Weitere Informationen unter http://www.politiklehrerverband.org
eMail politiklehrerverband.voigt@web.de

Home
Nach oben
Publikationen
Punlikationsinhalte
Impressum
Schulpolitik
Verbandsinformation
Rechtsradikalismus
Polen
Polnische Nationalkultur
Dritte Welt
Staatsgesellschaft
pua 2003-2
pua 2003-1
Schulreform
pua 2002-2
pua 2002-1
pua 2001
pua 2000
pua 1999
pua 1998
pua 1997
pua 1-2/1996
pua 1995
pua 1/2-1994
pua 1993
pua 1992
pua 1988
File Map

Heft  1/2004 [in Vorbereitung]

Martin Eilers:

London zur Zeit von Sherlock Holmes’

 

Dokument Information

 

Vorabdruck aus dem Manuskript

Inhaltsverzeichnis des Heftes

Impressum für diese Seite

1.   Die Zeit der Umbrüche

1.1. Klimax eines „Langen Jahrhunderts“

1.2. Rasante Veränderungen

1.3. Der Mythos des technischen Zeitalters

2.   Die Metropolitanisierung Londons

2.1. Die Metropole und die traditionelle Stadt

2.1.1.   Typen metropolitaner Entwicklung

2.2. Die Phasen der Stadtentwicklung Londons

2.2.1.   Gründung und Standortfaktoren der Stadt

2.2.2.   Die mittelalterliche Stadt

3.   Das Viktorianische London

3.1. Das Stadtbild und seine Entwicklung

3.2. Funktionen und Strukturen

4.   Die Probleme des städtischen Lebens

4.1. Die Entwicklung der britischen Gesellschaft

Schema der sozioökonomischen Entwicklung Großbritanniens

4.2. Soziale Stratigraphien und Konflikte

4.3. Die bürgerlichen Kulissen

4.4. Kriminalität, Armut und Krankheit

Literatur

 

 

Stadtgeschichte, Stadtentwicklung im Zeitalter der industriellen Modernisierung (gekürzte Fassung)

 

Oh! men and women true, once more take hands,

Join hearts and head, and clear the crooked maze;

Set Love and Justice up over these our land:

Let Truth be honoured, honest work have praise.

And bring joy back to human days again:

Lift from Life's daily around in sordid cloak;

Draw Beauty near, nor common Use disdain;

Unite in one great cause the struggling folk.

Walter Crane, The New era (1895) [1] 

1.   Die Zeit der Umbrüche

1.1. Klimax eines „Langen Jahrhunderts“

Zum Ende des 19. Jahrhunderts hin konzentrierten sich sowohl Höhepunkte als auch Krisen in der Londoner Stadtentwicklung ebenso wie in der Entwicklung der englischen Gesellschaft auf einen kur­zen, wichtigen Zeitraum. Die Kürze dieses Zeitraumes von etwa 1885 bis 1905 darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Entwicklungen langfristig angelegt waren und letztlich überleiteten in die Katastrophen und grundsätzlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts.

Das 19. Jahrhundert wird in der Geschichtswissenschaft, der Begriffsbildung bei Braudel fol­gend [2], als „Langes Jahrhundert“ bezeichnet, dessen Entwicklungsbeginn in den gesellschaftlichen Wirren der Französischen Revolution, den Napoleonischen Kriegen und der Restauration des Wiener Kongresses liegen, dessen Ende erst mit dem Ersten Weltkrieg zu bezeichnen ist.

Dieser Zeitraum gestaltet die europäische Gesellschaft grundlegend um und ist letztlich mit der Industrialisierung auf der einen Seite, dem Imperialismus und der Herausbildung des europäischen Nationalstaatensystems andererseits zu charakterisieren.[3] In Großbritannien war dieser Zeitraum durch die lange Regentschaft der Queen Victoria bestimmt, die den Namen für das Viktorianische Zeitalter abgab. Aber gerade Londons Umgestaltung und Entwicklung muss einerseits zurückver­folgt werden in das Georgian London des 18. Jahrhunderts und in die Spät- und Nachviktorianische Zeit bis zum Ersten Weltkrieg.[4]

Die Gesellschaft erfährt im Prozess des „nation building“ die Transformation zu einer moder­nen, bürgerlichen Staatsgesellschaft.[5] Nach Norbert Elias[6] kann die Änderung der Gesellschaftlichen Figurationen als Entwicklungsschritt des Zivilisationsprozesses verstanden werden.

In dem Maße, wie sich die Lebensumstände der Menschen und ihre sozialen Beziehungen grundlegend ändern, verändern sich auch ihre materiellen Wohn-, Arbeits- und Lebensformen, das heißt also: ihr Lebensraum. Im Zentrum der Entwicklung steht England und steht vor allem die Hauptstadt London. Diese Metropole war lange Zeit die größte Stadt der Welt und bildete einen neuen Typ einer städtischen Agglomeration heraus, die sich von den mittelalterlichen Städten Euro­pas grundlegend abhob.

Diese neue städtische Umwelt war der Rahmen für eine neuartige Alltagskultur, für heftige so­ziale Konflikte und für die Krisenzeichen von Verelendung, Kriminalität und sozialer Revolte, gleich­zeitig aber auch Ort bislang unbekannten bürgerlichen Reichtums und schneller technischer und wis­senschaftlicher Entwicklungen. Die materiellen Veränderungen beschleunigten sich bis zum Ende des Jahrhunderts. Doch führte die wachsende Unsicherheit auf der anderen Seite zu politischer und zivili­satorischer Stagnation und zur Verhärtung der Klassenschranken und -konflikte. In dieser Welt „lebten“ Sherlock Holmes und seine detektivischen Konkurrenten[7], die ohne den städtischen und ge­sellschaftlichen Hintergrund dieses Jahrhundert-Endes kaum denkbar erscheinen.

1.2. Rasante Veränderungen

„The Victorian city of London was a city of startling contrasts. New building and affluent develop­ment went hand in hand with horribly overcrowded slums where people lived in the worst conditions imaginable. The population surged during the 19th century, from about 1 million in 1800 to over 6 million a century later. This growth far exceeded London's ability to look after the basic needs of its citizens.“[8]

Das Wachstum der Stadt war verbunden mit einer auffälligen Entwicklung der Technik, die sich vor allem im Verkehrswesen und der Infrastruktur im Stadtbild bemerkbar machte und das Leben nicht nur der Londoner grundlegend veränderte, sondern auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen des berühmtesten englischen Detektivs. Höhepunkt dieser Veränderungen war die Wirkungszeit von Sherlock Holmes, die der Herausgeber der Gesamtausgabe seiner Stories, Nino Erné (o.J.: 10) auf den Zeitraum vom Sommer 1874 (The »Gloria Scott«) bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges 1914 (The Last Bow) datiert. Nino Erné stellt auch wichtige Veränderungen in London während die­ser Zeit zusammen: „Man darf diese Epoche mit Fug als Zeitenwende betrachten. Ihren Anfang be­leuchtete noch das milde und doch etwas unheimliche Gaslicht viktorianischer Wohnstuben, 1877/78 konstruierte Swan in Newcastle die erste wirklich brauchbare elektrische Lampe, 1882 errichtete Edison in New York ein Elektrizitätswerk; 1914-1918 erhellten Flammenwerfer die nächtlichen Schlachtfelder Frankreichs. Das Jahr 1886 verzeichnet für London über 7000 Hansoms, jene zwei­rädrigen Pferdetaxis, die jedem Holmesliebhaber ans Herz gewachsen sind, dazu 4000 vierrädrige Mietwagen (Four-Wheelers), 15.000 Kutscher (Cabmen) und 10.000 Pferde der London Omnibus Company. Außerdem gab es bereits seit 1869 eine Untergrundbahn (Tube). 1897, als Holmes seine reichsten Erfolgsjahre schon hinter sich hatte (1887-1889, dann noch einmal die Zeit um 1895) fuhr der erste motorisierte Bus durch die City – zur Zeit von Holmes' Abschied baute man eifrig für den totalen U-Boot-Krieg, schwammen Luftschiffe am  Himmel und knatterten Flugzeuge.“

Zur städtischen Infrastruktur gehören auch die Informationsmittel, die für kriminalistische Er­mittlungen ebenso eine ausschlaggebende Rolle spielen wie für die kriminelle Energie der Verbre­cher. Dazu noch einmal Nino Erné: „Wer kennt nicht Holmes' Vorliebe für Telegramme! 12 Worte kosteten ihn 6 Pence. Die Post wurde zwölfmal täglich verteilt – folglich war er nicht so dringend auf ein Telefon angewiesen wie die  Söhne und Enkel seines Namens...“

1.3. Der Mythos des technischen Zeitalters

Die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts war sich der Umbrüche bewusst. Doch die Rezeption der Fol­gen der industriellen Modernisierung waren klassenabhängig sehr unterschiedlich. In Großbritannien begann eine Periode der Verunsicherung des Adels, eine gewisse Fortschrittseuphorie im städtisch-industriellem Bürgertum, das immer stärker mit dem unteren Landadel, der Gentry, verschmolz und das Kapital für die Industrielle Revolution bereitstellt, ökonomisch im Sinne einer Vorform der Glo­balisierung verknüpft mit Wachstum und Blüte des Empire. Schließlich die zahlenmäßig enorm wach­senden Unterschichten, das industrielle Proletariat, das aus den peripheren ländlichen Regionen in die Städte und die industriellen Agglomerationen strömte und zunächst sicher zu den „Mo­der­ni­sie­rungs­ver­lierer“ gehörte. Alle diese sozialen Gruppen prägten Bild und Entwicklung Londons im 19. Jahr­hundert.

Doch die Grundlage einer staatlichen Integration, die bislang vor allem in der Monarchie zu su­chen war, wurde im 19. Jahrhundert zunehmend der Fortschrittsglauben. In der sich entwickelnden Technik, in den neuen technischen Energien sahen die Menschen eine Chance, aus alten feudalen Zwängen zu entkommen und die Natur zu beherrschen. Dieser Mythos verband auch bei den schärf­sten Klassenauseinandersetzungen die gegnerischen Parteien.

„So wird ein neues mächtiges Beispiel gegeben von der Einheitlichkeit des Menschengeistes, der alle politischen und sozialen Schranken durchbricht, um den Grundsatz der friedlichen Arbeit und des stetigen materiellen wie geistigen Fortschritts zu verkündigen. Wohl hat sich die Kriegswissenschaft vervollkommnet und Millionenheere stehen sich wie Riesenmaschinen ver­nichtungsbereit gegenüber, aber auch die Künste und Wissenschaften sind mächtig geworden und in gemeinsamer Kulturarbeit zeigen sie den Menschen, dass und wie sie Genossen, Freunde, Brüder sein sollen. In dieser Tätigkeit spielt die Elektrizität die erste Rolle... Die Arbeit ist das große Geheimnis des menschlichen Fortschritts. Wenn nicht Alles trügt, wird die Elektrotechnik in der Geschichte der menschlichen Arbeit eine Epoche eröffnen, die an Bedeutung alles hinter sich lässt, was bisher geschehen ist.“ (Frankfurter Zeitung, 15 Mai 1891)[9]

Der materialistische Ansatz des Marxismus lässt den politischen und gesellschaftlichen Fortschritt als Folge des industriellen und ökonomischen Fortschritts erscheinen. Es geht daher in den Klassen­kämp­fen des 19. Jahrhunderts nur ephemer um die Problematik des industriellen Fortschritt als sol­chem, sondern um die gesellschaftliche Kontrolle über die Fortschrittserträge.

„Die natürliche Gleichheit der menschlichen Intelligenzen, die Einheit zwischen dem Fortschritt der Vernunft und dem Fortschritt der Industrie, die natürliche Güte des Menschen, die Allmacht der Erziehung sind Hauptmomente seines Systems.“ (Marx/Engels, 1844)[10]

Dieses Argument begründet die grundlegende Kritik Engels an der klassischen Philosophie und über­höht die industrielle Entwicklung zur Fortschrittsmythologie:

„Die Philosophen wurden aber in dieser langen Periode von Descartes bis Hegel und von Hob­bes bis Feuerbach keineswegs, wie sie glaubten, allein durch die Kraft des reinen Gedankens vorangetrieben. Im Gegenteil. Was sie in Wahrheit vorantrieb, das war namentlich der gewaltige und immer schneller voranstürmende Fortschritt der Naturwissenschaft und der Industrie.“ (Engels, 1888)[11]

Bezeichnend ist auch, daß in dieser Zeit der Unterschied zwischen den Entwicklungen in Deutschland und in England deutlich wird, die letztlich trotz enormer materieller Modernisierungserfolge und dem zeitweiligen Versuch, Berlin als London ebenbürtig erscheinen zu lassen, die geistigen Potentiale für eine erfolgreiche gesellschaftliche Aufarbeitung der Moderne in Deutschland vermissen lassen. Die Aktivitätszentren des technisch-wissenschaftlichen Aufbruchs im 19. Jahrhundert lagen in Großbri­tannien, in London:

„Im Verhältnis der Naturphilosophie zu Beginn des  19. Jahrhunderts zur Naturforschung liegt die Wurzel  für eine nachhaltige Fehlentwicklung in Deutschland...: die Trennung von  Naturphi­losophie und Naturforschung, die zum Untergang der Forschung ... führte. ... (In einem 1891) verfaßten Rückblick schrieb Heinrich Hertz: »Die Begeisterung, welche die Scheinerfolge der Naturphilosophie begleitete, wurde im Ausland mit Recht nicht geteilt... Das Neue, der wirkliche Fortschritt wurde in Paris und London  erwartet, dorthin reiste der junge Naturforscher...«  »Es ist wahrlich traurig« - schreibt Liebig in dieser  Zeit aus Paris -, »wie sehr in der neueren Zeit der Ruhm der Deutschen in der Physik, Chemie und den  anderen Naturwissenschaften geschwun­den ist; kaum  ist noch ein Schatten übriggeblieben.«“[12]

Das was bei den Deutschen als kulturell abfällig gewertete Zivilisation (‚civilsation‘) Frankreichs und Englands mißtrauisch beachtet wird – ein Grundelement der „deutschen Ideologie“, das letztlich die Fehlentwicklungen des 20. Jahrhunderts begründete –, ist weltgeschichtlich die wichtigste Errungen­schaft des 18. und 19. Jahrhunderts und begründet die Entwicklung der Nationalstaaten und ihrer demokrartisch verfaßten Staatsgesellschaften.[13]

In diesem Spannungsfeld zwischen materieller und gesellschaftlicher Modernisierung, der sich verschärfenden Klassengegensätze auf der einen Seite und dem Entstehen einer britischen Nation, die vom Fortschrittsglauben und Zukunftsoptimismus zusammen­gehalten wird, steht die Entwicklung der Konurbation London zur größten Metropole der Welt, zum Handelszentrum, in dem sich ökonomi­sche und politische Macht fokussiert.

2.   Die Metropolitanisierung Londons

2.1. Die Metropole und die traditionelle Stadt

2.1.1.   Typen metropolitaner Entwicklung

Große Städte standen seit dem Altertum im Zentrum der gesellschaftlichen und ökonomischen Ent­wicklung. Von Babylon über Rom bis Paris konzentrierten sich gesellschaftliche Modernisierungs­schübe und politische Macht in Großstädten. Zwei Charakteristiken eint alle diesen Städte: daß sie die regionalen räumlichen Disparitäten eines Stadt-Land-Gegensatzes begründen und verstärken und das städtische Leben als höherwertig als die ruralen Lebensformen definieren, und zweitens, daß alle Städte einen räumlichen Bedeutzungsüberschuss, d.h. also: eine höhere Zentralität besitzen als länd­liche Siedlungen. Sie versorgen und beherrschen ihr Umland.[14]

Die größten Städte einer jeweiligen Periode waren die Hauptstädte der mächtigsten Reiche. Im 17. und 18. Jahrhundert nahm in Europa Paris diese Rolle ein und wurde im 19. Jahrhundert von London abgelöst. Schon Paris entwickelte sich zu einem durch politische Zentralität des Hofes und sich rasant ausdehnende Siedlungsfläche neuen Typ der städtischen Agglomeration, die über die Ge­schlossenheit der sich seit dem Mittelalter entwickelnden Städte hinauswuchs (Mumford, 1963; Benevolo, 1983).

In noch weitaus stärkerem Maße trifft dies auf London im 19. Jahrhundert zu: Wir finden hier nicht mehr eine einheitliche, geschlossene Stadtanlage, sondern das sprichwörtliche Häusermeer. Straßen und Stadtstrukturen erscheinen zunächst systemlos und willkürlich und an keiner rationalen Ordnung orientiert. Erst genauere stadtgeschichtliche Untersuchung zeigt, daß sich in vielen überein­anderlagernden Schichten die Stadtentwicklung aus einer großen Zahl unterschiedlich disponierter und strukturierter Siedlungskerne abbildet und dass das Straßennetz teilweise Strukturen älterer Fern­straßenverbindungen repräsentiert, die zu innerstädtischen Verbindungen umfunktioniert worden sind.

Eine weitere Netzstruktur legt sich im 19. Jahrhundert über die Agglomeration London: das Ei­senbahn- und Untergrundbahn-Netz. Straßen und Schienenwege determinieren dann das weitere städtische Wachstum und ermöglichen die Mobilität der Bevölkerung, die ein ringförmiges Städte­wachstum um das „alte London“ herum entstehen läßt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundetrts wird der urbane Problemdruck in London so groß, daß erstmalig eine großräumige Stadt- und Re­gio­nalplanung als notwendig angesehen wird.

Die verbesserte Verkehrsinfrastruktur macht es möglich, um den verdichteten inneren Sied­lungs­kern einen breiten Grüngürtel (Green Belt) zu legen, um den herum neue Industriestandorte, die das Zentrum nicht mehr aufnehmen kann, ebenso wie vor allem seit Beginn des 20. Jahrhunderts die „New Towns“ als erste Satelliten- und Wohnstädte geplant und gebaut werden (Rusch, 1969: 99; Benevolo, 1983). Diese Struktur bestimmt auch heute noch die Agglomeration London, die dann heute noch über die New Towns hinauswächst und deren Agglomerationsprobleme, die sich schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bemerkbar machten – Verkehrskollaps, Umweltprobleme, lange Pendlerwege, Wohnungsknappheit und hohe Grundstückspreise im Stadt­in­ne­ren –, auch heute noch nicht nachhaltig gelöst worden sind.

Im 20. Jahrhundert löst zunächst New York London als metropolitanes Weltzentrum ab. Doch heute haben sich die Probleme großer und größter metropolitaner Verdichtungsräume von den klas­sischen Zentren in den Industrieländern längst in die Dritte Welt verlagert, wo ein neuer Typ von Metropolen als Armutszentren entstanden ist, deren Bevölkerunghszahl und -dichte kaum noch vor­stellbar erscheint, so Städte wie Mexico City, Bombay, Djakarta u.a., mit Einwohnerzahlen zwischen 15 und 20 Millionen. Doch viele der sozialen Probleme wie Elendviertel, Slums, Krankheiten, Ar­mutskriminalität und gesellschaftliche Desintegration sind zwar in größerem Maßstab sichtbar ge­worden, aber als gesellschaftliche Probleme nicht neu: London im 19. Jahrhundert war nicht nur Me­tropole und Handelszentrum, sonder auch Zentrum der Verelendung und der sozialen Krisen.

2.2. Die Phasen der Stadtentwicklung Londons

2.2.1.   Gründung und Standortfaktoren der Stadt

London ist ein alter städtischer Siedlungsplatz. Die Stadtgründung geht auf die Römerzeit zurück. Die mittelalterliche Festung Tower geht wohl auf eine römische Festungsanlage zurück. Im Mittelal­ter war der Tower eine typische herrschaftliche Zwingburg gegenüber der Siedlung der Händler und Acker­bürger (Eilers / Voigt, 1969: 101 f.).

Doch von der mittelalterlichen Stadt sind nur wenige Spuren übrig geblieben. Doch sollte der Lagegunst der Stadt für die Untersuchung der Stadtgeschichte besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. London liegt an dem Ort, bis zu dem auf der Themse der Gezeiteneinfluß wirksam und bis zu dem Seeschifffahrt möglich ist. Gleichzeitig war hier durch die Strömungsdynamik der Themse bedingt eine Furt, über die seit frühgeschichtlicher Zeit die wichtigste Nord-Süd-Verbindung auf der britischen Insel den Fluss überqueren konnte. An das Ufer heranreichende glaziale Terrassen ermög­lichten dazu eine hochwassersichere Besiedlung. Handel und Herrschaft erkannten schon in früher Zeit diese Lagegunst und begründeten die überregionale Zentralität und Bedeutung der Stadt, die sich parallel zur allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung (Bode, 1969: 92 f.; Eilers / Voigt, 1969: 101).

2.2.2.   Die mittelalterliche Stadt

Die Anfänge der Stadtentwicklung

Zunächst ist die Stadtentwicklung Londons im Mittelalter mit der anderer europäischer Handels- und Herrschaftsstädte vergleichbar. Für die weitere Entwicklung bedeutsam ist vor allem – vom heutigen Stadtgebiet gesehen – die Mehrkernigkeit der städtischen Besiedlung. Diese ist von Anfang an auch eine funktionale Gliederung. Schon im 10. Jahrhundert war die Insel Thorney der Sitz der Monar­chie, nachdem der Tower seine frühmittelalterliche Zwingburgfunktion verloren hatte. Dagegen ent­wickelte sich die Handelsstadt etwa acht Kilometer stromabwärts (Bode, ibid.).

Daneben entstanden eine Vielzahl weiterer, zunächst zumeist ländlicher Dörfer und Siedlungs­kerne, die heute als verwaltungsmäßig noch immer gesonderte Stadtviertel von London auf dem Stadtplan erkennbar sind (Ordnance Survey, 1984). Erst zu Beginn der Neuzeit begannen diese Orte zu einer Agglomeration zusammenzuwachsen, doch sind bis heute die dezentrale Struktur der Stadt und das traditionelle (Fern-)Straßennetz erkennbar und für die Stadtstruktur bezeichnend.

Stuart London

Erst im 17. Jahrhundert beginnt eine nachhaltige Erneuerung der Stadt. Doch sind die Modernisie­rungsimpulse nicht ganz freiwillig. Wenn zunächst ein reicher werdender Adel architektonische Im­pulse in großzügigen aber meist eher ländlichen Palast- und Parkanlagen setzt, deren künstlerischer Repräsentant Inigo Jones war[15], der durch Aufnahme italienischer, barocker und frühklassizistischer Stilelemente erstmals eine gewisse künstlerische Weltläufigkeit in die britische Architektur brachte, die dem Anwachsen der politischen Bedeutung des Landes entsprach.

Tiefe Einschnitte in die städtische Entwicklung brachten dann die Jahre 1665 und 1666. Nach­dem 1665 die Pest die Bevölkerung – mit 70.000 bis 100.000 Opfern – dezimierte und zur weiteren Verarmung und Verelendung beitrug, wurde London beim großen Brand am 2. September 1666 zu vier Fünfteln vernichtet. Die City war vollkommen zerstört, St. Pauls Cathedral niedergebrannt, 13,000 Gebäude, 89 Kirchen und 52 Gewerbegebäude und Handelshäuser vernichtet. Doch war dies auch eine Chance für einen moderneren und großzügigeren Wiederaufbau.

War doch der Ruf von London im 17. Jahrhundert denkbar schlecht, wenn z.B. zeitgenössische britische Afrikareisenden die Größe, die Sauberkeit und den Reichtum von Timbuktu priesen und London als negatives Gegenbild daneben stellten. Die negativen Stadtimages des London des 17. Jahrhunderts machen sich immer wieder Schriftsteller zunutze, wie vor wenigen Jahren Lawrence Norfolk  in seinem historisch-mystifizierenden Bestseller „Lemprière’s Wörterbuch“ (1992), in dem einerseits Elend und Verkommenheit der Hafenstadt London dem unermeßlichen Reichtum der Handelsgesellschaften gegenübergestellt werden, verklammert durch eine gespenstisch-irreale Unter­grundmacht (im wörtlichen Sinne: unter London existierend), die die Tragödien der Oberfläche lenkt. Diese wahnhafte und spannende Perspektive übersteigert den kriminalistischen topos, der seit dem viktorianischen Zeitalter die Mysteries der britischen Literatur bestimmen.

Doch die Chance wurde nur teilweise genutzt. Der Städteplaner und Architekt Christopher Wren präsentierte zwar großzügige Neubaupläne, doch die komplizierten Eigentumsverhältnisse in der Stadt verhinderten eine Neustrukturierung.[16] Doch die Gebäude wurden in modernerem Stil wie­der aufgebaut und Londons Innenstadt erhielt das Aussehen, das sie bis ins 19. Jahrhundert zeigte. Beim Wiederaufbau der öffentlichen Gebäude, vor allem der Kirchen, ist die Handschrift Wrens deutlich zu erkennen. Es gibt kaum eine Kirche in London, in der noch Elemente aus der Zeit vor dem großen Brand zu finden sind.

Die nachfolgende Georgerian Period war für London zwar eine Zeit kontinuierlichen Wachs­tums, in urbanistischer Sicht war es aber eine Stagnationsepoche. Erst mit Beginn des Viktoriani­schen Zeitalters und der Blütezeit des britischen Imperialismus nach dem Sieg Nelsons in der Schlacht von Trafalgar 1805 werden neue Impulse in der Stadtentwicklung sichtbar, die das Bild des Londons des 17. Jahrhunderts überlagern und modernisieren (Johnson, Jane: 19th Century London).  

3.   Das Viktorianische London

3.1. Das Stadtbild und seine Entwicklung

London war für jeden Besucher in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert ein unvergessliches, beein­druckendes Erlebnis, wie viele Reiseberichte belegen. Daher ist es sinnvoll, einen prominenten Zeit­genossen ausführlicher zu Worte kommen zu lassen, der Zeit seines Lebens mit Großbritannien und London eng verbunden war und als Sozialist auch die Schattenseiten des viktorianischen Londons kannte und interpretierte: Friedrich Engels, in seinem Werk über die Lage der arbeitenden Klasse in England, das der politologischen Analyse den konkreten, anschaulichen Hintergrund verleihen konn­te:

„So eine Stadt wie London, wo man stundenlang wandern kann, ohne auch nur an den Anfang des Endes zu kommen, ohne dem geringsten Zeichen zu begegnen, das auf die Nähe des platten Landes schließen ließe, ist doch ein eigen Ding. Diese kolossale Zentralisation, diese Anhäufung von dritthalb Millionen Menschen auf einem Punkt hat die Kraft dieser dritthalb Millionen ver­hundertfacht; sie hat London zur kommerziellen Hauptstadt der Welt erhoben, die riesenhaften Docks geschaffen und die Tausende von Schiffen versammelt, die stets die Themse bedecken. Ich kenne nichts Imposanteres als den Anblick, den die Themse darbietet, wenn man von der See nach London Bridge hinauffährt. Die Häusermassen, die Werften auf beiden Seiten, beson­ders von Woolwich aufwärts, die zahllosen Schiffe an beiden Ufern entlang, die sich immer dichter und dichter zusammenschließen und zuletzt nur einen schmalen Weg in der Mitte des Flusses frei lassen, einen Weg, auf dem hundert Dampfschiffe aneinander vorüberschießen das alles ist so großartig, so massenhaft, dass man gar nicht zur Besinnung kommt und daß man vor der Größe Englands staunt, noch ehe man englischen Boden betritt.

Aber die Opfer, die alles das gekostet hat, entdeckt man erst später. Wenn man sich ein paar Ta­ge lang auf dem Pflaster der Hauptstraßen herumgetrieben, sich mit Mühe und Not durch das Menschengewühl, die endlosen Reihen von Wagen und Karren durchgeschlagen, wenn man die »schlech­ten Viertel« der Weltstadt besucht hat, dann merkt man erst, dass diese Londoner das beste Teil ihrer Menschheit aufopfern mussten, um alle die Wunder der Zivilisation zu vollbrin­gen, von denen ihre Stadt wimmelt, daß hundert Kräfte, die in ihnen schlummerten, untätig blie­ben und unterdrückt wurden, damit einige wenige sich voller entwickeln und durch die Vereini­gung mit denen anderer multipliziert werden konnten. Schon das Straßengewühl hat etwas Wi­derliches, etwas, wogegen sich die menschliche Natur empört. Diese Hunderttausende von allen Klassen und aus allen Ständen, die sich da aneinander vorbeidrängen, sind sie nicht alle Men­schen mit denselben Eigenschaften und Fähigkeiten und mit demselben Interesse, glücklich zu werden? und haben sie nicht alle ihr Glück am Ende doch durch ein und dieselben Mittel und Wege zu erstreben? Und doch rennen sie aneinander vorüber, als ob sie gar nichts gemein, gar nichts miteinander zu tun hätten, und doch ist die einzige Übereinkunft zwischen ihnen die still­schweigende, daß jeder sich auf der Seite des Trottoirs hält, die ihm rechts liegt, damit die bei­den aneinander vorbeischießenden Strömungen des Gedränges sich nicht gegenseitig aufhalten; und doch fällt es keinem ein, die andern auch nur eines Blickes zu würdigen. Die brutale Gleich­gül­tigkeit, die gefühllose Isolierung jedes einzelnen auf seine Privatinteressen tritt um so wider­wärti­ger und verletzender hervor, je mehr diese einzelnen auf den kleinen Raum zusammenge­drängt sind; und wenn wir auch wissen, daß diese Isolierung des einzelnen, diese bornierte Selbstsucht überall das Grundprinzip unserer heutigen Gesellschaft ist, so tritt sie doch nirgends so schamlos unverhüllt, so selbstbewußt auf als gerade hier in dem Gewühl der großen Stadt. Die Auflösung der Menschheit in Monaden, deren jede ein apartes Lebensprinzip und einen aparten Zweck hat, die Welt der Atome ist hier auf ihre höchste Spitze getrieben.“ (Engels, 1992) [17]

Die Beschreibung Engels trifft exakt den schon angesprochenen Typ der metropolitanen Konurbation Londons, lenkt jedoch den Blick stärker noch auf die gesellschaftlichen Folgen, die sich im Alltag der Stadtbewohner bemerkbar machen.

Frühere Städte wie Florenz, Amsterdam oder Köln wurden zwar auch als groß und beeindruc­kend wahrgenommen, im Vordergrund standen aber ästhetische Wahrnehmungskategorien oder die historische Reflexion der „Gebildeten“. Die Stadtimages wurden durch die Geschlossenheit des Stadtbildes, durch herausragende architektonische Meisterleistungen wie Dom oder Schloß, durch die Schönheit und Ablesbarkeit der Stadt[18] bestimmt. Auch wenn London weltberühmte Merkzeichen und bedeutende Einzelgebäude besitzt, die eine Wiedererkennbarkeit sogar für diejenigen, die noch nie diese Stadt besucht haben – Tower Bridge, Nelson-Säule, Buckimham-Palast, die Gebäude von Westminster mit dem „Big Ben“ –, so wird dieser urbane Kern, wie es Engels schon eindringlich schildert, zunehmend überlagert von gesichtslosen Häuser- und Menschenmassen – heute würden wir hinzufügen: von Automobilfluten...

3.2. Funktionen und Strukturen

Innenstadt und City

London im 19. Jahrhundert war, wie schon gesagt, eine vielfach differenzierte und durch ihre so­zia­len und funktionalen Disparitäten segmentierte Stadt. Wen wir eine räumliche Differenzierung vor­neh­men, so beginnen wir zunächst mit den funktional unterschiedenen Bereichen der eigentlichen In­nen­stadt, deren bauliche Struktur in ihren Grundlagen auf den „Großen Brand“ von 1666 zurück geht.

Vom Tower nach Westen zieht sich der Stadtkern auf der nördlichen Seite entlang der Themse. In diesem Bereich der City of London stoßen wir zunächst auf Billingsgate Market, dem alten Fisch­markt in der Höhe der London Bridge, der ältesten und lange Jahrhunderte einzigen Themsebrücke im Londoner Raum. Dieses alte Hafenviertel hat mit der Verlagerung der Häfen nach Osten themse­abwärts im 19. Jahrhundert seine ursprüngliche Funktion verloren. Es blieb ein eher armes Händler­viertel.[19]

Whitechapel zwischen Tower und Bankenviertel gehörte im Mittelalter zum königlichen Bereich um den Tower herum, doch nachdem die Regierungsfunktionen im späten Mittelalter vollständig nach Westminster gezogen waren, wird Whitechapel zu einem Hafen- und später Armernviertel. Um die Jahrhundertwende finden wir hier vor allem Hafenarbeiter, Immigranten und das jüdische Ghetto. Rauschgift und Kriminalität, für Sherlock Holmes’ Alltagsarbeit das sozial bedrückende Umfeld, kon­zentriert sich in seiner Zeit auf den östlichen Teil der Innenstadt.

Gleich westlich anschließen kommen wir beim Monument, das an den „Großen Brand“ von 1666 erinnert, in das eigentliche Geldzentrum der Stadt, dem Gebiet, das als „The City“ Ort einer ganz besonderen Ausprägung des Londoner ist, des City Bankers, der seit dem 19. Jahrhundert die Karikaturen des Briten prägt und der eine beliebte Figur in den Kriminalstories dieser Zeit wurde. Die Bank of England und die Royal Exchange sind die Kerne eines urbanistischen Prozesses der Citybil­dung, die in London zuerst auftrat und letztlich mehr oder weniger alle Großstädte im 20. Jahrhun­dert erfasste: die Konzentration auf zentrale Funktionen, die mit dem Anstieg der Grundstückpreise mithalten konnten, das Ausweichen der Wohnbevölkerung, der Industrie und des kapitalextensiveren Handels.

Die Londoner Innenstadt umfaßt etwa 27 km² und hat in der Mitte des 20. Jahrhunderts bei einer Wohnbevölkerung von 270.000 Menschen eine Gesamtbeschäftigtenzahl von 1,5 Millionen Per­sonen. Davon arbeitet die Hälfte in Büroberufen.[20] Dieser Trend setzt sich bis heute zwar fort im wei­teren Anwachsen des Tertiären Beschäftigungssektors, doch führen Rationalisierung und Ar­beits­platz­vernichtung heute zu Umschichtungen, die die Stadtplanung vor besondere Aufgaben stellt.

Der Prozeß der Entvölkerung der City beginnt im neunzehnten Jahrhundert, wo 1851 noch 130.000 Einwohner gezählt wurden, deren Zahl sich bis zur Jahrhundertwende mehr als halbiert hatte und wo im Jahr 1961 nur noch 4.700 Einwohner lebten.[21] Die westlich unmittelbar anschließenden Viertel der Innenstadt, Holborne, Bloomsbury, sind das Gebiet, in dem sich die übrigen zentralen Funktionen der Metropole konzentrieren. Am Rande des Bankenviertels finden wir mit Guildhall einen historischen Hinweis auf die frühere Bedeutung der Gilden für die Wirtschaftsentwicklung der Stadt. Zweimal, 1666 und 1940 wurde das Gebäude schwer zerstört, aber im alten Stil wieder aufge­baut. Central Marekets, Central Criminal Court, British Museum sind bemerkenswerte Orte, die auf das 19. Jahrhundert zurückgehen. Die Eisenbahnentwicklung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts konzentriert sich auf diesen Bereich der Innenstadt. Zentral gelegen aber wegen Platzmangel nicht allzu bedeutend ist der Bahnhof Holborn Viaduct an der Eisenbahn-Querverbindung. Ansonsten Ist die City umgeben von Kopfbahnhöfen, im Osten Liverpool und Broad Street Station, im Norden Euston Station, St. Pancras, King’s Cross und  Midland City, nahezu ineinander übergehend, und im Westen, schon jenseits von Westminster, Paddington Station und Victoria Station. Diese ver­kehrstechnisch sehr ungünstige Struktur geht darauf zurück, daß die einzelnen  Eisenbahnlinien im 19. Jahrhundert unabhängige private Investitionen waren. Auch die spätere Zusammenfassung zur British Rail führte nicht zu einem Umbau des Londoner Eisenbahnnetzes. Umso bedeutsamer wurde dann in der zweiten Häfte des Jahrhunderts für die Bahnreisenden die innerstädtische Verkehrser­schließung durch den Bau der Underground.

Westend und Westminster

Der Kern von Westminster (ldt. monasterium = Kloster) ist die Westminster Abbey (= Abtei, Klo­sterkirche), die in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts als Benediktiner-Abtei gegründet worden war. Später übernahmen anglikanische Domherren die Kirche. Westminster ist ein für England typisches Beispiel der Verknüpfung von weltlicher Herrschaft und Staatskirche.[22]

Königspalast, Parlament und Abbey repräsentieren die herrschenden Mächte Großbritanniens, deren subtiles Gleichgewicht in der Stadtanlage Westminsters und der nördlich gelegenen Parkanlagen Hyde Park, Buckingham Palace und Regents Park ausgedrückt sind. Die Parkanlagen des Ostens sind teilweise ein Erbe des Stuart London und der Architekten und Landschaftsgestalter um Inigo Jo­nes.

Zwischen der City und Westminster schiebt sich noch ein wichtiges funktionales Element der Stadt: Strand und Fleet Street, dem Pressezentrum Großbritanniens. Die engräumige Konzentration bestimmter Funktionen auf wenige Straßen oder abgegrenzte Viertel ist typisch für die Londoner Stadtanlage. Die Straßenverbindung von Strand und Fleet Street zwischen Bank und Palace ist viel­leicht auch symbolisch für ein viel weniger subtiles gesellschaftliches Gleichgewicht im England des 19. Jahrhunderts.

Weitere funktional abgegliederte Viertel Londons zur damaligen Zeit sind vor allem Soho, das sich zum Vergnügungsviertel entwickelt. Über den Piccadilly Circus nach Süden gelangt man nach St. James und nach Westen in das bürgerliche Stadtviertel von Mayfair, nördlich anschließend bis zum Regents Park in das von abgeschlossenen Plätzen und Höfen gekennzeichnete Marylebone. In dieser Gegend ist auch die Baker St. mit Sherlock Holmes’ Wohnung zu finden. Der teilweise exklu­sive großbürgerliche Lebensraum am Rande Westminsters und seiner offiziellen Funktionen wird auch durch die Grundstücksverhältnisse bestimmt. Ein großert Teil dieser Grundstücke im Westend gehört traditionell dem Herzog von Westminster, der Familie Grosvenor, die eines der größten Ver­mögen Großbritanniens ihr eigen nennt.[23] 

Hafen und Eastend

Im 19. Jahrhundert begann die Verlagerung der eigentlichen Hafenfunktionen themseabwärts nach Osten, wo das Fahrwasser schiffbarer war und neue große Dockanlagen gebaut werden konnten. Die­ser Prozeß erreichte seinen Höhepunkt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Heute sind viele der aus dem 19. Jahrhundert stammenden Dockanlagen überaltert und aufgegeben und werden von der Stadtplanung für neue urbane Quartiere genutzt und postmodern ausgebaut. Dadurch findet derzeit insgesamt eine Ostverlagerung der Stadt statt. Die industriellen Hafenfunktionen verlagern sich immer weiter in Richtung Themsemündung.

Stadterweiterungen

Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Innenstadt zu eng. Neue Wohngebiete und Industriestandorte entstanden ringförmig um die Stadt herum. Insbesondere wurden auch die Vier­tel Südlondons jenseits der Themse ausgebaut und zu einem neuen Siedlungsschwerpunkt der Stadt. Das Stadtbild Londons wird durch diese rasanten Erweiterungen aber nicht grundsätzlich geän­dert. Heute sprechen Geographen schon von einer durchgehenden Konurbation des Londoner Rau­mes bis hin zur Südküste der Britischen Insel. Stadtgeographisch interessant ist jedoch, daß der urba­ne Problemdruck im 19. Jahrhundert zu ersten Versuchen der planvollen Raumordnung und zum Konzept des Green Belt führte.[24]

4.   Die Probleme des städtischen Lebens

4.1. Die Entwicklung der britischen Gesellschaft[25]

England war das erste Land, das durch die Industrialisierung eine tiefgreifende gesellschaftliche Trabsformation durchmachte. Im Gegensatz zu heutigen Modernisierungsprojekten z.B. in der „Dritten Welt“ konnte das Land seine industrielle Entwicklung nicht pla­nvoll entwickeln. Diese autochthone Entwicklung erfolgte unter dem Vorzeichen der schrittweisen Konstitutionalisierung der britischen Monarchie und der Herausbildung des Wirtschaftsliberalismus.

„Der Anstoß zur Industrialisierung erfolgte in England durch die innereuropäische Machtver­schiebung von Süd nach Nord bzw. nach Nordwest (Ablösung des spanischer Imperialismus; Währungsströme etc.) und die dadurch begrün­dete innenpolitische Veränderung in Großbritan­nien, wo die Krone und der Hochadel ökonomisch in Ab­hängigkeit von aufkommendem Bürger­tum und Gentry gelangte.

Die Gesellschaftsentwicklung der Industrialisierungsphase in England entspricht einer sozialen Evolution mit der Einbeziehung immer größerer Bevölkerungsschichten in die politischen Parti­zipationsprozesse.

Die Industrialisierung der Gesellschaft in England ... vernetzt die sozialen Bezüge und förderte die gesellschaftliche Integration. Vor allem aber wurden regionale Disparitäten gemildert, wäh­rend die politische Bedeutung sozialer Klassenunterschiede verstärkt wurde.

Gesellschaftliche Integration, Pluralismus und soziale Spannungen in England führen zumindest bis zur Wirt­schafts­krise der 70er/80er-Jahre zum grundsätzlichen Fortschrittsglauben und zur Leistungsorientierung...“[26]

Ohne die grundsätzliche Diskussion über die Ursachen und Konsequenzen der Industrialisierung Großbritanniens hier nachzeichnen zu können, sollte doch auf die heute weitgehend unumstrittene Beziehung des Kontextestes von Imperialismus und Industrieller Entwicklung hingewiesen werden, die Hobsbawn in seiner grundlegenden Studie „Industrie und Empire“ (1974) ausführlich begründet und belegt.

Daß dies nicht nur für den politischen und ökonomischen Bereich gilt, sondern auch den Tech­nologietransfer von den abhängigen Gebieten z.B. in Indien und die materielle Ausbeutung der Ko­lonien betrifft, zeigt am Beispiel der Penetration und Ausbeutung Bengalens Asit Datta (1982).

Schema der sozioökonomischen Entwicklung Großbritanniens[27]

 

 

Land­bevöl­ke­rung

Stadtbevölke­rung

„Landadel“

Adel/Krone/ Re­gierung

Bevölke­rungs­ent­wicklung

Entwicklung der Kulturlandschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hofzusam­men­le­gung, Ent­eig­nungen, Ge­mein­delän­de­reien (100 Mor­gen = kleine Höfe!)

Entstehung des Kolo­nial­reiches

 

HCA/Bill of Rights

 

 

Ackerbau – Agrar­land­schaft mit we­nigen

 

 

 

 

 

 

Vernachlässi­gung der Landwirt­schaft

 

 

Enclosures Act

um 1700:
7 Mio. Ein­wohner

Handels­städ­ten und Adelssitzen

I

Entwicklung der Grün­­landwirtschaft

 

 

 

und Schaf­weidewirt­schaft

 

 

 Pacht­system

 

 

 

Verelen­dung der Landbe­völ­kerung, Ar­beits­losig­keit der zu­nehmen­den Landar­bei­terschaft

 

 

 

Wachende Bedeutung des Handels

 

 

Umstel­lung  der Ernäh­rungs- und Ein­kom­mens­ba­sis, neue Er­werbs­quellen

 

Zurückdrän­gen feudaler Privile­gien durch Land­adel und mit ihm verbun­denes auf­kommendes Bür­gertum

um 1750:
8 Mio. Ein­wohner

 

Schafzucht
wichtig für Tex­til­manu­fakturen

 

Entwicklung der „Parklandschaft“:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flächenbedarf für

 

 

 

Bürger­tum

Land­adel wird bür­ger­lich

 

wenige Be­sitzer

 

 

 

 

Kohleabbau und Eisenindustrie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erlöse aus dem
Kolonial­han­del

 

Erlöse aus dem
Verkauf von
Lände­reien

Manufakturen (Wolle, Kera­mik)

Industrie (Tex­til, Kohle, Stahl)

um 1800:
10 Mio. Ein­wohner

Vorübergehende Reruralisierung während der Konti­nental­­sperre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lohn­arbeit

 

 

Manufaktu­ren (Wolle, Kera­mik)

Industrie (Textil, Kohle, Stahl)

 

Im imperialen Sy­stem Interes­sen­gleichheit von poli­tischer Macht und Wirtschafts­macht

 

 

 

Entwicklungs­schwer­punkte: Mittelengland (Black Country), Süd­wales, Groß­raum London, Man­chester -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liverpool, Ostengli­sches Indusrierevier

 

 

 

Intensivierung des Handels / Welt­han­dels­verflechtung

 

<

stützt Han­del

 

<

Entwicklung der konsti­tuti­onellen Mo­narchie

um 1850:
18 Mio. Ein­wohner

Tiefgreifende Um­welt­schädigung: Bildung von Hal­den­landschaften

 

 

4.2. Soziale Stratigraphien und Konflikte

 „Die Kellerwohnungen in London bringen ihren Vermietern mehr ein als die Paläste, d.h., sie sind in Bezug auf ihn ein größrer Reichtum, also, um nationalökonomisch zu sprechen, ein größ­rer gesellschaftlicher Reichtum.“ (Marx, 1844)[28] 

 4.3. Die bürgerlichen Kulissen

Die innere Gliederung Londons im 19. Jahrhundert war noch weitaus differenzierter und unüber­sichtlicher, als es die grobe Gliederung in Funktionsräume und sozial differenzierte Stadtviertel erken­nen läßt. Gerade in der City überlagern sich sozial heterogene Lebenssphären, die nur in äußerem, aber nicht im lebendigen Kontakt miteinander stehen.

Dabei spielen Netze von Restaurants, Pubs und Treffpunkten eine große Rolle, die sich auf en­gem Raum sozial differenziert überlagern. So blieb letztlich jede soziale Klasser unter sich. Nur der Detektiv der Kriminalgeschichten konnte hier seinen Status und seine Rolle wechseln, um die Rätsel des Verbrechens, das ja zunächst einmal ein Verstoß gegen die soziale Konvention darstellt und als gesellschaftliche Deviation diese Klassengrenzen in Frage stellt.

Folgen wir dem Detektiv Romney Pringel in der kurz nach der Jahrhunderwende geschriebenen Story „Das Unterseeboot“ durch ein geheimnisvolles London, wo verfolgen und verfolgt werden ge­nauso ambivalent aufscheinen wie das soziale Umfeld des politisch brisanten Falles:

„Es ging auf sechs, als er den Inn wieder verließ und sich auf den Weg zu Paganini machte, einem Restaurant in der Great Portland Street, das er sehr gern besuchte, statt den direkten Weg nach Westen zu nehmen, überquerte er Holborn in der Absicht, einen kleinen Umweg über den Strand und die Regent Street zu machen und sich ein wenig Appetit anzulaufen. Im Staple Inn blieb er eihen Augenblick unter dem Torbogen am anderen Ende stehen. Der kleine Platz aus dem 18. Jahrhundert, der inmitten der hektischen Hast und Unruhe seiner Umgebung immer so friedlich wirkte kam ihm heute abend doppelt ruhig vor, und nach dem brausenden Lärm der Hauptstraße genoß er die Stille in vollen Zügen.“[29]

Erkennbar werden die abgeschlossenen, großbürgerlichen und herrschaftlichen Plätze und geschütz­ten Refugien nur unweit der Menschenmassen der Hauptstraßen und der dicht bevölkerten ärmeren Viertel. Ein völlig anderes London wird hier sichtbar, das sich wie eine Kulisse vor die metropolitane Welt zieht. Und diese baulichen „Kulissen“ repräsentieren die „sozialen Kulissen“, hinter die der sozial Unbefugte nicht blicken kann  und die Raum für Spekulationen und mysteries geben – dem Lebenselexier unserer Detektive.

„Bis auf die Hauptverkehrsstraßen waren die Straßen um diese Zeit völlig menschenleer, und obwohl er die Chancery Lane, in der jetzt kaum noch Verkehr herrschte, in beiden Richtungen scharf beobachtete, konnte er keine Menschenseele entdecken.“ (Ibid.: 21.)

So sehen wir hier London differenziert einerseits in funktional und sozial disperate städtische Räume, dann in engräumig verschränkte Kulissen der einzelnen Klassen und übereinandergelagerte Netze von sozialen Treffpunkten, die die städtische Kommunikation sichern. Daß in den besseren Viertel noch eine vertikale Differenzierung der sozialen Zuordnung von Kellergeschossen, der belle étage der Herrschaft und den Dienstbotenwohnungen im Obergeschoß oder unter dem Dach hinzukam, findet sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in allen großen Städten, also auch in Paris oder Berlin.

4.4. Kriminalität, Armut und Krankheit

„Aber was die große Masse der Arbeiter betrifft, so steht das Niveau des Elends und der Exi­stenzunsicherheit für sie heute ebenso niedrig, wenn nicht niedriger als je. Das Ostende von London ist ein stets sich ausdehnender Sumpf von stockendem Elend und Verzweiflung, von Hungersnot, wenn unbeschäftigt, von physischer und moralischer Erniedrigung, wenn beschäf­tigt. Und so in allen anderen Großstädten, mit Ausnahme nur der bevorrechteten Minderheit der Arbeiter; und so in den kleineren Städten und in den Landbezirken. Das Gesetz, das den Wert der Arbeitskraft auf den Preis der notwendigen Lebensmittel beschränkt, und das andere Gesetz, das ihren Durchschnittspreis der Regel nach auf das Minimum dieser Lebensmittel herabdrückt, diese beiden Gesetze wirken auf sie mit der unwiderstehlichen Kraft einer automatischen Ma­schine, die sie zwischen ihren Rädern erdrückt.“ (Engels, 1892)[30]

Literatur:

Es wurden auch Informationen aus dem ›Internet‹ verwendet. Diese wurden so genau wie möglich bibliographisch nachgewiesen, doch sind die Angaben leider in Bezug auf Verfasser und Publikati­onszeitpunkt nicht immer einwandfrei. Die URL-Adressen sind häufigen Änderungen unterworfen und geben den Stand zum Zeitpunkt des Download im Juli 2001 an. Verwendet wurden unter ande­rem allgemeine Informationsseiten, die für Reiseinformationen und für britische Schulen gedacht sind, als allgemeine historische Sachquellen aber als zuverlässig gelten können.

Benevolo, Leonardo, 1983: Die Geschichte der Stadt. Frankfurt am Main / New York (Campus Verlag). {orig.: Storia della città. Roma / Bari, 1975 (Editori Laterza).}

Berkeley, University of: Creating the Modern City: 19th Century London and Paris. Internet Download 07/2001 from: <http://arch.ced.berkeley.edu/courses/arch179B/SP2001/04-12-01_text.html>.

Bode, Gisela, 1969: London, geographische Grundlagen und historischen Entwicklung. In: Voppel, G., Hrsg., 1969: England-Exkursion des Geographischen Instituts der Technischen Universität Hannover, 29.7.-12.8.1969. (Studentische Teilnehmerberichte.) Hannover (im Typoskript vervielfältigt): 92-94.

Braudel, Fernand, 1979: Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philips II. 3 Bände. Frankfurt am Main (La Méditerranée et le monde méditerranéen. Paris 1966/1079. Erstausgabe 1949).

britainexpress: Georgian London. Internet Download 07/2001 from: <http://www.britainexpress.com/London>.

britainexpress: John Nash. Internet Download 07/2001 from: <http://www.britainexpress.com/London>.

britainexpress: Stuart London. Internet Download 07/2001 from: <http://www.britainexpress.com/London>.

britainexpress: Victorian Art and Architecture. Internet Download 07/2001 from: <http://www.britainexpress.com/London>.

britainexpress: Victorian London. Internet Download 07/2001 from: <http://www.britainexpress.com/London/victorian-london.htm>.

britainexpress: Victorian Railways (II). Internet Download 07/2001 from: <George Stephenson. http://www.britainexpress.com/London>.

Cartwright, Justin, 1991: London – Zwischen Vorgestern und Übermorgen. In: Merian, Jahrgang 44, Heft 5. 16-30.

Datta, Asit, 1982: Ursachen der Unterentwicklung. Erklärungsmodelle und Entwicklungspläne. Beck’sche Schwarze Reihe, Bd. 269. München.

Doyle, Sir Arthur Conan, o.J. (um 1965): Sämtliche Sherlock Holmes Stories. Herausgegeben von Nino Erné. Gütersloh (C. Bertelsmann). {orig.: The Complete Sherlock Holmes Short Stories. Ed. by Nino Erné. London (John Murray).}

Eilers, Wilfried / Voigt, Gerhard, 1969: Die Londoner Innenstadt. In: Voppel, G., Hrsg., 1969: England-Exkursion des Geographischen Instituts der Technischen Universität Hannover, 29.7.-12.8.1969. (Studentische Teilnehmerberichte.) Hannover (im Typoskript vervielfältigt): 101-105.

Elias, Norbert, 1990 (1976): Über den Prozess der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Un­tersuchungen. Erster Band: Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten des Abend­lan­des. [15. Aufl.; Erstausgabe 1936; Neuausgabe 1969; 1. Aufl. der Taschenbuchausgabe 1976]. Frank­furt am Main.

Green, Sir Hugh, Hrsg., 1974: Die Rivalen des Sherlock Holmes. Viktorianische Detektivgeschichten. 2 Bände. Frankfurt am Main (Fischer Taschenbuch 1424/1425). {orig.: The Rivals of Sherlock Holmes. London, 1970 (Bodley Head).}

Hall, Unity, 1991: Der Mann, der London erbte: Gerald Grosvenor, Herzog von Westminster. In: Merian, Jahrgang 44, Heft 5. 64-70.

Hobsbawm, Eric J., 1974: Industrie und Empire. Britische Wirtschaftsgeschichte seit 1750. Frankfurt am Main 19744 (Edition  Suhrkamp 315 (Band 1) / 316 (Band 2)) {Industry and Empire. An Economic History of Britain since 1750. 1968}.

Johnson, Jane: 19th Century London. Internet Download 07/2001 from: <http://www.britannia.com/history/londonhistory/viclon.html>.

Lynch, Kevin, 1968: Das Bild der Stadt. Bauwelt Fundamente. Gütersloh.

Menen, Aubrey, 1976: London. Time-Life-Bücher: Die großen Städte. Amsterdam (TIME-LIFE International, Nederland).

Mumford, Lewis, 1963: Die Stadt. Geschichte und Ausblick. Köln / Berlin (Kiepenheuer & Witsch). {orig.: The City in History.}

Nino Erné, o.J.: Sherlock Holmes chronologisch. Ein Wort zum Geleit. In: Doyle, Sir Arthur Conan, o.J. (um 1965): Sämtliche Sherlock Holmes Stories. Herausgegeben von Nino Erné. Gütersloh (C. Ber­tels­mann): 9-16.

Norfolk, Lawrence, 1992: Lemprière’s Wörterbuch. Roman. München (Albrecht Knaus). {orig.: Lemprière’s Dictionary. London, 1991 (Sinclair-Stevenson).}

Ordnance Survey, 1984: ABC London Atlas. London (Guild Publishing).

Powers, Jessica, 2000: Christianity vs. Islam in Africa: A 19th Century Debate. The Islamic-Christian Missionary Debate in Late-Victorian England. Suite101.com Inc. <www.suite101.com> Published on: August 28, 2000. Internet Download 07/2001 from: <http://www.suite101.com/article.cfm/8209/46847>.

Ramm, Claus / Reese, Ulrike, 1969: Der Londoner Hafen und das Hastend. In: Voppel, G., Hrsg., 1969: England-Exkursion des Geographischen Instituts der Technischen Universität Hannover, 29.7.-12.8.1969. (Studentische Teilnehmerberichte.) Hannover (im Typoskript vervielfältigt): 106-109.

Rot, Ralf / Steen, Jürgen, 1993: Eine andere Industrialisierung. Der Elektromotor als politische Option. Praxis Geschichte, Heft 5, September 1993: 18-23.

Rusch, Jochen, 1969: Die funktionale Gliederung Londons. In: Voppel, G., Hrsg., 1969: England-Exkursion des Geographischen Instituts der Technischen Universität Hannover, 29.7.-12.8.1969. (Studentische Teilnehmerberichte.) Hannover (im Typoskript vervielfältigt): 95-100.

Sayers, Dorothy, 1980: Mord braucht Reklame. Kriminalroman. Tübingen (Rainer Wunderlich. – Taschenbuchausgabe: Reinbek bei Hamburg, 1982, rororo 4895). {orig.: Murder Must Advertise. London, 1933 (Victor Gollancz).}

spartacus.schoolnet: Great Britain 19th Century. 1831 Reform Riots. Internet Download 07/2001 from: <http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/LONreform.htm>.

spartacus.schoolnet: Great Britain, 19.th Century. Walter Crane. Internet Download 07/2001 from: <http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/Jcrane.htm>.

spartacus.schoolnet: Great Britain: Trade Unions. Bloody Sunday 13th February, 1887. Internet Download 07/2001 from: <http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/TUbloody.htm>.

spartacus.schoolnet: London 19th Century. Trade Unions: The Dockers‘ Strike. Internet Download 07/2001 from: <http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/TUdockers.htm >.

Time Out Group, 2001: London: Features: The 19th Century. Internet Download 07/2001 from: <http://www.timeout.com/london/features/architecture/part_4_the_19th_century.html>.

Time Out Group, 2001: London: Features: The Adam Family & beyond. Internet Download 07/2001 from: <http://www.timeout.com/london/features/architecture/part_3_the_adam_family.html>.

Voigt, Gerhard / Fuchs, Günter / Eilers, Wilfried, 1978: Sozioökologie. Gesellschaftliche Probleme in einer sich wandelnden Umwelt. Handreichungen für den Sekundarbereich II. Hrsg. vom Nie­der­säch­si­schen Kultusmunister, Hannover, Folge B 4, Band 1: 89-209.

Voigt, Gerhard, 1981: »Krimi«-Rezeption: Veränderung sozialer Werturteile? Vorüberlegungen zu einem didaktischen Konzept. Politische Didaktik 3/81. S. 18-36 und im Beiheft: Zu einem Pro­jektkurs der Sekundarstufe II zum Thema »Frieden« mit einer Schwerpunktphase »Innergesellschaftliche Gewalt – Untersuchung von Fernsehkrimis« [Materialien]. S. 9-35.

Voigt, Gerhard, 1986: Industrialisierung in England und Algerien. Das Vergleichen von Ent­wick­lun­gen. Praxis Geographie, Jahrgang 16, Heft 11, November 1986: 19-23.

Voigt, Gerhard, 2001: Zur Begriffsbestimmung von „Staat“ und „Staatsgesellschaft“. Anmer­kungen zur begrifflichen Differenzierung. In: Voigt, Gerhard, Hrsg., 2001: „Staatsgesellschaft“. Historisch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von Entwick­lungen, Problemen und Perspektiven. Forum Politologie und Soziologie (Hrsg. Bernhard Claußen) Band 9.  Galda + Wilch Verlag. Glienicke/Berlin / Cam­bridge/Massachusetts.

Voppel, G., Hrsg., 1969: England-Exkursion des Geographischen Instituts der Technischen Universität Hannover, 29.7.-12.8.1969. (Studentische Teilnehmerberichte.) Hannover (im Typoskript vervielfältigt).


Anmerkungen:


[1]    Zitat nach: spartacus.schoolnet: Great Britain, 19.th Century. Walter Crane.

[2]    Vgl. Braudel, Fernand, 1979.

[3]    Vgl. dazu Hobsbawn, Industrie und Empire, 1974.

[4]    britainexpress: Georgian London. – britainexpress: Victorian London.

[5]    Vgl. zum Begriff der Staatsgesellschaft Voigt, 2001.

[6]    Elias, Norbert, Zivilisationstheorie, Bd. 1, 1990.

[7]    Green, Sir Hugh, Hrsg., 1974.

[8]    britainexpress: Victorian London.

[9]    Quelle: „Eine neue Epoche“. In: „Frankfurter Zeitung“ vom 15. Mai 1891 (Abendblatt) zur Eröffnung der Interna­tio­nalen Elektro-Technischen Ausstellung in Frankfurt a M. Zitiert nach: Roth / Steen, 1993: 22 [M 7].

[10]  Marx / Engels: Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik, d) Kritische Schlacht gegen den französi­schen Materialismus (1844). MEW Bd. 2, S. 137. [Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels. S. 1091.]

[11]  Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, II (1888). MEW Bd. 21, S. 277. [Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 11, S. 8854.: Marx/Engels]

[12]  Gerlach, Walther, 1965: Fortschritte der Naturwissenschaft im 19. Jahrhundert. Propyläen-Weltgeschichte,  Bd. 8, Berlin (Ullstein Verlag): 238. [Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 14: Propyläen-Weltgeschichte, S. 12101, 1999]

[13]  Vgl. dazu Elias, Norbert, 1990 (1976) und Voigt, Gerhard, 2001.

[14]  Dass im Bereich der Agrarprodukte und der Grundversorgung die Städte ebenso abhängig sind von ihrem ländli­chen Umland, ist unbestritten. Die Ackerbauernstädte des Altertums und des Mittelalters zeigen diese Verklam­merung sehr deutlich. Aber wie heute im Verhältnis von Industrie- und Rohstoffländern ist es eine assymetrische Abhängigkeit und keine gleichberechtigte „Arbeitsteilung“: die Zentren beherrschen die Peripherien und beuten sie ökonomisch aus.

[15]  „In the early Stuart years the landscape of London was changed by the extraordinary work of the self-taught ar­chitect, Inigo Jones. In 1631 Jones designed Covent Garden piazza, the first purpose-built square in the city. Jones‘ other important work in this period was at Queen's House (Greenwich), Banqueting Hall (Whitehall), and Queen's Chapel.“ (britainexpress: Stuart London.)

[16]  Es ist vielleicht interessant, an dieser Stelle auf ein positives Gegenstück im 20. Jahrhundert zu verweisen: Nach den 95-prozentigen Kriegszerstörungen in der hannoverschen Innenstadt konnt der Stadtbaurat Hillebrecht errei­chen, daß alle Grundstücke in einen pool zusammengefaßt wurden, der Wiederaufbau auf der Grundlage eines op­timierten neuen Straßenplanes erfolgen konnte und die ehemaligen Eigentümer anteilsmäßig an der neuen Bau­substanz beteiligt wurden.

[17]  Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Die großen Städte. MEW Bd. 2, S. 256-257. [Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 11, S. 10341-10343: Marx/Engels]

[18]  Vgl. dazu die aufschlußreichen Untersuchungen von Kevin Lynch zur Lesbarkeit der Stadt, in der er moderne, „ge­sichtslose“ und damit erinnerungslose Agglomerationen (Los Angeles) europäischen Städten (Florenz, aber auch Boston) gegenüberstellt und die Frage nach der Lebensform und den psychischen Folgen für das städtische Leben aufwirft. London ist zwar im Kern eine noch ablesbare Stadt, vollzieht aber in weiten Flächen im 19. Jahrhundert den Schritt zur gesichtslosen Agglomeration.

[19]  In der Darstellung der funktionalen Gliederung der City folgen wir Eilers, Wilfried / Voigt, Gerhard, 1969: Die Londoner Innenstadt.

[20]  Nach Rusch, Jochen, 1969: Die funktionale Gliederung Londons.

[21]  Ibid.

[22]  Eilers / Voigt, 1969: 104.

[23]  Vgl. Hall, Unity, 1991: Der Mann, der London erbte: Gerald Grosvenor.

[24]  Vgl. S. 5.

[25]  Die knappe Darstellung folgt weitgehend den Ausführungen von Voigt, 1986: M4 / Thesen, S. 22 (Unter­richts­ma­te­ria­lien). Der Verfasser stützt sich dabei auf eine ältere Arbeit von Voigt/Fuchs/Eilers, 1977, S. 90 ff., der auch das Entwicklungsdiagramm entnommen wurde, das nachfolgend leicht modifiziert in unsere Darstellung mit einbezogen wurde.

[26]  Voigt, 1986: ibid.

[27]  Umgezeichnet aus: Voigt, Gerhard, 1986: Industrialisierung in England und Algerien: 23 (M 5: Industrialisierung in England)

[28]  Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844. [Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung].  MEW Bd. 40, S. 552. [Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 11, S. 733: Marx/Engels]

[29]  Aus der Kriminalstory „Das Unterseeboot“ von Clifford Ashdown aus Green, Sir Hugh, Hrsg., 1974, Bd. 2: 20.

[30]  Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. [Vorwort zur deutschen Ausgabe von 1892]. MEW Bd. 2, S. 645. [Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 11, S. 10278: Marx/Engels]

Martin Eilers ist Student an der Technischen Universität Braunschweig, Fachbereich für Geistes- und Erziehungswissenschaften, – Englisches Seminar – 
Adresse: Moränenweg 42, 38228 Salzgitter,
Tel. 05341-50555

 

Dokument Information:

Veröffentlicht in politik unterricht aktuell
"I
Fächerübergreifende Ansätze in der Politischen Bildung"
Hannover, 2004, Heft 1. A 5, kart.

Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover

Vorsitzender: OStR Gerhard Voigt, Pettenkoferstraße 13, D 30880 Laatzen
[ISBN 3-9807714---]
 


Druckausgabe vgl. Publikationsliste. Bestellungsformular (im WORD-Format)

Verantwortlich für diese Seite: Gerhard Voigt: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover / Internetseite. Martin Eilers: London zur Zeit von Sherlock Holmes’  – Erstelldatum und Fassung der Datei: 19.07.2001 / rev. Fassung 07.06.2003 / Internetpublikation, letzte Änderung 02.08.2004

Kontakt über: 
<politiklehrerverband.voigt@web.de> und
<bismarckschule.voigt@gmx.de>.
Vgl. das Impressum dieser Homepage.

 

 

TOP

Zur Textgestaltung und zur rechtlichen Distanzierung
von "gelinkten" Seiten vgl. Impressum.

Alle Rechte Vorbehalten

[Zurück] [Home] [Nach oben]
Web-Fassung: 10.08.2004 - Verantwortlich: Gerhard Voigt <politiklehrerverband.voigt@web.de>