“, „Blutsbande“ und „Sippensolidarität“ bis
zu „Gruppengefühl“ und Formen von Solidarität, die sich nicht allein auf
Blutsverwandtschaft begründen (z.B. Klientelverhältnisse).«[53]
In der ‘aṣabiyya sieht Ibn Chaldun
die Grundlagen der weltlichen Macht (mulk).[54]
Materialien zur
Bezeichnung des „jüdischen Volkes“
Die Vielzahl der oft etymologisch kaum
abzuleitenden Begriffe in der Bibel wie in anderen alten Quellen lässt
es sinnvoll erscheinen, einen Blick auf diese Begriffe, ihre Bedeutung
und Verwendung zu lenken:
Zur
Bezeichnung „Juden“
»Die deutsche Bezeichnung „Juden“ geht über
den lateinischen Ausdruck judaeus, dann den griechischen Ausdruck
ioudaios und aramäische und persische Entsprechungen zurück auf
das hebräische Wort yehudi. Dieses bezeichnete zunächst die
Angehörigen des Stammes Juda und die dessen Territorium Bewohnenden.
Unter der Herrschaft Davids in Hebron wurde dieses Gebiet „Königreich
Juda“ genannt (2 Sam 5,3
[55]LUT).
Unter Rehabeam wurde dieses Königreich aufgespalten. Das südlichere
Teilgebiet wurde Juda genannt, das nördlichere Teilgebiet Israel. Der
Ausdruck „Judäer“ wurde wiederum sowohl für Stammesangehörige wie auch
sonstige Bewohner gebraucht, so etwa auch für die Angehörigen des
Stammes Benjamin (1 Kön 12,16–21
[56]LUT).
Das Nordreich, Israel, bestand nur bis 722 v. Chr. Danach wurde
yehudi und dessen Entsprechungen insbesondere im Persischen
unterschiedslos gebraucht, auch als Bezeichnung für die Angehörigen
einer spezifischen Religion (mityahadim, vgl. Est 8,17
[57]LUT);
religiöse, politische und nationale Aspekte sind terminologisch nicht
differenzierbar[58]
Dieser Sprachgebrauch ist – manifest u. a. auch später in
neutestamentlichen Texten – vorwiegend Fremdbezeichnung; als
Selbstbezeichnung überwiegt yisrael, und zwar vermutlich, um die
nationale Identität durch Erinnerung der Frühgeschichte zu
stabilisieren.[59]«
(Wikipedia „Judentum“.)
Zur Bezeichnung
„Hebräer“
»Der Ausdruck kommt in der Bibel 33 Mal vor.
In Gen 14,13 EU wird Abraham so genannt. Sonst verwenden fast immer
Fremde das Wort gegenüber Israeliten oder diese gegenüber Fremden. Mit
der Fremdbezeichnung wird immer eine Geringschätzung oder Verachtung,
mit der Eigenbezeichnung Demut ausgedrückt.[60]
Häufig taucht der Begriff in der
Josephgeschichte.., der Überlieferung vom Auszug aus Ägypten.. und den
Kämpfen mit den Philistern auf. In [Jeremia] ist „Hebräer“ ein Attribut
von עֶבֶד „Arbeiter, Sklaven“.
Nicht gesichert ist das Vorkommen des Wortes in Jona 1,9, dessen
griechische Version der Septuaginta „Knecht Jahwes“ (עֶבֶד
יהוה) liest…
Weder die Etymologie noch die genaue
Bedeutung des Ausdrucks in der Bibel sind gesichert. Einige Lexika
bringen das Wort mit dem Namen des Stammvaters Eber (עֵבֶר,
Gen 10,24-25 EU; 11,14-17 EU), der in der Wendung „die Söhne Ebers“ (בְּנֵי־עֵבֶר,
Gen 10,21 EU) eine ethnische Zugehörigkeit andeutet, in Verbindung.[61]
Für einige vermutlich nachexilische
Belegstellen (Gen 14,13 EU; Jona 1,9 EU und vielleicht Dtn 15,12 EU)
wurde eine Verwendung von „Hebräer“ als Synonym für „Israelit“
angenommen.[62]
Für Ex 21,2 EU, Jer 21,2 EU und vielleicht Dtn 15,12 EU beziehen manche
Exegeten das Wort auf Sklaven auf Zeit oder Schuldensklaven, das ihren
Rechtsstatus ausdrückt.[63]
Viele Exegeten und Altorientalisten nehmen
einen Zusammenhang zwischen der biblischen Konsonantenfolge HBR und dem
Wort ‘Apiru / Ḫabiru an, auch wenn sie eine direkte
Ableitung für unwahrscheinlich halten. Als ‘Apiru (akkadisch)
oder ‘pr(w) (ägyptisch) bezeichneten einige Texte der späten
Bronzezeit aus Amarna, Ugarit, Kanaan und Ägypten verschiedene
Menschengruppen, die außerhalb der Gesellschaftsordnung standen und sich
aus Not in Abhängigkeitsverhältnisse als Söldner oder Arbeiter begeben
oder ein Leben als Banditen führten.[64]
Vorwiegend gilt der Ausdruck als abwertende Bezeichnung eines
gesellschaftlichen Status.
Viele Bibelhistoriker nehmen an, dass
‘Apiru-Elemente im Zuge der archäologisch nicht belegbaren Landnahme
Kanaans in das spätere Israel aufgegangen sind. Einige halten es für
möglich, dass allmählich eine Verschiebung zur ethnischen Bedeutung
stattfand: So könne die Verwendung des Worts „Hebräer“ im Buch Exodus
(z.B. Ex 2,11.13 EU) eine Erinnerung daran bewahren, dass die Vorfahren
Israels als ‘Apiru galten. Ronald De Vaux interpretierte beide
Ausdrucke ‘Apiru und „Hebräer“ als ethnische Bezeichnung für
Gruppen, die von der Wüste ins Kulturland vorgedrungen waren.[65]«
(Wikipedia „Hebräer“.)
Zur Bezeichnung
„Israel“
»Die älteste Quelle für das Wort „Israel“
ist die ägyptische Merenptah-Stele (heute im Ägyptischen Museum in
Kairo). Sie beschreibt einen Feldzug gegen ein Volk Israel im Lande
Kanaan und wird auf das Jahr 1211 v. Chr. datiert.
Die Volksetymologie des Alten Testaments
deutet „Israel“ als „Gottesstreiter“ (Gen 32,29 EU). Jakob bekam diesen
neuen Namen, nachdem er mit einem geheimnisvollen Gegner gerungen hatte.
Seine Nachkommen wurden als die „Kinder Israels“, „Israeliten“ oder kurz
„Israel“ bezeichnet.
Der Name entspricht einer weit verbreiteten
semitischen Namensform, die ein Verb im Imperfekt und das theophore
Element אֵל (Gott) als Subjekt enthält. Das verbale Element wird in
dieser Deutung als von der semitischen Wurzel שרה „streiten, kämpfen“
abgeleitet angesehen. Möglich ist allerdings auch eine Ableitung von der
Wurzel שרר „herrschen“. Das hebräische Imperfekt kann im Deutschen mit
dem Präsens oder der Wunschform wiedergegeben werden, so dass sich als
mögliche Übersetzungen ergeben: „Gott streitet (für uns)“ oder „Gott
möge (für uns) streiten“ und „Gott herrscht“ oder „Gott möge herrschen“.
Antonius der Große übersetzte in seinem dritten Brief den Namen Israel
mit „Verstand, der Gott sieht“.« (Wikipedia „Israel“.)
Sozialstruktur und Rituale der orientalischen
Gesellschaft
Der Zusammenhalt einer
Gruppe ist von einer bestimmten Größe an abhängig von einer regelmäßigen
Vergegenwärtigung der mythischen und religiösen Grundlagen der
Gruppenidentität; dazu bedarf es der Riten, die den Alltag unterbrechen
und die Gemeinschaft zusammenführen. Dazu gehören die „Heiligung“ eines
Wochentages (Freitag im Islam, Sabbat im Judentum, Sonntag im Christentum)
und die regelmäßigen religiösen Feiern. Als besonderes Beispiel seien hier
die ‘Ašura-Rituale in Iran, vor allem in Širaz, angeführt: Es
handelt sich um jährliche „Kampffeste“ zur Vergegenwärtigung des
Martyriums von Hussein in Kerbela, das traditionell mit
„Selbstgeißelungen“[66]
junger Männer auf den Prozessionen begangen wird, hier aber ausgeformt
wurde zum Kampf der Stadtviertel untereinander. Die kämpfenden jungen
Männer zeigen eine Todesverachtung, die aber dem Ziel des
Märtyrerschicksals geschuldet ist: Den Siegt trägt das Stadtviertel davon,
welches die meisten Verletzten – im kaum je eintretenden Falle auch
Todesopfer – zu feiern hat (was letztlich die unmittelbaren körperlichen
Gefahren doch in Grenzen hält). Sozialpsychologisch ist dieser Ritus
äußerst interessant, da er den Alltag von Aggressionen und
Diskriminierungen frei hält, die ihren Ausbruch und ihre Neutralisation in
den ‘Ašura-Ritualen finden. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass
sich die Stadtviertel in islamischen Städten relativ separat aus der
Ansiedlung von Familienclans oder religiösen Gruppen heraus entwickelt
haben und in vielen Fällen untereinander durch Mauern und nachts
geschlossene Tore abtrennen.
Das führt zu einer
Thematisierung des sozialen Aufbaus der orientalischen Gesellschaften,
denen traditionell die äußere Sicherheit einer „Staatsgesellschaft“ fehlt.
Kippenberg (1981: 223)[67]
gibt, der Literatur folgend, am Beispiel der Konstituierung eines
›Kollegiums‹ zur Vorbereitung der ‘Ašura-Rituale, in das
selbstverständlich nur die traditionellen nicht-staatlichen sozialen
Institutionen einbezogen werden, einen aufschlussreichen Überblick über
die Sozialbeziehungen der traditionellen iranischen Dorfgesellschaft, die
sich von der modernen westlichen Staatsgesellschaft ebenso absetzen lässt
– auch wenn zu berücksichtigen ist, dass in ländlichen und
binnenperipheren Regionen (›Dorfgemeinschaften‹) der ›westlichen‹
Industrieländer durchaus auch heute noch vergleichbare interne
Loyalitätsstrukturen und Staatsferne zu beobachten sind –, wie trotz
einiger struktureller Ähnlichkeiten von der europäischen mittelalterlichen
Feudalgesellschaft, gerade weil in Iran eine Machthierarchie bis in die
Staatsspitzen, wie sie das mitteleuropäische Lehenswesen zumindest
tendenziell impliziert, prinzipiell fehlt; als über den örtlichen Bereich
hinaus reichende soziale Klammer tritt hier die umma muhamadja auf, die
nicht nur eine religiöse Vorstellung, sondern eine konkret
handlungsbestimmende soziale Loyalitätsbestimmung darstellt. Kippenberg
bezieht sich dabei auf eine Arbeit von E. Neubauer (1972: 259 f.)[68],
der, wie im folgenden Zitat ausgeführt, drei Möglichkeiten der Bildung
solcher Kollegien erwähnt:
-
„die Zugehörigkeit zu einer Moschee und
damit zu einer bestimmten Nachbarschaftsgruppe;
-
die religiöse Gefolgschaft (taqlid), zu der
jeder ši‘itische Laie einem Mojtahed (einem Geistlichen, der in
religiösen Fällen eine Entscheidung treffen kann) gegenüber verpflichtet
ist und die durch Akhunds bzw. Mollas vermittelt wird (s. Algar:
1969, 1-25; Lambton: 1964; Ende: 1980[69]);
-
die Zugehörigkeit zu einer Klientelgruppe.
-
Zu diesen drei Elementen, die die
Organisation der Aufzüge bestimmen, kommen dann noch die
Verwandtschaft, die viel zu selbstverständlich ist, als dass sie
besonders betont werden müsste, und schließlich
-
die Handwerkskorporationen, die wohl vor
allem die Masse der Teilnehmer gestellt haben.“
Kippenberg erläutert in einer Anmerkung
dazu:
»Zur Unterscheidung der
Freitagsmoschee der Stadt und der kleinen Moschee, die für einen Teil der
Bevölkerung oder des Stadtteils reserviert ist, siehe Grabar (1969)[70]«.
– »Aus allen diesen Angaben geht unzweifelhaft hervor, dass die
Prozessionszüge sich nicht auf Grund einer Summe individueller
Entscheidungen, sondern nach vorgeprägten Loyalitäten bilden. Sie leben
aus dem, was H. Alavi (1973)
[71]
die ‚primordial loyalties‘ genannt hat: angestammte, von unten
aufgebaute Loyalitäten, die von Prinzipien der lokalen Zugehörigkeit, der
Handwerkskorporation, der religiösen Gefolgschaft und der Klientele
bestimmt werden. Dieser Sachverhalt ist für das Verständnis der
Straßenkämpfe von größter Wichtigkeit. Denn wenn die Prozessionszüge
identisch sind mit sozialen Gruppen, dann ist die rituelle Organisation
der Durchschlag einer gesellschaftlichen Ordnung – einer Ordnung, die die
Individuen nicht horizontal nach gemeinsamer Klassenlage organisiert,
sondern vertikal nach segmentären Koalitionen (Alavi: 1973;
Wolf: 1966, 81-95[72])«
Kippenberg (1981: 224).[73]
Die Zehn
Gebote
(nach Martin Luthers
Kleinem Katechismus)
Bei der Zählung der
Gebote gibt es im Judentum und in den christlichen Kirchen
unterschiedliche Traditionen. Die hier wiedergegebene Fassung folgt der
lutherischen und römisch-katholischen Tradition. Eine andere Zählung
ergibt sich dort, wo das Bilderverbot – „Du sollst dir kein Bildnis
machen“ – als zweites Gebot aufgeführt wird, so in der anglikanischen,
reformierten und orthodoxen Tradition.[74]
Dort werden dann „neuntes“ und „zehntes“ Gebot als ein Gebot verstanden.
Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst
keine anderen Götter haben neben mir.
Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines
Gottes, nicht mißbrauchen.
Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.
Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter
ehren.
Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.
Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.
Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.
Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider
deinen Nächsten.
Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten
Haus.
Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten
Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.
Zwei Zielrichtungen
werden in den Zehn Geboten erkennbar: Zum einen die Sicherung des
gemeinsamen Glaubens und seiner Riten (Gebote 1 bis 3), womit die
übergeordnete Machthierarchie, die auf den Einen Gott zurück geführt wird,
gesichert werden kann; zum anderen die Regelung des familiären
Zusammenlebens, wobei alle konflikterzeugenden Verhaltensweisen, die zu
einem Zerfall der „Überlebenseinheit“ des Stammes führen könnten,
sanktioniert werden. In diesem Kontext gibt es wieder zwei Schwerpunkte:
die Sexualmoral und die Eigentumssicherung; beides hoch emotionalisierte
Bereiche, die zu tödlichen Konflikten – Blutrache, Ehrenmorde etc. –
führen können.
In einer nomadischen
Lebensform ist diese Schwerpunktsetzung nicht nur verständlich sondern
notwendig, da institutionelle Garanten von „Recht und Ordnung“ fehlen. In
unserem Beispiel zeigt sich hier der Übergang von einem Leben unter der
Herrschaft der ägyptischen weltlichen wie religiösen Autoritäten zur
notwendigen Verfestigung der stammesbezogenen Binnenstrukturen, die mit
einer gewissen Konsequenz zur Herausbildung eines monotheistischen
Weltbildes führen, in dem die ägyptische Vielzahl von Göttern und
Götterbildern abgelöst wird durch die Verabsolutierung eines Stammesgottes
(Jahwe, Jehova)[75].
Dieser „Eine Gott“ ist
zunächst aber kein „universaler Schöpfungsgott“, sondern der „Gott der
Juden“; daraus erklärt sich auch, dass in der jüdischen Tradition ein
ausdrückliches Missionierungsgebot vollständig fehlt, dass sogar der
Übertritt zur jüdischen Religion erschwert wird. Erst die sich vom
Judentum abspaltenden Religionen Christentum und Islam benötigten eine
neue Gottesvorstellung und eine neue gesellschaftliche Basis für ihren
Zusammenhalt. Dieses realisierte sich in einer Verallgemeinerung ihrer
monotheistischen Gottesvorstellung zum „Gott der ganzen Welt“, wobei es
nur eine Frage der Zeit sei, bis die gesamte Menschheit dieser religiösen
Grundüberzeugung folgen wird.[76]
Die Rückführung der
Zehn Gebote als Letztbegründung ethischen Verhaltens, ihr Bezug auf den
Einen Gott selbst, wird durch den mythischen Aufenthalt Mose auf dem Berg
Sinai hergestellt – der vierzig (!) Tage gedauert hat. Die Tafeln mit den
Zehn Geboten werden in der „Bundeslade“ aufbewahrt und damit der
Profanität entzogen Sie sind das überall auf den Wegen der nomadischen
Wanderung mitgeführte „Allerheiligste“, das eine feste Gebetsstätte, einen
Tempel, wie er von Ägypten her gewöhnt war, überflüssig machte und überall
das Zentrum des Glaubens versinnbildlichte. Schwierig wird dies nach der
Rückkehr zur Sesshaftigkeit mit Reichsbildung und Hauptstadt Jerusalem,
die die Errichtung eines Tempels notwendig machte, in dessen Zentrum die
„Bundeslade“ – als Symbol für den „Bund mit dem Einen Gott“ – gestellt und
von weltlichen Verrichtungen abgeschottet wurde, was dann auch zur ersten
sozialen Stratigraphie führte, indem sich die Kohanim als Priesterkaste
etablierten und die Leviten eine hervorgehobene Sonderrolle im Ritus
einnahmen.[77]
Das
goldene Kalb
Nur am Rande sei noch
ein Aspekt der Mose-Erzählung erwähnt. In der Erzählung wird in
symbolischer Form der Konflikt um divergierende Religions- und
Gottesvorstellungen dargestellt. Das beinhaltet die Aussage, dass sich die
monotheistische Vorstellung von dem „Einen Gott“ nicht ohne Probleme und
Widerstände hat entwickeln können, wie ja überhaupt die
alttestamentarische Darstellung des Auszuges aus Ägypten und der
Wanderschaft durch die Wüste des Sinai durchzogen ist mit einem
Durchsetzungsprozess der neuen Gottesvorstellung gegenüber den
herkömmlichen Religionsriten aus Ägypten. Dass dieser Konflikt bis heute
aufgegriffen werden kann, zeigt eine Satire von Kishon: „Und Moses
sprach zu Goldstein.“[78]
„Als aber das Volk sah, daß Mose ausblieb und
nicht wieder von dem Berge zurückkam, sammelte es sich gegen Aaron und
sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir
wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus
Ägyptenland geführt hat. Aaron sprach zu ihnen: Reißet ab die goldenen
Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer Söhne und eurer Töchter und
bringt sie zu mir. Da riß alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den
Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und
bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie
sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt
hat!“ – 2. Mose 32,1–4
Dieses „goldene Kalb“
hat einen mehrdeutigen Bedeutungshintergrund. Zum einen ist die Erzählung
in 2. Mose 32 eindeutig eine „religiöse Machtprobe“ zwischen den Anhängern
der ägyptischen Religion und den Vertretern einer neuen Vorstellung von
dem „Einen Gott“, der – wie wir schon gesehen haben – mit der Rückkehr zur
nomadischen Lebensform an Bedeutung gewonnen hat.
Doch zeigen
althistorische Überlegungen, dass die Erzählung vom „goldenen Kalb“
weniger die reale Situation der „Kinder Israel“ in der Sinaiwüste trifft,
als einen längerfristigen Glaubenskonflikt andeutet. Für König Jerobeam I.
war die bildliche Darstellung Gottes als Stier durchaus auf den „Gott der
Israeliten“ bezogen als Ruhmes- und Stärke-Symbol, doch er traf auf die
rigorosere Gottesvorstellung, die eine bildliche – als auch symbolische –
Darstellung Gottes ausschloss und die sich letztlich durchsetzte.
»Der fiktive Charakter und der historische Bezug der Erzählung
Nach 1Kön 12,28-30 hat König Jerobeam I. in Bethel und Dan je ein
„Goldenes Kalb“ aufstellen lassen. Die Erzählung vom „Goldenen Kalb“
Aarons in Ex 32 kann kaum auf ein historisches Ereignis zurückgehen, das
eine Menschengruppe, die später in Israel aufgegangen ist, in der
Sinaiwüste erlebt hat. Hätte es ein solches Ereignis nämlich gegeben,
hätte Jerobeam es nicht wagen können, erneut Stierbilder aufzustellen oder
auch nur stehen zu lassen. Die Übereinstimmungen zwischen Ex 32 und 1Kön
12 legen vielmehr die Vermutung nahe, dass sich die Erzählung von Ex 32
von Anfang an auf die Stierbilder Jerobeams bezogen hat. In beiden Texten
werden nämlich Stierbilder errichtet und mit den Worten vorgestellt: „Das
sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt
haben“ (Ex 32,4; 1Kön 12,28). Ex 32 zielt demnach darauf, die Tat
Jerobeams als Abfall von Jahwe zu brandmarken. Damit bietet die Erzählung
eine Ätiologie des Untergangs des Nordreichs (722 v. Chr.) Dieses musste
wegen seiner Stierbilder untergehen, hatte sich doch schon in der Wüste
gezeigt, dass Stierbildverehrer dem göttlichen Gericht anheimfallen. Die
Erzählung kann folglich erst nach dem Untergang geschrieben worden sein.
Sie hat jedoch eine Vorgeschichte«. [Klaus Koenen: Goldenes Kalb[79]]
Dass sich die
Bezeichnung „Kalb“ durchsetzte, scheint wohl eine pejorative
Herabsetzung des Gottesbildes eines „Stieres“. Der Stier ist eine
häufige symbolische Verkörperung von Kraft und Virilität; in unserem
Zusammenhang ist aber der ägyptische Apis-Kult Grundlage der Konflikte im
Volk der Israeliten.
»Apis (altägyptisch Hep; koptisch-sahidisch
Hape; koptisch-bohairisch Hapi[80];
aramäisch ḥpy, חפי) war der griechische Name des heiligen Stieres von
Memphis, der als Verkörperung des Gottes Ptah verehrt wurde… Ursprünglich
war der Apis-Stier ein Symbol für die Fruchtbarkeit. Er wurde seit der
Ersten Dynastie im Tempel des Ptah in Memphis verehrt. Später fungierte
der Apis-Stier als „Herold“ des Ptah und wurde dessen „herrliche Seele“,
die auf der Erde in der Gestalt des Stieres erscheint. Der Apis-Stier
wurde auch als Orakel angesehen.« [Wikipedia. Apis (Ägyptische
Mythologie).]
Dies fügt unseren
Einsichten über die Probleme der Bedeutungsbestimmung von Symbolwelten und
Mythen noch einen weiteren wichtigen Aspekt hinzu:
Legitimationsideologien
Die übergreifende
Frage ist, inwieweit Legitimationsideologien bestehende
Gesellschaften „nur“ überformen oder auch definieren.
Es ist davon
auszugehen, dass alle derartige Ideologien die gleich Funktion haben:
Herrschaftsbereiche zu definieren, sie abzugrenzen, die dort lebenden
Menschen z.B. als Untertanen zu disziplinieren, und dieses in der milden
Form des Erzeugens von Gemeinsamkeitsgefühlen, auch der mit
erheblichen physischen und psychischen Machtmitteln und
Indoktrinationspraktiken.
Dieses gilt bezüglich
der Alleingottdefinition für alle Figurationen, zunächst am
historisch gut bekannten Beispiel des Volkes Israel,
Alleingottdefinition und Gemeinschaftsideologien für
Christentum und Islam.
Beispiele aus dem
Altertum, d.h. aus Völkern / Figurationen, deren Mythenbildung für den
jüdischen Kulturraum als Wurzeln angesehen werden kann, sind – in
Stichworten – Aramäer, Babylonier, Hetiter, Phönizier,
Perser, etc.... ; soweit bekannt oder hinreichend vermutbar und
Mythenbildung ableitbar ist. Hier sei noch einmal auf die „Zweite
Landwirtschaftliche Revolution“[81]
mit der Entstehung der „Hydraulischen Kulturen“ (nach Wittfogel)[82]
verwiesen, in der zur Anlage großer Irrigationsprojekte vor allem in
Mesopotamien eine über den kleinen Clan hinausgehende gesellschaftliche
Organisation und Arbeitsteilung notwendig wurde, die zur Herausbildung
zentralistischer Herrschaftsstrukturen im Sinne des Priesterkönigtums
führte, die mit Legitimationsmythen gesichert wurden.
Eine besondere
Bedeutung haben die Altorientalischen Schöpfungsmythen, die als
eine der Quellen der alttestamentarischen Schöpfungsgeschichte in
der Genesis anzusprechen sind. Eine der ältesten – historisch nicht
mehr einzuordnenden – Schöpfungsmythen ist die Enūma eliš.
»Enūma eliš (Enuma elisch) wird der
babylonische Schöpfungs-Mythos genannt, dessen ca. 1000 Zeilen in
Keilschrift auf sieben Tontafeln niedergeschrieben wurden. Das Gedicht ist
in Abschriften vom 9. bis 2. Jahrhundert v. Chr. fast vollständig
erhalten. Der genaue Zeitpunkt der Entstehung ist unklar und
Einschätzungen gehen in dieser Frage weit auseinander.[83]
Übersetzt bedeutet Enūma eliš „Als oben [der Himmel noch nicht genannt
war]“. Es ist der Name, nach dem Beginn des babylonischen
Weltschöpfungsmythos und Lehrgedichts… Als Babylon innerhalb der Städte
des Zweistromlandes eine Vormachtstellung einnahm, gewann die
Stadtgottheit Marduk innerhalb des akkadischen Pantheons an Bedeutung.
Dies wurde verdeutlicht, indem Marduk in den Weltschöpfungsmythos
eingebunden wurde. Das Werk diente nach einigen Interpretationen fortan
zur ideologischen Untermauerung des babylonischen Herrschaftsanspruches.[84]
Während der Feierlichkeiten beim babylonischen Akitu-Fest wurden Verse
aus dem Enūma eliš rezitiert, die teilweise schon in älteren Werken der
mesopotamischen Literatur (Gilgamesch-Epos) enthalten sind «
[Wikipedia. Enūma eliš.]
Hier wird das
Gilgamesch-Epos erwähnt, das wohl die erste schriftlich überlieferte
„Erzählung“ der Welt ist und in mehreren deutschen Übersetzungen vorliegt.[85]
In der historischen Textanalyse des alten Testamentes spielen die
vorisraelischen Quellen der Genesis eine bedeutende Rolle:
»Gerade die Erzählungen des Buches Bereşit,
welches ja die Geschichte vor Israel zum Inhalt hat, enthält Erzählungen
aus dem Zweistromland (Sumer, Akkad und Bablylon); die Erwähnung des
Eufrat und Tigris als Flüsse des Paradieses (Gen 2,15) oder des Ararat, wo
Noahs Arche aufsetzte (Gen 8,4) weist dort hin. Da Abraham nach Aussage
des Buches aus Ur am Eufrat kam, ist dies auch im Kontext der jüdischen
Tradition durchaus schlüssig.
Durch die Gewohnheit der alten Kulturen des
Zweistomlandes, Epen in Stein zu meißeln (Keilschrift) und die inzwischen
sehr fruchtbaren Bemühungen der Wissenschaft, diese Texte zu entziffern
und zu übersetzen, sind uns heute sehr viele dieser Epen bekannt. Eine
offensichtliche Parallele wurde bald nach der Erschließung der Keilschrift
entdeckt: die Sintfluterzählung folgt über weite Strecken und in etlichen
Details einer alten Tradition, die unter den verschiedenen Völkern des
Zweistromlandes überliefert wurde. Die älteste zusammenhängend
überlieferte Erzählung ist das Atra’asis-Epos der Akkader, die bekannteste
die über tausend Jahre jüngere fast gleichlautende Passage aus dem
Gilgamesch-Epos der Babylonier. Weit weniger offensichtlich, aber noch
spürbar sind die Parallelen zur Paradieserzählung zum Dilmun[86]-Epos.
Andere Erzählungen des Buches Bereşit hingegen, weichen derart weit von
allen uns bekannten Entsprechungen der Mesopotamischen Tradition ab, dass
der Unterschied offensichtlich und jede Parallele äußerst spekulativ ist.«
[Wikipedia. 1. Buch Mose.]
Die unübersehbare
Vielzahl der altorientalischen und altbiblischen Mythen kann so nur am
exemplarischen Beispiel aufgezeigt werden. Eine umfassendere
Gesamtdarstellung verbietet sich hier offensichtlich. So soll das Thema
Mythen weiter in die Gegenwart hinein verfolgt werden.
Es ist davon
auszugehen, dass weltliche Glaubenslehren, vor allem die im 19.
Jahrhundert im Zusammenhang mit sozialen Bewegungen entstandenen
politischen Ideologien, so z.B. Sozialismus, Anarchismus, Kommunismus in
ihren Spielarten und Varianten, als Legitimationsmythen die Funktion von
Religionen in den tradierten Beispielen übernommen haben.
Es stellt sich in
diesem Zusammenhang die Frage, inwieweit Modelle oder beschreibende
Darstellungsversuche in oder über Gesellschaften wirklich existierende
Entitäten, Formationen oder Figurationen, wie sie mit Elias[87]
benannt werden, abbilden: Geläufige Begriffe dafür sind Gemeinde,
Gemeinschaft (u.a. die Umma im Arabischen), oder aus den moderneren
Gesellschaftswissenschaften Klasse, Schicht und Gruppe
als Nachfolge des Stände-Begriffes.
Kernfrage ist also:
Sind die ideologischen Begriffe wie Gemeinschaft, Umma oder
Klasse Beschreibungs- wie Definitionskriterien, die dann auf die
Glaubensrichtungen, die Religionen wie Ideologien des jüdisch/christlichen
Kulturkreises und des Sozialismus – jeweils gleichermaßen zutreffen?
Wenn entsprechende
Überzeugungen vorliegen, dann ist eine Glaubensrealität, bzw. eine
geglaubte Realität zu konzedieren. Diese liegt in
zurückliegenden Zeitepochen bis in die Gegenwart durchaus vor.
Der Marx’sche
Klassenbegriff trennt in die „Klasse an sich“ und die
„Klasse für sich“. Auf ersteres kann der Klassen-Begriff vor allem in
der Früh- sowie der Hochphase der Industriegesellschaften angewandt
werden. Man kann konzedieren, dass das Industrieproletariat eine
Arbeiterklasse darstellte. In den sich selbst als realsozialistisch
definierten Gesellschaften, den früher kommunistisch regierten
Ländern, dann aber nicht mehr. Der Klassenbegriff hatte nur mehr eine
ideologische, d.h. machtspezifische Funktion. Auch diese Gesellschaften
Osteuropas unterlagen spezifischen modernen Entwicklungen und tendierten
zu Differenzierungen. Auf die damalige Kompliziertheit der neuen
Definitionen von Herrschaftsideologien soll aber nicht eingegangen werden.
Das Proletariat als
„Klasse für sich“ ist eine deskriptive an gesellschaftlichen Zielen
orientierte – also machtspezifische Aussage der marxistischen Philosophie
und Ideologie und entspricht damit methodisch den Glaubenslehren der
Religionen.
Menschen verfügen
generell über Mehrfachidentitäten. Je nach Grad von Erziehung,
Beeinflussung, Indoktrination, Manipulation etc. kann ein Mensch sein
Selbst verstehen. Ein Mensch des 20. Jahrhunderts. konnte sich verstehen
als Christ, Moslem oder Jude – und zwar jeweils verschiedener Zuordnung,
Konfession, also einer aus gesellschaftlichen Entwicklungen resultierenden
Spielarten oder auch den im 19. und 20. Jahrhundert entstandenen neuen
Glaubensgruppen.[88]
Zugleich konnte eine Selbstdefinition auf Grund regionaler,
sprachlicher oder auf die eigene Abstammung bezogene Zuordnung erfolgen.
Die Sozialpsychologie untersucht dieses Problem mit der Fragestellung nach
der Entstehung von „Selbstkonzepten und -identifikationen“,
gegenwärtig auch unter Einbeziehung der Prämissen des „Sozialen
Interaktionismus.“[89]
In Umfragen ordneten
sich z.B. im neu entstandenen polnischen Staatsgebiet die Mehrheit der
Befragten als Christen ein; kleinere Anteile fielen bei diesen
Befragungen 1922 auf die Zuordnung als: Pole, Ukrainer,
Weißrusse, Deutscher, Litauer oder als Tatar.
Menschen des 20.
Jahrhunderts. waren denn auch, Kommunisten, Konservative,
Liberale, Sozialisten, Gewerkschaftler. Für manche galt
die Zugehörigkeit zu Sportverein, Feuerwehr, Betrieb, Berufsgruppe als
gleich- oder gar höherrangige Gruppen-Zugehörigkeitsdefinition gegenüber
den genannten anderen. Die Ableitungen und Begründungen für die
Zuordnungen stellen wiederum ein anderes Problem dar.
Nachdenken über…
…Legitimationsmythen im frühen Christentum
Heilige Drei Könige
Glosse:[90]
»Das Jahr geht zu Ende und
das Drei-Königs-Fest steht bevor; das sollte mir Anlass sein, noch einmal
auf Ihren kurzweiligen Artikel zu einer astronomischen Interpretation der
Reise der Drei Heiligen Könige zurück zu kommen.[91]
Viele kluge astronomische und astrologische Gedanken und
Datierungsversuche sind durch die Drei-Königs-Geschichte provoziert und zu
Datierungsversuchen von Christi Geburt genutzt worden. Ihre Ausführungen
dazu sind aufschlussreich und überzeugend...
...wenn da nicht einfach der
Entstehungshintergrund dieser Legende ausgeblendet worden wäre. Die
Drei-Königs-Geschichte gehört zu den jüngeren Hinzufügungen zur in den
Evangelien kompilierten Geburtsgeschichte Jesu und dürfte etwa im dritten
Jahrhundert n.Chr. entstanden sein. Sicherlich gehört sie nicht zum
Traditionsbestand der jüdisch-urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, der
allein authentische Übermittlungen zuzugestehen sind. Ob ältere, der Zeit
durchaus angemessene astrologische Überlieferungen in diese Geschichte
eingeflossen sind, lässt sich wohl nicht feststellen. Für
Datierungsversuche sind diese sicherlich zu schwach.
Schon der Inhalt der
Drei-Königs-Legende ist bezeichnend. Wer die Palastanlagen in Persepolis
kennt, wird die die Treppen begleitenden Flachreliefs der „Gabenbringer“
bewundert haben, die detailgetreu Kleidung und Tributopfer der Abgesandten
aller Regionen des Perserreiches darstellen. Sowohl im Altpersischen
Reich wie in Zeit der Sassaniden war dieses jährliche Tributopfer nicht
nur materielle Steuer sondern hoch ritualisierte Unterwerfungs-Symbolik,
die für den Zusammenhalt des Reiches eine große Bedeutung hatte.
Wenn nun drei „Magi“, wie
die eigentliche Bezeichnung der „Könige“ lautet, dem Jesuskind „huldigen“,
ist dies eine zur damaligen Zeit leicht verständliche Unterwerfungsgeste
der Persischen Zarathustra-Religion unter das Christentum und seinen
„göttlichen Herrscher“. Waren doch die „Magi“, von denen sich auch der
Begriff der Magie und der Magier herleitet, die religiöse Herrscherkaste
des Sassanidenreiches, die unter dem religiös sich legitimierenden
Großkönig die religiösen Grundlagen des Reiches zu sichern hatten.
Die Drei-Königs-Legende ist
also ein typischer Legitimationsmythos, der den östlichen Machtrivalen des
christlich werdenden Römischen Reiches, nämlich das Perserreich der
Parther und Sassaniden (seit 225), zur Unterwerfung aufforderte. Diese
religiöse Propaganda ist damals durchaus richtig verstanden worden. Dass
daraus ein innerchristlicher Glaubenstatbestand geworden ist, zeigt, wie
sehr sich jede soziale Gruppe, also auch das Christentum,
Überlegenheitslegenden zur Sicherung der eigenen Identität zu Nutze
macht.«
Gerhard Voigt
Die „Via Dolorosa“
»Die Via Dolorosa
(lat. Der schmerzhafte Weg, Leidensweg) (arabisch طريق الآلام tariq
al-alam) ist eine Straße in Jerusalem. Sie führt durch die Altstadt
vom Löwentor (oder Stephanstor) zur Grabeskirche, die an
jenem Ort steht, wo Jesus ins Grab gelegt worden sein soll. Die Straße ist
heute im östlichen Teil eine Altstadtstraße (Löwentorstraße), während der
westliche Teil durch verwinkelte Gässchen zwischen den alten Häusern
führt, teilweise mit Bogengängen überdeckt, teilweise durch Treppen
unterbrochen. Dazwischen führt die Route über die Al-Wad-Straße, die vom
Damaskustor zum Dungtor (Klagemauer) führt… Nach der
Überlieferung ist die Via Dolorosa jene Straße, die zur Zeit des Todes von
Jesus vom Amtssitz des römischen Statthalters Pontius Pilatus zur
Hinrichtungsstätte am Hügel Golgota führte. Allerdings sind diese
Orte historisch nicht eindeutig bestimmbar. Diesen Weg musste Jesus vor
seiner Kreuzigung zurücklegen, wobei er auf einem Großteil der Strecke das
Kreuz selbst tragen musste. Daher ist die Straße heute als Kreuzweg
ausgestaltet. Von den 14 Stationen des Kreuzweges befinden sich aber nur
acht auf der Via Dolorosa selbst. Die neunte befindet sich auf dem Dach
der Grabeskirche, die letzten fünf darin. Da sich sowohl der
Straßenverlauf als auch das Niveau der Stadt über die letzten 2000 Jahre
stark verändert haben, muss dieser Weg mehr als Verbindung von
Gedenkstätten als eine Wanderung in Jesu Fußstapfen gesehen werden.«
[Wikipedia: Via Dolorosa.]
Die Zeit der Festigung
des Christentums im abgespaltenen Ostrom (Byzanz) war eine Zeit, in der
die Suche nach materiellen Symbolen für die Glaubenswahrheiten in den
Vordergrund trat. Das Christentum war nicht philosophisch-theologisch
gegründet, sondern setzte sich durch mit der Festigung der
Herrschaftsmacht des oströmischen Kaisers. Machtpolitisch stand das
Oströmische Reich in Konkurrenz mit dem Sassanidenreich in Persien[92];
an den Grenzen gab es immer wieder militärische Konflikte, doch waren die
regionalen Machtpotentiale in etwa gleich, so dass ein umfassender Feldzug
nicht in Frage kam. So versuchte Byzanz seine Machtansprüche durch die
religiöse Deslegitimierung des Sassanidenreiches durchzusetzen. Dieser
Prozess der Christianisierung kristallisierte und personalisierte sich vor
allem um Kaiserin Helena (Mutter Konstantins des Großen), von der
wohl anzunehmen ist, dass sie ein sehr emotionales Religionsverständnis
mit mystischen Zügen vertrat, das sich in praktischem Verhalten äußerte –
das aber wohl zu gut in die propagandistischen Ziele des oströmischen
Kaisers passte, die durch einen Funktionalisierung der Religion zu
erreichen versucht wurde.
»Als Helena schon über
70 Jahre alt war, soll sie im Traum den göttlichen Befehl erhalten haben,
nach Palästina zu reisen, die Heiligen Stätten zu finden und würdig
auszugestalten. Wohl 326 unternahm sie ihre Wallfahrt nach Jerusalem, um
„die Fußspuren des Erlösers ... zu verehren”, wie der Zeitgenosse Eusebius
berichtete. Die Suche nach dem Grab Jesu war schließlich von Erfolg
gekrönt dazu fand man auch Melchisedeks Felsengruft und drei gut erhaltene
Kreuze, die mehr als 300 Jahre alt gewesen sein könnten. Bischof Makarios
I. von Jerusalem bezeugte die „Kreuzauffindung” Auch Cyrill von Jerusalem
bezeugte das wahre Kreuz und das Heilige Grab. Die Kirche über dem Garten
Getsemani habe Helena als 79-jährige bei ihrer Wallfahrt gegründet.«[93]
Auf Grund intuitiver
„Erkenntnisse“ legte Helena auch den Verlauf der Via Dolorosa fest, wobei
heute meist übersehen wird, dass im Verlaufe der Baugeschichte Jerusalems
der Weg immer wieder modifiziert wurde und die „Stationen“ des
Leidensweges neu bestimmt wurden. Insbesondere die letzten Stationen auf
dem Dach der Grabeskirche und im Kirchengebäude selbst setzten die
endgültige Bauform der Kirche voraus.
»Der Bau der ersten
Grabeskirche begann im Jahre 326 n.d.Z. auf Initiative Kaiser Konstantins.
Die Kirche wurde an der Stätte eines römischen Tempels und Heiligtums aus
dem 2. Jahrhundert errichtet, die einer lokalen Tradition zufolge über dem
Orte standen, an dem Jesus gekreuzigt und begraben worden war. Nach der
Zerstörung der römischen Gebäude wurde hier eine Reihe von Felsengräbern
gefunden. Eines der Gräber identifizierte man als das Grab des Joseph von
Arimathäa. Das Grundgestein um dieses Grab wurde abgetragen, so daß ein
von der Umgebung isolierter, freistehender Felsen mit der Grabkammer im
Inneren übrigblieb (an der Stelle des heutigen Grabpavillons). Nur wenig
ist von dem ursprünglichen byzantinischen Bau erhalten, der 614 n.d.Z. von
den Persern geplündert und niedergebrannt worden war. Dem teilweisen
Wiederaufbau unter dem Patriarchen Modestos folgte eine Beschädigung der
Kirche durch ein Erdbeben im Jahre 808 und die Zerstörung auf Befehl des
Fatamidenkalifen al-Hakim 1009. Ein Teil des Bauwerks wurde 1048 unter dem
byzantinischen Kaiser Konstantin Monomachus wiederaufgebaut, doch die
meisten Trakte der heutigen Grabeskirche sind das Ergebnis des
Wiederaufbaus unter den Kreuzfahrern im 12. Jahrhundert sowie späterer
Renovierungsarbeiten (die jüngsten Restaurations- und
Konservierungsarbeiten begannen 1959 und sind bis heute nicht
abgeschlossen). Die heutige Kirche umfaßt die Hälfte des Areals der
ursprünglichen byzantinischen Kirche, und nur die Grabrotunde entspricht
annähernd in Form und Anlage dem Original aus dem 4. Jahrhundert«.[94]
Es ist also
unbestreitbar, dass die Via Dolorosa nicht mit den Maßstäben der
„historischen Realität“ gemessen werden kann, sondern eine Glaubensentität
darstellt, die in den Gläubigen selbst verankert ist.
-
Materielle Glaubensentitäten sind
Versinnbildlichungen von Glaubensinhalten- vor allem für diejenigen,
deren Denken nicht abstrakten Argumentationsmustern folgt, sondern sich
in Bildern ausdrückt.
-
Glaubenssymbole existieren daher außerhalb
der Fragestellung nach historischer Realität; sie bergen ihre „Wahrheit“
in sich selbst.
-
Dies verbindet sie mit dem alten
Reliquienkult, bei dem am Rande eine Überlegung mitgeteilt werden
sollte, die aus Kreisen von Kirchenhistorikern stammt: dass, wenn man
einmal die Volumina aller Kreuzesreliquien in der ganzen Welt addiert,
ein ganzer Wald dafür abgeholzt werden musste..
-
Die Bedeutung der Glaubenssymbole in der
Gegenwart liegt in ihrer sozialen Funktion, indem sie Gläubige in
gemeinsamen Ritus zusammenführen und ein Bewusstsein von Gemeinsamkeit
und Solidarität hervorrufen können – somit nach innen in der Gruppe
friedenstiftend wirken…
Mythenbildung
Im Folgenden sollen
Beispiele für Mythenbildung und ihre machtspezifische, also Herrschaft
ausbildende und Herrschaft stabilisierende Funktion gegeben werden. Es
kann sich nur um einige charakteristische Beispiele handeln.
-
„Die Flucht aus Ägypten“: Das sich teilende
Meer, das beim Zurückfließen die Feinde vernichtet, ist eine der
zentralen Legenden der jüdischen Mythologie. Es soll damit die
Besonderheit für spätere Epochen der Geschichte des Jüdischen Volkes
herausgehoben werden: das auserwählte Volk, das sich selbst als
solches definiert hat.[95]
Es stellt damit eine Legimitätsbasis dar für Taten als Eroberungen von
Gebieten und Unterjochung anderer Völker. Ihr Gott ist der mächtigste.
-
In diesem Zusammenhang ist der Mythos vom
„gelobten Land, wo Milch und Honig fließt“ in das der Gott der
Juden das Volk Israel geführt hat, also die
Inbesitznahme einer agrarisch wertvollen Region. [Man Vergleiche die
Legitimierungen z.B. in den USA von „Gods own country“, die
Popularisierung in dem Song: „It’s my land, it’s your Land, it’s our
land...“, das bis heute in den Vereinigten Staaten inbrünstig
gesungen wird. Der durch europäische Einwanderer begangene Genozid an
der indigenen Bevölkerung wird dabei immer noch weitgehend verdrängt.
Die Ausbildung des christlichen Fundamentalismus im sog. Bible-Belt
steht in diesem Zusammenhang.] Es handelt sich um die klassische
Legitimation für die Eroberung eines fremden Territoriums. Dazu
benötigte man den eigenen Gott, der dieses über seine eigene
Unanfechtbarkeit legitimiert. Gottes Entscheidungen werden akzeptiert
und niemals in Frage gestellt, auch wenn sie Leiden verursachen und
nicht nachvollziehbar sind und schon gar nicht erklärbar.
Charakteristisch ist die nicht notwendige Erklärbarkeit, wesentlich ist
die unangefochtene Akzeptanz.
-
Wesentlich ist auch der Mythos des Moses,
der „vom Berge Sinai herabstieg und die Gesetzestafeln mitbrachte, die
er dann zerschlug.“ Eine zentrale Legende und Lehre für den frühen
Verdichtungsprozess einer Ethnie die sich ein Regelsystem erschafft. Von
einer physischen Existenz eines Moses, einer historischen Figur, ist
dabei nicht auszugehen.
-
Die Legende von Adam[96]
und Eva entspricht vermutlich den Mythenbildungen anderer Völker in
allen Regionen der Erde, jeweils in unterschiedlichen Varianten und
Kontexten.
-
Abraham gilt in der
jüdisch-christlichen-Mythologie als historische Figur. Mohammed hat
diesen Mythos bei der Abfassung des Koran übernommen. Bekanntlich
spricht man deshalb von den abrahamitischen Religionen. Es soll hier
nicht die Frage gestellt werden, ob Abraham eine historisch existierende
Person war.
-
Inwieweit die Legende von Wasser, das dem
Fels in der Wüste entspringt, eine gesellschaftspolitisch tiefergehende
Bedeutung zuzumessen ist, mag strittig sein. Die Legende ist aber
typisch für aride Regionen, für Steinwüsten. Sie verkörpert und
funktionalisiert das Sehnen nach dem unabdingbaren Lebenselixier, dem
Wasser. Die Verbindung zur Macht des eigenen Gottes ist dabei erheblich
und notwendig.
-
Ein zentraler Mythos ist der „Steinwurf des
David im Kampfe gegen den Goliath.“ Möglicherweise soll es Mut machen
und anspornen im Kampfe gegenüber zahlenmäßig überlegenen Gegnern. Und
immer ist der eigene Gott im Spiel.
Die immerwährende,
aber nicht wissenschaftlich einhellig beantwortbare Frage bleibt bis
heute: „Sind die Juden ein Volk?“ Volk ist grundsätzlich als
mythischer Begriff zu verstehen und nicht als eigenständige und
geschlossene Entität. Es besteht nur der Versuch, es über den
Methodenbegriff der Ethnifizierung zu bestimmen, verbunden mit
moderneren Vorstellungen der nation building.
Mythen, Symbole und Tabus
Der Begriff „Mythos“ als analytische
Kategorie ist neueren Datums und setzt kulturell die Verschriftlichung
der Überlieferung und gesellschaftlich die Organisation in Staatsverbänden
voraus. Erst als sich eine kritische Auseinandersetzung mit den
überlieferten Traditionen entwickelte, wurde der „Mythos“ zu einer
distinktiven Bezeichnung und bezeichnete nicht mehr allgemein verbindliche
religiöse Überlieferungen, deren Wahrheitsgehalt nicht in Zweifel gezogen
wurde. Historisch ist das ein langer, vielfach unterbrochener Prozess, der
in der antiken griechischen Philosophie ihren ersten grundlegenden Ansatz
seit Herausbildung der schriftlichen Niederlegung älterer Überlieferungen
durch Homer fand.[97]
Im Verlauf der Geschichte ändert sich auch die
Form der Überlieferung von der narrativen Kultur hin zur schriftlichen
Kultur. Wo zunächst die Verschriftlichung noch ein Aufzeichnen und
Kompilieren erzählter Überlieferungen war, entwickeln sich neue
Beziehungen zur Tradition. Im 19. Jahrhundert – im Zusammenhang mit der
Entstehung der modernen Staatsgesellschaft und in der Erkenntnis ihrer
Defizite an originären Traditionen – entwickelt sich eine Form der
Sammlung und schriftlichen Fixierungen der vorhandenen Reste narrativer
Traditionen. Bekanntestes Beispiel sind die Märchensammlungen der Brüder
Grimm. Die Problematik dieser neuen Zuwendung zur erzählten Überlieferung
liegt nun darin, dass die These von der „uralten Herkunft“ der Märchen in
vielen Fällen auf Irrtümern basiert und dass sich in der Sammlung durchaus
schon nacherzählte junge literarische Märchen und „Wandermärchen“ mit z.T.
internationalem Hintergrund befinden.
Interessant ist es, den unterschiedlichen
Bedeutungen narrativer und mythologischer Überlieferung in verschiedenen
Kulturen nachzugehen, was in unserem Kontext nicht mehr ausführlich
geschehen kann. Doch prägen unterschiedliche Haltungen zur Mythologie das
Alltagsleben in hohem Maße, machen aber die Penetration der „westlichen
Moderne“ zu einem ganz eigenem Problem. Hier sei nur ein kurzer Hinweis
auf V.S. Naipaul und seine Studie über die afrikanischen Länder,
die er auf einer Reise kennen gelernt hat, notiert:
»Wenn man an die traditionelle afrikanische
Religion glaubte, war man in der Defensive. Es gab keine Doktrin, an die
man sich halten konnte; es gab nur ein Gefühl der Richtigkeit der
überlieferten Sitten und Gebräuche, der Heiligkeit des heimischen Bodens.
(…) Die Doktrin des Islam und des Christentums, beides Weltreligionen,
hatte ein philosophisches Fundament und konnte ausgelegt werden. Die
traditionelle afrikanische Religion kannte keine Doktrin; sie brachte sich
am besten über Rituale und Dinge zum Ausdruck.«[98]
Aus den Überlegungen geht hervor, dass der –
umfassende – Bedeutungsgehalt der Narration im historischen Wandel
herabgestuft wird und sich „Partikularisiert“. Waren Mythen im Altertum
zumindest im Ansatz der Versuch, umfassende „Welterklärungen“ zu
vermitteln und ein Grundgerüst gesellschaftlicher „Sinnverständnisse“ zu
kodifizieren, geht mit der Verschriftlichung der Überlieferung eine
Differenzierung in regionaler und sozialer Hinsicht einher, die zunehmend
eine bewusste Funktionalisierung im Sinne des Macherhalts ermöglichte, wie
wir es schon beim Stichwort der „Legitimationsmythen“ gesehen haben.
Für die heutige Zeit hat der Mythos als
umfassendes „Sinngebilde“ ausgedehnt und wird durch eine Vielzahl
narrativer wie schriftlicher Kommunikationsformen im Rahmen der
„Politischen Kultur“ ersetzt, über die im Folgenden einige kurze
Überlegungen angefügt werden sollen.
-
Damit ist es aber auch verständlich, warum
wir die grundsätzlichen Überlegungen zum Mythos an Hand biblischer
Geschichten entwickelt haben, und wie diese in der späteren Geschichte
einem Bedeutungs- und Funktionswandel erfahren haben, wobei die
ausführlicher dargestellten „Legitimationsmythen“ eine bedeutsame Rolle
spielen. Es wird aber auch verständlich, warum neuzeitliche Versuche,
Mythen zu konstruieren, kaum je einen umfassenden Erfolg gehabt haben,
wie es z.B. der „Bismarckmythos“ oder der „Mythos der freien
Marktwirtschaft“ zeigen. In der gegenwärtigen Epoche wurden Mythen durch
Ideologien ersetzt, wobei der Charakter als „Glaubensinhalte“ jedoch
weiterhin bestehen blieb.
Sagen, Fabeln…
Sind Märchen im 19. Jahrhundert zu einer
Literaturform geworden, deren Sinnverständnis bezeichnet werden kann durch
die „Moral von der Geschichtʼ“ – über die sich dann Wilhelm Busch
in seinen „Comics“ lustig macht – bleiben auf einer niedrigeren
Ebene Sagen und Legenden noch lange Teil der lokalen
Überlieferung und sind an bestimmte Orte gebunden und werden so zum
Forschungsobjekt für Volkskundler.[99]
Eine haltbare Tradition der Realitätsdeutung
existiert in diesen Überlieferungsformen jedoch nicht mehr. Auch dort, wo
sie noch bekannt sind, werden sie distanziert wahrgenommen und oft
ironisiert. Ihre „Haltbarkeit“ zeigt jedoch die durchaus vorhandene
Ambivalenz der Sinnvermittlung, die die Sagen und Legenden heute oft zum
Gegenstand von literarischen Werken macht (wie überhaupt die narrative und
schriftliche Tradition ein Grundmaterial der Literatur ist – auch wenn man
die Klassiker von Shakespeare bis Goethe und Schiller
betrachtet).[100]
Fabeln wurden dann zu einer legitimen
literarischen Kategorie, die sich der Allegorie[101]
wie des gesellschaftlichen Symbolrepertoires bediente.[102]
Sehr alt und bis ins Altertum zurückreichend ist das Stilmittel, mit
Tierfiguren menschliche Eigenschaften und Verfehlungen im übertragenen
Sinne darzustellen und zu kritisieren. In den wenigsten Fällen gehören
Fabeln aber zu den originär narrativen Volksüberlieferungen.
Es entstehen auch heute noch mündliche – und
vielfach geglaubte – Volksmythen und Legenden, deren
typische Erzählform ist: „Ein Freund von mir hat von einem guten Bekannten
erzählt bekommen, was einem Freund von ihm tatsächlich zugestoßen ist…“.
Die Sammlungen von Rolf-Wilhelm Brednich wurden Bestseller und
haben heute – um wieder ein irrationales „Bild“ zu bemühen –
„Kultstatus“.[103]
Als Ergebnis dieser kurzen Überlegungen möchte
ich festhalten:
-
Auch heute besteht unsere
Realitätswahrnehmung nicht aus überprüften und überprüfbaren
„Tatsachen“ sondern ist Ergebnis eines innergesellschaftlichen
Kommunikationsprozesses, eines Diskurses über die Realität,
dessen – im Zeitverlauf sich wandelndes – Ergebnis als „Wahrheit“
verstanden und geglaubt wird. Die Gesamtheit dieser Diskurse bedeutet
dann die „Politische Kultur“ einer Gesellschaft.
…Symbole, Bilder
Mit der Veränderung der Tradierung von
Aussagen über die Realität, die vorher getrennt war in mündliche und
schriftliche Überlieferung, durch das Aufkommen der Bildüberlieferung –
Illustrationen, Fotos, Film, Fernsehen, Computer – verändert sich auch der
kommunikative Inhalt der Politischen Kultur. Nicht textgebundene
Überlieferungen treten stärker in den Vordergrund und konstituieren unser
„Bild von der Realität“.
Zu unterscheiden sind dabei nonverbale
Sinnüberlieferungen im Alltagsverhalten, wie sie die Soziologie des
„Symbolischen Interaktionismus“ untersucht[104]
und aus der in unserem Zusammenhang nur Alltagsrituale z.B. der
Höflichkeit – Hände geben, Umgang mit dem anderen Geschlecht, Tischsitten
– interessieren, die auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der
Zivilisation spielen, die Norbert Elias wohl als erster umfassend
dargestellt hat[105],
von der eindrucksvollen Form der Bildüberlieferung.
Simon Benne führt in bezeichnender
Weise aus Anlass einer Ausstellung im Historischen Museum Hannover
zum Thema „Bilder im Kopf – Ikonen der Zeitgeschichte“ aus:
»Es gibt mehr davon, als man glaubt. Der
entführte Hanns Martin Schleyer. Joschka Fischer in Turnschuhen. Josef
Ackermann mit Victory-Fingern. Willy Brandts Kniefall. Der tödlich
getroffene Benno Ohnesorg. All diese Fotos sind Schlüsselbilder.
Ankerpunkte unserer kollektiven Erinnerung.
Sie ragen heraus aus der Flut der Bilder. Sie
pointieren ein komplexes Geschehen und verdichten eine Epoche auf einen
Augenblick. Und es gibt kaum ein historisches Ereignis von Rang, zu dem es
nicht eine solche Ikone gäbe. Eine Ikone ist ja nicht nur ein bloßes
Abbild, sondern eine Art Gedächtnisbild, das semiotisch die Stelle des
Originals einnimmt. Sie steht nicht nur für irgendetwas, sondern in ihr
ist praktisch etwas aufgehoben. Ein ganz eigener Geist. Im Historischen
Museum geht es in der sehenswerten Ausstellung „Bilder im Kopf“ jetzt um
genau solche Aufnahmen. Die Schau, konzipiert vom Bonner Haus der
Geschichte, fragt danach, wie ein Foto zur Ikone wird.
Dazu muss ein Bild natürlich erst einmal
fotografisch gut sein. Dramatisch, emotional, mit eingängiger Bildsprache.
Doch das sind nur notwendige, keine hinreichenden Bedingungen. Jemand muss
das Bild erschaffen – und jemand muss dafür sorgen, dass es massenhaft
verbreitet wird, wenn es zur Ikone werden soll. „Ikonen sind vor allem
Konstrukte“, sagt Kurator Jürgen Reiche. „Sie bilden nicht Wirklichkeit
ab, sondern konstruierte Wirklichkeit.“ Mehr noch: Sie konstruieren selbst
Wirklichkeit, denn sie prägen ja unser Bild von der Realität. Da sind zum
Beispiel die Flaggen. Flaggen über Flaggen sind auf Fotos in der
Ausstellung zu sehen, und jede soll eine klare Botschaft unters Volk
bringen. Amundsens norwegische Flagge 1911 am Südpol.
Die sowjetische Flagge 1945 über dem Berliner
Reichstag. Die amerikanische Flagge auf der Pazifikinsel Iwo Jima und auf
dem Mond. Lauter gestellte Fotos, absichtsvoll verbreitet von
interessierter Seite. Teils werden mit solchen Bildern Schlachten
geschlagen. Im Sommer 1961 gelang Peter Leibing – sonst auf Springreiten
spezialisiert – der Schnappschuss des DDR-Bereitschaftspolizisten, der
über den Stacheldraht in die Freiheit springt. Ein Mann, der für einen
Sekundenbruchteil über der Systemgrenze schwebt. Ein Mann in einer
Situation, in der es nur Entweder-oder gibt. Das Bild entlarvte die
Propaganda vom „antifaschistischen Schutzwall“ als Märchen. Am Tag darauf
verbreiteten DDR-Propagandisten Fotos von „Kampfgruppen der
Arbeiterklasse“, sympathischen jungen Männern, die Seit an Seit vorm
Brandenburger Tor stehen. Eine im Wortsinne menschliche Mauer. Der
US-Fotograf Henry Ries machte 1948 seine berühmte Aufnahme eines
„Rosinenbombers“. Kinder zeigt sie.
Viele Kinder. Junge Menschen.
Die Zukunft ist Fleisch geworden. Sie stehen auf Trümmerbergen – und von
oben schwebt wie ein Heilsengel das Flugzeug der Alliierten ein, die nicht
mehr Besatzer, sondern Freunde sind. Das Bild funktionierte, die Botschaft
kam an. Anders als bei dem Foto vom gefangenen Schleyer, das die RAF
triumphal verbreitete. Dieses sollte den mächtigen Arbeitgeberpräsidenten
dem Hohn der werktätigen Massen preisgeben. Stattdessen weckte es Mitleid.
Und das Bild des verängstigten Jungen aus dem Warschauer Getto von 1943
stammt eigentlich aus einem Bericht der SS, die ihr effizientes Vorgehen
dokumentieren wollte. Stattdessen illustrierte es in Schulbüchern seit den
Sechzigern die Unschuld der Verfolgten – und die Gnadenlosigkeit ihrer
Peiniger. Nicht jede Ikone wird als Ikone geplant, nicht immer ist die
Wirkung eines Bildes berechenbar. Von einem „Pictural Turn“ spricht
Kurator Reiche für die sechziger Jahre, einem „Bilderumschwung“.«[106]
Die Welt besteht aus Bildern, die in unseren
Köpfen zu Realitätsdeutungen werden, eingebunden in kulturelle
Selbstverständnisse und gesellschaftliche Diskurse und Erfahrungen:
»Erstens: Mehr als sieben
Milliarden Menschen beleben den Planeten. Zweitens: Jeder von ihnen ist
ein Hort von Geschichten. Drittens: Sehen wir Menschen aus Fotografien,
ersinnt ihnen unser kopfinnerer Erzähler Geschichten. So ergeht es einem
auch beim Betrachten der Ausstellung(sfortsetzung) „More than Seven
Billion Stories“«[107]
Familienbilder
Kennzeichen unserer heutigen Politischen
Kultur ist ihre Indifferenz und Uneinheitlichkeit. Sie wird weniger durch
nennbare verbindliche Inhalte – wie früher durch geschlossene religiöse
Systeme und Mythen – bestimmt, als durch die Auswahl der wahrgenommenen
Entitäten, ihre Blickverengungen und Wertbeladenheiten, die nur in den
seltensten Fällen bewusst wahrgenommen werden und damit doch wieder
Grundstrukturen der Politischen Kultur folgen – sie sind damit
sozio-kulturelle und nicht individuelle Phänomene, auch wenn die
„Individualisierungszumutung“ allgegenwärtig ist.[108]
Dabei verschränken sich die verschiedenen Ebenen der Kulturwahrnehmung, so
dass die bewusste „kulturelle“ Deutung der Realität – und der
gesellschaftlichen Prozesse – in ambivalente Kontexte zu kulturellen
„Massenphänomenen“ treten:
»… Alexander Kluge habe das über Opern gesagt
– „ich glaube, Schlager können das auch sein“. Und dann schwärmt der
gebürtige Ostberliner vom „Schlager aller Schlager“, Roy Blacks „Ganz in
Weiß“: „Das ist der Schlager auf seine Essenz gebracht.“ Den ersten „Kollateralschlager“
entdeckte er bei der Recherche für einen Videoschnipselabend – die Jacob
Sisters 1973 in Teheran: „In kurzen Röcken vor der Schah-Familie – vor dem
Machthaber, der mit CIA-Hilfe ein gewähltes Regime wegputschte und eine
alle Traditionen leugnende Modernisierung betrieb: Autobahnen, Alkohol,
kurze Röcke.“
Dieser Zusammenprall der
Kulturen, der knapp 30 Jahre später in New York die Türme explodieren
ließ: am Schlager sei er abzulesen gewesen. Weshalb ein Buch von Kuttner
den Titel „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des
deutschen Schlagers“ trägt. So liest er Schlager und Historie parallel:
„Die Große Koalition steht an in den 60ern, die SPD will in die Regierung
– und Wencke Myhre singt warnend an die CDU: „Beiß nicht gleich in jeden
Apfel, er könnte giftig sein.?“ Und unsere Finanzwelt heute? Hat das
Hazy-Osterwald-Sextett Anfang der 60er vorweggeahnt: „Gehʼn Sie mit der
Konjunktur: Holen Sie sich Ihre Kohlen/ wie der Krupp von Bohlen/ aus dem
großen Weltgeschäft!“ Auch philosophisch habe der Schlager viel zu bieten:
Juliane Werdings „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du
denkst“ könne man auch „als postmoderne Antwort auf Descartesʼ „Ich denke,
also bin ich“ lesen. Das, schmunzelt er, sei „diese alte
Heiner-Müller-These: Der Text ist klüger als der Autor.“«
[109]
Welche Anforderungen an diese „Politische
Kultur“ stellt nun der Einzelne, wenn ihm keine umfassenden Mythen zur
Realitätsbewältigung mehr zur Verfügung stehen? Er sucht ein
Lebenskonzept, das den einzelnen – vor allem auch emotionalen und
wertbezogenen – Erfahrungen einer Zusammenhalt und eine verlässliche
Struktur gibt: Er sucht einen „Code“ für sein Leben.
You who are on the road
Must have a code that
you can live by
And so become
yourself
Because the past is just
a good bye.[110]
Es ist zu überlegen, in welchem Lebensbereich
sich diese kulturellen Ambivalenzen und Widersprüche am deutlichsten
herausarbeiten lassen, wo die emotionale Aufladung und der
ethisch-normative Subtext einen gesellschaftlichen Diskurs prägen. Eines
dieser Beispiele dürfte die Familie sein, bei der traditionelle
Familienbilder heutigen gesellschaftlichen Normen und Zielen
gegenüberstehen.
Eine zentrale Funktion in allen Mythen nehmen
Begriffe aus dem familialen Bereich ein: Mutter/Vater, Tochter/Sohn und
Bruder/Schwester. In größerer Distanz folgen Ohm oder Schwager, und in
weiterem weltlichen Kontext Gevatter und Genosse.
Relativ einfach einzuordnen ist der Begriff
der Mutter. Im Gegensatz zum Vater ist die Mutter in archaischen
Gesellschaften eindeutig zu erkennen und zu bestimmen. Nahe liegend ist
deshalb, dass die Zugehörigkeit zum Jude Sein mutterrechtlich
abgeleitet wird. Die Verwendung des Vater-Begriffes ist geistig,
symbolisch und damit im Kern mythisch abgeleitet und als solches zu
verstehen, im moderneren Sinne dann rechtlich.
Dieses resultiert vermutlich aus Zeiten, in
der der biologische Akt der Zeugung wohl als Sexualakt und auch bezüglich
der Folgen bekannt war, aber weniger der Bestimmung und Ableitung, gar des
Nachweises der Vaterschaft diente.
Familie als soziale
Institution vs. biologistische Familienmythen[111]
Offen an die Oberfläche der Diskussion trat
das in der Auseinandersetzung um die „Babyklappe“ und die „anonymen
Geburten“. Ironisch pointiert dies Astrid Hölscher in einem
Kommentar „Babys Welten“:
»In der besten aller Welten
braucht kein Mensch Babyklappen. Da sind Familien heil, freuen sich Eltern
(beide) wie wild auf den Nachwuchs, den sie nach der Geburt treulich und
zärtlich umhegen. Auf dass ihm kein Leid geschehe und er fröhlich lebe bis
ins hohe Alter, bevor er von dannen scheide im Kreise seiner vier
Generationen von Lieben. In der besten aller Welten hat der Ethikrat
Recht. In der realen Welt aber kriegen Teenager Babys, verstecken
Schwangere ihren Bauch vor Familie und Freunden, gebären sie ihr Kind auf
dem Bahnhofsklo. In dieser Welt der Verzweiflung tötet eine Mutter ihr
Neugeborenes, heißt die Alternative zur Babyklappe nicht betreute,
vertrauliche Adoption, sondern Mülltonne. Da braucht keine einen Ethikrat
aus einer heilen Parallelwelt.«[112]
Aktuelle Anstöße zu gesellschaftlichen
Problemen und Kontroversen können auch Anstoß zu grundsätzlicheren
Überlegungen zu den ethischen und rechtlichen Normen unserer Gesellschaft
sein. Einen solchen Anstoß provoziert am 26. November 2009 der Deutsche
Ethikrat mit seiner Stellungnahme „Das Problem der anonymen Kindesabgabe“[113].
Die öffentliche Resonanz war groß. Die meist
kritischen Kommentare betonten, dass die Stellungnahme „Seltsam rigoros“
sei.[114]
Michael B. Berger charakterisiert den Ansatz des Ethikrates
folgendermaßen:
»Die umfangreiche Stellungnahme
enthält manchen guten Detailvorschlag. Aber sie bezweifelt grundsätzlich,
dass Frauen, die ihr Kind in einer Babyklappe abgeben, sich in einer
dramatischen Konfliktlage befinden – denn schließlich sei die Geburt
überstanden und gebe es ja noch die Möglichkeit der Adoption. So eine
Argumentation befremdet. Sie ist seltsam rigoros.«[115]
Dem stellt der Kommentator die Position von
Margot Käßmann, Landesbischöfin von Hannover und Ratsvorsitzende
der EKD gegenüber: „Als Ultima Ratio, als wirklich aller letzte
Möglichkeit, sehen Kirchenvertreter wie Margot Käßmann die Babyklappe.
Jedes gerettete Kind rechtfertige die Existenz der Babyklappe, für die es
keine klare gesetzliche Grundlage gibt – bis auf den ethischen Notstand.“
Die ethische Seite, Leben zu retten, ist sinnvoller Weise das Zentrum
verschiedener Kommentare.[116].
Mit dieser kurzen Zusammenstellung einiger
Kommentare, denen weitgehend zuzustimmen ist, wird einmal ein
Grundwiderspruch unserer öffentlichen Diskurse deutlich, nämlich die
antagonistische Fundamentierung durch Ableitung von Wertungen und
Handlungsleitungen aus dogmatisch-rechtlichen Legitimationshierarchien,
und demgegenüber dem Bezug auf den „pragmatischen Nutzen“ für
„offensichtliche Wertorientierungen“, deren Legitimation im Rahmen der
Diskursebenen der gegenwärtigen Politischen Kultur nicht anzweifelbar
ist. Zu diesen „Selbstverständlichkeiten“ gehört die These von der
Universalität der Menschenrechte und des Schutzes des menschlichen
Lebens, den wir auch gar nicht anzweifeln können.
Philosophisch ist dieser Antagonismus der modernen Selbstverständnisse nur
rechtshistorisch zu begreifen, wie es Pierre Legendre dargelegt hat.[117]
Es wird sich im Weiteren zeigen, dass gerade dieser Ansatz von Legendre
für das in Frage stehende Thema besonders aufschlussreich sein kann.
Erstaunlich ist, dass das zentrale Argument
des Ethikrates gegen die Babyklappen, das Recht des Kindes auf Kenntnis
seiner Herkunft ist. Damit ist die Positionierung des
ethisch-normativen Ausgangspunktes des Ethikrates im Sinne des eben
skizzierten Antagonismus deutlich. Dies müsste aber grundsätzlich in Frage
gestellt werden, da Herkunft im Sinne der entwickelten Identität des
Menschen keine biologische Dimension ist, sondern im Sinne der
sozialen Institution der Familie eine soziale Dimension.
Gewiss haben Kinder das Recht, ihre Herkunft
zu erfahren. Das Recht und ein starkes Bedürfnis; ganze Soap-Serien im
Privatfernsehen künden von der Suche Halbwüchsiger nach ihren Eltern.«[118]
Es ist festzuhalten, dass dieses „Bedürfnis“, seine biologische
Herkunft kennen zu müssen, selbst gesellschaftlich induziert ist und einem
biologistischen Weltverständnis entspringt. Es gibt keine
natürliches Wissen um biologische Eltern-Kind-Beziehungen[119]
Insofern ist die Frage nach der biologischen Herkunft ein
gesellschaftlicher Mythos, der aber durchaus reale gesellschaftliche
Relevanz und Sprengkraft besitzt. Das naturwissenschaftliche Weltbild, das
diesem Mythos zu Grunde liegt, ist selbst ein „Glaube an die
Wissenschaft“. Manfred Schneider fasst in diesem Zusammenhang
Thesen von Pierre Legendre zusammen.[120]
Insofern ist die rechtliche Festlegung, dass
der Mensch ein Recht auf Kenntnis seiner biologischen Abstammung hätte,
äußerst fragwürdig und folgt dem biologistischen Mythos. Dazu der
Ethikrat: „Die Angebote anonymer Kindesabgabe sind allerdings ethisch und
rechtlich sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes
auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern
verletzen.“[121]
Eine Abkehr von der biologistischen Perspektive wäre es, wenn auch im
normativen Bereich sich die Festlegung durchsetzen würde, dass „Eltern“
die „sozialen Eltern“ sind, in deren Familie das Kind – hier wohl
zunächst das Baby in den ersten entscheidenden Jahren – aufwächst, wobei
die Vorstellung, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens mehrere Eltern
haben kann gar nicht so utopisch ist.
Diese Argumentation wird problematischer und
differenzierter, wenn es nicht mehr um die „Anonymität“ der Herkunft geht,
sondern wenn soziale und individuelle Erfahrungen dem Kind deutlich
machen, nicht von den „sozialen Eltern“ abzustammen. Das kann durch
„Gerüchte“ und „Verspottungen“[122]
in der unmittelbaren sozialen Umgebung geschehen, durch das plötzliche
Auftauchen eines „leiblichen Vaters“ wie durch das eigene körperliche
Aussehen, das eine biologische Abstammung von den Eltern zweifelhaft
erscheinen lässt und „Fremdheitserfahrungen“ induziert.[123]
Hier wird die Frage des Kindes nach der „biologischen Abstammung“
verständlich und wohl auch sinnvoll und es bedarf eines sensiblen Umgangs
mit diesen Fragen, die nicht mehr einfach negiert werden können. Das sind
aber andere Beispiele als die Fälle, die in der Diskussion um die
„anonymen Geburten“ im Mittelpunkt stehen, erst recht in den Fällen, in
denen Kinder in einer existierenden Familie „außerehelich gezeugt“ worden
sind. Hier gilt sicher unsere Auffassung, dass es kein unabdingbares
Recht auf Wissen über die eigene biologische Herkunft gibt, sondern die
„soziale Familie“ entscheidend ist.
Davon abgesehen ist auch das pragmatische
Argument wichtig, dass eine sehr große Zahl von Menschen ohne es zu
wissen und ohne davon Schaden zu tragen keine gesicherte Kenntnis
ihrer biologischen Herkunft haben – voreheliche, außerehelich Zeugung,
verschwiegene Adoption etc. – Das Argument der Wichtigkeit der genetischen
Herkunft ist ein biologistischer Mythos, der im Laufe der Neuzeit an die
Stelle des „göttlichen Willens“ der Geburt getreten ist. Es ist also
durchaus nicht sinnwidrig, wenn die evangelische Hannoversche Landeskirche
positiv zur Babyklappe steht und selbst eine betreibt; die relativiert
damit den biologistischen Mythos von der „Herkunft des Menschen“.[124]
Sexualität, Geschlecht und Machtprozesse
Sexualakte dienten den
Männern der Triebbefriedigung, zur Machtabgrenzung und Einflusssicherung.
Sie haben Wurzeln, die früheren Instinkten zu Grunde liegen. So hat es
denn auch lange Phasen von Zivilisierungsprozessen bedurft, bis das Gewalt
anwenden gegenüber Frauen geahndet wurde, wenngleich auch in Kriegen der
jüngsten Zeit derartige Gewalttaten bekannt geworden sind. In der Regel
geschah es zur Demütigung von Menschen zur psychischen Herabstufung von
Menschengruppen. Da waren der Jugoslawien-Krieg und die Kriege in Afrika.
Zuletzt sind die Beispiele aus Libyen und Syrien zu benennen.
Das Vater-Bild, das
des Patriarchen, ist geistig zu verstehen, im heutigen Sinne als Vor- und
Leitbild. Auch das des Innehabenden von Macht und Weisungs-, Verfügungs-
wie Befehlsgewalt, Richtlinien- und Entscheidungskompetenz sowie
richterliche Befugnis. Insofern hat die Vater/Sohn-Beziehung im
Wesentlichen eine nichtbiologische Bedeutung und Funktion.
Die Begriffe Bruder
und Schwester gehen dagegen über die biologische Verwandtschaft als Kinder
der gleichen Mutter hinaus. Ihre Bedeutung liegt in einer nahen
Gefühlsbeziehung sowie in einer symbolbezogenen, also auf Symbole
bezogenen Beziehung. Und Religionen sind Symbolsysteme!
Beispiele finden wir
mehrfach, aber immer in Beziehungen von Machtgleichen, bzw. auf Menschen,
die sich auf gleicher Hierarchie-Ebene befinden. Beispiele sind Mönche
(Klosterbrüder) und Nonnen (Schwestern), Christen untereinander,
insbesondere jene, die in der Tradition der frühen Christenheit stehen. Im
weiteren Sinne bei Blutsbrüdern als Kampfgenossen.
Der/die in der
Hierarchie Höhere wird mit Vater/Mutter im religiösen Sinne angeredet. In
der katholischen Tradition bis hin zum Oberhaupt, das als Heiliger
Vater apostrophiert wird. Im laizistischen Sinne gibt es dann die
Anrede Herr, deren Charakter als hierarchische Einordnung zur
Höflichkeitsformel verblasst ist.
Bleiben wir beim
Vaterbild. Die Mutter des Jesus, Maria, ist körperlich bestimmbar. Sein
biologischer Erzeuger (wenn er es denn auch tatsächlich war), also Joseph,
ist ebenso als Vater benannt. Er wird aber in der Christlichen Mythologie
in den Hintergrund, wenn nicht gar an den Rand gedrängt.
In der Christlichen
Lehre und ihren Glaubensvorstellungen erscheint und dominiert die geistige
Vater/Sohn-Beziehung. Jesus als Sohn von Gottvater. Es wäre zu
prüfen, wann, in welchem Kontext und in welcher Bibel-Übersetzung die
Vokabel Gottvater verwendet wird.
Gott, der Stammesgott
der Juden, der Israeliten und Hebräer, der in einem ca. Tausend Jahre
langen Prozess als zum alleinigen Gott wurde, sich die Glaubensvorstellung
als einzigen geglaubten Gott herauskristallisierte, wurde in der
Zusammenführung des geistigen Vaters und im Mythos als geglaubten
biologischen Erzeugers zu einer Entität. Dieses gilt als ein zentraler
Glaubensgrundsatz des Christentums.
Ähnlich verhält es
sich vermutlich mit der Glaubensüberzeugung betreffs der Auferstehung. Aus
der geistig-mythischen wird in Verknüpfung mit der biologisch-körperlichen
– vermutlich in der Zeitspanne des ersten und zweiten nachchristlichen
Jahrhunderts entstanden, also bis zur Abfassung der vier Bücher, die die
Evangelien darstellen – eine als Entität, als eine geglaubte Realität der
Auferstehung.
Mit ihr scheint ein
Endpunkt des Entwicklungsprozesses von Mythen und Glaubensvorstellungen
nach Jahrtausenden erreicht worden zu sein.
Körperlicher
Auferstehungsglaube und körperliche Himmelfahrt sind in vielen
Kulturkreisen nachzuweisen und gehen auf die Materialisation archaischer
Glaubensvorstellungen zurück. Sie sind in asiatischen Religionen unter dem
Aspekt der Reinkarnation[125],
also der Wiedergeburt bzw. Wiederfleischwerdung bekannt.
»Der Begriff
Reinkarnation [’re’nkarna’tsi’o’n] (lateinisch ‚Wiederfleischwerdung‘
oder ‚Wiederverkörperung‘), auch Palingenese (altgriechisch, aus
πάλιν, pálin ‚wiederum‘, ‚abermals‘ und γένεσις, génesis ‚Erzeugung‘,
‚Geburt‘) bezeichnet Vorstellungen der Art, dass eine (zumeist nur
menschliche) Seele oder fortbestehende mentale Prozesse (so oft im
Buddhismus verstanden) sich nach dem Tod – der „Exkarnation“ – erneut in
anderen empfindenden Wesen manifestieren. Vergleichbare Konzepte werden
etwa auch als Metempsychose, Transmigration, Seelenwanderung oder
Wiedergeburt bezeichnet. „Außerkörperliche Erfahrungen“ werden oft in
Zusammenhang mit dem Begriff Reinkarnation gebracht. In einigen, aber
keineswegs in allen Reinkarnationslehren ist auch die Karmalehre
integriert«. [Wikipedia. Reinkarnation.]
-
Der Kerngedanke ist also: Die
Sohn/Vater Beziehung sowie die entsprechenden auf familiale
Zusammenhänge und das sie benennende Vokabular sind Gefühlsbeziehungen,
geistige Beziehungen und daraus resultierende Sinngebungen. Sie sind
Kernbestand lange existierender und immer wieder neu empfundener,
gedachter und auch bewusst weiter entwickelter Mythen.
Die Kreuzigung Jesu
Der Opfermythos, seine Funktionalisierung
und Instrumentalisierung.
Die Kreuzigung Jesu
stellt ein Symbol und Beispiel dar für alle Menschen, die jemals
gedemütigt, gequält oder zu Tode gebracht wurden. Zumeist gelten und
galten sie dabei als unschuldig!
Alle kennzeichnet
gemeinsam, dass sie oftmals den Mut hatten, den Mächtigen unbequeme Fragen
zu stellen, ihnen deutliche Wahrheiten zu sagen, diese Untaten nicht zu
verschweigen, sich zu weigern, angeordnetes Unrecht zu tun oder
entsprechende Befehle auszuführen. Sie folgten ihrem Gewissen, waren
klüger als ihre Neider und wurden Opfer von deren Missgunst.
Es handelt sich also
um eine Palette, gar um Abgründe menschlicher Tiefen, die zu begangenem
Unrecht an Menschen wurden und die dadurch zu Opfern wurden.
Der Opfermythos
selbst ist von Beginn des Menschseins bekannt, wurde mündlich
transponiert, dann schriftlich festgehalten. Dies geschah zu Beginn der
Abfassung der Thora, des AT. In einer analytischen Betrachtung stehen sich
hier unterschiedliche Bedeutungsdimensionen gegenüber. Auf der einen Seite
beruft sich die moderne Biologie und Anthropologie auf eine arteigene
Tötungshemmung, die allen Menschen immanent sein soll und Parallelen
in der Tierwelt aufweist.[126]
Dass dies nicht uneingeschränkt gilt, zeigen die tödlichen Kämpfe um
Ranghierarchien in der eigenen Gruppe und die Abwehr von um die
Lebensgrundlage konkurrierenden Fremdgruppen sowohl bei Tieren als auch
beim Menschen. Grundlage in der menschlichen Gesellschaft ist nach Norbert
Elias
[127]die
„Überlebensgruppe“. Nach Auffassung der Anthropologie setzt diese die
Fähigkeit der Kognition voraus.[128]
Zentraler Satz bei Markowitsch / Welzer, 2005 ist:
„Gerade darum sind menschliche Überlebensgemeinschaften prinzipiell
kommunikative Gemeinschaften, denn Kooperation setzt natürlich
Kommunikation voraus.“ [Hervorhebung G.V.]
Mit dem kommunikativen
Element verbindet sich dann die „Sinn-Suche“ für den Erhalt der
„Überlebensgemeinschaft“, die in ethischen Normen und religiös-mythischen
Bezügen gefunden werden. Diese ethisch-religiöse Normierung ist in hohem
Grade ambivalent, weil die – ohnehin mehrdeutige – biologische
„Tötungshemmung“ mit der Forderung nach dem Bestand der
„Überlebensgemeinschaft“ in Konkurrenz steht. Aus diesem Dilemma versucht
die urzeitliche Gesellschaft (Gruppe, Clan) zu entkommen durch eine
bedingungslose Unterordnung unter die „Gottheit“, mit der ein „do ut
des“-Vertrag[129]
geschlossen wird. Bezeichnend ist die Einschätzung: „Es wurde den Göttern
geopfert und gehuldigt, weil man eine Gegengabe bzw. einen Gegendienst
erwartete. Dies ist eine archaische Denkstruktur, die wahrscheinlich jedem
Opferritual zugrunde liegt“ [nach Wikipedia]. Die höchste Form der
Opfergabe ist dann die Hingabe des eigenen Lebens oder das eines anderen
Menschen. Daher sind Menschenopfer in fast allen urzeitlichen
Gesellschaften nachgewiesen.[130]
Hervorzuheben ist,
dass sich Menschenopfer immer auch als Herrschaftsinstrument erwiesen
haben, indem die „absolute Herrschaft“ Gottes oder der Götter übergingen
auf Priester, Priesterkönige oder dynastische Herrscher – z.B. die
Pharaonen in Ägypten oder die dem Gott „Işuşinak“ („Gott von
Susa“) untergeordneten Priesterkönige des Reiches Elam. Mit der
Entwicklung der monotheistischen Religion des Judentums wurden diese
Menschenopfer vor der abstrakteren ethischen Codierung der
„göttlichen Gebote“ (im Kern der „Zehn Gebote“ Mose) obsolet und
dysfunktional und wurden, da das Bedürfnis nach Opfern im Sinne der „do
ut des“-Vorstellungen weiterhin vorhanden war, auf Tieropfer
übertragen. In der letzten mythischen Form fand das ihren Ausdruck im
„Sündenbock“, der einmal jährlich „mit den Sünden des Volkes“ beladen und
in die Wüste geschickt wurde.
In der Mythologie des
Alten Testaments findet sich die Schlüsselrolle in der Figur des Abraham,[131]
der Stammvater der Juden und „Bezugsvater“ von Christen und Muslimen. Er
begab sich in Befolgung göttlichen Gebots zur Opferung eines Kindes –
seines Sohnes. Doch greift ihm Gott durch seinen Engel in die erhobene
Hand und gebietet das Auswechseln des Kindes durch ein Opfertier. Dies
geht in seiner Bedeutung über die personalisierte Erzählung hinaus und
wird damit zum Verbot des Menschenopfers in der jüdischen Religion. Der
sinnstiftende und zugleich in die Zukunft weisende Gott unterbindet die
Tötung. Er schafft dafür die Grundlage für die Sicherstellung des inneren
Friedens der Gentes, der Stämme, des Volkes.
Damit überwindet in
diesem Akt das Tötungsverbot die archaische Opferpflicht. Doch bleibt Art
und Umfang der ethisch gebotenen Tötungshemmung in der weiteren
Geschichte umstritten und – wie Kritiker sagen – unbefolgt. Sie ist aber
zugleich ein Symbol für vernünftiges menschliches Handeln, auch geleitet
und legitimiert durch religiöse Gedankenführung. Bezogen auf die Gegenwart
und die Friedenspolitik setzt sich Peter Reinhart Gleichmann in
seinem Aufsatz „Sind
Menschen in der Lage, das gegenseitige Töten abzuschaffen?“[132]
mit Hemmnissen und Chancen der Durchsetzung einer universalisierten
Tötungshemmung auseinander.
Wie fügt sich das
Christentum in den geschilderten Prozess ein? Für die in den ersten
Jahrhunderten sich stetig vergrößernde Anhängerschar, die sich auf den
gekreuzigten Jesus beruft und in ihrem Handeln bezieht, und sich nach ihm,
dem Gesalbten (Christos) als Christen bezeichnet, ist der
genannte Vorgang ein zentrales Identifikationsmuster: das unschuldige
Opfer, das den Tod erleiden musste.
Dieser Kontext wird
zum Mythos durch die Verknüpfung mit dem Opfergedanken für die Menschheit:
Christus, das Lamm Gottes. Im weltlichen Sinne drängt sich zum
Vergleich die Parallele auf zum Helden, der dieses geworden ist
durch sein Sterben (manchmal) für die gute Sache, für den König, das Volk
etc., der gestorben bzw. gefallen ist, sei es durch den Kampf oder eine
Unrechts- bzw. Gewalttat.
In den frühen
nachchristlichen Jahrhunderten zu zentralen Glaubensinhalten geworden,
erfolgt somit eine Instrumentalisierung, eines zurückliegenden
Tötungsaktes. sowie weiterer Glaubensereignisse, die später zum Anlass für
Feiertage wurden: Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten – als
Sinnstiftung für eine Menschengruppe, die sich über eine gemeinsame
Glaubensüberzeugung definiert und nicht (mehr) über Herkunft und
Abstammung.
Das historisch belegte
Ereignis wird durch Verknüpfung übergeleitet in die Bildung neuer Mythen
in Anknüpfung an bisher bestehende. Eine tragische und für die europäische
Geschichte unheilvolle Instrumentalisierung erfolgt durch Diskreditierung
und Verfolgung der Bevölkerungsteile der ursprünglichen Bezugsgruppe
(Juden), durch das neu etablierte (katholische) Christentum. Man mag es
auch sehen in Bezug auf die zur Amtskirche – gar Staatskirche – gewordene
Organisation mit ihren neuen Zentren, insbesondere Rom.
Es geschah in
Verbindung mit politischer Macht und ihren sozialen Auseinandersetzungen
sowie in Verdrängungsmechanismen. Neid und Missgunst sind dabei die
Antriebe des Verhaltens von Europäern, die mit Begriffen wie: Pogrome,
Judenverfolgung und zuletzt dem Holocaust in Scham zu beschreiben sind.
Es handelt sich
dabei nicht um religiöse Verblendung. Dieses stellt keine analytische
Kategorie dar sondern ein Beschreibungsmerkmal mit deutlicher
Aussagekraft.
Umso erfreulicher ist,
dass das positive Element des Christentums, die Nächstenliebe und
vergleichbar im Islam die Toleranz[133]
zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Im modernen Ansatz sollte man auch
das Denken und die Praxis der Ökumene anführen. Und nicht zu vergessen:
Die genannten Prinzipien sind bereits im Judentum vorhanden und über die
Thora präsent. Sie sind damit in den Schriftzeugnissen der Römischen wie
der Byzantinischen Kirche, also im Alten Testament, zu finden.
Der aus dem
(kirchlichen) Antijudaismus entstandene Antisemitismus der
Europäer sowie der Antizionismus und die Israelfeindlichkeit
seien ausgeblendet.
Nachsatz: Ein dem Nobelpreisträger Werner
Heisenberg zugeschriebenes Zitat: „Wer aus dem Glase der
Naturwissenschaften trinkt, der wird Atheist. Wer dann zum Boden des
Glases kommt, der gelangt zu Gott.
Anmerkungen
[1]
Kruse, Wolfgang, 2000: Mythen und Mentalitäten. Im
Rückblick viel Neues: Der Erste Weltkrieg in
erfahrungsgeschichtlicher Perspektive. Frankfurter Rundschau 2000
(online). Dokument erstellt am 18.12.2000 um 21:09:52 Uhr
Erscheinungsdatum 12.12.2000
[2]
Interkulturelles Lernen. Eine Antwort der Didaktik der
Gesellschaftswissenschaften auf den Realitätsverlust der politischen
Kultur Mitteleuropas. Herausgegeben von Gerhard Voigt.
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule
Hannover, e.V. 1993 – Neuauflage 2002.
[3]
Schmidt-Sinns, Dieter, Red., 1989: Völker und
Nationen im Spiegel der Medien, Bonn. – Schmücker, Reinhold
/ Hering, Rainer, 1994: Über Patriotismus,
Nationalpatriotismus und die Suche nach Identität als Ausweg aus
Unübersichtlichkeiten. Rechtsphilosophische Hefte, Juni 1994. –
Wiegenstein, Roland H.: Konstruktionen der Erinnerung.
„Mythen der Nationen“ beschäftigen eine Ausstellung im Deutschen
Historischen Museum. Frankfurter Rundschau, Nr. 70, Dienstag, 24. März
1998, S. 8. Feuilleton.
[6]
= „Einheitsübersetzung“ der evangelischen und katholischen
Kirche
[7]
Theodor Nöldeke, Kardu und Kurden. Beiträge zur Alten
Geschichte und Geographie (Festschrift für H. Kiepert, D.
Reimer Berlin 1898), 77
[8]
G. R. Driver, The dispersion of the Kurds in Ancient
Times. Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and
Ireland 4, 1921, 563
[11]
Leserbrief Frankfurter Rundschau (Gerhard Voigt / Verband
der Politiklehrer). Noah Ararat 20.10.89. Ein großer Lacherfolg:
Über die Suche nach der Arche Noah [Veröffentlicht in politik
unterricht aktuell, Heft 1/2003: 35-46
[12]
Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erste
Abhandlung: »Gut und Böse«, »Gut und Schlecht«. Zur Genealogie
der Moral. Friedrich Nietzsche: Werke, S. 7285 (vgl.
Nietzsche-W Bd. 2, S. 798. C. Hanser Verlag) - http://www.digitale-bibliothek.de/band31.htm
[13]
Gottried Benn. Sämtliche Gedichte, Stuttgart,1998,
S. 320
[15]
»Der Haddsch (arabisch حج, DMG Ḥaǧǧ) ist die islamische
Pilgerfahrt nach Mekka. Er ist die fünfte Säule von den fünf Säulen
des Islam und findet jährlich während des Monats Dhu l-hiddscha statt.
Die große Pilgerfahrt, der Haddsch, kann nur während bestimmter Tage
im Jahr (8.–12. Dhu l-Hiddscha) durchgeführt werden; die kleine
Pilgerfahrt, ‘Umra genannt, kann zu jeder beliebigen Zeit erfolgen.«
[Wikipedia. Hadsch.]
[16]
Es gibt keinen logischen Grund der Zuordnung zu zehn Abschnitten.
Es hätten genauso dreizehn oder vierzehn sein können. Vermutlich wurde
die Anzahl zehn benutzt, die als mythische Zahl von den Phöniziern
übernommen worden war.
[18]
» Johann Jakob Bachofen sieht Dionysos als einen Gott aus der
Zeit des Hetairismus vor der Einführung von Herrschaftsstrukturen
und Ehe an und schreibt ihn den vorgriechischen mutterrechtlichen
Pelasgern zu. Nach dem Triumph des Vaterrechts lebte die pelasgische
Religion in den Mysterienkulten weiter.« [Wikipedia. Dionysos.]
Als Pelasger (griechisch Pelasgoi Πελασγοί) wurde in der
Antike eine der ältesten Bevölkerungen Griechenlands bezeichnet.
Unabhängig davon, ob es tatsächlich je ein Volk oder Völker dieses
Namens gab, benutzt die moderne Forschung Pelasger als Bezeichnung für
prähistorische nicht-griechischsprachige Gruppen auf der südlichen
Balkanhalbinsel.
[19]
Manfred Schneider: „Es genügt nicht, Menschenfleisch
herzustellen“. Ein Porträt des Rechtshistorikers und
Psychoanalytikers Pierre Legendre. Frankfurter Rundschau,
Nr. 229, Freitag, 2. Oktober 1998, S. ZB 3. Feuilleton.]
[21]
Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der
Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen.
[15. Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der
Taschenbuchausgabe 1976]. Frankfurt am Main.
[22]
Peristany, J. G., 1965: Honour and Shame. The Values of
Mediterranian Society, London.
[23]
Davis, J. H. (1973). Group decision and social
interaction: A theory of social decision schemes.
Psychological Review, 80, 97-125.
[25]
Vgl. die augenblicklichen Auseinandersetzungen (2012) zwischen
den „Ultraorthodoxen“ in Israel und einer säkularisierten
Gesellschaft, die sich vor allem auf die Rolle der Frau in der
Öffentlichkeit bezieht. In dem Artikel vom 14. Januar 2012,
Ultraorthodoxe in Israel: Eine Frau kämpft gegen religiöse
Fundamentalisten (über Judith Rotem) von Manuela Pfohl wird
dargestellt: »Zeichen des Respekts und ein Schutz vor Belästigungen
sei das, behaupten die Ultraorthodoxen. Judith Rotem widerspricht. „Es
ist lediglich der Versuch der Männer, ihre Macht über die Frauen zu
sichern.“ Dass sich die religiösen Eiferer so vehement der Moderne
widersetzen, sei der Angst geschuldet, etwas von der für sie sehr
bequemen Rollenverteilung zu verlieren, wenn Frauen sich ihrer
Stärke bewusst würden. „Vielleicht ist es ja eine Art vorbeugende
Kriegslist, die Frauen an der kurzen Leine zu halten“, meint die
19-fache Großmutter augenzwinkernd.«
http://www.stern.de/panorama/ultraorthodoxe-in-israel-eine-frau-kaempft-gegen-religioese-fundamentalisten-1771685.html
[26]
Voigt, Gerhard: Zur Begriffsbestimmung von ‚Staat‘ und
‚Staatsgesellschaft. Anmerkungen zur begrifflichen Differenzierung.
in: Voigt, Gerhard, Herausgeber: »Staatsgesellschaft« :
Historisch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von
Entwicklungen, Problemen und Perspektiven. Hannover
(Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V., Materialien zur Didaktik der
Interkulturellen Bildung Heft 1). 2. verbesserte Auflage. –
Internetausgabe:
http://www.voigt-bismarckschule.de/Staatsgesellschaft/begriff.htm
[27]
Gut bekannt sind aus der europäischen „christlichen Geschichte“
viele unrühmliche Beispiele für die Nichtanerkennung der
Wahrhaftigkeit beim Übertritt zum jeweils neuen Glauben verbunden mit
Unterstellungen der Praxis früherer Glaubensrituale, die wiederum zur
Rechtfertigung und zum Anlass genommen wurden zur Verfolgung und
Unterdrückung.
[28]
Historiker urteilen zur Lebensgeschichte Jesu, „es gäbe keinen
vernünftigen Grund, an seiner Existenz und seinem gewaltsamen Tod zu
zweifeln“, auch wenn die Sicherheit eines „historischen Beweises“
nicht gegeben ist. Die vorhandenen Quellen lassen aber einen
Gegenbeweis nicht zu.
[29]
Theologen sprechen heute z.B. bei der Auslegung des Paulusbriefes
an die Epheser von einer damals multikulturellen Gesellschaft und in
dieser von den Judenchristen und den Heidenchristen, an
die sich Paulus wendet.
[30]
Die Thora wird von den Christlichen Kirchen als Altes
Testament bezeichnet.
[31]
Der Begriff Volksgenossen ist ein Nazi-Terminus und
gehört damit in das „Wörterbuch des Unmenschen“.
[32]
Dies erschwert für viele Muslime den Schritt in moderne
Rechtssysteme. Insbesondere einfache religiöse Menschen verstehen es
nicht. Sie vermögen es nicht eine Jahrhunderte lange Entwicklung in
der westlichen Welt nachzuvollziehen.
[33]
Ein Theologe soll einmal auf die Frage: „Gibt es einen Gott?“
seinen Schülern geantwortet haben: „Ja, ich weiß es. Aber ich sage es
euch nicht!“
[34]
Die Ausbreitung des Islam ist ein vielschichtiger historischer
Prozess. Eine große Rolle spielte dabei die Krise des Christentums,
das vor allem im byzantinischen Reich unter einer „Versteinerung“
seiner Dogmatik und Herrschaftshierarchie litt, in dem vor allem die
Randgebiete in keiner Weise mehr in haltbare Loyalitätsbezüge mehr
eingebunden waren und das „Angebot“ der neuen Religion, des Islam, mit
Freude annahmen. Viele der „Feldzüge“ der Araber waren keineswegs
kriegerische Auseinandersetzungen, sondern wurden getragen von einer
Vielzahl von Konvertiten.
[35]
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich deshalb eine
umfangreiche Kunst in den islamischen Ländern entwickelt hat.
Inwieweit die Ornamentik Wurzeln in indischen oder persischen Kulturen
hat, kann hier nicht erörtert werden.
[36]
In der durch die Reformen Atatürks laizistischen Türkei
ist das Kopftuch tragen für Frauen und der Fez für Männer verboten.
Es handelt sich eine bis heute um strittige und sehr kontrovers
diskutierte und praktizierte Regeln, die Funktionalisierung und
Instrumentalisierung unterliegen. Zur aktuellen „Kopftuchdiskussion“
unter türkischen Migrantinnen vgl. Nettelmann, Lothar, 2003:
Lösung: Toleranz ? – Stichworte zum Thema »Das Kopftuch als
Symbol«.
politik unterricht aktuell, Heft 1/2003: 1-10 "Interkulturelle
Konflikte"
[39]
Eine tiefgründige und kenntnisreiche, reich bebilderte und mit
Bauplänen versehene Darstellung der „symbolischen Architektur“ in
Esfahan bietet Henri Stierlin: Isfahan. Spiegel des Paradieses.
Atlantis Verlag, Zürich und Freiburg i. Br., 1976 (Editions Sigma,
Genf). Besonders aufschlussreich ist das Vorwort von Henry Corbin
(Ecole pratique des Hautes Etudes, Sorbonne, Paris, und
Honorarprofessor an der Universität Teheran): „Städte als
Sinnbilder“.
[40]
Dieser neue Blick auf die Geschichte des Islam wird ausführlich
erörtert bei: Thomas Bauer: „Die Kultur der Ambiguität. Eine andere
Geschichte des Islams“. Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag.
Eine lesenswerte Rezension dazu findet sich unter: Claudia Ott:
Kultur der Mehrdeutigkeiten. Neues Buch eröffnet einen anderen
Blick auf den Islam, in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung,
02.01.2012 – online.
[41]
Mary E. Hooglund: Hoseyn als Vermittler – Hoseyn als Vorbild.
Anpassung und Revolution im iranischen Dorf. Religion und Politik
im Iran. mardom nameh – Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des
Mittleren Ostens. Hrsg. v. Berliner Institut für vergleichende
Sozialforschung, Kurt Greusing. Frankfurt am Main 1981 (Syndikat), S.
257-276].
[42]
Dawud Gholamasad: Irans neuer Umbruch. Von der Liebe zum
Toten zur Liebe zum Leben. Hannover 2010 (Ecce-Verlag).
[43]
Kostjukovic, Elena, 1982: Der unbegrenzte Zeichenprozeß
als Grundlage der Kultur. Zitiert nach: Kostjukovic, Elena,
1987: [Warum Gott nicht lacht...] Der unbegrenzte Zeichenprozeß als
Grundlage der Kultur (1982). In: Kroeber, Burkhart (Hrsg.),
Zeichen in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. München 1987 (Hanser).
[44]
» Die Schlacht bei Qadeš (auch: Kadesch) zwischen den Ägyptern
und den Hethitern fand im fünften Regierungsjahr des Pharaos Ramses
II., 1274 v. Chr. bei der Festung Qadeš am Fluss Orontes (im
westlichen Syrien, nahe der heutigen syrisch-libanesischen Grenze)
statt… Der Verlauf der Schlacht ist sowohl durch ägyptische als auch
hethitische Quellen dokumentiert. Allerdings ist der Feldzug Ramses
II., der zur Schlacht bei Qadeš führte, fast ausschließlich aus Sicht
der beteiligten Ägypter bekannt. So wird der Ausgang der Schlacht in
den ägyptischen Quellen als Sieg dargestellt: Der König, der von
seinen Truppen verlassen worden war, konnte mit Hilfe des Gottes Amun
den Sieg erringen. Drei Versionen über die Darstellung der Ereignisse
befinden sich in den Tempeln von Karnak, Luxor, zwei im Ramesseum und
weitere in seinen Tempeln von Abu Simbel, Abydos und Derr. Zudem sind
Schilderungen auf Papyri erhalten, so dass es insgesamt 13 Versionen
gibt.« [Wikipedia. Schlacht bei Qadeš.]
[45]
Über die Lage des Landes Gosen s. Ebers a.a.O. S. 448 f.
[Georg Ebers: »Durch Gosen zum Sinaï« (Leipzig 1872).]
Es scheint, daß der gelehrte Ägyptologe zu viel bewiesen hat. Seine
Entzifferung mancher Städtenamen im Lande Gosen ist nicht überzeugend.
In der ägyptischen Sprache soll der Name von Gosen Kesem oder Kosem
gelautet haben, das. S. 505 [Vgl. den Artikel »Gosen« bei
Riehm-Bäthgen 1449 f.{Riehm / Bäthgen, Handwörterbuch des
biblischen Altertums. II, 2 vols., Bielefeld, 1893-94}] (Anm.
Heinrich Graetz).
[46]
Heinrich Graetz: Geschichte der Juden. (GesJud Bd.
1 S. 9-10 = Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die
Gegenwart. Aus den Quellen neu bearbeitet von Dr. H. Graetz, Erster
Band: Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum
Tode des Königs Salomo (um 977 vorchristl. Zeit), Bearbeitet von Dr.
M. Brann, Zweite verbesserte und ergänzte Auflage, Leipzig: Oskar
Leiner, [1908]). [Erster Zeitraum: 1. Kapitel. Die Vorgeschichte.
Geschichte der Juden, S. 237-239. http://www.digitale-bibliothek.de/band44.htm
]
[47]
Gerhard Voigt:
Kultursprünge in den Wüsten des „Fruchtbaren Halbmondes“. Die
Wüstenlandschaft provoziert eine Frage: Warum entstand unsere Kultur
gerade hier und nicht in den fruchtbareren, klimatisch weniger
extremen Breiten? Aus: Gerhard Voigt:
Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten.
Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V., Hannover 1988, S. 89 f.
[48]
Wittfogel, K.A.: Die Theorie der orientalischen
Gesellschaft. In: Zeitschrift für Sozialforschung, Hg. im Auftrag
des Instituts für Sozialforschung von Max Horkheimer. Jahrgang
VII/1938, S. 90-122 [Libraire Felix Alcan, Paris] {reprographischer
Nachdruck: München 1970 [Kösel] und München 1990 [dtv]}.
[49]
„Lutherbibel“. »Schon 1977 beschloss der Rat der Evangelischen
Kirche in Deutschland die Rücknahme radikaler Textveränderungen der
letzten Revisionsstufe des Neuen Testaments (betroffen waren ca. 120
Textstellen). Die traditionellere Textgestalt wurde 1984 zum Gebrauch
angenommen, war überaus erfolgreich und beendete die langjährige Krise
um die Lutherrevision.« [Wikipedia. Lutherbibel.]
[50]
Ibn Chaldun (arabisch ابن
خلدون Ibn Chaldūn, mit vollem
Namen ولي الدين عبد
الرحمن ابن محمد بن محمد بن أبي بكر محمد بن الحسن
Walī ad-Dīn ‘Abd ar-Raḥmān ibn Muḥammad ibn Muḥammad ibn Abī Bakr
Muḥammad ibn al-Ḥasan; * 27. Mai 1332 in Tunis; † 17. März 1406 in
Kairo) war ein islamischer Historiker und Politiker. Zu Beginn seines
monumentalen Werkes al-Muqaddima nennt er sich kurz: Abd
ar-Rahman ibn Muhammad ibn Chaldun al-Hadrami عبد
الرحمن بن محمد بن خلدون الحضرمي /
‘Abd ar-Raḥmān b. Muḥammad b.Ḫaldūn al-Ḥaḍramī. Nach islamischem
Kalender fallen die Geburts- und Sterbedaten auf den 1. Ramadān 732
bzw. 25. Ramadān 808. Ibn Chalduns Betrachtungsweise von
gesellschaftlichen und sozialen Konflikten macht ihn zu einem der
Vorläufer einer soziologischen Denkweise.
(Wikipedia „Ibn Chaldun“.)
[52]
Mohammad R. Salama: Islam, Orientalism and
Intellectual History. Modernity and the Politics of Excluusion since
Ibn Khaldun. London 2011 (I.B. Tauris & Co. Ltd)
[54]
Ibn Khaldun: Die Muqaddima: Betrachtungen zur Weltgeschichte.
Übertragen und mit einer Einführung von Alma Giese unter Mitwirkung
von Wolfhart Heinrichs. Beck, München 2011.
[55]
Luther-Bibel 1984, 2.Samuel5: »3 Und es kamen alle
Ältesten in Israel zum König nach Hebron. Und der König David schloss
mit ihnen einen Bund in Hebron vor dem HERRN, und sie salbten David
zum König über Israel.«
(http://www.bibleserver.com/index.php?ref=2+Sam5%2C3&trl_desig=LUT&language=de&gw=go#/text/LUT/2.Samuel5)
[56]
Luther-Bibel 1984, 1.Könige12:
»16 Als aber ganz Israel sah, dass der König sie nicht
hören wollte, gab das Volk dem König Antwort und sprach: Was haben wir
Teil an David oder Erbe am Sohn Isais? Auf zu deinen Hütten, Israel!
So sorge nun du für dein Haus, David! - Da ging Israel heim,
17 sodass Rehabeam nur über die Israeliten regierte, die in
den Städten Judas wohnten.
18 Und als der König Rehabeam den Fronvogt Adoniram
hinsandte, warf ihn ganz Israel mit Steinen zu Tode. Aber der König
Rehabeam stieg eilends auf einen Wagen und floh nach Jerusalem.
19 Also fiel Israel ab vom Hause David bis auf diesen Tag.
Jerobeam wird König über die zehn Stämme. Seine Abgötterei...
20 Als nun ganz Israel hörte, dass Jerobeam zurückgekommen
war, sandten sie hin und ließen ihn rufen zu der Gemeinde und machten
ihn zum König über ganz Israel; niemand folgte dem Hause David als der
Stamm Juda allein.
21 Und als Rehabeam nach Jerusalem kam, sammelte er das
ganze Haus Juda und den Stamm Benjamin, hundertachtzigtausend
streitbare Männer, um gegen das Haus Israel zu kämpfen und das
Königtum an Rehabeam, den Sohn Salomos, zurückzubringen.« (http://www.bibleserver.com/index.php?ref=1+K%C3%B6n12%2C16%E2%80%9321&trl_desig=LUT&language=de&gw=go#/text/LUT/1.Könige12)
[57]
Luther-Bibel 1984: Esther8:
»17 Und in allen Ländern und Städten, an welchen Ort auch
immer des Königs Wort und Gesetz gelangte, da war Freude und Wonne
unter den Juden, Gastmahl und Festtag; und viele aus den Völkern im
Lande wurden Juden; denn die Furcht vor den Juden war über sie
gekommen.«
(http://www.bibleserver.com/index.php?ref=Est8%2C17&trl_desig=LUT&language=de&gw=go#/text/LUT/Esther8)
[58]
Vgl. hierzu und zum vorhergehenden Y. M. Grintz: Art.
Jew, Semantics, in:
Encyclopaedia Judaica, 2. Auflage, Bd. 11, S. 253 f.
[60]
Werner H. Schmidt, 1983: Exodus, Sinai und Mose.
Erwägungen zu Ex 1-19 und 24. Wissenschaftliche Buchgesellschaft,
Darmstadt 1983, 1990, 1995, S. 29f.
[61]
z.B. dtv-Brockhaus-Lexikon (1982): Hebräer. Bd. 8, Mannheim 1988.
[62]
H. Donner, Geschichte des Volkes Israel, 1, S. 80ff
[63]
so Niels P. Lemche, The „Hebrew Slave“, in: Vetus
Testamentum, 25, 1975, S. 129–144 (zitiert in H. Donner, Geschichte
des Volkes Israel, 1, S. 81).
[64]
Manfred Weippert, Die Landnahme der israelitischen
Stämme in der neueren wissenschaftlichen Diskussion, FRLANT 92,
Göttingen: 1967 (zitiert in W. H. Schmidt, Exodus..., S. 29).
[65]
Ronald De Vaux, Histoire ancienne d'Israël, I,
Paris: 1971, S. 106–112; 205–208 (zit. in W. H. Schmidt,
Exodus..., S. 30)
[66]
Die Geißelung ist auch anderen Religionen nicht fremd. Im
Christentum ist auf die mittelalterlichen Flagellanten zu verweisen:
»Die Flagellanten oder Geißler waren eine christliche Laienbewegung im
13. und 14. Jahrhundert. Ihr Name geht auf das lateinische Wort
flagellum (Geißel oder Peitsche) zurück. Zu den religiösen Praktiken
ihrer Anhänger gehörte die öffentliche Selbstgeißelung, um auf diese
Weise Buße zu tun und sich von begangenen Sünden zu reinigen«.
[Wikipedia. Flagellanten.] – Ähnliche Bedeutung haben in der
Moderne die „Selbstbezichtigungen“ in öffentlichen Schauprozessen z.B.
im Stalinismus.
[67]
Kippenberg, Hans G., 1981: Jeder Tag ’Ashura, jedes
Grab Kerbala. Zur Ritualisierung der Straßenkämpfe im Iran. In:
Greussing Kurt, 1981: Religion und Politik im Iran. mardom
nameh– Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des Mittleren Ostens.
Hrsg. v. Berliner Institut für vergleichende Sozialforschung
(Syndikat). Frankfurt am Main. S. 217-256.
[68]
Neubauer, E., 1972: Muharram-Bräuche im heutigen
Persien, in: Der Islam 49. S. 249-272.
[69]
Algar, H., 1969: Religion and State in Iran 1785-1906.
Berkeley. – Lambton,
A.K.S., 1964: A Reconsideration of the Position of the Maqa’
al-Taqlid and the Religious Institution, in: Studia Islamica
20. S. 115-135. – Ende, Werner, 1980: Der
schi’itische Islam als politische Kraft, in: Esters, G. /
Langkau, J., Hg., 1980: Iran in der Krise.
Bonn. S. 19-35.
[70]
Grabar,
O., 1969: The Architecture of the Middle Eastern City from Past to
Present: The Case of the Mosque, in: Lapidus, I., Hg.,
1969: Middle Eastern Cities: A Symposium on Ancient, Islamic and
Contemporary Middle Eastern Urbanism. Berkeley. S. 26-42.
[71]
Alavi,
H., 1973: Peasant Classes and Primordial Loyalties, in: Journal
of Peasant Studies, Volume 1, Issue 1, 23-60
[72]
Alavi, a.a.O. – Wolf, E., 1966: Peasants.
Englewood Cliffs.
[73]
Kippenberg, a.a.O. – Textabschnitt aus einer
unveröffentlichten Arbeit von Gerhard Voigt.
[74]
»Der Byzantinische Bilderstreit war eine Zeit der
leidenschaftlichen theologischen Debatte in der damaligen
orthodox-katholischen Kirche und dem byzantinischen Kaiserhaus während
des 8. und 9. Jahrhunderts, in der es um den richtigen Gebrauch und
die Verehrung von Ikonen ging. Die beiden Parteien wurden als
Ikonoklasten (Ikonenzerstörer) und Ikonodulen (Ikonenverehrer)
bezeichnet. Über die Gründe, die zum byzantinischen Bilderstreit
führten, wird bis heute gestritten, wobei Thesen von islamischem
Einfluss über das zweite Gebot bis hin zu persönlichen Motiven
byzantinischer Kaiser diskutiert werden. Jede Bewertung des
Bilderstreits wird grundsätzlich durch den Umstand erschwert, dass die
Schriften bilderfeindlicher Autoren nach dem Sieg der Ikonodulen von
diesen vernichtet wurden, so dass uns als Quellen fast nur
Darstellungen letzterer erhalten sind. Die moderne Forschung hat daher
auch viele Urteile der älteren Forschung revidiert.« [Wikipedia.
Byzantinischer Bilderstreit.]
[75]
»JHWH (hebräisch יהוה, außerhalb des Judentums ausgeschrieben
als Jahwe oder Jehovah; im internationalen Sprachgebrauch häufig YHWH)
ist der Eigenname Gottes im Tanach, der Hebräischen Bibel. Er steht
für den gnädigen Befreier und gerechten Bundespartner des erwählten
Volkes Israel, der für Judentum und Christentum zugleich Schöpfer,
Richter und Erlöser der ganzen Welt ist. So stellt ihn das erste der
Zehn Gebote vor (Ex 20,2-3 OT, übersetzt nach Ex 20,2-3 ELB): אנכי
יהוה אלהיך אשר הוצאתיך מארץ מצרים מבית עבדים׃ לא יהיה־לך אלהים אחרים
על־פני׃ „Ich bin JHWH, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten,
aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe. Du sollst keine anderen
Götter haben neben mir.“« [Wikipedia. JHWH.]
[76]
»Der islamische Begriff Umma (أمة, DMG Umma, ‚Gemeinschaft‘),
manchmal auch Ummah, bezeichnet als Fremdwort in westlichen Sprachen
die religiöse Gemeinschaft aller Muslime, eigentlich korrekter auf
arabisch al-Umma al-islamiyya / الأمة الإسلامية / al-Umma
al-islāmīya, im modernen Arabisch aber auch die Nation und andere (als
solche aufgefasste) „Gemeinschaften“. Das religiöse Konzept der Umma
steht in Konkurrenz zum in Europa entwickelten weltlichen Konzept der
„Nation“, so beispielsweise bei der „arabischen Nation“ (al-Umma
al-arabiyya / الأمة العربية / al-Umma al-’arabīya)… Seine Verwendung
im Koran ist geknüpft an ethnische oder religiöse Gemeinschaften, wie
Juden, Christen und Muslime. Später etablierte sich die Bezeichnung
für die Anhänger, die Mohammed in Medina um sich versammelte, die sich
nicht durch Stammesbeziehungen und Verwandtschaft (asabiyya)
definierte, sondern durch ihre gemeinsame Religion. Lange verstand man
darunter im Wesentlichen die Glaubensgemeinschaft der Muslime, seit
dem 19. Jahrhundert auch die Nation im modernen Sinne. Seit 1967 mit
der Niederlage im Sechstagekrieg und dem Beginn des Zusammenbruchs des
arabischen Nationalismus gewinnt das religiöse Konzept wieder
eindeutig die Oberhand. Im Hebräischen dient das Wort Umma (אמה) als
Selbstbezeichnung der sephardischen Juden seit ihrer Vertreibung aus
Spanien im Jahre 1492. Im Gegensatz zur Umma, welche die Gemeinschaft
in den Vordergrund stellt, bezeichnet der Begriff Dar ul-Islam (arab:
„Das Haus des Islam {des Friedens}“) das Gebiet, in dem die Muslime
die Herrschaft innehaben, im Gegensatz zum Dar ul-Harb (arab: „Das
Haus des Krieges“)..« [Wikipedia. Umma. – Hervorhebung
G.V.]
[77]
»Für die Leviten, die bis heute als eigene Gruppe im religiösen
Judentum existieren, gilt eine Reihe besonderer Gesetze und
Vorschriften, von denen aber nur wenige während der derzeitigen
Abwesenheit eines Tempels anwendbar sind; so haben sie bei der Lesung
der Torah Vortritt vor anderen Juden. Sie tragen heute oft (aber nicht
immer) den Nachnamen Levi oder Levy bzw. Halevi oder Halevy. Der
Vorname Levi ist dagegen unter allen Juden recht verbreitet und deutet
nicht auf eine Zugehörigkeit zu den Leviten hin. Im Tempel waren die
Leviten unter anderem für die Einhaltung der Regeln im 3. Buch Mose
zuständig, das daher auf Lateinisch Leviticus genannt wird. Der
direkte Dienst am Altar wurde nur von einer Untergruppe der Leviten,
den Kohanim, ausgeübt; diese gelten als direkte Nachfahren Aarons, der
selbst Levit war. Mit dem Ausdruck „Leviten“ sind heute meist nur die
gemeint, die keine Kohanim sind. Auf die Zugehörigkeit zu den Kohanim
weisen die Familiennamen Kohen, Kohn, Kahn, Kahane, Katz, Kagan, Kogan,
Cohn, Cohen, Cahn o.ä. hin. Die Kohanim haben bei der Torah-Lesung
wiederum Vorrang vor den anderen Leviten, sie sprechen einen
besonderen Segen in der Synagoge, und für sie gelten besondere Ehe-
und Reinheitsvorschriften. So dürfen sie nach religiösem Recht, das in
Israel auch als staatliches Recht anwendbar ist, beispielsweise keine
Nichtjüdin, Konvertitin oder geschiedene Frau, sondern nur eine
jüdisch geborene Jungfrau heiraten. Levitentum ist in männlicher Linie
erblich und kann weder abgelegt noch erworben werden; insbesondere
gehören Konvertiten grundsätzlich nicht zu diesen Gruppen. Das Amt
eines Rabbiners ist davon ganz und gar getrennt, es ist nicht erblich
und kann von jedem Juden, der die entsprechende Ausbildung und Weihe
empfangen hat, ausgeübt werden. Im Liberalen Judentum ist die
Unterscheidung zwischen Priestern, Leviten, und sonstigen Juden heute
aufgegeben worden.« [Wikipedia. Leviten.]
[78]
Kishon, Ephraim, 1965: Und Moses sprach zu Goldstein.
– Eine Satire aus Israel. – Aus: Ephraim Kishon: Arche Noah,
Touristenklasse. Neue Satiren aus Israel. Reinbek, rororo 756, S.
34-36.
[80]
Erman, Adolf, Grapow, Hermann: Wörterbuch der
ägyptischen Sprache, Band III, S. 70, Nr. 1-4.
[81]
Gerhard Voigt:
Kultursprünge in den Wüsten des „Fruchtbaren Halbmondes“. Die
Wüstenlandschaft provoziert eine Frage: Warum entstand unsere Kultur
gerade hier und nicht in den fruchtbareren, klimatisch weniger
extremen Breiten? Aus: Gerhard Voigt:
Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten.
Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V., Hannover 1988, S. 89 f.
[82]
Wittfogel, K.A.: Die Theorie der orientalischen
Gesellschaft. In: Zeitschrift für Sozialforschung, Hg. im Auftrag des
Instituts für Sozialforschung von Max Horkheimer. Jahrgang VII/1938,
S. 90-122 [Libraire Felix Alcan, Paris] {reprographischer Nachdruck:
München 1970 [Kösel] und München 1990 [dtv]}.
[83]
Illerhaus, F.: Marduks Kampf gegen das Chaosungeheuer
Tiamat. Darstellungen des babylonischen Schöpfungsmythos und die
Vielfalt der Deutungen. München. 2011. S. 5.
[84]
vgl. Khoury, A. T. u. Girschek, G., Das
religiöse Wissen der Menschheit. Freiburg 1999, Bd. 1, S. 118-141.
[85]
Stefan Maul: Das Gilgamesch-Epos. (neu übers. u. komm.)
Beck, München 2008. – Wolfgang Röllig: Das Gilgamesch-Epos.
Reclam, Stuttgart 2009. – Raoul Schrott, Robert Rollinger,
Manfred Schretter: Gilgamesh: Epos, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, Darmstadt 2001. – Hartmut Schmökel: Das
Gilgamesch-Epos. (rhythmisch übertragen) Kohlhammer, 9. Aufl.,
Stuttgart 1999.
[86]
Bibby, Geoffrey, 1973: Dilmun. Die Entdeckung der
ältesten Hochkultur. Rowohlt, Reinbek. –
Kramer, Samuel Noah, 1964: The Indus Civilization and Dilmun,
the Sumerian Paradise Land. Expedition, Bd. 6, Nr. 3, 1964, S
44–52
[87]
Nach: Elias, Norbert. Eine Figuration kann als
eine Organisationsform von Menschen in einem begrenzten Regelsystem
verstanden werden.
[88]
Man denke an die Mormonen, Bibelforscher (ab 1935 Zeugen
Jehovas) und die Scientology-Church der USA sowie die aus asiatischen
Religionen abgeleiteten Gruppen.
[89]
MacPartland, Th. S. / Cumming, John H.,
1973: Selbstkonzept, soziale Schicht und
psychische Gesundheit.
In: Steinert, Hg., Symbolische Interaktion. Arbeiten zu
einer reflexiven Soziologie. Stuttgart 1973 (Klett), S. 175 ff.
[91]
Wieso, weshalb, warum... reisten die Heiligen Drei Könige nach
Bethlehem? Hannoversche Allgemeine Zeitung, Nr. 298, 21.12.01, S.
6
[92]
Arash Moghaddam Alvandi: Die Sassaniden. http://www.arash.de/gesch/text/Irangeschi3.htm.
[93]
Das Ökumenische Heiligenlexikon [
http://www.heiligenlexikon.de/ ]. – Sachlichere Informationen
bietet Wikipedia: »Nach der Legende veranlasste Helena
Grabungen, bei denen unter anderem Reste des Wahren Kreuzes und der
Ort des Heiligen Grabes gefunden wurden. Ob die heute bekannten
Reliquien tatsächlich zu dem Kreuz Jesu gehörten oder auch nur echt in
dem Sinne sind, dass sie überhaupt aus der Zeit um 33 n. Chr. stammen,
ist umstritten. Über dem Grab und der Kreuzauffindungsstelle ließen
Helena und ihr Sohn Konstantin eine Basilika errichten, die sogenannte
Grabeskirche. Auch die Geburtskirche in Bethlehem und die später
zerstörte Eleona-Basilika auf dem Ölberg gehen auf Helena zurück. Die
heilige Helena ist auch die Gründerin vieler anderer Kirchenbauten
in und um Jerusalem sowie in anderen Orten. Ihr werden auch die
Auffindung und Mitnahme der Reliquien der Heiligen Drei Könige
zugeschrieben. Zunächst waren die Reliquien im Familienbesitz und
wurden später an Bischof Eustorgius verschenkt. Sie kamen dann nach
Mailand, bis sie von Kaiser Friedrich Barbarossa nach Köln in den Dom
verbracht wurden, wo sie noch heute sind. Die erhaltenen Gewebe zeigen
große Ähnlichkeit mit Vergleichsstücken aus Syrien zur Zeitenwende.«
[Wikipedia: Helena (Mutter Konstantins des Großen).]
[95]
Es handelt sich um eine Glaubensvorstellung, die weiterhin in
einigen Segmenten des Judentums existiert. Er wurde von den Christen
in einer Umformung übernommen und wird vor allem bei einigen Gruppen
von Wortgläubigen funktionalisiert.
[96]
Mediziner fragen: „Verfügte Adam über einen Bauchnabel?“
[97]
Vgl. dazu: Esposito, Helena, 2002: Soziales Vergessen.
Formen und Medien des Gedächtnisses der Gesellschaft. Mit einem
Nachwort von Jan Assmann. suhrkamp taschenbuch Wissenschaft stw
1557, Frankfurt am Main.
[98]
V.S. Naipaul: Afrikanisches Maskenspiel. Einblicke in
die Religionen Afrikas. Aus dem Englischen von Anette Grube. S.
Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011. – Rezension dazu: Hartmut
Buchholz: Nur eine Welt der Geister und Ahnen. V.S.
Naipauls Reisebuch „Afrikanisches Maskenspiel“ bietet Einblicke in die
Religionen des Kontinents. Badische Zeitung. 28. Januar 2012
[99]
Ein Interessanter Ansatz in einem Blog findet sich aktuell im
Forum der Gruppe „Wir leben unseren Dialekt – spin.de“. –
Vgl. Helmut Fischer: „Erzählen – Schreiben – Deuten.
Beiträge zur Erzählforschung“. Münster 2001 – Leander Petzhold:
„Einführung in die Sagenforschung“. Konstanz 1999 - Siegfried
Neumann: „Geschichte und Geschichten. Studien zu Entstehung
und Gehalt historischer Sagen und Anekdoten“. Rostock 2000.
[100]
Eine interessante ironische Brechung finden regionale Sagen in dem
Kriminalroman von Volker Klüpfel und Michael Kobre:
Erntedank. München / Zürich, 2006 (Pieper 4511), der im bayrischen
Allgäu spielt.
[101]
» Die Allegorie (von griechisch αλληγορέω „etwas anders
ausdrücken“) ist eine Form indirekter Aussage, bei der eine Sache
(Ding, Person, Vorgang) aufgrund von Ähnlichkeits- und/oder
Verwandtschaftsbeziehungen als Zeichen einer anderen Sache (Ding,
Person, Vorgang, abstrakter Begriff) eingesetzt wird.« [Wikipedia.
Allegorie.]
[102]
Vgl. Klaus Doderer: Fabeln. Formen, Figuren, Lehren.
München: dtv, 1982 – Die bekanntesten neuzeitlichen Fabeln stammen von
Jean de La Fontaine (1621–1695).
[103]
Rolf-Wilhelm Brednich: „Die Spinne in der Yucca-Palme.
Sagenhafte Geschichten von heute“. München 1990.
[104]
Steinert, Heinz, ed., 1973: Symbolische Interaktion.
Arbeiten zu einer reflexiven Soziologie. Stuttgart (Klett).
[105]
Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der
Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen.
[15. Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der
Taschenbuchausgabe 1976]. Frankfurt am Main.
[106]
Simon Benne: Bilder, die Geschichte machen. Wenn eine
ganze Epoche in einen Augenblick passt: Das Historische Museum
Hannover zeigt „Bilder im Kopf – Ikonen der Zeitgeschichte“.
24.01.2012 / Hannoversche Allgemeine Zeitung. Seite 4.
[107]
Im Haus der TUI: Franziska Stünkels gläserne Geschichten.
26.01.2012 / Neue Presse (Hannover). Seite 23
[108]
Kuhlmann, Andreas, 1993: Zivilisation vor dem Zerfall.
Verhalten und Entzivilisierung. Verhaltensstandards und
gesellschaftliche Erosion. Frankfurter Rundschau, Nr. 219,
Dienstag, 21. September 1993. S. 12: Forum Humanwissenschaften. –
Ziehe, Thomas, 1991: Formen der Individualisierung. Unspektakuläre
Zivilisationsgewinne. Auch Individualisierung kann „kommunitär“ sein.
Frankfurter Rundschau, Nr. 269, 19./20.11.91. S. 25.
[109]
Evelyn Beyer: Kraftwerke in Tarnklamotten. Jürgen
Kuttner über seine Schauspielhaus-Premiere „Kollateralschlager“
26.01.2012 / Neue Presse (Hannover). Seite 23
[110]
Teach Your Children. Crosby, Stills, Nash & Young. by
Graham Nash.
[111]
Dieser Text beruht auf einer kurzen Facebook-Nachricht des
Verfassers an Frankfurter Rundschau-online vom 28.11.2009
[112]
Astrid Hölscher: Kommentar „Babys Welten“.
Frankfurter Rundschau vom 29.11.09:
[116]
In den Medien wir hingewiesen auf das Minderheitenvotum im
Ethikrat selbst: „Die Entscheidung des Ethikrats fiel allerdings nicht
einstimmig. Sechs Mitglieder gaben ein Minderheitenvotum ab, neben
Kirchenvertretern und Theologen auch die Verfassungsrechtlerin
Kristiane Weber-Hassemer und der Ex-Ministerpräsident
Baden-Württembergs, Erwin Teufel (CDU). ‚Das Zahlenmaterial ist
nicht aussagekräftig genug. Im Einzelfall steht der Schutz des Lebens
höher‘, sagte Weber-Hassemer“, so Beatrice Henke und Joachim
Frank in ihrem Bericht „Anonyme Geburten – Ethikrat will
Babyklappen schließen“. Frankfurter Rundschau online 29. November
2009.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2105282_Anonyme-Geburten-Ethikrat-will-Babyklappen-schliessen.html
[117]
vgl. Manfred Schneider: „Es genügt nicht,
Menschenfleisch herzustellen“ Ein Porträt des Rechtshistorikers und
Psychoanalytikers Pierre Legendre. Frankfurter Rundschau, Nr. 229,
Freitag, 2. Oktober 1998, S. ZB 3. Feuilleton.
[119]
Die Diskussion um mögliche „Geruchsaffinitäten“ bei Mensch und
Tier, sollte hier erst einmal als ephemer ausgeklammert bleiben (vgl.
zum Beispiel „Die Vorherrschaft der Biologie“, tof / Ausgabe:
Hannoversche Allgemeine Zeitung, Datum: 03.12.2005“), auch da sich
dieser Aspekt eher auf eine spätere Partnerwahl als auf die
Abstammungsfrage richtet.
[120]
vgl. Manfred Schneider: „Es genügt nicht, Menschenfleisch
herzustellen“. a.a.O.
[122]
…wenn z.B. die Mutter als „Hure“ oder „Flittchen“ diffamiert wird.
[123]
Dies tritt gehäuft bei Vergewaltigungsopfern im Zusammenhang mit
kriegerischen Ereignissen auf, oder – z.B. in der deutschen
Besatzungszeit nach 1945 – der Anwesenheit fremder Soldaten, z.T. mit
anderer Hautfarbe.
[125]
Die Glaubensvorstellung besteht darin, dass eine Wiedergeburt der
Seele in einem minder- oder höherwertigen Körper erfolgt.
[126]
»1) instinktives Verhalten bei Tieren derselben Art durch
Beschwichtigungs- und Demutsgebärden: Wenn Hunde miteinander
kämpfen, kehrt der Unterlegene dem Sieger seine ungeschützte Kehle zu,
der dann nicht mehr in der Lage scheint, zuzubeißen. 2) Die
Tötungshemmung dürfte grundsätzlich auch beim Menschen vorhanden und
durch Werterziehung stabilisiert sein, wie die Analyse von
kriegerischen Kampfhandlungen zeigt: 80 - 85 % aller Soldaten sind
(zumindest freiwillig) nicht Willens, auf den Feind zu schießen und
ihn zu töten. Doch Töten kann gelernt, die Schießbereitschaft durch
Training gesteigert und die Tötungshemmung durch Vorbilder
abgeschwächt werden (Aggression, Gewalt, Folter).«
http://www.psychology48.com/deu/d/toetungshemmung/toetungshemmung.htm
– Vgl. auch Lexikon der Neurowissenschaft: Aggressionshemmung:
Wissenschaft online
http://www.wissenschaft-online.de/abo/lexikon/neuro/227
[127]
Elias, Norbert / Scotson, John L., 1993:
Etablierte und Außenseiter. Frankfurt am Main. – Elias,
Norbert, 1987: Über die Begriffe der Figuration und der sozialen
Prozesse. Einführende Bemerkungen. Diskussionsbeiträge IS/TUB 6;
Berlin. – Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozeß der
Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen.
[15. Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der
Taschenbuchausgabe 1976]. Frankfurt am Main.
[128]
»Was immer die Ursache dafür gewesen sein mag, ein zentrales
Unterscheidungs-merkmal zwischen Primaten und menschlichen Primaten
ist jedenfalls in einer fundamentalen Differenz der sozialen
Organisation ihrer Überlebensgemeinschaften zu sehen. Während
nichtmenschliche Primaten innerhalb ihrer Überlebensgemeinschaft um
Nahrungsmittel konkurrieren und ein Sozialsystem entwickelt haben, das
durch strikte Hierarchisierung und eine unumstößliche soziale Ordnung
die Ernährungs- und Fortpflanzungserfordernisse der Gruppe reguliert,
setzen menschliche Überlebensgemeinschaften auf ein völlig anderes
Prinzip: auf Kooperation. Kooperation steigert die Potentiale der
einzelnen, indem sie Fähigkeiten und Kräfte bündeln, kombinieren,
kumulieren kann und damit ihrerseits neue Potentiale zu entfalten in
der Lage ist. Gerade darum sind menschliche
Überlebensgemeinschaften prinzipiell kommunikative Gemeinschaften,
denn Kooperation setzt natürlich Kommunikation voraus
[Hervorhebung G.V.]. Darum ist »readyness for communication« (Colwyn
Trevarthen) ein zentrales Ausstattungsmerkmal von Neugeborenen. Sie
sind in der Lage, ihre Überlebensbedürfnisse zu kommunizieren, indem
sie sie durch Schreien, Mimik und Körperbewegung zum Ausdruck bringen.
Sie sind von Anbeginn ihres Lebens in erstaunlichem Maß zu
kommunikativen Handlungen in der Lage, was keineswegs gleichbedeutend
damit ist, daß sie kommunikative Handlungen von anderen »verstehen«
oder gar intersubjektiv operieren könnten. Neugeborene und Säuglinge
können eine ganze Menge zum Ausdruck bringen, was aber nicht heißt,
daß sie »wüßten«, was sie tun, wenn sie deutlich machen, daß sie
gerade Hunger haben oder sich ängstigen oder freuen. Es heißt nur, daß
sie von ihrer biologischen Konstitution her in einer Fundamentalen
Bezogenheit auf ihre soziale Umwelt existieren und die unablässige
Kommunikation mit eben dieser Umwelt sie sukzessive mit jenem
Vermögen zur reflexiven Kommunikation ausstattet, das es ihnen – etwa
ab dem neunten Lebensmonat – tatsachlich erlaubt, in eine
intersubjektive Welt einzutreten, in der sie ihre Aufmerksamkeit und
ihre Perspektiven mit denen der anderen teilen können. Die Entstehung
dieses reflexiven Vermögens wird nonreflexiv gebahnt, durch
asymmetrische Kommunikation und durch Entwicklung von immer besseren
Gedächtnisleistungen: vom impliziten, unbewußten Erfahrungs- und
Körpergedächtnis hin zum expliziten, bewußtseinsfähigen episodischen
und autobiographischen Gedächtnis.« Markowitsch, Hans J. /
Welzer, Harald, 2005: Das autobiographische Gedächtnis.
Hirnorganische Grundlagen und biosoziale Entwicklung. Stuttgart
(Klett-Cotta). S. 57-59.
[129]
»do ut des (lateinisch. Ich gebe, damit du gibst.) ist eine
Rechtsformel für gegenseitige Verträge sowie ein Grundsatz sozialen
Verhaltens. Vergleichbar ist dieses Prinzip mit quid pro quo
(lateinisch. Dieses für das.) sowie mit dem Sprichwort manus manum
lavat (lateinisch. Eine Hand wäscht die andere.). Der Begriff aus der
römischen Antike bezeichnete ursprünglich das Verhältnis der Römer
zu ihren Göttern. Es wurde den Göttern geopfert und gehuldigt, weil
man eine Gegengabe bzw. einen Gegendienst erwartete. Dies ist eine
archaische Denkstruktur, die wahrscheinlich jedem Opferritual
zugrunde liegt. In der Rechtswissenschaft dient do ut des der
Kennzeichnung des Synallagmas zwischen Leistung und Gegenleistung.
Dieses römisch-rechtliche Institut ist im deutschen Recht in § 320 BGB
normiert. Bei einem gegenseitigen Vertrag erbringt jeder
Vertragspartner seine Leistung nur, weil er die Gegenleistung erhalten
will. Prozessual wird nach dem Grundsatz des do ut des eine
Verurteilung der Leistung Zug um Zug mit der Gegenleistung
ausgesprochen«. [Wikipedia. do ut des].
[130]
»Wenn der jüdische Glaube sich über fremden Götzendienst ereifert,
dann geht es dabei auch durchaus um solche unmenschliche Weise der
Götterverehrung, die – bedenkt man die näheren Umstände von
Menschenopfern genauer – sogar viel mit Triebverbrechen gemeinsam
haben. Wir müssen uns bewusst machen, dass sich die Menschen für diese
Menschenopfer keinesfalls gern zu Verfügung stellten, jedenfalls
nicht junge Menschen, ja dass diese Opfer gerade sie mit Angst und
Schrecken erfüllten. Menschenopfer bedeuten also immer Ängste und
Ängste sind immer auch Herrschaftsinstrument… In der Ödipussage wird
berichtet, dass Ödipus die Stadt Theben von einem Ungeheuer (der
„Sphinx“) befreite, der jedes Jahr (?) drei Jungen und drei Mädchen
zum Fraß vorgeworfen werden mussten. Ausdrücklich ist hier von der
Angst und dem Schrecken die Rede, worunter die Stadt deswegen leidet,
und von der opulenten Belohnung, die sich der „Befreier“ verdienen
könnte, er würde nämlich König werden und die Witwe des ermordeten
alten Königs zur Frau bekommen...«
WWW.BASISRELIGION.DE. Die Theologie mit dem kriminologischen
Ansatz.
[131]
»Abraham (hebräisch אַבְרָהָם Avrāhām: „Vater der vielen
(Völker)“, im Islam arabisch إبرَاهِيم Ibrāhīm) ist als Stammvater
Israels eine zentrale Figur des Tanachs bzw. des Alten Testaments.
Genauso gilt er als Stammvater der Araber, von dessen Sohn Ismael der
Prophet des Islam, Mohammed, abstammt. Abrahams Geschichte wird im
biblischen Buch Genesis bzw. Bereschit (Gen 12–25 EU) erzählt. Danach
gehört er zusammen mit seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob zu den
Erzvätern, aus denen laut biblischer Überlieferung die Zwölf Stämme
des Volkes Israel hervorgingen. Neben dem Judentum berufen sich auch
das Christentum und der Islam auf Abraham als Stammvater. Darum
bezeichnet man alle drei auch als abrahamitische Religionen. In der
Tora wird im 1. Buch Mose (Buch Genesis, Gen 11,27 EU-Gen 25,10 EU)
die Geschichte Abrahams geschildert. Abraham heißt ursprünglich Abram,
hebräisch אַבְרָם, Avrām, mit der Bedeutung „der Vater ist erhaben“
oder „er ist erhaben in Bezug auf seinen Vater“. Der Gott Israels
ändert den Namen zu Abraham, was in Gen 17,5 EU als „Vater der Menge
an Völkern“ gedeutet wird. Dabei handelt es sich nicht um eine
wörtliche Übersetzung, sondern um eine Volksetymologie. [Thomas Hieke,
Art. „Abraham“, in: Wibilex. Das wissenschaftliche Bibellexikon im
Internet.]« [Wikipedia. Abraham].
[132]
In: Gerhard Voigt (Hrsg.): »Staatsgesellschaft«
Historisch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von
Entwicklungen, Problemen und Perspektiven (2002). Schriftenreihe
des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule
Hannover, e.V., Materialien zur Didaktik der Interkulturellen Bildung
Heft 1.
[133]
»Salām (arabisch سلام, DMG salām ‚Frieden; Wohlbehaltenheit,
Unversehrtheit‘) ist eines der arabischen Wörter für Frieden.
Gleichzeitig ist es ein üblicher Gruß im arabischen Sprachkontext
(vollständig: السلام عليكم as-salāmu ʿalaikum, ‚der Frieden auf
euch!, Friede sei mit dir/euch!‘). Der Begriff Salam war ursprünglich
rein religiös konnotiert, im Sinne des Friedens mit Gott. Ein weiteres
Wort für Frieden im Arabischen ist silm. Beide Begriffe beruhen auf
der semitischen Wurzel s-l-m, ebenso wie das hebräische Wort Schalom,
das aramäische Wort šalim und der Name der Religion Islam. Šlomo ist
die aramäische Entsprechung zu Salam. Namen wie Salomon / Sulaiman,
Salīm, Sālim, Sulaim, Sulamith etc. gehen auf dieselbe Wurzel zurück.«
[Wikipedia. Salam.]
Inhaltsverzeichnis
Lothar Nettelmann / Gerhard Voigt:
Mythen: Reflexionen und Beispiele
Werte und Normen – Ideologie und Überbau
Vorbemerkung.
Nachdenken über….
…die Sintflut, die Sinn-Suche und die „ewige Frage: wozu?“
Der Begriff „Sintflut“.
Die Suche nach der „objektiven Wahrheit“.
Der Anachronismus der modernen „Bibelforschung“
Sinn-Suche
Die Genese von Völkern und Symbolsystemen
Nachdenken über…
…den Sinai, die vierzig Jahre und die Ethnogenese
eines Volkes
Eine Fahrt über den Sinai
Die „Heilige Zahl Vierzig“
Die Volkwerdung der Juden
Materialien zur Bezeichnung des „jüdischen Volkes“
Zur Bezeichnung „Juden“.
Zur Bezeichnung „Hebräer“.
Zur Bezeichnung „Israel“.
Sozialstruktur und Rituale der orientalischen
Gesellschaft
Die Zehn Gebote
Das
goldene Kalb
Legitimationsideologien
Nachdenken über…
…Legitimationsmythen im frühen Christentum
Heilige Drei Könige
Glosse:
Die „Via Dolorosa“
Mythenbildung.
Mythen, Symbole und Tabus
Sagen, Fabeln….
…Symbole, Bilder
Familienbilder
Familie als soziale Institution vs.
biologistische Familienmythen.
Sexualität, Geschlecht und Machtprozesse
Die Kreuzigung Jesu.
Der Opfermythos, seine Funktionalisierung
und Instrumentalisierung.
Inhaltsverzeichnis.
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