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Das Georg-Eckert-Instituts
für internationale Schulbuchforschung (GEI) in Braunschweig ist durch
finanzielle Einsparungen gefährdet
Mitunterzeichnung eines Offenen Briefes an den
Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen
Das Georg-Eckert-Institut für internationale
Schulbuchforschung (GEI) in Braunschweig gehört für die
curriculare Entwicklung in Europa und im Sinne des Interkulturellen
Lernens und der Völkerverständigung zu den wichtigsten und weltweit
angesehensten Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland. Vor
allem die Jahrzehnte dauernde Arbeit der internationalen
Schulbuchkommissionen zum deutsch-polnischen, deutsch-israelischen
oder – unter anderen – islamischen Schulbuchvergleich und der daraus
folgenden Erarbeitung von Empfehlungen hat unser gegenseitiges Bild
voneinander und damit den Unterricht wesentlich verändert und damit
zum Bewusstsein von Gemeinsamkeiten beigetragen. Es mag zwar typisch
sein für den Verfall unserer Politischen Kultur, ist aber dennoch
erschreckend, dass dieses Institut durch die Streichung staatlicher
Mittel in seinem Bestand gefährdet ist. Da gleiche gilt übrigens für
das Internationale Haus Sonnenberg in Sankt Andreasberg im Oberharz,
das im März vergangenen Jahres durch die Streichung der Mittel durch
das Land Niedersachsen insolvent geworden ist und seine Arbeit
eingestellt hat. Energischer Protest ist in beiden Fällen notwendig
und wird vom Verband der Politiklehrer e.V., Hannover, eingelegt. Im
Falles des Georg-Eckert-Instituts für internationale
Schulbuchforschung (GEI) in Braunschweig geschah das unter anderem
durch die Mitunterzeichnung eines offenen Briefes an den
Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, den wir
nachfolgend im Wortlaut dokumentieren:
„Offener Brief an den Ministerpräsidenten des
Landes Nordrhein-Westfalen, Peer Steinbrück, und die Ministerin für
Schule, Jugend und Kinder, Ute Schäfer
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sehr
geehrte Frau Ministerin,
wir, die Unterzeichnenden, protestieren in aller Schärfe gegen die
Entscheidung Ihrer Regierung, aus der Trägerschaft des
Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung (GEI)
auszusteigen. Nordrhein-Westfalen war neben Niedersachsen aktives
Gründungsland des Instituts. Johannes Rau würdigte dieses während
seiner Amtszeit als Ministerpräsident mit folgenden Worten: „Unsere
politische Kultur kann dieses Institut für internationale
Schulbuchforschung nicht entbehren, weder heute noch morgen, denn die
Aufgabe hat kein Ende, sie greift über Grenzen hinaus, sie greift über
Generationen hinaus, weil Mensch und Gesellschaft der Orientierung,
der Erkenntnis, der kritischen Selbsterkenntnis bedürfen.“ Hält
ausgerechnet Nordrhein-Westfalen die Arbeit des Georg-Eckert-Instituts
heute für überflüssig? Diese Arbeit an einer Schnittstelle von
Fachwissenschaft, Pädagogik und politischer Praxis ist national und
vor allem international hoch anerkannt. Die Verleihung des UNESCO
Friedenspreises und die Funktion des Instituts mit seinen
einzigartigen Beständen als Schulbuchzentrum des Europarates
symbolisieren diese Anerkennung. In steigendem Maße wird die
Kompetenz des Hauses im Umgang mit konfliktreichen Vergangenheiten von
Transformationsgesellschaften inner- und außerhalb Europas
nachgefragt. Auch für die deutsche Bildungslandschaft ist das
Institut unverzichtbar, denn auch hier können sich die Regionen
weniger denn je selbst genügen. Ohne die internationale Forschung und
Verständigung über die Inhalte von Schulbüchern und anderen Medien
kann die Verankerung globalen Denkens in den Köpfen der
nachwachsenden Generation nicht gelingen. Keine Institution vermag
dies besser zu leisten als das GEI. Es unterstützt mit praxisnahen
Empfehlungen die Bundesländer u.a. in ihrem Bestreben multikulturelle
Kompetenz und Fremdverstehen zu fördern. Dabei kann es seine
internationalen Erfahrungen fruchtbar machen. Diese Tätigkeit zu
gefährden, würde der nationalen und internationalen
historisch-politischen Kultur irreparablen Schaden zufügen. Die
Bundesländer tragen im Rahmen ihrer Kulturhoheit langfristig
Verantwortung für die Kultur- und Bildungspolitik nach innen wie nach
aussen. Nordrhein-Westfalen lässt sich dagegen von konjunkturellen,
fiskalisch motivierten Erwägungen leiten. Doch die Maßnahme und ihre
Wirkung stehen in keinem Verhältnis zueinander. Der Betrag von 350
000 ?, um den es hier geht, ist für ein großes Bundesland zwar keine
Bagatelle, aber doch ein vergleichsweise bescheidener Posten im
Gesamtbudget. Ein Forschungsinstitut wie das Georg-Eckert-Institut
wäre jedoch durch den Wegfall dieser Summe im Kern gefährdet. Es kann
nicht angehen, dass gerade in einer Zeit, in der sich im Deutschland
nach Pisa allmählich die Einsicht durchsetzt, dass Bildung auch im
internationalen Wettbewerb - unser wichtigstes Kapital darstellt,
einer solchen Einrichtung das Wasser abgegraben wird übrigens entgegen
offizieller Verlautbarungen von Regierungsseite, den Bereich
Wissenschaft und Bildung nicht anzutasten. Angesichts dieser nicht
nur für das Institut, sondern auch für seine internationalen Partner,
für die auswärtige Kulturpolitik und nicht zuletzt für
Nordrhein-Westfalen selbst folgenschweren Situation fordern die
Unterzeichnenden die Regierung in Düsseldorf nachdrücklich auf, ihre
Entscheidung, aus der Trägerschaft auszutreten, rückgängig zu machen.
Georg-Eckert-Institut
für internationale Schulbuchforschung
Celler Strasse 3
D-38114 Braunschweig
Tel. +49 (0) 531-59099-0
Fax +49 (0) 531-5909999
http://www.gei.de„
Mitunterzeichnet im
Namen des Verband der Politiklehrer e.V., Hannover, von
Gerhard Voigt,
Oberstudienrat, Vorsitzender des Verbandes der Politiklehrer e.V.,
Hannover

Sonntag, 28. Dezember
2003
über die eMail-Adresse
des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung
protest@gei.de
Wir
veröffentlichen diesen Protestbrief gleichzeitig auf unserer Homepage
http://www.politiklehrerverband.org
Bitte schließen Sie sich diesem Protest an.
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pua 2/2002
ISSN
0945-1544
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Dokument
Information:
Veröffentlicht in
politik unterricht aktuell:
"Schulreform
in der Kontroverse"
Hannover, 2004. A
5, kart.
Herausgeber: Verband der Politiklehrer
e.V., Hannover
Vorsitzender: OStR Gerhard Voigt,
Pettenkoferstraße 13, D 30880 Laatzen
[ISBN 3-9807714-5-8]
8,00 EURO
eMail:
politiklehrerverband.voigt@web.de
http://www.voigt-bismarckschule.de
Internetausgabe: - Letzte Überarbeitung:
4.8.2004
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