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Exposé
1.
Die fünf
nicht bewältigten gesellschaftlichen „Megatrends“, die unsere Zivilisation
in Frage stellen
1.1
Ökonomisierung
des Denkens – Leben zur Gewinnorientierung und als Gewinn-Verlust-Bilanz
1.2
Globalisierung
von Wirtschaft und Macht – Entwertung und „Privatisierung“ ziviler
Verhaltensweisen – Krise der Zivilgesellschaft
1.3
Legales
Gewaltmonopol – Legitimität einer Brutalisierung der Gesellschaft
1.4
Verfestigung der
Sozialen Ungleichheiten – Sicherung der Privilegien der Herrschenden
bzw.der Machteliten und der jeweils über die Macht Verfügenden
1.5
Besetzung der
zentralen Begrifflichkeit – Anathematisierung des eigenen Denkens
2.
Die fünf
zentralen verhängnisvollen Begriffe der Herrschaftssicherung
2.1
Konkurrenz und
Evaluation – „Der Krieg Aller gegen Alle“ (Hobbes)
2.2
Konformität und
Profilierung – „Diese Zwänge zur Identifikation und
Individualisierung, zu Konformität und Profilierung, gehen wie die
zwei Seiten eines Januskopfes aus ein und demselben Prozess der
Zivilisation hervor“ (Cas Wouters)
2.3
Leistungsträger
und Eliten – „Müssen diejenigen, die ohnehin privilegiert sind, in
Hinblick auf Macht und Verfügung über materielle Ressourcen in der
aktuellen Politik noch bevorzugt werden?“
2.4
Markt statt
Verantwortung – „Nicht allein die Wirtschaftskrise hat den Bankrott der
akademischen wirtschaftstheoretischen Lehre deutlich gemacht. Die
Gedankenstrukturen, die sie vermittelt, hatten sich schon lange vorher als
hohl erwiesen.“ (Joan Robinson)
2.5
Spontanität –
„Spontan sein heißt heute: Nicht nachdenken, kritische Distanz vermeiden,
Emotionalität ungefiltert ausleben, Fremdsteuerung zulassen...“ (das
bedeutet: unüberlegt, unbedarft, unkritisch handeln)
3.
Die fünf
verhängnisvollen didaktischen Konzepte, die die Schülerinnen und Schüler
vom Lernen entfremden
3.1
Sequenzialität
statt Vernetzung – dies geht vom Primat der wissenschaftlichen Systematik
aus, missachtet dabei die tatsächlichen Lernprozesse
3.2
Vom Nahen zum
Fernen? Wir kennen die Nähe und Ferne der Erlebniswelt unserer
Schülerinnen und Schüler nicht, wir gehen wieder von (nach
Zufallskriterien gesetzten ) Sachstrukturen und nicht von Lernprozessen
aus
3.3
Arbeitsunterricht
– hier wird Selbstständigkeit vorgetäuscht, aber durch die
Individualisierung des Lernens wird der Lernverlauf (zum Beispiel durch
„Arbeitsblätter“) umso stärker intendiert und lenkend eingeengt
3.4
Abschluss-,
Test- und Verwertungsorientierung (Berufsqualifikation) – hier wird auf
einen Punkt hin und nicht auf ein Bildungsziel zu gelernt, nach dem
Bestehen der Überprüfung fragt niemand mehr danach, was für Fähigkeiten
wirklich gelernt worden sind (wird neuerdings als „Bulimie-Lernen“
bezeichnet)
3.5
Sushi- und
Tapas-Pädagogik – der Lernende wird als leeres Gefäß aufgefasst, das in
der Schule mit einer bestimmten Anzahl (kognitiver) „Häppchen“ anzufüllen
ist, bis das Bildungsziel eines angefüllten Schülers erreicht ist (auch
Dolmuş-Didaktik)
4.
Fünf
Säulen einer veränderten (und durchaus nicht neuen) Pädagogik
4.1
Ergebnisorientiertes
Lernen – wobei das Ergebnis nicht eine Prüfung ist, sondern ein
gemeinsames Produkt, das in flexibel gestalteten Arbeitsschritten fertig
gestellt wir: zum Beispiel handwerkliche oder künstlerische Werke, die
einen eigenen Wert besitzen und auf die die Schülerinnen und Schüler stolz
sein können...
4.2
Projektorientiertes
Lernen – hierbei werden die Arbeitsschritte selbst thematisiert, Fehler
und Umwege sind notwendige Erkenntnisschritte, zum Beispiel Entwicklung
eigener Versuchsanordnungen in den Naturwissenschaften wie in den
Gesellschaftswissenschaften, Umgang mit Zeitzeugen und Archivalien,
Kartierungen...
4.3
Narratives
Lernen – Erzählungen folgen, ob in der Literatur oder von Lehrerinnen und
Lehrern, die damit auch ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse vermitteln
können; es ist evident, dass beim Treffen ehemaliger Schülerinnen und
Schülern mit ihren Lehrerinnen und Lehrern meist das erinnert wird, was
ganz persönlich erzählt wurde...
4.4
Lernen vor Ort –
aus der Schule herausgehen, Projektarbeit an öffentlichen Orten betreiben,
Exkursionen durchführen, Studienfahrten unternehmen – so entstehen
Eindrücke und Lernerfolge, die ein Leben lang halten, wenn die kognitiven
Häppchen der traditionellen Schule längst vergessen und überholt sind...
4.5
Begegnung auf
Augenhöhe – Schülerinnen und Schüler müssen im Sinne der Würde des
Menschen als Gleiche Behandelt werden, auch dann, wenn die Lernsituationen
und die Altersdifferenz eine gewisse Distanz einfordern und funktional
asymmetrisch sind und sein müssen; doch die Schülerinnen und Schüler
müssen spüren, dass sie in ihrer Eigenheit ernst genommen und respektiert
werden...
5.
Fünf
Problemkreise, die als Zentrierungsthemen beziehungsweise Diskurse die
didaktisch-curricularen Konzepte strukturieren könnten
5.1
Historischer
Diskurs – die Gegenwart im Kontext der historischen Gewordenheit erfahren
und in Figurationen denken (Norbert Elias)
5.2
Natur und
Gesellschaft – die Science Wars: „Für mich zumindest war klar, daß die
beiden Großen Erzählungen der „Natur“ und der „Gesellschaft“, mit denen
der Modernismus seine Verfassung, wie ich es nannte, konstruiert hat,
stets nur den oberflächlichsten Teil dessen darstellten, was mit den
Modernen geschehen ist“ (Bruno Latour)
5.2.1
Die Familie
als soziales Konstrukt – das Prinzip „Vater“ als Verweis auf die „Letztbegründung“
in Philosophie und Religion (Pierre Legendre)
5.2.2
Geschlecht,
„Gender and Sex“
5.2.3
Wahrheit und
„political correctness“ als philosophisches und gesellschaftliches Problem
5.3 Soziale Ungleichheit – Geschichte, Macht
und Ethik – Fach- und methodenübergreifende Unterrichtsprojekte
5.4 Zivilisation, Kultur und Kulturkonflikte
– Fach- und methodenübergreifende Unterrichtsprojekte
5.5 Materielle Zentren der globalen Erfahrung
– Energie, Wasser, Umwelt, Salz... Fach- und methodenübergreifende
Unterrichtsprojekte (vgl. ältere Entwürfe in den „niedersächsischen
Handreichungen“)
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