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Vorabdruck aus dem Manuskript
Inhaltsverzeichnis des Heftes
Impressum für diese Seite
1. Die Zeit
der Umbrüche
1.1. Klimax eines „Langen
Jahrhunderts“
1.2. Rasante Veränderungen
1.3. Der Mythos des
technischen Zeitalters
2. Die Metropolitanisierung Londons
2.1. Die
Metropole und die traditionelle Stadt
2.1.1. Typen metropolitaner Entwicklung
2.2.
Die Phasen der Stadtentwicklung Londons
2.2.1. Gründung und Standortfaktoren der Stadt
2.2.2. Die mittelalterliche Stadt
3.
Das Viktorianische London
3.1. Das
Stadtbild und seine Entwicklung
3.2.
Funktionen und Strukturen
4. Die
Probleme des städtischen Lebens
4.1. Die
Entwicklung der britischen Gesellschaft
Schema der
sozioökonomischen Entwicklung Großbritanniens
4.2.
Soziale Stratigraphien und Konflikte
4.3. Die
bürgerlichen Kulissen
4.4.
Kriminalität, Armut und Krankheit
Literatur
Stadtgeschichte,
Stadtentwicklung im Zeitalter der industriellen Modernisierung (gekürzte
Fassung)
Oh! men and women true, once
more take hands,
Join hearts and head, and clear
the crooked maze;
Set Love and Justice up over
these our land:
Let Truth be honoured, honest
work have praise.
And bring joy back to human
days again:
Lift from Life's daily around
in sordid cloak;
Draw Beauty near, nor common
Use disdain;
Unite in one great cause the
struggling folk.
Walter Crane, The New era (1895)
[1]
Zum Ende des 19. Jahrhunderts
hin konzentrierten sich sowohl Höhepunkte als auch Krisen in der Londoner
Stadtentwicklung ebenso wie in der Entwicklung der englischen Gesellschaft auf
einen kurzen, wichtigen Zeitraum. Die Kürze dieses Zeitraumes von etwa 1885 bis
1905 darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Entwicklungen langfristig
angelegt waren und letztlich überleiteten in die Katastrophen und
grundsätzlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts.
Das 19. Jahrhundert wird
in der Geschichtswissenschaft, der Begriffsbildung bei Braudel folgend
[2],
als „Langes Jahrhundert“ bezeichnet, dessen Entwicklungsbeginn in den
gesellschaftlichen Wirren der Französischen Revolution, den Napoleonischen
Kriegen und der Restauration des Wiener Kongresses liegen, dessen Ende erst mit
dem Ersten Weltkrieg zu bezeichnen ist.
Dieser Zeitraum gestaltet
die europäische Gesellschaft grundlegend um und ist letztlich mit der
Industrialisierung auf der einen Seite, dem Imperialismus und der Herausbildung
des europäischen Nationalstaatensystems andererseits zu charakterisieren.[3] In
Großbritannien war dieser Zeitraum durch die lange Regentschaft der Queen
Victoria bestimmt, die den Namen für das Viktorianische Zeitalter abgab.
Aber gerade Londons Umgestaltung und Entwicklung muss einerseits zurückverfolgt
werden in das Georgian London des 18. Jahrhunderts und in die Spät- und
Nachviktorianische Zeit bis zum Ersten Weltkrieg.[4]
Die Gesellschaft erfährt
im Prozess des „nation building“ die Transformation zu einer modernen,
bürgerlichen Staatsgesellschaft.[5] Nach
Norbert Elias[6] kann
die Änderung der Gesellschaftlichen Figurationen als
Entwicklungsschritt des Zivilisationsprozesses verstanden werden.
In dem Maße, wie sich die
Lebensumstände der Menschen und ihre sozialen Beziehungen
grundlegend ändern, verändern sich auch ihre materiellen Wohn-, Arbeits- und
Lebensformen, das heißt also: ihr Lebensraum. Im Zentrum der Entwicklung steht
England und steht vor allem die Hauptstadt London. Diese Metropole war lange
Zeit die größte Stadt der Welt und bildete einen neuen Typ einer städtischen
Agglomeration heraus, die sich von den mittelalterlichen Städten Europas
grundlegend abhob.
Diese neue städtische
Umwelt war der Rahmen für eine neuartige Alltagskultur, für heftige soziale
Konflikte und für die Krisenzeichen von Verelendung, Kriminalität und sozialer
Revolte, gleichzeitig aber auch Ort bislang unbekannten bürgerlichen Reichtums
und schneller technischer und wissenschaftlicher Entwicklungen. Die materiellen
Veränderungen beschleunigten sich bis zum Ende des Jahrhunderts. Doch führte die
wachsende Unsicherheit auf der anderen Seite zu politischer und
zivilisatorischer Stagnation und zur Verhärtung der Klassenschranken und
-konflikte. In dieser Welt „lebten“ Sherlock Holmes und seine detektivischen
Konkurrenten[7],
die ohne den städtischen und gesellschaftlichen Hintergrund dieses
Jahrhundert-Endes kaum denkbar erscheinen.
„The
Victorian city of London was a city of startling contrasts. New building and
affluent development went hand in hand with horribly overcrowded slums where
people lived in the worst conditions imaginable. The population surged during
the 19th century, from about 1 million in 1800 to over 6 million a century
later. This growth far exceeded London's ability to look after the basic needs
of its citizens.“[8]
Das Wachstum der Stadt war
verbunden mit einer auffälligen Entwicklung der Technik, die sich vor allem im
Verkehrswesen und der Infrastruktur im Stadtbild bemerkbar machte und das Leben
nicht nur der Londoner grundlegend veränderte, sondern auch die Lebens- und
Arbeitsbedingungen des berühmtesten englischen Detektivs. Höhepunkt dieser
Veränderungen war die Wirkungszeit von Sherlock Holmes, die der Herausgeber der
Gesamtausgabe seiner Stories, Nino Erné (o.J.: 10) auf den Zeitraum vom
Sommer 1874 (The »Gloria Scott«) bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges
1914 (The Last Bow) datiert. Nino Erné stellt auch wichtige
Veränderungen in London während dieser Zeit zusammen: „Man darf diese
Epoche mit Fug als Zeitenwende betrachten. Ihren Anfang beleuchtete noch das
milde und doch etwas unheimliche Gaslicht viktorianischer Wohnstuben, 1877/78
konstruierte Swan in Newcastle die erste wirklich brauchbare elektrische Lampe,
1882 errichtete Edison in New York ein Elektrizitätswerk; 1914-1918 erhellten
Flammenwerfer die nächtlichen Schlachtfelder Frankreichs. Das Jahr 1886
verzeichnet für London über 7000 Hansoms, jene zweirädrigen Pferdetaxis, die
jedem Holmesliebhaber ans Herz gewachsen sind, dazu 4000 vierrädrige Mietwagen (Four-Wheelers),
15.000 Kutscher (Cabmen) und 10.000 Pferde der London Omnibus Company. Außerdem
gab es bereits seit 1869 eine Untergrundbahn (Tube). 1897, als Holmes seine
reichsten Erfolgsjahre schon hinter sich hatte (1887-1889, dann noch einmal die
Zeit um 1895) fuhr der erste motorisierte Bus durch die City – zur Zeit von
Holmes' Abschied baute man eifrig für den totalen U-Boot-Krieg, schwammen
Luftschiffe am Himmel und knatterten Flugzeuge.“
Zur städtischen
Infrastruktur gehören auch die Informationsmittel, die für kriminalistische
Ermittlungen ebenso eine ausschlaggebende Rolle spielen wie für die
kriminelle Energie der Verbrecher. Dazu noch einmal Nino Erné: „Wer
kennt nicht Holmes' Vorliebe für Telegramme! 12 Worte kosteten ihn 6 Pence. Die
Post wurde zwölfmal täglich verteilt – folglich war er nicht so dringend auf ein
Telefon angewiesen wie die Söhne und Enkel seines Namens...“
Die Gesellschaft des 19.
Jahrhunderts war sich der Umbrüche bewusst. Doch die Rezeption der Folgen der
industriellen Modernisierung waren klassenabhängig sehr unterschiedlich. In
Großbritannien begann eine Periode der Verunsicherung des Adels, eine gewisse
Fortschrittseuphorie im städtisch-industriellem Bürgertum, das immer stärker mit
dem unteren Landadel, der Gentry, verschmolz und das Kapital für die
Industrielle Revolution bereitstellt, ökonomisch im Sinne einer Vorform der
Globalisierung verknüpft mit Wachstum und Blüte des Empire. Schließlich die
zahlenmäßig enorm wachsenden Unterschichten, das industrielle Proletariat, das
aus den peripheren ländlichen Regionen in die Städte und die industriellen
Agglomerationen strömte und zunächst sicher zu den
„Modernisierungsverlierer“ gehörte. Alle diese sozialen Gruppen
prägten Bild und Entwicklung Londons im 19. Jahrhundert.
Doch die Grundlage einer
staatlichen Integration, die bislang vor allem in der Monarchie zu suchen war,
wurde im 19. Jahrhundert zunehmend der Fortschrittsglauben. In der sich
entwickelnden Technik, in den neuen technischen Energien sahen die Menschen eine
Chance, aus alten feudalen Zwängen zu entkommen und die Natur zu beherrschen.
Dieser Mythos verband auch bei den schärfsten Klassenauseinandersetzungen die
gegnerischen Parteien.
„So wird ein neues mächtiges
Beispiel gegeben von der Einheitlichkeit des Menschengeistes, der alle
politischen und sozialen Schranken durchbricht, um den Grundsatz der friedlichen
Arbeit und des stetigen materiellen wie geistigen Fortschritts zu verkündigen.
Wohl hat sich die Kriegswissenschaft vervollkommnet und Millionenheere stehen
sich wie Riesenmaschinen vernichtungsbereit gegenüber, aber auch die Künste und
Wissenschaften sind mächtig geworden und in gemeinsamer Kulturarbeit zeigen sie
den Menschen, dass und wie sie Genossen, Freunde, Brüder sein sollen. In dieser
Tätigkeit spielt die Elektrizität die erste Rolle... Die Arbeit ist das große
Geheimnis des menschlichen Fortschritts. Wenn nicht Alles trügt, wird die
Elektrotechnik in der Geschichte der menschlichen Arbeit eine Epoche eröffnen,
die an Bedeutung alles hinter sich lässt, was bisher geschehen ist.“
(Frankfurter Zeitung, 15 Mai 1891)[9]
Der materialistische Ansatz
des Marxismus lässt den politischen und gesellschaftlichen Fortschritt als Folge
des industriellen und ökonomischen Fortschritts erscheinen. Es geht daher in den
Klassenkämpfen des 19. Jahrhunderts nur ephemer um die Problematik des
industriellen Fortschritt als solchem, sondern um die gesellschaftliche
Kontrolle über die Fortschrittserträge.
„Die natürliche Gleichheit der
menschlichen Intelligenzen, die Einheit zwischen dem Fortschritt der Vernunft
und dem Fortschritt der Industrie, die natürliche Güte des Menschen, die
Allmacht der Erziehung sind Hauptmomente seines Systems.“ (Marx/Engels,
1844)[10]
Dieses Argument begründet die
grundlegende Kritik Engels an der klassischen Philosophie und überhöht
die industrielle Entwicklung zur Fortschrittsmythologie:
„Die Philosophen wurden aber in
dieser langen Periode von Descartes bis Hegel und von Hobbes bis Feuerbach
keineswegs, wie sie glaubten, allein durch die Kraft des reinen Gedankens
vorangetrieben. Im Gegenteil. Was sie in Wahrheit vorantrieb, das war namentlich
der gewaltige und immer schneller voranstürmende Fortschritt der
Naturwissenschaft und der Industrie.“ (Engels, 1888)[11]
Bezeichnend ist auch, daß in
dieser Zeit der Unterschied zwischen den Entwicklungen in Deutschland und in
England deutlich wird, die letztlich trotz enormer materieller
Modernisierungserfolge und dem zeitweiligen Versuch, Berlin als London
ebenbürtig erscheinen zu lassen, die geistigen Potentiale für eine erfolgreiche
gesellschaftliche Aufarbeitung der Moderne in Deutschland vermissen lassen. Die
Aktivitätszentren des technisch-wissenschaftlichen Aufbruchs im 19. Jahrhundert
lagen in Großbritannien, in London:
„Im Verhältnis der
Naturphilosophie zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Naturforschung liegt die
Wurzel für eine nachhaltige Fehlentwicklung in Deutschland...: die Trennung
von Naturphilosophie und Naturforschung, die zum Untergang der Forschung ...
führte. ... (In einem 1891) verfaßten Rückblick schrieb Heinrich Hertz: »Die
Begeisterung, welche die Scheinerfolge der Naturphilosophie begleitete, wurde im
Ausland mit Recht nicht geteilt... Das Neue, der wirkliche Fortschritt wurde in
Paris und London erwartet, dorthin reiste der junge Naturforscher...« »Es ist
wahrlich traurig« - schreibt Liebig in dieser Zeit aus Paris -, »wie sehr in
der neueren Zeit der Ruhm der Deutschen in der Physik, Chemie und den anderen
Naturwissenschaften geschwunden ist; kaum ist noch ein Schatten übriggeblieben.«“[12]
Das was bei den Deutschen als
kulturell abfällig gewertete Zivilisation (‚civilsation‘) Frankreichs und
Englands mißtrauisch beachtet wird – ein Grundelement der „deutschen
Ideologie“, das letztlich die Fehlentwicklungen des 20. Jahrhunderts
begründete –, ist weltgeschichtlich die wichtigste Errungenschaft des 18. und
19. Jahrhunderts und begründet die Entwicklung der Nationalstaaten und ihrer
demokrartisch verfaßten Staatsgesellschaften.[13]
In diesem
Spannungsfeld zwischen materieller und gesellschaftlicher Modernisierung, der
sich verschärfenden Klassengegensätze auf der einen Seite und dem Entstehen
einer britischen Nation, die vom Fortschrittsglauben und Zukunftsoptimismus
zusammengehalten wird, steht die Entwicklung der Konurbation London zur größten
Metropole der Welt, zum Handelszentrum, in dem sich ökonomische und politische
Macht fokussiert.
2.1.1. Typen
metropolitaner Entwicklung
Große Städte standen seit dem
Altertum im Zentrum der gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung. Von
Babylon über Rom bis Paris konzentrierten sich gesellschaftliche
Modernisierungsschübe und politische Macht in Großstädten. Zwei
Charakteristiken eint alle diesen Städte: daß sie die regionalen räumlichen
Disparitäten eines Stadt-Land-Gegensatzes begründen und verstärken und das
städtische Leben als höherwertig als die ruralen Lebensformen definieren, und
zweitens, daß alle Städte einen räumlichen Bedeutzungsüberschuss, d.h.
also: eine höhere Zentralität besitzen als ländliche Siedlungen. Sie
versorgen und beherrschen ihr Umland.[14]
Die größten Städte einer
jeweiligen Periode waren die Hauptstädte der mächtigsten Reiche. Im 17. und 18.
Jahrhundert nahm in Europa Paris diese Rolle ein und wurde im 19. Jahrhundert
von London abgelöst. Schon Paris entwickelte sich zu einem durch politische
Zentralität des Hofes und sich rasant ausdehnende Siedlungsfläche neuen Typ der
städtischen Agglomeration, die über die Geschlossenheit der sich seit dem
Mittelalter entwickelnden Städte hinauswuchs (Mumford, 1963; Benevolo,
1983).
In noch weitaus stärkerem
Maße trifft dies auf London im 19. Jahrhundert zu: Wir finden hier nicht mehr
eine einheitliche, geschlossene Stadtanlage, sondern das sprichwörtliche
Häusermeer. Straßen und Stadtstrukturen erscheinen zunächst systemlos und
willkürlich und an keiner rationalen Ordnung orientiert. Erst genauere
stadtgeschichtliche Untersuchung zeigt, daß sich in vielen
übereinanderlagernden Schichten die Stadtentwicklung aus einer großen Zahl
unterschiedlich disponierter und strukturierter Siedlungskerne abbildet und dass
das Straßennetz teilweise Strukturen älterer Fernstraßenverbindungen
repräsentiert, die zu innerstädtischen Verbindungen umfunktioniert worden sind.
Eine weitere Netzstruktur
legt sich im 19. Jahrhundert über die Agglomeration London: das Eisenbahn- und
Untergrundbahn-Netz. Straßen und Schienenwege determinieren dann das weitere
städtische Wachstum und ermöglichen die Mobilität der Bevölkerung, die ein
ringförmiges Städtewachstum um das „alte London“ herum entstehen läßt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundetrts wird der urbane Problemdruck in
London so groß, daß erstmalig eine großräumige Stadt- und Regionalplanung als
notwendig angesehen wird.
Die verbesserte
Verkehrsinfrastruktur macht es möglich, um den verdichteten inneren
Siedlungskern einen breiten Grüngürtel (Green Belt)
zu legen, um den herum neue Industriestandorte, die das Zentrum nicht mehr
aufnehmen kann, ebenso wie vor allem seit Beginn des 20. Jahrhunderts die
„New Towns“ als erste Satelliten- und Wohnstädte geplant und gebaut werden (Rusch,
1969: 99; Benevolo, 1983). Diese Struktur bestimmt auch heute noch
die Agglomeration London, die dann heute noch über die New Towns
hinauswächst und deren Agglomerationsprobleme, die sich schon in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts bemerkbar machten – Verkehrskollaps, Umweltprobleme,
lange Pendlerwege, Wohnungsknappheit und hohe Grundstückspreise im
Stadtinneren –, auch heute noch nicht nachhaltig gelöst worden sind.
Im 20. Jahrhundert
löst zunächst New York London als metropolitanes Weltzentrum ab. Doch
heute haben sich die Probleme großer und größter metropolitaner
Verdichtungsräume von den klassischen Zentren in den Industrieländern längst in
die Dritte Welt verlagert, wo ein neuer Typ von Metropolen als Armutszentren
entstanden ist, deren Bevölkerunghszahl und -dichte kaum noch vorstellbar
erscheint, so Städte wie Mexico City, Bombay, Djakarta u.a., mit Einwohnerzahlen
zwischen 15 und 20 Millionen. Doch viele der sozialen Probleme wie
Elendviertel, Slums, Krankheiten, Armutskriminalität und gesellschaftliche
Desintegration sind zwar in größerem Maßstab sichtbar geworden, aber als
gesellschaftliche Probleme nicht neu: London im 19. Jahrhundert war nicht nur
Metropole und Handelszentrum, sonder auch Zentrum der Verelendung und der
sozialen Krisen.
2.2.1. Gründung
und Standortfaktoren der Stadt
London ist ein alter
städtischer Siedlungsplatz. Die Stadtgründung geht auf die Römerzeit zurück. Die
mittelalterliche Festung Tower geht wohl auf eine römische Festungsanlage
zurück. Im Mittelalter war der Tower eine typische herrschaftliche
Zwingburg gegenüber der Siedlung der Händler und Ackerbürger (Eilers / Voigt,
1969: 101 f.).
Doch von der
mittelalterlichen Stadt sind nur wenige Spuren übrig geblieben. Doch sollte der
Lagegunst der Stadt für die Untersuchung der Stadtgeschichte besondere
Aufmerksamkeit gewidmet werden. London liegt an dem Ort, bis zu dem auf der
Themse der Gezeiteneinfluß wirksam und bis zu dem Seeschifffahrt möglich ist.
Gleichzeitig war hier durch die Strömungsdynamik der Themse bedingt eine Furt,
über die seit frühgeschichtlicher Zeit die wichtigste Nord-Süd-Verbindung auf
der britischen Insel den Fluss überqueren konnte. An das Ufer heranreichende
glaziale Terrassen ermöglichten dazu eine hochwassersichere Besiedlung. Handel
und Herrschaft erkannten schon in früher Zeit diese Lagegunst und begründeten
die überregionale Zentralität und Bedeutung der Stadt, die sich parallel zur
allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung (Bode, 1969: 92 f.; Eilers /
Voigt, 1969: 101).
2.2.2. Die
mittelalterliche Stadt
Die Anfänge der Stadtentwicklung
Zunächst ist die
Stadtentwicklung Londons im Mittelalter mit der anderer europäischer Handels-
und Herrschaftsstädte vergleichbar. Für die weitere Entwicklung bedeutsam ist
vor allem – vom heutigen Stadtgebiet gesehen – die Mehrkernigkeit der
städtischen Besiedlung. Diese ist von Anfang an auch eine funktionale
Gliederung. Schon im 10. Jahrhundert war die Insel Thorney der Sitz der
Monarchie, nachdem der Tower seine frühmittelalterliche
Zwingburgfunktion verloren hatte. Dagegen entwickelte sich die Handelsstadt
etwa acht Kilometer stromabwärts (Bode, ibid.).
Daneben entstanden
eine Vielzahl weiterer, zunächst zumeist ländlicher Dörfer und Siedlungskerne,
die heute als verwaltungsmäßig noch immer gesonderte Stadtviertel von London auf
dem Stadtplan erkennbar sind (Ordnance Survey, 1984). Erst zu Beginn der
Neuzeit begannen diese Orte zu einer Agglomeration zusammenzuwachsen, doch sind
bis heute die dezentrale Struktur der Stadt und das traditionelle (Fern-)Straßennetz
erkennbar und für die Stadtstruktur bezeichnend.
Stuart London
Erst im 17. Jahrhundert
beginnt eine nachhaltige Erneuerung der Stadt. Doch sind die
Modernisierungsimpulse nicht ganz freiwillig. Wenn zunächst ein reicher
werdender Adel architektonische Impulse in großzügigen aber meist eher
ländlichen Palast- und Parkanlagen setzt, deren künstlerischer Repräsentant
Inigo Jones war[15],
der durch Aufnahme italienischer, barocker und frühklassizistischer Stilelemente
erstmals eine gewisse künstlerische Weltläufigkeit in die britische Architektur
brachte, die dem Anwachsen der politischen Bedeutung des Landes entsprach.
Tiefe Einschnitte in die
städtische Entwicklung brachten dann die Jahre 1665 und 1666. Nachdem 1665 die
Pest die Bevölkerung – mit 70.000 bis 100.000 Opfern – dezimierte und zur
weiteren Verarmung und Verelendung beitrug, wurde London beim großen Brand am 2.
September 1666 zu vier Fünfteln vernichtet. Die City war vollkommen zerstört,
St. Pauls Cathedral niedergebrannt, 13,000 Gebäude, 89 Kirchen und 52
Gewerbegebäude und Handelshäuser vernichtet. Doch war dies auch eine Chance für
einen moderneren und großzügigeren Wiederaufbau.
War doch der Ruf von
London im 17. Jahrhundert denkbar schlecht, wenn z.B. zeitgenössische britische
Afrikareisenden die Größe, die Sauberkeit und den Reichtum von Timbuktu
priesen und London als negatives Gegenbild daneben stellten. Die negativen
Stadtimages des London des 17. Jahrhunderts machen sich immer wieder
Schriftsteller zunutze, wie vor wenigen Jahren Lawrence Norfolk
in seinem historisch-mystifizierenden Bestseller „Lemprière’s Wörterbuch“
(1992), in dem einerseits Elend und Verkommenheit der Hafenstadt London dem
unermeßlichen Reichtum der Handelsgesellschaften gegenübergestellt
werden, verklammert durch eine gespenstisch-irreale Untergrundmacht (im
wörtlichen Sinne: unter London existierend), die die Tragödien der Oberfläche
lenkt. Diese wahnhafte und spannende Perspektive übersteigert den
kriminalistischen topos, der seit dem viktorianischen Zeitalter die
Mysteries der britischen Literatur bestimmen.
Doch die Chance wurde nur
teilweise genutzt. Der Städteplaner und Architekt Christopher Wren
präsentierte zwar großzügige Neubaupläne, doch die komplizierten
Eigentumsverhältnisse in der Stadt verhinderten eine Neustrukturierung.[16] Doch
die Gebäude wurden in modernerem Stil wieder aufgebaut und Londons Innenstadt
erhielt das Aussehen, das sie bis ins 19. Jahrhundert zeigte. Beim Wiederaufbau
der öffentlichen Gebäude, vor allem der Kirchen, ist die Handschrift Wrens
deutlich zu erkennen. Es gibt kaum eine Kirche in London, in der noch Elemente
aus der Zeit vor dem großen Brand zu finden sind.
Die nachfolgende
Georgerian Period war für London zwar eine Zeit kontinuierlichen Wachstums,
in urbanistischer Sicht war es aber eine Stagnationsepoche. Erst mit Beginn des
Viktorianischen Zeitalters und der Blütezeit des britischen
Imperialismus nach dem Sieg Nelsons in der Schlacht von Trafalgar 1805
werden neue Impulse in der Stadtentwicklung sichtbar, die das Bild des Londons
des 17. Jahrhunderts überlagern und modernisieren (Johnson, Jane: 19th
Century London).
London war für jeden Besucher
in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert ein unvergessliches, beeindruckendes
Erlebnis, wie viele Reiseberichte belegen. Daher ist es sinnvoll, einen
prominenten Zeitgenossen ausführlicher zu Worte kommen zu lassen, der Zeit
seines Lebens mit Großbritannien und London eng verbunden war und als Sozialist
auch die Schattenseiten des viktorianischen Londons kannte und interpretierte:
Friedrich Engels, in seinem Werk über die Lage der arbeitenden Klasse
in England, das der politologischen Analyse den konkreten, anschaulichen
Hintergrund verleihen konnte:
„So eine Stadt wie London, wo
man stundenlang wandern kann, ohne auch nur an den Anfang des Endes zu kommen,
ohne dem geringsten Zeichen zu begegnen, das auf die Nähe des platten Landes
schließen ließe, ist doch ein eigen Ding. Diese kolossale Zentralisation, diese
Anhäufung von dritthalb Millionen Menschen auf einem Punkt hat die Kraft dieser
dritthalb Millionen verhundertfacht; sie hat London zur kommerziellen
Hauptstadt der Welt erhoben, die riesenhaften Docks geschaffen und die Tausende
von Schiffen versammelt, die stets die Themse bedecken. Ich kenne nichts
Imposanteres als den Anblick, den die Themse darbietet, wenn man von der See
nach London Bridge hinauffährt. Die Häusermassen, die Werften auf beiden Seiten,
besonders von Woolwich aufwärts, die zahllosen Schiffe an beiden Ufern entlang,
die sich immer dichter und dichter zusammenschließen und zuletzt nur einen
schmalen Weg in der Mitte des Flusses frei lassen, einen Weg, auf dem hundert
Dampfschiffe aneinander vorüberschießen das alles ist so großartig, so
massenhaft, dass man gar nicht zur Besinnung kommt und daß man vor der Größe
Englands staunt, noch ehe man englischen Boden betritt.
Aber die Opfer, die alles das
gekostet hat, entdeckt man erst später. Wenn man sich ein paar Tage lang auf
dem Pflaster der Hauptstraßen herumgetrieben, sich mit Mühe und Not durch das
Menschengewühl, die endlosen Reihen von Wagen und Karren durchgeschlagen, wenn
man die »schlechten Viertel« der Weltstadt besucht hat, dann merkt man erst,
dass diese Londoner das beste Teil ihrer Menschheit aufopfern mussten, um alle
die Wunder der Zivilisation zu vollbringen, von denen ihre Stadt wimmelt, daß
hundert Kräfte, die in ihnen schlummerten, untätig blieben und unterdrückt
wurden, damit einige wenige sich voller entwickeln und durch die Vereinigung
mit denen anderer multipliziert werden konnten. Schon das Straßengewühl hat
etwas Widerliches, etwas, wogegen sich die menschliche Natur empört. Diese
Hunderttausende von allen Klassen und aus allen Ständen, die sich da aneinander
vorbeidrängen, sind sie nicht alle Menschen mit denselben Eigenschaften und
Fähigkeiten und mit demselben Interesse, glücklich zu werden? und haben sie
nicht alle ihr Glück am Ende doch durch ein und dieselben Mittel und Wege zu
erstreben? Und doch rennen sie aneinander vorüber, als ob sie gar nichts gemein,
gar nichts miteinander zu tun hätten, und doch ist die einzige Übereinkunft
zwischen ihnen die stillschweigende, daß jeder sich auf der Seite des Trottoirs
hält, die ihm rechts liegt, damit die beiden aneinander vorbeischießenden
Strömungen des Gedränges sich nicht gegenseitig aufhalten; und doch fällt es
keinem ein, die andern auch nur eines Blickes zu würdigen. Die brutale
Gleichgültigkeit, die gefühllose Isolierung jedes einzelnen auf seine
Privatinteressen tritt um so widerwärtiger und verletzender hervor, je mehr
diese einzelnen auf den kleinen Raum zusammengedrängt sind; und wenn wir auch
wissen, daß diese Isolierung des einzelnen, diese bornierte Selbstsucht überall
das Grundprinzip unserer heutigen Gesellschaft ist, so tritt sie doch nirgends
so schamlos unverhüllt, so selbstbewußt auf als gerade hier in dem Gewühl der
großen Stadt. Die Auflösung der Menschheit in Monaden, deren jede ein apartes
Lebensprinzip und einen aparten Zweck hat, die Welt der Atome ist hier auf ihre
höchste Spitze getrieben.“ (Engels, 1992)
[17]
Die Beschreibung Engels
trifft exakt den schon angesprochenen Typ der metropolitanen Konurbation
Londons, lenkt jedoch den Blick stärker noch auf die gesellschaftlichen Folgen,
die sich im Alltag der Stadtbewohner bemerkbar machen.
Frühere Städte wie
Florenz, Amsterdam oder Köln wurden zwar auch als groß und
beeindruckend wahrgenommen, im Vordergrund standen aber ästhetische
Wahrnehmungskategorien oder die historische Reflexion der „Gebildeten“.
Die Stadtimages wurden durch die Geschlossenheit des Stadtbildes, durch
herausragende architektonische Meisterleistungen wie Dom oder Schloß, durch die
Schönheit und Ablesbarkeit der Stadt[18] bestimmt.
Auch wenn London weltberühmte Merkzeichen und bedeutende Einzelgebäude
besitzt, die eine Wiedererkennbarkeit sogar für diejenigen, die noch nie
diese Stadt besucht haben – Tower Bridge, Nelson-Säule, Buckimham-Palast, die
Gebäude von Westminster mit dem „Big Ben“ –, so wird dieser urbane Kern, wie es
Engels schon eindringlich schildert, zunehmend überlagert von
gesichtslosen Häuser- und Menschenmassen – heute würden wir hinzufügen: von
Automobilfluten...
Innenstadt und City
London im 19. Jahrhundert
war, wie schon gesagt, eine vielfach differenzierte und durch ihre sozialen
und funktionalen Disparitäten segmentierte Stadt. Wen wir eine räumliche
Differenzierung vornehmen, so beginnen wir zunächst mit den funktional
unterschiedenen Bereichen der eigentlichen Innenstadt, deren bauliche Struktur
in ihren Grundlagen auf den „Großen Brand“ von 1666 zurück geht.
Vom Tower nach
Westen zieht sich der Stadtkern auf der nördlichen Seite entlang der Themse. In
diesem Bereich der City of London stoßen wir zunächst auf Billingsgate
Market, dem alten Fischmarkt in der Höhe der London Bridge, der
ältesten und lange Jahrhunderte einzigen Themsebrücke im Londoner Raum. Dieses
alte Hafenviertel hat mit der Verlagerung der Häfen nach Osten themseabwärts im
19. Jahrhundert seine ursprüngliche Funktion verloren. Es blieb ein eher armes
Händlerviertel.[19]
Whitechapel
zwischen Tower und Bankenviertel gehörte im Mittelalter zum königlichen Bereich
um den Tower herum, doch nachdem die Regierungsfunktionen im späten Mittelalter
vollständig nach Westminster gezogen waren, wird Whitechapel zu einem Hafen- und
später Armernviertel. Um die Jahrhundertwende finden wir hier vor allem
Hafenarbeiter, Immigranten und das jüdische Ghetto. Rauschgift und Kriminalität,
für Sherlock Holmes’ Alltagsarbeit das sozial bedrückende Umfeld, konzentriert
sich in seiner Zeit auf den östlichen Teil der Innenstadt.
Gleich westlich
anschließen kommen wir beim Monument, das an den „Großen Brand“
von 1666 erinnert, in das eigentliche Geldzentrum der Stadt, dem Gebiet, das als
„The City“ Ort einer ganz besonderen Ausprägung des Londoner ist, des
City Bankers, der seit dem 19. Jahrhundert die Karikaturen des Briten prägt
und der eine beliebte Figur in den Kriminalstories dieser Zeit wurde. Die
Bank of England und die Royal Exchange sind die Kerne eines
urbanistischen Prozesses der Citybildung, die in London zuerst auftrat
und letztlich mehr oder weniger alle Großstädte im 20. Jahrhundert erfasste:
die Konzentration auf zentrale Funktionen, die mit dem Anstieg der
Grundstückpreise mithalten konnten, das Ausweichen der Wohnbevölkerung, der
Industrie und des kapitalextensiveren Handels.
Die Londoner Innenstadt
umfaßt etwa 27 km² und hat in der Mitte des 20. Jahrhunderts bei einer
Wohnbevölkerung von 270.000 Menschen eine Gesamtbeschäftigtenzahl von 1,5
Millionen Personen. Davon arbeitet die Hälfte in Büroberufen.[20] Dieser
Trend setzt sich bis heute zwar fort im weiteren Anwachsen des Tertiären
Beschäftigungssektors, doch führen Rationalisierung und
Arbeitsplatzvernichtung heute zu Umschichtungen, die die Stadtplanung vor
besondere Aufgaben stellt.
Der Prozeß der
Entvölkerung der City beginnt im neunzehnten Jahrhundert, wo 1851 noch
130.000 Einwohner gezählt wurden, deren Zahl sich bis zur Jahrhundertwende mehr
als halbiert hatte und wo im Jahr 1961 nur noch 4.700 Einwohner lebten.[21] Die
westlich unmittelbar anschließenden Viertel der Innenstadt, Holborne,
Bloomsbury, sind das Gebiet, in dem sich die übrigen zentralen Funktionen
der Metropole konzentrieren. Am Rande des Bankenviertels finden wir mit
Guildhall einen historischen Hinweis auf die frühere Bedeutung der Gilden
für die Wirtschaftsentwicklung der Stadt. Zweimal, 1666 und 1940 wurde das
Gebäude schwer zerstört, aber im alten Stil wieder aufgebaut. Central
Marekets, Central Criminal Court, British Museum sind
bemerkenswerte Orte, die auf das 19. Jahrhundert zurückgehen. Die
Eisenbahnentwicklung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts konzentriert sich
auf diesen Bereich der Innenstadt. Zentral gelegen aber wegen Platzmangel nicht
allzu bedeutend ist der Bahnhof Holborn Viaduct an der
Eisenbahn-Querverbindung. Ansonsten Ist die City umgeben von Kopfbahnhöfen, im
Osten Liverpool und Broad Street Station, im Norden Euston
Station, St. Pancras, King’s Cross und Midland City,
nahezu ineinander übergehend, und im Westen, schon jenseits von Westminster,
Paddington Station und Victoria Station. Diese verkehrstechnisch
sehr ungünstige Struktur geht darauf zurück, daß die einzelnen Eisenbahnlinien
im 19. Jahrhundert unabhängige private Investitionen waren. Auch die spätere
Zusammenfassung zur British Rail führte nicht zu einem Umbau des Londoner
Eisenbahnnetzes. Umso bedeutsamer wurde dann in der zweiten Häfte des
Jahrhunderts für die Bahnreisenden die innerstädtische Verkehrserschließung
durch den Bau der Underground.
Westend und Westminster
Der Kern von Westminster (ldt.
monasterium = Kloster) ist die Westminster Abbey (= Abtei,
Klosterkirche), die in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts als
Benediktiner-Abtei gegründet worden war. Später übernahmen anglikanische
Domherren die Kirche. Westminster ist ein für England typisches Beispiel der
Verknüpfung von weltlicher Herrschaft und Staatskirche.[22]
Königspalast, Parlament
und Abbey repräsentieren die herrschenden Mächte Großbritanniens, deren subtiles
Gleichgewicht in der Stadtanlage Westminsters und der nördlich gelegenen
Parkanlagen Hyde Park, Buckingham Palace und Regents Park
ausgedrückt sind. Die Parkanlagen des Ostens sind teilweise ein Erbe des
Stuart London und der Architekten und Landschaftsgestalter um Inigo
Jones.
Zwischen der City
und Westminster schiebt sich noch ein wichtiges funktionales Element der
Stadt: Strand und Fleet Street, dem Pressezentrum Großbritanniens.
Die engräumige Konzentration bestimmter Funktionen auf wenige Straßen oder
abgegrenzte Viertel ist typisch für die Londoner Stadtanlage. Die
Straßenverbindung von Strand und Fleet Street zwischen Bank
und Palace ist vielleicht auch symbolisch für ein viel weniger subtiles
gesellschaftliches Gleichgewicht im England des 19. Jahrhunderts.
Weitere funktional
abgegliederte Viertel Londons zur damaligen Zeit sind vor allem Soho, das
sich zum Vergnügungsviertel entwickelt. Über den Piccadilly Circus nach
Süden gelangt man nach St. James und nach Westen in das bürgerliche
Stadtviertel von Mayfair, nördlich anschließend bis zum Regents Park
in das von abgeschlossenen Plätzen und Höfen gekennzeichnete Marylebone.
In dieser Gegend ist auch die Baker St. mit Sherlock Holmes’ Wohnung zu finden.
Der teilweise exklusive großbürgerliche Lebensraum am Rande Westminsters und
seiner offiziellen Funktionen wird auch durch die Grundstücksverhältnisse
bestimmt. Ein großert Teil dieser Grundstücke im Westend gehört traditionell dem
Herzog von Westminster, der Familie Grosvenor, die eines der größten
Vermögen Großbritanniens ihr eigen nennt.[23]
Hafen und Eastend
Im 19. Jahrhundert begann
die Verlagerung der eigentlichen Hafenfunktionen themseabwärts nach Osten, wo
das Fahrwasser schiffbarer war und neue große Dockanlagen gebaut werden konnten.
Dieser Prozeß erreichte seinen Höhepunkt in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. Heute sind viele der aus dem 19. Jahrhundert stammenden
Dockanlagen überaltert und aufgegeben und werden von der Stadtplanung für neue
urbane Quartiere genutzt und postmodern ausgebaut. Dadurch findet derzeit
insgesamt eine Ostverlagerung der Stadt statt. Die industriellen Hafenfunktionen
verlagern sich immer weiter in Richtung Themsemündung.
Stadterweiterungen
Schon in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Innenstadt zu eng. Neue Wohngebiete und
Industriestandorte entstanden ringförmig um die Stadt herum. Insbesondere wurden
auch die Viertel Südlondons jenseits der Themse ausgebaut und zu einem neuen
Siedlungsschwerpunkt der Stadt. Das Stadtbild Londons wird durch diese rasanten
Erweiterungen aber nicht grundsätzlich geändert. Heute sprechen Geographen
schon von einer durchgehenden Konurbation des Londoner Raumes bis hin zur
Südküste der Britischen Insel. Stadtgeographisch interessant ist jedoch, daß der
urbane Problemdruck im 19. Jahrhundert zu ersten Versuchen der planvollen
Raumordnung und zum Konzept des Green Belt führte.[24]
England war das erste
Land, das durch die Industrialisierung eine tiefgreifende gesellschaftliche
Trabsformation durchmachte. Im Gegensatz zu heutigen Modernisierungsprojekten
z.B. in der „Dritten Welt“ konnte das Land seine industrielle Entwicklung nicht
planvoll entwickeln. Diese autochthone Entwicklung erfolgte unter dem
Vorzeichen der schrittweisen Konstitutionalisierung der britischen Monarchie und
der Herausbildung des Wirtschaftsliberalismus.
„Der Anstoß zur
Industrialisierung erfolgte in England durch die innereuropäische
Machtverschiebung von Süd nach Nord bzw. nach Nordwest (Ablösung des spanischer
Imperialismus; Währungsströme etc.) und die dadurch begründete innenpolitische
Veränderung in Großbritannien, wo die Krone und der Hochadel ökonomisch in
Abhängigkeit von aufkommendem Bürgertum und Gentry gelangte.
Die Gesellschaftsentwicklung der
Industrialisierungsphase in England entspricht einer sozialen Evolution mit der
Einbeziehung immer größerer Bevölkerungsschichten in die politischen
Partizipationsprozesse.
Die Industrialisierung der
Gesellschaft in England ... vernetzt die sozialen Bezüge und förderte die
gesellschaftliche Integration. Vor allem aber wurden regionale Disparitäten
gemildert, während die politische Bedeutung sozialer Klassenunterschiede
verstärkt wurde.
Gesellschaftliche Integration,
Pluralismus und soziale Spannungen in England führen zumindest bis zur
Wirtschaftskrise der 70er/80er-Jahre zum grundsätzlichen Fortschrittsglauben
und zur Leistungsorientierung...“[26]
Ohne die grundsätzliche
Diskussion über die Ursachen und Konsequenzen der Industrialisierung
Großbritanniens hier nachzeichnen zu können, sollte doch auf die heute
weitgehend unumstrittene Beziehung des Kontextestes von Imperialismus und
Industrieller Entwicklung hingewiesen werden, die Hobsbawn in seiner
grundlegenden Studie „Industrie und Empire“ (1974) ausführlich begründet und
belegt.
Daß dies nicht nur für
den politischen und ökonomischen Bereich gilt, sondern auch den
Technologietransfer von den abhängigen Gebieten z.B. in Indien und die
materielle Ausbeutung der Kolonien betrifft, zeigt am Beispiel der Penetration
und Ausbeutung Bengalens Asit Datta (1982).
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Landbevölkerung |
Stadtbevölkerung |
„Landadel“ |
Adel/Krone/ Regierung |
Bevölkerungsentwicklung |
Entwicklung der Kulturlandschaft |
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Hofzusammenlegung, Enteignungen, Gemeindeländereien
(100 Morgen = kleine Höfe!) |
Entstehung des Kolonialreiches
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HCA/Bill of Rights |
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Ackerbau –
Agrarlandschaft mit wenigen |
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Vernachlässigung der Landwirtschaft
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Enclosures Act |
um 1700:
7 Mio. Einwohner |
Handelsstädten und Adelssitzen
I
Entwicklung der Grünlandwirtschaft |
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und Schafweidewirtschaft |
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Pachtsystem |
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Verelendung der Landbevölkerung,
Arbeitslosigkeit der zunehmenden Landarbeiterschaft |
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Wachende Bedeutung des Handels |
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Umstellung der Ernährungs- und
Einkommensbasis, neue Erwerbsquellen |
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Zurückdrängen feudaler Privilegien
durch Landadel und mit ihm verbundenes aufkommendes Bürgertum |
um 1750:
8 Mio. Einwohner |
Schafzucht
wichtig für Textilmanufakturen
Entwicklung der „Parklandschaft“: |
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Flächenbedarf für |
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Bürgertum |
Landadel wird bürgerlich |
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wenige Besitzer |
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Kohleabbau und Eisenindustrie |
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Erlöse aus dem
Kolonialhandel
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Erlöse aus dem
Verkauf von
Ländereien
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Manufakturen (Wolle, Keramik)
Industrie (Textil, Kohle, Stahl) |
um 1800:
10 Mio. Einwohner |
Vorübergehende Reruralisierung
während der Kontinentalsperre
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Manufakturen (Wolle, Keramik)
Industrie (Textil,
Kohle, Stahl) |
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Im imperialen System
Interessengleichheit von politischer Macht und Wirtschaftsmacht
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Entwicklungsschwerpunkte:
Mittelengland (Black Country), Südwales, Großraum London, Manchester - |
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Liverpool, Ostenglisches
Indusrierevier |
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Intensivierung des Handels /
Welthandelsverflechtung |
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Entwicklung der konstitutionellen
Monarchie |
um 1850:
18 Mio. Einwohner |
Tiefgreifende Umweltschädigung:
Bildung von Haldenlandschaften |
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„Die Kellerwohnungen in
London bringen ihren Vermietern mehr ein als die Paläste, d.h., sie sind in
Bezug auf ihn ein größrer Reichtum, also, um nationalökonomisch zu sprechen, ein
größrer gesellschaftlicher Reichtum.“ (Marx, 1844)[28]
4.3.
Die bürgerlichen Kulissen
Die innere Gliederung Londons
im 19. Jahrhundert war noch weitaus differenzierter und unübersichtlicher, als
es die grobe Gliederung in Funktionsräume und sozial differenzierte Stadtviertel
erkennen läßt. Gerade in der City überlagern sich sozial heterogene
Lebenssphären, die nur in äußerem, aber nicht im lebendigen Kontakt miteinander
stehen.
Dabei spielen Netze von
Restaurants, Pubs und Treffpunkten eine große Rolle, die sich auf engem Raum
sozial differenziert überlagern. So blieb letztlich jede soziale Klasser unter
sich. Nur der Detektiv der Kriminalgeschichten konnte hier seinen Status und
seine Rolle wechseln, um die Rätsel des Verbrechens, das ja zunächst einmal ein
Verstoß gegen die soziale Konvention darstellt und als gesellschaftliche
Deviation diese Klassengrenzen in Frage stellt.
Folgen wir dem Detektiv
Romney Pringel in der kurz nach der Jahrhunderwende geschriebenen Story „Das
Unterseeboot“ durch ein geheimnisvolles London, wo verfolgen und verfolgt
werden genauso ambivalent aufscheinen wie das soziale Umfeld des politisch
brisanten Falles:
„Es ging auf sechs, als er den
Inn wieder verließ und sich auf den Weg zu Paganini machte, einem Restaurant in
der Great Portland Street, das er sehr gern besuchte, statt den direkten Weg
nach Westen zu nehmen, überquerte er Holborn in der Absicht, einen kleinen Umweg
über den Strand und die Regent Street zu machen und sich ein wenig Appetit
anzulaufen. Im Staple Inn blieb er eihen Augenblick unter dem Torbogen am
anderen Ende stehen. Der kleine Platz aus dem 18. Jahrhundert, der inmitten der
hektischen Hast und Unruhe seiner Umgebung immer so friedlich wirkte kam ihm
heute abend doppelt ruhig vor, und nach dem brausenden Lärm der Hauptstraße
genoß er die Stille in vollen Zügen.“[29]
Erkennbar werden die
abgeschlossenen, großbürgerlichen und herrschaftlichen Plätze und geschützten
Refugien nur unweit der Menschenmassen der Hauptstraßen und der dicht
bevölkerten ärmeren Viertel. Ein völlig anderes London wird hier sichtbar, das
sich wie eine Kulisse vor die metropolitane Welt zieht. Und diese baulichen
„Kulissen“ repräsentieren die „sozialen Kulissen“, hinter die der
sozial Unbefugte nicht blicken kann und die Raum für Spekulationen und
mysteries geben – dem Lebenselexier unserer Detektive.
„Bis auf die
Hauptverkehrsstraßen waren die Straßen um diese Zeit völlig menschenleer, und
obwohl er die Chancery Lane, in der jetzt kaum noch Verkehr herrschte, in beiden
Richtungen scharf beobachtete, konnte er keine Menschenseele entdecken.“ (Ibid.:
21.)
So sehen wir hier London
differenziert einerseits in funktional und sozial disperate städtische Räume,
dann in engräumig verschränkte Kulissen der einzelnen Klassen und
übereinandergelagerte Netze von sozialen Treffpunkten, die die städtische
Kommunikation sichern. Daß in den besseren Viertel noch eine vertikale
Differenzierung der sozialen Zuordnung von Kellergeschossen, der belle étage
der Herrschaft und den Dienstbotenwohnungen im Obergeschoß oder unter dem Dach
hinzukam, findet sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in allen großen
Städten, also auch in Paris oder Berlin.
„Aber was die große Masse der
Arbeiter betrifft, so steht das Niveau des Elends und der Existenzunsicherheit
für sie heute ebenso niedrig, wenn nicht niedriger als je. Das Ostende von
London ist ein stets sich ausdehnender Sumpf von stockendem Elend und
Verzweiflung, von Hungersnot, wenn unbeschäftigt, von physischer und moralischer
Erniedrigung, wenn beschäftigt. Und so in allen anderen Großstädten, mit
Ausnahme nur der bevorrechteten Minderheit der Arbeiter; und so in den kleineren
Städten und in den Landbezirken. Das Gesetz, das den Wert der Arbeitskraft auf
den Preis der notwendigen Lebensmittel beschränkt, und das andere Gesetz, das
ihren Durchschnittspreis der Regel nach auf das Minimum dieser Lebensmittel
herabdrückt, diese beiden Gesetze wirken auf sie mit der unwiderstehlichen Kraft
einer automatischen Maschine, die sie zwischen ihren Rädern erdrückt.“ (Engels,
1892)[30]
Literatur:
Es wurden auch
Informationen aus dem ›Internet‹ verwendet. Diese wurden so genau wie möglich
bibliographisch nachgewiesen, doch sind die Angaben leider in Bezug auf
Verfasser und Publikationszeitpunkt nicht immer einwandfrei. Die URL-Adressen
sind häufigen Änderungen unterworfen und geben den Stand zum Zeitpunkt des
Download im Juli 2001 an. Verwendet wurden unter anderem allgemeine
Informationsseiten, die für Reiseinformationen und für britische Schulen gedacht
sind, als allgemeine historische Sachquellen aber als zuverlässig gelten können.
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Typoskript vervielfältigt).
Anmerkungen:
[1]
Zitat nach: spartacus.schoolnet: Great Britain, 19.th Century.
Walter Crane.
[2]
Vgl. Braudel, Fernand, 1979.
[3]
Vgl. dazu Hobsbawn, Industrie und Empire, 1974.
[4]
britainexpress: Georgian London. – britainexpress:
Victorian London.
[5]
Vgl. zum Begriff der Staatsgesellschaft Voigt, 2001.
[6]
Elias, Norbert, Zivilisationstheorie, Bd. 1, 1990.
[7]
Green, Sir Hugh, Hrsg., 1974.
[8]
britainexpress: Victorian London.
[9]
Quelle: „Eine neue Epoche“. In: „Frankfurter Zeitung“ vom 15. Mai 1891
(Abendblatt) zur Eröffnung der Internationalen Elektro-Technischen
Ausstellung in Frankfurt a M. Zitiert nach: Roth / Steen,
1993: 22 [M 7].
[10]
Marx / Engels: Die heilige Familie oder Kritik der kritischen
Kritik, d) Kritische Schlacht gegen den französischen Materialismus (1844).
MEW Bd. 2, S. 137. [Zitiert nach: Digitale
Bibliothek Band 11: Marx/Engels. S. 1091.]
[11]
Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen
Philosophie, II (1888). MEW Bd. 21, S. 277.
[Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 11, S. 8854.: Marx/Engels]
[12]
Gerlach, Walther, 1965: Fortschritte der Naturwissenschaft im 19.
Jahrhundert. Propyläen-Weltgeschichte, Bd. 8, Berlin (Ullstein Verlag):
238. [Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 14: Propyläen-Weltgeschichte,
S. 12101, 1999]
[13]
Vgl. dazu Elias, Norbert, 1990 (1976) und Voigt, Gerhard,
2001.
[14]
Dass im Bereich der Agrarprodukte und der Grundversorgung die Städte ebenso
abhängig sind von ihrem ländlichen Umland, ist unbestritten. Die
Ackerbauernstädte des Altertums und des Mittelalters zeigen diese
Verklammerung sehr deutlich. Aber wie heute im Verhältnis von Industrie-
und Rohstoffländern ist es eine assymetrische Abhängigkeit und keine
gleichberechtigte „Arbeitsteilung“: die Zentren beherrschen
die Peripherien und beuten sie ökonomisch aus.
[15]
„In the early Stuart years the landscape of London was changed by the
extraordinary work of the self-taught architect, Inigo Jones. In
1631 Jones designed Covent Garden piazza, the first purpose-built square in
the city. Jones‘ other important work in this period was at Queen's House
(Greenwich), Banqueting Hall (Whitehall), and Queen's Chapel.“ (britainexpress:
Stuart London.)
[16]
Es ist vielleicht interessant, an dieser Stelle auf ein positives Gegenstück
im 20. Jahrhundert zu verweisen: Nach den 95-prozentigen Kriegszerstörungen
in der hannoverschen Innenstadt konnt der Stadtbaurat Hillebrecht
erreichen, daß alle Grundstücke in einen pool zusammengefaßt wurden,
der Wiederaufbau auf der Grundlage eines optimierten neuen Straßenplanes
erfolgen konnte und die ehemaligen Eigentümer anteilsmäßig an der neuen
Bausubstanz beteiligt wurden.
[17]
Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Die großen
Städte. MEW Bd. 2, S. 256-257. [Zitiert nach:
Digitale Bibliothek Band 11, S. 10341-10343: Marx/Engels]
[18]
Vgl. dazu die aufschlußreichen Untersuchungen von Kevin Lynch zur
Lesbarkeit der Stadt, in der er moderne, „gesichtslose“ und
damit erinnerungslose Agglomerationen (Los Angeles) europäischen Städten
(Florenz, aber auch Boston) gegenüberstellt und die Frage nach der
Lebensform und den psychischen Folgen für das städtische Leben aufwirft.
London ist zwar im Kern eine noch ablesbare Stadt, vollzieht aber in weiten
Flächen im 19. Jahrhundert den Schritt zur gesichtslosen Agglomeration.
[19]
In der Darstellung der funktionalen Gliederung der City folgen wir Eilers,
Wilfried / Voigt, Gerhard, 1969: Die Londoner Innenstadt.
[20]
Nach Rusch, Jochen, 1969: Die funktionale Gliederung Londons.
[22]
Eilers / Voigt, 1969: 104.
[23]
Vgl. Hall, Unity, 1991: Der Mann, der London erbte: Gerald Grosvenor.
[25]
Die knappe Darstellung folgt weitgehend den Ausführungen von Voigt,
1986: M4 / Thesen, S. 22 (Unterrichtsmaterialien). Der Verfasser stützt
sich dabei auf eine ältere Arbeit von Voigt/Fuchs/Eilers,
1977, S. 90 ff., der auch das Entwicklungsdiagramm entnommen wurde, das
nachfolgend leicht modifiziert in unsere Darstellung mit einbezogen wurde.
[27]
Umgezeichnet aus: Voigt, Gerhard, 1986: Industrialisierung in England
und Algerien: 23 (M 5: Industrialisierung in England)
[28]
Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844.
[Bedürfnis, Produktion und Arbeitsteilung]. MEW Bd. 40,
S. 552. [Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 11, S. 733:
Marx/Engels]
[29]
Aus der Kriminalstory „Das Unterseeboot“ von Clifford Ashdown
aus Green, Sir Hugh, Hrsg., 1974, Bd. 2: 20.
[30]
Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. [Vorwort zur
deutschen Ausgabe von 1892]. MEW Bd. 2, S. 645.
[Zitiert nach: Digitale Bibliothek Band 11, S. 10278: Marx/Engels]
Martin Eilers ist Student an der
Technischen Universität Braunschweig,
Fachbereich für Geistes- und Erziehungswissenschaften, –
Englisches Seminar –
Adresse: Moränenweg 42, 38228 Salzgitter,
Tel. 05341-50555
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