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politik unterricht aktuell, Heft 2/2002: 31-32

Aktuelles aus der Verbandsarbeit


Dokument Information

 

 

Das Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung (GEI) in Braunschweig ist durch finanzielle Einspa­rungen gefährdet

Mitunterzeichnung eines Offenen Briefes an den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen

Das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI) in Braunschweig gehört für die curriculare Entwicklung in Europa und im Sinne des Interkulturellen Lernens und der Völker­verständigung zu den wichtigsten und weltweit angesehensten Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland. Vor allem die Jahrzehnte dauernde Arbeit der internationalen Schulbuchkommissio­nen zum deutsch-polnischen, deutsch-israelischen oder – unter anderen – islamischen Schulbuch­vergleich und der daraus folgenden Erarbeitung von Empfehlungen hat unser gegenseitiges Bild voneinander und damit den Unterricht wesentlich verändert und damit zum Bewusstsein von Ge­meinsamkeiten beigetragen. Es mag zwar typisch sein für den Verfall unserer Politischen Kultur, ist aber dennoch erschreckend, dass dieses Institut durch die Streichung staatlicher Mittel in seinem Bestand gefährdet ist. Da gleiche gilt übrigens für das Internationale Haus Sonnenberg in Sankt Andreasberg im Oberharz, das im März vergangenen Jahres durch die Streichung der Mittel durch das Land Niedersachsen insolvent geworden ist und seine Arbeit eingestellt hat. Energischer Protest ist in beiden Fällen notwendig und wird vom Verband der Politiklehrer e.V., Hannover, eingelegt. Im Falles des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung (GEI) in Braunschweig geschah das unter anderem durch die Mitunterzeichnung eines offenen Briefes an den Ministerprä­sidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, den wir nachfolgend im Wortlaut dokumentieren:

„Offener Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Peer Steinbrück, und die Ministerin für Schule, Jugend und Kinder, Ute Schäfer

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sehr geehrte Frau Ministerin,

wir, die Unterzeichnenden, protestieren in aller Schärfe gegen die Entscheidung Ihrer Regierung, aus der Trägerschaft des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung (GEI) auszu­steigen. Nordrhein-Westfalen war neben Niedersachsen aktives Gründungsland des Instituts. Jo­hannes Rau würdigte dieses während seiner Amtszeit als Ministerpräsident mit folgenden Worten: „Unsere politische Kultur kann dieses Institut für internationale Schulbuchforschung nicht entbeh­ren, weder heute noch morgen, denn die Aufgabe hat kein Ende, sie greift über Grenzen hinaus, sie greift über Generationen hinaus, weil Mensch und Gesellschaft der Orientierung, der Erkenntnis, der kritischen Selbsterkenntnis bedürfen.“ Hält ausgerechnet Nordrhein-Westfalen die Arbeit des Georg-Eckert-Instituts heute für überflüssig? Diese Arbeit an einer Schnittstelle von Fachwissen­schaft, Pädagogik und politischer Praxis ist national und vor allem international hoch anerkannt. Die Verleihung des UNESCO Friedenspreises und die Funktion des Instituts mit seinen einzigarti­gen Beständen als Schulbuchzentrum des Europarates symbolisieren diese Anerkennung. In stei­gendem Maße wird die Kompetenz des Hauses im Umgang mit konfliktreichen Vergangenheiten von Transformationsgesellschaften inner- und außerhalb Europas nachgefragt. Auch für die deut­sche Bildungslandschaft ist das Institut unverzichtbar, denn auch hier können sich die Regionen weniger denn je selbst genügen. Ohne die internationale Forschung und Verständigung über die In­halte von Schulbüchern und anderen Medien kann die Verankerung globalen Denkens in den Köp­fen der nachwachsenden Generation nicht gelingen. Keine Institution vermag dies besser zu leisten als das GEI. Es unterstützt mit praxisnahen Empfehlungen die Bundesländer u.a. in ihrem Bestre­ben multikulturelle Kompetenz und Fremdverstehen zu fördern. Dabei kann es seine internationalen Erfahrungen fruchtbar machen. Diese Tätigkeit zu gefährden, würde der nationalen und internatio­nalen historisch-politischen Kultur irreparablen Schaden zufügen. Die Bundesländer tragen im Rahmen ihrer Kulturhoheit langfristig Verantwortung für die Kultur- und Bildungspolitik nach in­nen wie nach aussen. Nordrhein-Westfalen lässt sich dagegen von konjunkturellen, fiskalisch moti­vierten Erwägungen leiten. Doch die Maßnahme und ihre Wirkung stehen in keinem Verhältnis zu­einander. Der Betrag von 350 000 ?, um den es hier geht, ist für ein großes Bundesland zwar keine Bagatelle, aber doch ein vergleichsweise bescheidener Posten im Gesamtbudget. Ein Forschungsin­stitut wie das Georg-Eckert-Institut wäre jedoch durch den Wegfall dieser Summe im Kern gefähr­det. Es kann nicht angehen, dass gerade in einer Zeit, in der sich im Deutschland nach Pisa allmäh­lich die Einsicht durchsetzt, dass Bildung  auch im internationalen Wettbewerb - unser wichtigstes Kapital darstellt, einer solchen Einrichtung das Wasser abgegraben wird übrigens entgegen offi­zieller Verlautbarungen von Regierungsseite, den Bereich Wissenschaft und Bildung nicht anzu­tasten. Angesichts dieser nicht nur für das Institut, sondern auch für seine internationalen Partner, für die auswärtige Kulturpolitik und nicht zuletzt für Nordrhein-Westfalen selbst folgenschweren Situation fordern die Unterzeichnenden die Regierung in Düsseldorf nachdrücklich auf, ihre Ent­scheidung, aus der Trägerschaft auszutreten, rückgängig zu machen.

Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung

Celler Strasse 3

D-38114 Braunschweig

Tel. +49 (0) 531-59099-0 Fax +49 (0) 531-5909999

http://www.gei.de

 

Mitunterzeichnet im Namen des Verband der Politiklehrer e.V., Hannover, von

Gerhard Voigt, Oberstudienrat, Vorsitzender des Verbandes der Politiklehrer e.V., Hannover

 

 

Sonntag, 28. Dezember 2003

über die eMail-Adresse des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung

protest@gei.de

 

Wir veröffentlichen diesen Protestbrief gleichzeitig auf unserer Homepage

http://www.politiklehrerverband.org

 

Bitte schließen Sie sich diesem Protest an.

 

pua 2/2002

ISSN

0945-1544

 

 

Dokument Information:

Veröffentlicht in politik unterricht aktuell
"
Schulreform in der Kontroverse"
Hannover, 2004. A 5, kart.

Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover

Vorsitzender: OStR Gerhard Voigt, Pettenkoferstraße 13, D 30880 Laatzen
[ISBN 3-9807714-5-8]  8,00 EURO

eMail: politiklehrerverband.voigt@web.de

http://www.voigt-bismarckschule.de

Internetausgabe: - Letzte Überarbeitung: 4.8.2004
 

 

 

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