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politik unterricht aktuell, Heft 2/2002: 33

"Schulreform in der Kontroverse"


Auflösung des Faches Soziologie an der Universität Hannover

Offener Protestbrief an den niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur Lutz Stratmann

Dokument Information

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Die vom Wissenschaftsministerium geplante Auflösung des Faches Soziologie an der Universität Hannover ist unverständlich und für den Wissenschaftsstandort Hannover verhängnisvoll.

Es sollte der Hinweis nicht fehlen, dass die beiden emeritierten Professoren Oskar Negt und Peter R. Gleichmann internationale Anerkennung erfahren haben und – bei durchaus unterschiedlichem wissenschaftlichen Ansatz – in hohem Maße zur Reputation der Universität Hannover beigetragen haben. Heute sollte die Anerkennung auch Prof. Hans-Peter Waldhoffs in der angelsächsischen wie der türkischen Wissenschaft hervorgehoben werden, die maßgeblich zum Aufbau der türkischen Zi­vilgesellschaft beiträgt.

Prof. Gleichmann leistete einen wesentlichen Beitrag zur Rezeption der grundlegenden neuen For­schungsperspektiven der Zivilisationstheorie in Deutschland, die Norbert Elias zuzuordnen ist.

In Osteuropa finden die Arbeiten zur Politischen Kultur und zum Zivilisationsprozess aus der Ar­beit des Lehrstuhls große Aufmerksamkeit. Gerade jetzt erscheinen wieder Aufsätze von Prof. Elçin Kürşat und von Prof. Dawud Gholamasad über zentrale gesellschaftliche Probleme im Nahen Osten in international anerkannten Fachzeitschriften in Polen. Die Dissertation über Polnische In­tellektuelle und Arbeiter 1980/81 von Dr. Lothar Nettelmann[1] erschien gerade in polnischer Überset­zung. So verbindet die Arbeit des Soziologischen Instituts zentrale Problem- und Konflikt­bereiche in Osteuropa und dem Nahen Osten, die im Kontext der zunehmenden Globalisierung für unsere eigene Entwicklung von großer Bedeutung sind.

Die aus dieser Arbeit hervorgegangene Deutsch-Türkische Vereinigung für Sozial- und Geisteswis­senschaftlichen Austausch, Hannover, e.V. (am Soziologischen Institut der Universität Hannover) veranstaltet in regelmäßiger Folge hochrangige Tagungen in der Türkei und im Wechsel in Hanno­ver mit europapolitischen Themen. Die Tagungsergebnisse finden sich in einer immer umfangrei­cher werdenden Schriftenreihe.

Die Bedeutung des langjährigen Forschungs-Schwerpunktes Migrationsforschung ist in diese Ar­beitsbereiche sinnvoll eingebunden und ermöglicht aktive und wirksamen Einflussnahme auf die öf­fentlichen Diskussionen über die Situation der Migranten in Deutschland und die Möglichkeiten einer verständnisvolleren Einwanderungspolitik.

Der Verband der Politiklehrer e.V., Hannover, sieht in diesen thematischen Schwerpunktsetzungen die Realisierung zentraler Schlüsselprobleme für den Politikunterricht an den niedersächsischen Schulen. Die Politikdidaktik ist abhängig von dieser aktiven Forschungsarbeit des Faches Soziolo­gie und die Lehrerausbildung im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenbereich benötigt die Lehrangebotes des Faches Soziologie dringend. Für die Politische Bildung wäre der Verlust des Fa­ches Soziologie in der Universität Hannover eine Katastrophe. Es fällt schwer, hier nicht sach­fremde politische Motive zu sehen, um eine kritische Stimme in den gesellschaftlichen Diskursen zum Schweigen zu bringen.

Verband der Politiklehrer e.V., Hannover, 26. Sep. 2003

Gerhard Voigt, Oberstudienrat, Vorsitzender

Dieser Offene Brief wurde an die hannoverschen Tageszeitungen geschickt und wird gleichzeitig im Internet veröffentlicht auf der Homepage des Verbandes der Politiklehrer e.V., Hannover:

http://www.politiklehrerverband.org

und der Homepage der Deutsch-Türkischen Vereinigung für Sozial- und Geisteswissenschaftlichen Austausch, Hannover, e.V. (am Soziologischen Institut der Universität Hannover):

http://www.dta-uni-hannover.de  


[1]         Promoviert bei Prof. Gleichmann.

pua 2/2002

ISSN

0945-1544

 

 

Dokument Information:

Veröffentlicht in politik unterricht aktuell
"
Schulreform in der Kontroverse"
Hannover, 2004. A 5, kart.
[ISBN 3-9807714-5-8] (Printausgabe vergriffen)

Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover

Vorsitzender: OStR Gerhard Voigt, OStR i.R. (seit 2009). Kontakt vgl. Impressum (vgl. Seitennavigation)
 

eMail: bismarckschule,voigt@gmx.de

http://www.voigt-bismarckschule.de

Internetausgabe - Letzte Überarbeitung: 4.8.2004
 

 

 

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