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Gerhard Voigt:
Rezension: In der verdienstvollen „Schriftenreihe zu Deutsch-Arabischen Beziehungen“ (Herausgeber: Dr. Ghazi Shanneik (Berlin) / Dr. Konrad Schliephake (Würzburg)) ist als Heft 3 ein Band anzuzeigen, der sich mit dem Königreich Saudi Arabien beschäftigt: Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Saudi Arabien. Würzburger Geographische Manuskripte. Sonderheft 3. Edition Shanneik, Berlin / Irbid 2001 (148 S., EURO 15. Bezug/Information: Dr. K. Schliephake, Geographisches Institut der Universität Würzburg, Am Hubland, D-97074 Würzburg. eMail: <k.schliephake@mail.uni-wuerzburg.de>.) Nachdem sich die beiden ersten Bände der Reihe mit den Beziehungen Deutschlands zu den Golfstaaten und zu Jordanien beschäftigten, folgt nun eine Sammlung kompetenter und interessanter Aufsätze über die stärkste Wirtschaftsmacht der Region Saudi Arabien. Dabei liegt der inhaltliche Schwerpunkt eindeutig auf der Darstellung der ökonomischen Potentiale und Entwicklungen des Landes, das über die Struktur eines „reinen Rohstofflandes“, begünstigt durch die fast unermeßlichen Rohölvorkommen von globaler Wirtschaftsbedeutung, längst hinausgewachsen ist und interessante Modernisierungsprojekte in seinen wirtschaftsgeographischen wie volkswirtschaftlichen Strukturen in Angriff genommen hat. Die gut ausgestattete Schrift – wie in entsprechend übertragener Form auch die beiden vorherigen Hefte dieser kleinen Reihe – konnte nur mit Beteiligung und Unterstützung saudiarabischer Regierungsstellen erscheinen. Das grenzt die kritischen Perspektiven selbstverständlich ein, da hier in durchaus legitimer Form für einen Ausbau der guten ökonomischen und politischen Beziehungen zwischen Saudi Arabien und der Bundesrepublik Deutschland geworben wird. Die Darstellung ist daher weitgehend „offiziös“, was aber durch die wissenschaftliche Seriosität und Kompetenz der Herausgeber und Autoren in Hinblick auf Glaubwürdigkeit und Brauchbarkeit aufgewogen wird. Die beiden grundlegenden Aufsätze von Konrad Schliephake über „Saudi Arabien – Naturraum und die natürlichen Ressourcen“ sowie „Saudi Arabien – Bevölkerung, wirtschaftliche Entwicklung und Industrialisierung“ geben nicht nur eine solide Einführung in die wirtschaftsgeographische Situation des Landes sondern können als Material und Beispiel für typische Industrialisierungs- und Transformationsprozesse in den bisherigen semiperipheren Rohstoffländern dienen und in diesem Sinne auch für den Schulunterricht nutzbar gemacht werden. Dabei sollte auf das für die Schule konzipierte umfangreiche Länderkundliche Werk, an dem der gleiche Autor maßgeblich beteiligt war, und das wir schon 1999 in »politik unterricht aktuell« besprochen hatten, noch einmal empfehlend hingewiesen werden, da es für eine breitere Vorbereitung des Themas Saudi Arabien weiterhin erste Wahl sein dürfte: Barth, Hans-Karl / Schliephake, Konrad, 1998: Saudi Arabien. Perthes Länderprofile. Gotha / Stuttgart (Klett-Perthes). Der Würzburger Wirtschaftsgeograph Konrad Schliephake ist die treibende Kraft der Schriftenreihe der Würzburger Geographischen Manuskripte und ein durch zahlreiche anspruchsvolle Publikationen ausgewiesener Kenner der Arabischen Halbinsel und der Nahöstlichen Staaten. Daß hier sowohl in der Fachgeographie wie in der Didaktik der Raum- und Gesellschaftswissenschaften noch erhebliche Defizite bestehen, wir durch die verbreitete Hilflosigkeit auch der Lehrerinnen und Lehrer dieser Fächer sichtbar angesichts der weltpolitisch brisanten Konflikte und Entwicklungsrisiken dieses Raumes, die im Jahr 2001 erneut evident geworden sind. Saudi Arabien ist wie die Arabische Halbinsel insgesamt oft ein „Schwarzes Loch“ im geographischen und politischen Wissen und wird auf stereotype Urteile gegenüber der arabisch-islamischen Kultur reduziert. Oder wie ist die Tatsache einzuordnen, daß Bin Laden aus einer angesehenen saudiarabischen Familie stammt? Mehr Kenntnisse und sicherere geographische und gesellschaftswissenschaftliche Urteilsgrundlagen über diesen Raum sind notwendig und für eine Überprüfung der didaktischen Konzepte notwendig. Hier ist die jahrelange engagierte Arbeit von Konrad Schliephake von großer Bedeutung. So sei auf die genannte Würzburger Schriftenreihe noch einmal ausdrücklich hingewiesen, da einige der Bände, die sich mit der Türkei, mit Syrien und mit Nordafrika beschäftigen im Zusammenhang mit studentischen Studienfahrten entstanden sind und daher auch für den schulischen Gebrauch angemessene geographische Aufbereitungen bieten und auch als Anregung dienen können für eigenen Exkursionen in die zur Zeit weniger krisenhaft gefährdeten Länder des Nahen Ostens. In mehreren Aufsätzen des rezensierten Bandes über die Beziehungen Saudi Arabiens zur Bundesrepublik Deutschland (Al-Simari, Fahed A. (Riyadh): Die saudiarabisch-deutschen Beziehungen in einem Zeitabschnitt der Regierung von König Abdulaziz (1926 – 1939): 44-50. – Mejcher, Helmut (Hamburg): Die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehung zwischen Deutschland und Saudi Arabien nach dem Zweiten Weltkrieg: 51-57. – Bahadir, Sefik Alp (Erlangen): Stand und Perspektiven der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und dem Königreich Saudi Arabien: 58-66.) wird ein sehr positives Bild auch für die Zukunft gezeichnet, das mögliche politische Risiken, verständlicherweise, ausblendet. Deutlich werden hier die ökonomischen Potentiale und Chancen, die sichtlich für Saudi Arabien noch bedeutsamer für seinen eingeleiteten Modernisierungsprozeß sind als für die noch weitgehend auf Erdölimport eingestellte Bundesrepublik Deutschland. Für den Wirtschaftstreibenden interessant sind die Anmerkungen über die institutionelle Form der ökonomischen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Saudi Arabiens, die in gewisser Weise typisch für übernationale ökonomische Projekte in Ländern der Semiperipherien ist. (Al-Sayyari, Suliman S. (Riyadh), 2001: Saudi German Development and Investment Company Ltd. (SAGECO): 67-70. – Hofmann, Heinz (Eschborn), 2001: Die deutsch-saudiarabischen Beziehungen aus der Sicht der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ): 109-111. – Brinner, Andreas (Stuttgart) / Steeb, Hartmut (Sindelfingen), 2001: Das Deutsch-Saudiarabische Technologie-Entwicklungsprogramm HYSOLAR: 88-101.) Von den kleineren, z.T. erlebnisorientierten Texten sein noch ein Artikel erwähnt, der insbesondere Eisenbahnfreunde zu Spekulationen und nostalgischen Reminiszenzen anregen kann: Naumann, Thomas (Berlin), 2001: Mythos Hedschasbahn – Vergangenheit mit Zukunft? 102-106. – Während in Europa und in Ostasien, den wirtschaftlichen Zentren der zukünftigen globalisierten Welt, Schnellbahnprojekte bis hin zum Transrapid in milliardenschwere Infrastruktur-Investitionsprogramme aufgenommen werden, ist es im Nahen Osten derzeit nicht möglich, eine schon existierende traditionsreiche und symbolträchtige Eisenbahnmagistrale auf modernen technischen Stand zu bringen über die Grenzen nahöstlicher Kleinstaaterei hinweg zu vernetzen. Vielleicht macht dies den offensichtlichen Modernisierungsrückstand der Region besonders deutlich und provoziert Fragen nach den Ursachen ebenso wie nach den Gründen für die politisch-gesellschaftliche Immobilität der arabischen Welt, die zu einer Weltgefahr geworden ist. An dieser Stelle, auch das noch immer an Residualformen nomadisch-ruraler wie klientelgesellschaftlicher Gesellschafts- und Herrschaftsordnungen hängende Königreich Saudi Arabien bei einer kritischen Aufarbeitung nicht aussparend, muß eine weiterführende politikdidaktische Strukturierung ansetzen und das Thema der Beziehungen zwischen den industrialisierten ökonomischen Zentren und den in zum Teil gestörten konfliktreichen Modernisierungsprozessen stehenden semiperipheren Regionen umfassend beurteilen. Dies kann nicht ohne die Aufarbeitung der Binnenperspektiven und der Selbstverständnisse geschehen, ebensowenig ohne solide Kenntnisse der materiellen geographischen und ökonomischen Grundlagen. In diesem Sinne noch einmal eine Empfehlung für das Buch von Shanneik und Schliephake. Gerhard Voigt
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politik unterricht aktuell
1/2-2001 / S. 75-77 / Voigt:
Rezensionen:
Internetpublikation
01.07.2003.
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