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Eine Glosse mit
ketzerischen Gedanken aus einer vergangenen Zeit – Gedanken wider den
„tierischen Ernst“.
Denker und Erzieher in
einer Zeit, in der von Pädagogik noch keine Rede war und in der man Kinder
als „kleine Erwachsene“ in Anstalten steckte – dieses zugleich als
Ausdruck sozialer Privilegierung und gesellschaftliche Machtreproduktion –
könnte noch heute als wegweisend angesehen werden: Rousseau, Pestalozzi.
Der Durchbruch im
pädagogischen Denken erfolgte in den 20er Jahren in der Wissenschaft, in
den „Schulen“ genannten Anstalten leider nur in ersten Ansätzen.
An diese Reformpädagogik
knüpfte man in den 60er Jahren an, nachdem die Nachfolgezeit des
NS-Systems ebenfalls ausgeklungen war. ›Demokratie‹ anstelle von
›Disziplinierung‹ und ›Ordnung‹.
Die Schulordnungen
verschwanden nach und nach in den Schubladen des stellv. Direktors, die
Vordrucke für Tadel und entspr. Benachrichtigungen an das „Elternhaus“ ob
der Missetaten von deren Sprösslingen vergilbte in den Ablagen. Die
Papierqualität letzter war gut; man konnte sie auch noch nach Jahrzehnten
benutzen, nachdem sie wieder hervorgeholt worden waren.
„Demokratisierung“ auch
(in) der Schule, Erziehung zur Selbstständigkeit, gar zu sich selbst
gegenüber verantwortetem Tun – dieses als Bildungsziel junger Menschen –
alles ist jetzt vorbei?!?
Dass stinkende
Raucherzimmer geschlossen wurden, war gesundheitspädagogisch vertretbar
und sehr sinnvoll. Dass man nun die Oberstufenschüler auf die
‘gegenüberliegende Straßenseite‘ oder deren alter Schrottkiste auf dem
Parkplatz vor der Schule verbannen will damit sie dort die nachbarlichen
Anwohner ,auf die Palme’ bringen, wenn sie durch ihre Hinterlassenschaft
den Bürgersteig verunzieren oder gar die Muttis und Pappis auf dem nächst
gelegenen Spielplatz ,auf die Barrikaden’ gehen lassen; zum Hundekot jetzt
das Deponieren von Kippen?!? Vielleicht kann man das Motto aus vergangenen
Studentenzeiten wieder hervorkramen: Wie viele Leute passen in einen
,Käfer’ oder eine ,Ente’ hinein und: Können alle paffen (oder wie man das
jetzt nennt), ohne die Fenster herunterzukurbeln?
Zu meinen
ordnungserzieherischen Aufgaben gehört es jedenfalls nicht, die Kids von
ihrem genüsslichen und provozierendem Tun abzuhalten. Ich beanspruche das
„Recht auf Resignation“. Dies gilt auch, wenn ich qualmende
Dreizehnjährige auf dem U-Bahn-Schacht herauskommen sehe.
Wenn diejenigen, die das
Taschengeld zuweisen, nicht gewillt oder in der Lage sind, entsprechend zu
reagieren, wenn z.B. das Töchterchen nach Zigaretten stinkend nach Hause
kommt, dann ist es eben so.
Die entscheidende Frage
ist nun: Soll die mit Macht und in aller Deutlichkeit durchgesetzt
Hierarchisierung (in) der Schule dem verwerflichen Tun entgegen wirken
– oder evoziert sie es gar selbst?!?
Die Funktion von
Hierarchien ist bekannt: Sie erzieht zur Unselbstständigkeit und zu
kollektiver Verantwortungslosigkeit, da niemand mehr konkret jemandem
verantwortlich ist. Zwar kann der jeweils in der Hierarchie darunter
stehende ‘verantwortlich‘ gemacht werden. Dies ist bekanntermaßen
aber nur ein ‘nach unten‘ verschieben von Schuld sowie das Abwälzen von
Konsequenzen auf Rangniedere. Bis es dann den Letzten trifft im Bereich
des ‘Unten‘, niemals aber des ‘Oben‘.
Genussreich anzusehen
ist die Karikatur von den ›Stadtmusikanten‹ die ich in Bremen erstand: die
berühmten ›Stadtmusikanten‹ einmal anders.
Das Prinzip
›Verantwortung‹ ist schwer zu definieren. Schließlich erfolgt
Machtausübung von ‘Oben‘ nach ‘Unten‘. Es ist normativ definiert und schon
gar nicht sinnvoll abgeleitet.
Inkompetenz und
Unehrlichkeit sind die Folge, sie führen letztlich zu Heuchelei. Man denke
nur an tradierte Großhierarchien wir das Militär, die kath. Kirche oder
den ehemals benachbarten, sich als sozialistisch bezeichnenden Arbeiter-
und Bauern-Staat.
Gemein ist dieser
Ansammlung geballter Macht und normativen Geistes die jeweils produzierte
Gemeinschaftsideologie: ›Kameradschaft‹ und ›Gleichheit‹,
ebenso ›Freundlichkeit gegenüber dem Nächsten‹.
Frage ist dabei: Wurden
die Legitimationsideologien vorher produziert – also vor Bildung
dieser Organisationsmonster in ihren vielfältigen Strukturen - oder ex
post zum Zwecke des Glaubens an die Validität und Wahrhaftigkeit
derselben?
Erziehen Hierarchien und
Schulordnung zum unerwünschten Rauchen oder sind sie in der Lage, in
diesen Refugien wirkliche Gutmenschen zu produzieren?
Schauen wir ins ‘gelobte
Land‘ Amerika. George Dabbelju darf nun ruhig weitermachen. Neben dem IRAK
gibt es noch weitere Nachbarn. Er muss nicht befürchten zur Friedenspfeife
eingeladen zu werden – Dank der konsequenter Rauchverbote in seinem ›Land
des Guten‹.
Sam Anony, 2.3.2005
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