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Gerhard Voigt:
Rezension: Nur exemplarisch an drei sich an eine breitere politisch interessierte Öffentlichkeit wendende, essayistische Werke, die als Diskussionsstoff und Grundlegung im aktuellen Politikunterricht eine wichtige Rolle spielen könnten, sollen hier in einem eigenen argumentativen Kontext[1] vorgestellt und rezensiert werden – wobei auch weiterführende Bezüge nicht ausgespart bleiben sollen: Vargas Llosa, Mario, 2000: Nationalismus als neue Bedrohung Edition Zweite Moderne, Hg. von Ulrich Beck. Frankfurt am Main (Suhrkamp Verlag). [Aufsätze von 1993, 1995, 1996, 1998, 1999]. Kaldor, Mary, 2000: Neue und alte Kriege. Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisierung. Edition Zweite Moderne, Hg. von Ulrich Beck. Frankfurt am Main (Suhrkamp Verlag). {New & Old Wars. Organized Violence in a Global Era, 1999). Burke, Peter, 2000: Kultureller Austausch. Erbschaft unserer Zeit. Vorträge über den Wissensstand der Epoche Band 8. Im Auftrag des Einstein Forums hg. von Gary Smith. Frankfurt am Main (edition suhrkamp 2170).[2] „Camus und Orwell in Tschetschenien. In einem seiner Essays schreibt Orwell, man müsse nicht herausfinden, was vorgefallen sei, wenn Arbeiter einer Gruppe von Polizisten gegenüberstehen, um sich mit den Arbeitern solidarisch zu fühlen. Und in einer berühmten Erklärung erläutert Albert Camus kurz und bündig, warum er in einer gerechten Sache wie der Unabhängigkeit Algeriens nicht Partei ergriff: ‚Weil ich mich bei der Wahl zwischen der Gerechtigkeit und meiner Mutter für meine Mutter entscheide!‘ (Sie war eine spanische Hausangestellte aus Oran.)“ So leitet Mario Vargas Llosa, Philosoph, Literat und aktiver oppositioneller Politiker in Peru, seinen Essay über den Tschetschenienkrieg (Vargas Llosa, 2000: 69) ein und spannt dabei einen literarischen Bogen über die Kontinente: ein historisch-philosophisches Bewußtsein, in Perspektiven und Maßstäben nicht durch nationale Grenzen eingeschränkt, dennoch den geistigen, kontroversen Diskursen Europas über Werte und Zugehörigkeiten exemplarisch verpflichtet – auch in ihren Widersprüchlichkeiten –, bezeichnend für die immer dringlicher werdende Entgrenzung der Realitätsdeutungen und die Suche nach Grenzen und Evidenzen, die quer zu den eingefahrenen Kategorien und Alltagsrealitäten stehen. Über Grenzen kann nur der sinnvoll sprechen, der sie von innen wie von außen kennt,[3] der weiß, daß die Evidenz des Unbegrenzten in der Existenz der Grenzen ebenso liegt, wie die Evidenz der Grenze die Existenz des Unbegrenzten voraussetzt.[4] Vargas Llosa steht für diese Zweideutigkeit der europäischen Kultur und Geschichte, die sich aus ihrem Verständnis der Grenzen heraus begreifen läßt: Aus dem Verfestigen der europäischen Grenzen zum Staat und gesellschaftlich zur Staatsgesellschaft mit ihrem Ausschließlichkeitsanspruch entsteht eine Hegemonialvorstellung, die Europa durch den Kolonialismus und Imperialismus zum politischen und kulturellen Oktroy ders eurozentrischen Weltbilder verkommen läßt. Der Band versammelt Texte, die Mario Vargas Llosa zwischen 1993 und 1999 an verschiedenen Orten zu verschiedenen Gelegenheiten vorgelegt bzw. vorgetragen hat. Entsprechend vielfältig sind die inhaltlichen Ansätze und Themen, die vom Erschrecken über den Bürgerkrieg in Bosnien („Mäuseträume“, 1993) bis zur Frage nach der „Französischen Identität“ (1995) reicht, als Rezension den „perfekten lateinamerikanischen Idioten“ (1995) vorstellt und, wie schon Eingangs zitiert, „Camus und Orwell in Tschetschenien“ (1995) aufsucht. Immer aber ist eine kritische, humanistische und prononciert liberale Position seines Denkens erkennbar, in der die Vorstellung von ideologischem Denken bezeichnet wird als politische und gesellschaftliche Dummheit, die in verblendete Grausamkeit mündet, die Mario Vargas Llosa vor allem in kollektivistischen politischen Vorstellungen begründet sieht. Er spricht damit direkt das Individuum an, dessen Möglichkeit und Fähigkeit, sich selbst aus der Verstrickung aus ideologischer Borniertheit und politischer Dummheit zu befreien, für ihn außer Frage steht. Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Zwangssystems in der von der UdSSR beherrschten Einflußsphäre sieht Mario Vargas Llosa in erster Linie im Nationalismus und im religiösen Fundamentalismus heutige existenzielle Bedrohungen für die Menschheit. „Die Bekämpfung des Nationalismus, dieser hitzköpfigen und engstirnigen politischen Haltung, dieser Religion der Kleingeister und ungebildeten Leute, scheint mir am Ende unseres Jahrtausends ebenso große Priorität zu haben wie die ausnahmslose Verteidigung der fortschreitenden Internationalisierung des Lebens, der schrittweisen Auflösung der Grenzen. Denn von diesem Kampf wird es in den kommenden Jahren abhängen, ob der Sieg, den die liberale Kultur mit dem Zusammenbruch des Kommunismus feiern konnte, sich bestätigt oder in Frage gestellt wird. Es ist eine Schlacht, die mit Ideen, Argumenten, politischen Aktionen, ökonomischen und kulturellen Initiativen, also mit allen Waffen der Intelligenz und der Vernunft zu schlagen und zu gewinnen ist. Doch wir dürfen nicht die Polizei zur Verstärkung rufen, damit sie unseren Argumenten mit Knüppelschlägen Nachdruck verleiht – wir müssen, in anderen Worten, bereit sein, uns geschlagen zu geben. Bomben und Knüppel verzerren nämlich ideologische Debatten immer und geben am Ende wie in Tschetschenien möglicherweise denen recht, die es nicht haben, und berauben jene des Rechts und der Wahrheit, die im Recht waren. Das ist die weise geheime Lehre des allegorischen Bilds Orwells, auf die auch das Diktum Albert Camus’ zielt: Es gibt keine vertretbare politische Einstellung, keine Philosophie, keine Überzeugung, in deren Namen ich rechtfertigen müßte, daß man meine Mutter tötet“ (S. 75). Zwei Momente scheinen mehrfach auf: Einmal die Erkenntnis, daß positiv motivierte ideologische Prämissen letztlich in gegenteilige Folgen umschlagen können, und, andererseits, daß Nationalismus und ethnischer Konflikt nicht zwangsläufiges Ergebnis der geschichtlichen Erfahrung, sondern von und im Interesse der Herrschaft gemachter Ideologien sind: „Müssen wir also annehmen, daß die Einwohner Bosniens, die über Generationen friedlich zusammenlebten und so vieles miteinander teilten, einfach gerissene Schwindler waren? Daß Kinder, Eltern, Enkel und Urenkel, während sie Schulter an Schulter schufteten, Güter und Dienstleistungen austauschten und sogar untereinander heirateten, nur so taten, als ob? Die einen wie die anderen Heuchler von Geburt, programmierte Verräter, warteten sie über Jahrzehnte der vorgetäuschten Toleranz und Freundschaft auf den geeigneten Augenblick, einander Dolchstöße zu versetzen? – Ich vermute eher, daß Koexistenz und allmähliche Integration eine Realität waren, die bewußt zerstört wurde, und zwar von verantwortungslosen Politikern, die wissen, daß in Übergangszeiten – und in Zeiten ideologischer Verwirrung – der kürzeste Weg zur Befriedigung ihres Machthungers der Nationalismus ist. Es ist kein Zufall, daß Präsident Slobodan Milosevic, bis gestern noch ein verbohrter Kommunist, aus heiterem Himmel eine nationalistische Bekehrung erfuhr, um dann der Vorkämpfer Großserbiens und der Hauptanstifter, ‑komplize und ‑waffenlieferant Radovan Karadzics, des »ethnischen« Führers der bosnischen Serben, zu werden. Die nationalistische oder ethnische Alibiideologie erlaubte vielen Machthabern der alten stalinistischen Regime – Rumänien ist ein jüngstes Beispiel –, an der Macht zu bleiben und ein neues politisches Leben zu beginnen, ausgerüstet mit einem Beglaubigungsschreiben, das – jedenfalls im Westen – jede Kritik dämpft, wenn nicht gar verstummen läht: Sie treten als Beschützer unterdrückter Minderheiten auf, die ihr Recht auf Unabhängigkeit einklagen. Was aber, wenn diese Ethnien in Auflösung begriffen oder eine bloße historische Tatsache ohne Aktualität sind? Dann werden sie wieder restauriert oder gar erst produziert – vorzugsweise durch den Krieg, diesen Brennstoff, der die Patriotismen erzeugt und bis zur Weißglut schürt, rationale Erwägungen beiseite schiebt und sie durch die Irrationalität der Leidenschaft ersetzt. Das ist die Geschichte vom Zusammenbruch Jugoslawiens und der Geburt der neuen »Nationen« auf dem Balkan. Diejenigen, die es in den demokratischen Ländern eilig hatten, die Loslösung Sloweniens, Kroatiens und Bosniens zu bejubeln und für die frischgebackenen Staaten internationale Anerkennung zu fordern, wurden von jenen guter Absichten geleitet, mit denen, wie das Sprichwort sagt, die Hölle gepflastert ist (S 8-9). Die andere Dimension seiner Kritik, die „Entlarvung“ der „wohlmeinenden Ideologien“ über die globalen Opfer der Geschichte (wobei die lateinamerikanischen dependencia-Theoretiker einem gleichnamigen von ihm rezensierten Buches folgend im Zentrum seiner polemischen Kritik des „perfekten lateinamerikanischen Idioten“ stehen) ist gerade für Soziologen und Zivilisationstheoretiker – die Mario Vargas Llosa unmittelbar anspricht – von einiger Brisanz, da der ethische Individualismus, den er postuliert, durchaus Auswirkungen auf die Urteilskontexte der Sozialwissenschaften hat und mit ihnen tendenziell im Konflikt steht. Sicher ist seine scharfe Kritik an einem undistanzierten Kollektivismus oder eines wissenschaftlichen Kollektiv-Determinismus wichtig und nicht von der Hand zu weisen. Doch ist der Ansatz von Mario Vargas Llosa, individuelle Verantwortung in den Mittelpunkt zu stellen, letztlich ethisch und nicht sozialwissenschaftlich fundiert. Wie bei allen fundamentalen ethischen Fragen gibt es hier keine letztgültige Beweiskraft im Sinne einer wissenschaftlichen Deduktion. Im Kern werden hier Auseinandersetzungen aktualisiert, die in anderen zeitgeschichtlichen Kontexten schon zu den Leitfragen sozialwissenschaftlicher Theoriebildung gehören. Mario Vargas Llosa arbeitet heraus, daß aus dem wissenschaftlichen ein ethisch-politischer Widerspruch folgt. Das Theorem des fortschrittlichen politikwissenschaftlichen „Kollektivismus“ basiert auf der Überzeugung einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung und Fundamentierung der individuellen Identität. Sehr bald folgt daraus die These von einer kollektiven Identität, die wissenschaftlich wie ethisch sehr fragwürdig und bestreitbar ist, aber letztlich die notwendige Grundlage sowohl für nationalistische wie für geschlossene religiöse Gruppenüberzeugungen darstellt. Betreffen solche Konzepte die Legitimationsbemühungen der gesellschaftlich Etablierten und der Herrschenden, ist ihre Kritik und Abweisung Grundüberzeugung der political correctness. Anders sieht es bei der postulierten kollektiven Identität der Opfer und ihrer kollektiven Überzeugungen aus. Politisch wohlmeinende Konzepte halten das in diesem Falle für wissenschaftlich legitim, was in einer grundsätzlicheren Ebene als inadäquat abgewiesen wird. Dieser Widerspruch, political correctness zur Richtlinie der Realitätsdefinition zu machen, ist Kern der Kritik in den Aufsätzen von Mario Vargas Llosa. Den Traditionen und Selbstverständnissen der Unterlegen wird in den kollektivistischen politischen Realitätssichten ein höherer selbstbezüglicher Wert zugesprochen. Die Konsequenz ist damit die (Neu‑)Konzeption von Ethnien, Völkern und Nationalitäten, die letztlich in ihrer Ausdifferenzierung kein Ende, in der Geschichte aber auch keine Legitimation finden (am Beispiel Bosniens und des Kossovo dargestellt z.B. auf S. 7-9 oder 118 ff, und passim). Es wäre hier zu fragen, wie sich ein vor allem in den Industrieländern selbst geführter „Kampf für die bedrohten Völker“, der mehr sein will, als das Eintreten für international akzeptierte Menschenrechte und ethische Normen, sondern „alte Kulturen“ museal erhalten will, davon befreien kann, wiederum Menschen kollektiv einer wohlmeinenden Fremdbestimmung zu unterwerfen, indem individuelle Emanzipations- und Modernisierungshoffnungen anathematisiert und unterdrückt werden im Namen einer kulturellen Wertvorstellung, die eher Erfindung von Ethnographen denn persistente Entität ist. Die „heile Welt der Ethnien“ und Kulturen ist alles andere als die erhoffte Abwendung vom Eurozentrismus; sie ist nur eine neue und gefährliche Façette machtstärkeren Hochmuts, der sich mit einer moralischen Legitimität der „Uneigennützigkeit“ umgibt. Lateinamerikanischen Theoretikern der Dependenz wirf Mario Vargas Llosa „Idiotie“ vor: „Diese künstliche, mutwillige und ausgesuchte Dummheit nimmt man aus intellektueller Trägheit, ethischer Müdigkeit und einem Mangel an Zivilcourage bewußt an. Sie ist ideologisch und politisch, vor allem aber frivol, denn sie zeugt von der Verweigerung, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, die Worte mit den Tatsachen abzugleichen, die sie vorgeblich beschreiben, die Rhetorik zu zerpflücken, die sich als Denken ausgibt. Sie ist die Scheinheiligkeit der herrschenden Mode, das ewige Mit-dem-Strom-Schwimmen, der Kult des Stereotyps und der Floskeln. Keiner ist davor gefeit, in seinem Leben einmal dieser Art von Dummheit auf den Leim zu gehen“ (S. 63). An dieser Stelle kann der grundsätzliche Diskurs über den ethischen Liberalismus von Mario Vargas Llosa nicht in der notwendigen Breite fortgeführt werden. Das Werk „Nationalismus als Bedrohung“ ist auch und gerade durch seine aktuellen Bezüge, die immer wieder die nationalistischen und partikularistischen Entwicklungen im ehemaligen Jugoslawien aufgreifen, aber auch durch die façettenreiche grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Nationalismus und seiner ethnizistischen Begründung, ein notwendiges und lesenswertes Buch, das für die Fundierung eines kritisch-distanzierten Politikunterricht wichtige Impulse setzen kann. Die Grenzen des Ansatzes von Mario Vargas Llosa werden jedoch auch deutlich, vor allem im letzten Aufsatz des Bandes „Der Liberalismus am Übergang des zweiten in das dritte Jahrtausend“ (1998, S. 132 ff.), der zunächst die Kritik am „Neoliberalismus“ polemisch zurückweist und vor allem semantisch diesen Begriff selbst als unsinnig charakterisiert, da es nur einen „Liberalismus“ geben könne, der politische, bürgerliche und ökonomische Freiheiten gleichermaßen umfaßt und umfassen muß. In seiner „Kritik der Kritiker“ baut Mario Vargas Llosa jedoch einen undifferenzierten Popanz auf. Kritiker des uneingeschränkten Marktes und der gesellschaftlichen und ökonomischen Universalisierungs- und Globalisierungsprozesse argumentieren längst nicht so undifferenziert und „kollektivistisch“ (oder meint Mario Vargas Llosa hier „sozialistisch“?), wie es in dem Buch immer wieder unterstellt wird. Mario Vargas Llosa sieht den Liberalismus als Grarant gegen undemokratische und unlegitimierte Herrschaft – was seiner lateinamerikanischen Erfahrung mit Diktaturen jeglicher Coleur entspricht –, er übersieht aber, daß Wirtschaftsliberalismus ohne gesellschaftliche Kontrolle ebenso unlegitimierte Herrschaft hervorrufen und begründen kann, daß also ein ungezügelt liberalistischer Kapitalismus ebenso „kollektivistische“ Herrschaftssysteme oder Diktaturen hervorruft. Auch für liberale Demokraten – auch unter Wirtschaftswissenschaftlern – ist distanzierte und rationale Kritik am sich globalisierenden Kapitalismus und seinen Institutionen (WTO) und politischen Trägern (vor allem den USA) heute nicht mehr ungewöhnlich oder systemfremd.[5] Diese Überlegungen verlangen nach einigen grundsätzlichen Erörterungen, die letztlich über den Rahmen einer Rezension hinausgehen und daher hier nur andeutungsweise skizziert werden können. Sie beziehen sich auf aktuelle Ausführungen vor allem bei Mary Kaldor (2000). Dieses schmale Werk aus der Reihe „Edition Zweite Moderne“ gehört zu dem Wichtigsten, was der Rezensent als Politiklehrer in der letzten Zeit gelesen hat. Mary Kaldor hat praktische Arbeit im Rahmen der NGOs in Bosnien und in anderen Krisenregionen geleistet und dabei nicht nur die humanitären Katastrophen und Aufgaben kennen gelernt sondern wesentliche sozialwissenschaftlich reflektierte Erkenntnisse über Stukturen, Ursachen und Folgen von sogenannten „Bürgerkriegen“ erarbeiten können. Sehr wichtig ist die Einsicht, daß es sich eben nicht um Kriege der „Bürger“ gegeneinander handelt, sondern um interessengeleitete Herrschaftskonflikte kleiner, unlegitimierter Machteliten, wie es am Beispiel von Milošević auch Mario Vargas Llosa (S. 7 ff.) ausgeführt hat.[6] „Bürgerkriege“ sind ebenso wie die „alten Kriege“ der Staaten gemachte und grewollte Kriege. Sie sind „Neue Kriege“ im Sinne von Mary Kaldor, weil sie sich dem formalisierten nationalstaatlichen Kriegsverständnis als Fortsetzung nationaler Politik mit anderen Mitteln entziehen und sich auf die Interessendurchsetzung von Gruppen beziehen, die im modernen Nationalstaatensystem nicht als legitime staatliche Vertretungen angesehen und anerkannt werden. Im zivilisationstheoretischen Kontext nach Norbert Elias handelt es sich aber gleichermaßen um in sich abgeschlossene bzw. sich abschließende „Überlebenseinheiten“, deren „Überleben“ vom eigenen Machterhalt abhängt, und die sich durch die Konstruktion von Ethnien in ihrer sozialen Basis verbreitern, was ihre Kampf- und Überlebensfähigkeit vergrößert und sichert. Nicht zu vergessen ist dabei aber auch, wie es Mary Kaldor herausarbeitet, daß nicht nur die eigenen Herrschafts- und Gruppeninteressen diese Bürgerkriege ermöglichen und begründen, sondern daß sie eingebunden sind in Netze globalisierter ökonomischer Interessen. An den aktuellen „Balkankriegen“ verdienen interne Gruppen, internationale Waffenliferanten, indirekt auch die europäischen Staaten und irreguläre ökonomische Netze, die in der Öffentlichkeit als mafiös wahrgenommen werden, in Wirklichkeit aber eng verknüpft sind mit der legalen Ökonomie und ihr zusätzliche Gewinne einbringen. Daß diese Verknüpfung von „legalen (d.h. nationalstaatlichen und weltwirtschaftlichen) Interessen“ mit „kriminellen“ Machtgruppen auch für den „Terrorismus“ gilt, haben Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié in einem kürzlich in Frankreich erschienenen Buch über Osama bin Laden. „Osama bin Laden ist kein ‚von Fanatismus verblendeter Terroristenchef‘. Vielmehr das geradezu unvermeidliche Ergebnis jahrzehntelanger Politik seines Heimatlandes Saudi-Arabien.“[7] Die Eskalation des Terrors im Herbst 2001 setzen die Autoren mit dem Amtsantritt von George W. Bush in den USA in Verbindung, der offensichtlich als Interessenrepräsentant texanischer Erdölproduzenten auf Distanz zu den nahöstlichen Erdölliferanten und damit auch Saudi Arabien gehen kann. Eine Folge ist, daß das Terrorismus-Verdikt der USA, das lange Jahre die Gruppe um Bin Laden ausgespart hatte, nun auch ihn traf und ihn öffentlich zum Staatsfeind Nr. 1 der Vereinigten Staaten machte. Die lange und geheimgehaltene Vorgeschichte wird von den beiden französischen Autoren in aller Breite dargestellt und belegt die These, daß der „Kampf gegen den Terrorismus“ nicht in erster Linie ethisch-moralisch motiviert ist, sondern einer ökonomischen Interessen-Neubestimmung folgt. In diesem Kontext wird verständlich, warum Mary Kaldor „Alte Kriege“ den „Neuen Kriegen“ gegenüberstellen kann: Wegen der neuartigen Verknüpfung vor-staatsgesellschaftlicher, auf sich selbst ethnifizierenden Machtklientelen basierenden lokalen Herrschaftsgruppen und internationalen ökonomischen Interessennetzen, in die letztlich auch die Nationalstaaten selbst eingebunden sind. Es ist daher notwendig, Erklärungsansätze für die heutige Weltlage zu finden, die Staatsgesellschaft und Nationalstaatlichkeit in Kontext setzen zu den spezifischen Bedingungen der Herrschaft in den Semiperipherien, zu denen die Türkei immer noch ebenso gehört wie die jugoslawischen Nachfolgestaaten. Notwendig sind für die Herrschaftsdurchsetzung in den Semiperipherien vor allem durchgesetzte Realitätsdefinitionen, die – wie der Nationalismus für das nation building der Nationalstaaten in der europäischen Neuzeit – ethnische Zugehörigkeits- (Integrations‑)Ideologien postulieren. Dies geschieht durch die bewußte Konstruktion von Feindbildern, Erschließung von Aggressionspotentialen und einer allgemeinen gesellschaftlichen Brutalisierung. Am historischen Beispiel der Balkankriege des Osmanischen Reiches an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat dies Elçin Kürşat-Ahlers[8] exemplarisch herausgearbeitet und historisch-soziologisch mit dem nation building der Türkei, d.h. der „Erfindung des Türken“ durch die militärische Herrschaft verknüpft und dabei vor allem die Rolle der Intellektuellen, hier vor allem der Schriftsteller, herausgearbeitet. Wie kommt es aber, daß Intellektuelle, deren Sichtweise über die Grenzen hinaus gehen könnte und deren existenzielle Interessen letztlich keinem nationalistischen Eingrenzugsversuch zu unterwerfen sind, sich im Prozeß der Nationalstaatenbildung in der Neuzeit zum Interessenwalter eines aggressiven, auf Stereotypen rekurrierenden Nationalismus und Etatismus machen? Welche divergenten Begriffe von Modernisierung stehen hinter diesen Konzepten der Intellektualisierung einer Gesellschaft? Hier versucht Peter Burke eine Antwort zu finden. Mit der Entwicklung des europäischen Systems der Staatsgesellschaften entwickelt die damit verbundene europäische Intellektualisierung einer neuen, Grenzen negierenden – wenn auch auf den europäischen Raum beschränkten – ‚Gelehrtenrepublik‘, deren Entstehung und Konzept Peter Burke (2000: 74-101) in seinem Essay „Erasmus und die Gelehrtenrepublik“ nachgeht. Voraussetzung dieser frühen paneuropäischen intellektuellen Diskurse war zunächst die Existenz einer lingua franca, des Lateinischen. Daß diese Gelehrtenrepublik ‚elitär‘ war, ist unbestreitbar; Elite bedeutet hier intellektuelle Avantgarde. Doch sie war Voraussetzung dafür, daß in Europa in der Neuzeit an die Stelle des kulturellen Bandes des Christentums eine säkulare Zivilisation treten konnte, die Voraussetzung war für das, was wir mit der Entwicklung der Nationalstaatsidee verbinden und als ‚europäische Modernisierung‘ in all ihren Auswirkungen bezeichnen. Es ist kein Zufall, wenn Norbert Elias die Belege für seine Zivilisationstheorie ebenfalls immer wieder bei Erasmus findet. Wieder diese Zwiespältigkeit der europäischen Geschichte: Die Entwicklung der europäischen Zivilisation fundiert die nationalstaatliche Begrenzung, Verengung und die Hypertrophien des aggressiven Nationalismus, die der ‚Gelehrtenrepublik‘ zunächst die Freiheit des Denkens über die Begrenzungen der Herrschaftsbereiche hinweg nimmt, indem sie nationale Staatsraison einfordert, und schließlich auch die lingua franca als Medium des intellektuellen Austauschs nimmt, indem Nationalsprachen zum Medium nationalgesellschaftlicher Homogenisierung gemacht werden.[9] Wie so oft in der Geschichte, zerstören die Folgen einer Modernisierung die gesellschaftliche Basis, die diese Modernisierung erst möglich machten. Daher ist begriffliche und historische Skepsis gegenüber der Kategorie der ‚Modernisierung‘ selbst angebracht. Die Herausbildung des Nationalstaates war in dieser europäischen Entwicklung ein folgerichtiger Schritt. Doch die Vorstellungen der ‚Gelehrtenrepublik‘ wurden nur noch als intellektuelle Gegen- und Unterströmung der oppositionellen Denker und Literaten tradiert: einer ‚Republik‘, die sich im antiken Sinne der res publica, der allgemeinen Sache, d.h. dem Gemeinwohl der Stadtbürger verpflichtet sah, das sich weder durch feudale Herrschaftsloyalitäten noch durch nationale Staatsraison eingrenzen läßt. Bedeutsam für die zivilisatorische Entwicklung Europas ist es seither, daß die gedachte ‚Gelehrtenrepublik‘ eine europäische Option geblieben ist, daß oppositionelles Denken und Widerständigkeit gegenüber Herrschaftsanmaßungen seither zur geistigen Tradition Europas gehören und als Handlungsmotivation gerade in Hinblick auf den neuzeitlichen Kampf um Bürger- und Menschenrechte, um Herrschaftslegitimation und -begrenzung, um Machtkontrolle und Gerechtigkeitspostulat Teil der Politischen Kultur sind. Es gibt neben dem grausamen, kriegerischen und eurozentrischen Europa, das weltweit immer wieder Beklemmungen und Ängste evoziert, immer auch das andere Europa, das sich auf die Aufklärung der ‚Gelehrtenrepublik‘ zurückführen läßt und dessen Werte und politischen Perspektiven lebendige Handlungsoptionen bleiben müssen. In diesem Kontext kann im 19. Jahrhundert auch Karl Marx als später Vertreter der europäischen ‚Gelehrtenrepublik‘ verstanden werden, dessen Gesellschaftsanalyse der Aufklärung und dem Säkularismus verpflichtet war und dessen kommunistische Utopie einer gerechten klassenlosen Gesellschaft ein Gegenentwurf zur nationalstaatlich verengten Staatsgesellschaft war. In diesem Sinne kann seine Perspektive vom Absterben des Staates und vom Internationalismus des Kommunismus als provokant aktuell gedeutet werden, wenn wir heute die Entwicklungsgrenzen des Nationalstaates erkennen und vor der Aufgabe einer inhaltlichen Gestaltung der Globalisierung stehen. Diese wird wahrgenommen als ‚Entgrenzung‘ der Nationalstaaten, was ihre Validität als Ordnungsmuster gesellschaftlicher und politischer Realität sinken läßt. Dabei darf nicht übersehen werden, daß in den Peripherien der jetzigen wie einer zukünftig nach Osten und Südosten hin erweiterten Europäischen Union die verstärkte und zum Teil auch primäre Durchsetzung staatsgesellschaftlicher Prinzipien – Gewaltmonopl des Staates, Steuermonopol, Rechtseinheit etc. – nach wie vor ultima ratio ist. Alle diese Offenheit haben spätere Marxisten ignoriert und z.T. pervertiert. Die Tradition, die Rosa Luxemburg noch hätte weiter führen können, wurde mit ihrer Ermordung durch den politischen Gegner endgültig anathematisiert. Nationalstaatlichkeit, territorial begrenzte Herrschaft und Weltrevolution legten sich als globaler Herrschaftsanspruch und Machtoktroy über die kommunistische Utopie. Damit hat letztlich der politische und intellektuelle Gegner des Marxismus in der kommunistischen Bewegung selbst gesiegt, so daß Zusammenbruch und Ende eines hohlen Machtapparates letztlich nur noch eine Frage der Zeit war. Das bedeutet aber auch eine Chance, sich auf Karl Marx neu zu besinnen und seine Modernität zu begreifen und neu zu denken.[10] Kritische didaktische Überlegungen müssen zu allererst begreifen, daß das europäische Politik- und Staatsverständnis des 20. Jahrhunderts an das Ende einer ebenso sinn- wie verhängnisvollen Entwicklung gelangt ist und daß diese Krise der Politik fokussiert wird in einer fundamentalen Krise der Politischen Bildung.[11] Die Krise der Politik ist äußerlich evident, betrachtet man die Vielzahl der Kriege[12] auch noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie müssen in ihrer inhaltlichen und strukturellen Interpretation zu einem neuen und differenzierteren Verständnis der fundamentalen Transformationsprozesse der Gegenwart führen, indem das Augenmerk z.B. auf die internationalisierten Kontexte auch scheinbar lokaler Konflikte (Kambodja, Ruanda, Kongo, Bosnien oder Kosovo) gelenkt wird, wie es z.B. Mary Kaldor in ihrer These von den „Neuen Kriegen“ tut, oder wie es in ein umfassenderes Globalisierungsverständnis eingebunden werden muß, wie es von Stein Rokkan[13] angeregt wird. Der didaktische Paradigmenwechsel muß sich aus der staatsaffirmativen Einbindung lösen, ja zur Widerständigkeit gegenüber gesellschaftlicher Opportunität hinführen.[14] Das bedeutet einerseits ein neues, diskursiv fundiertes Selbstverständnis, das sich ebenso auf Habermas wie auf Foucault berufen wird, als auch die Rezeption gesellschaftswissenschaftlicher Traditionen, die den staatsgesellschaftlichen Homogenisierungsanspruch in historischer Distanz analysieren und damit relativieren, die sich als selbst aus ihren staatsaffirmativen Fesseln zu lösen verstehen und dem Blick auf das ‚andere Europa‘, von dem schon die Rede war, verpflichtet sind. Dies wäre der Ansatz einer „Zweiten Moderne“, wie es Ulrich Beck im Titel einer von ihm herausgegebenen sozialwissenschaftlichen Buchreihe formuliert hat.[15] Ein notwendiger und aktueller Ansatz, der dem gesellschaftlichen ‚mainstream‘ durchaus entgegenzustellen ist und der in seiner didaktischen Umsetzung auf älteren reformpädagogischen Fundierungen aufbaut und sich nicht den oberflächlichen Effizienzideologemen der heutigen Bildungspolitik unterordnet. Letzlich geht es darum, der durch Implikationen wie ‚Ersatzmachtkämpfe in den ›weichen‹ politischen Bereichen‘ wie diversen z.T. irrationalen gesellschaftlichen Spannungsbeziehungen geprägten Bildungspolitik und dem oberflächlich-akzeptierenden Umgang mit den gesellschaftlichen Transformations- und Globalisierungsprozessen die Orientierung an den Potentialen einer neuen, virtuellen ‚Gelehrtenrepublik‘ gegenüberzustellen, die sich bewußt an der gegenwärtigen res publica zu messen bereit ist und einem sozial-elitären Anspruch heute widerspricht, da die Kommunikationstechnologien, die Internationale von Technik und Wirtschaft einen Bildungsanspruch mit viel weiterer sozialen und regionalen Reichweite ermöglichen. Gerhard Voigt [1] Der argumentative Rahmen folgt einigen Ausführungen des Verfassers im Aufsatz von Nettelmann, Lothar / Voigt, Gerhard / Plavišić, Vesna / Holm, Helena, 1999: Zur Bestimmung des Begriffes einer »Staatsgesellschaft«. Eine Einführung. In: Voigt, Gerhard, Hrsg., 2001: „Staatsgesellschaft“. Historisch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von Entwicklungen, Problemen und Perspektiven. Forum Politologie und Soziologie (Hrsg. Bernhard Claußen) Band 9. Galda + Wilch Verlag. Glienicke/Berlin / Cambridge/Massachusetts: Einführung. [2] Darin vor allem: Burke, Peter, 2000: Erasmus und die Gelehrtenrepublik. In: Kultureller Austausch. Erbschaft unserer Zeit. Vorträge über den Wissensstand der Epoche Band 8. Im Auftrag des Einstein Forums hg. von Gary Smith. Frankfurt am Main (edition suhrkamp 2170). S. 74-102. [3] „I looked on clouds from both sides now, from up and down, but still somehow, it’s cloud’s illusions I recall, I really don’t know clouds at all!“ (Joni Mitchell). [4] Das psychische Dilemma, das aus dem Bewußt-Werden dieses Paradoxon hervorgeht, ist Antrieb des europäischen Entdeckers und Forschers, der damit der existentiellen Krise zu entgehen vermeint, die Eugene O’Neill in seinem Drama „Beyond The Horizon“ beklemmend darstellt. Interessant ist es, diesen typischen psychischen topos in Kontext zu setzen mit der Überwindung der ‚bergenden Geschlossenheit‘ der traditionalen, ruralen Feudalgesellschaft des europäischen Mittelalters. Parallelen sind aber in den Werken sich schon früher aus der ruralen Fesselung emanzipierender Angehöriger von Intelligenzschichten auch in anderen Kulturen auszumachen, vor allem auch im nahöstlichen Kulturkreis, wo, auch in der entsprechenden persönlichen Funktionalisierung der islamischen Pilgerfahrt zur Welterkundung, literarische Belege bei Ibn Khaldun, Omar Khayyam, Hâfez, Nîzâmi und anderen über den arabisch-persischen Sprachkreis hinaus rezipiert und verstanden worden sind. [5] Vgl dazu die Aufsätze in: Loch, Dietmar / Heitmeyer, Wilhelm, Hrsg., 2001: Schattenseiten der Globalisierung. Rechtsradikalismus, Rechtspopulismus und separatistischer Regionalismus in westlichen Demokratien. Kultur und Konflikt. edition suhrkamp 2093. Frankfurt (vgl. Rezension von B. Claußen in diesem Heft, S. 56). Ebenso: Rieger, Elmar / Leibfried, Stephan, 2001: Grundlagen der Globalisierung. Perspektiven des Wohlfahrtstaates. edition suhrkamp 2207. Frankfurt am Main. [6] Wie in Bosnien die Ethnifizierung politisch durchgesetzt wurde, schildert exemplarisch Smajlović, Ljiljana, 1995: Desintegration, Ethnisierung, Krieg: Der Fall Bosnien. In: Hatschikjan, Magarditsch A. / Weilemann, Peter R., Hrsg., 1995: Nationalismen im Umbruch. Ethnizität, Staat und Politik im neuen Osteuropa. Herausgegeben im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bereich Forschung und Beratung. Verlag Wissenschaft und Politik. Köln. S. 170-195. [7] Zitiert nach Neue Presse (Hannover), Nr. 281, Sonnabend, 1. Dezember 2001, Seite 4: Aus Angst ums Öl sehen USA Terror-Treiben zu. [8] KürÕat-Ahlers, Elçin, 1995: Die Brutalisierung von Gesellschaft und Kriegsführung im Osmanischen Reich während der Balkankriege (1903-1914). Brutalisierung der Gesellschaft und literarische Intelligenz. In: Gestrich, A., Hg., 1995: Gewalt im Krieg: Ausübung, Erfahrung und Verweigerung von Gewalt in Kriegen des 20. Jahrhunderts. Jahrbuch für Historische Friedensforschung 4. Münster 1995. S. 51-74. [9] Am Beispiel Spaniens und der neuen Nationalsprache, die aus dem Kastilischen entwickelt wird, hat dies Ivan Illich (1982: Vom Recht auf Gemeinheit. Reinbek bei Hamburg) deutlich herausgearbeitet. Reflexionen über die Bedeutung der Nationalsprachen im Prozeß des nation building und in der Herausbildung eines durch zentral-periphere Disparitäten gekennzeichneten Weltsystems (vgl. Immanuel Wallersteins theoretische Konzeption der ‚Weltsystemtheorie‘) finden sich im Werk von Rokkan, Stein, 2000: Staat, Nation und Demokratie in Europa. Die Theorie Stein Rokkans aus seinen gesammelten Werken rekonstruiert und eingeleitet von Peter Flora. Frankfurt am Main (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1473). Vgl. auch die rezensierenden Ausführungen im Vorwort von Voigt, Gerhard, Hrsg., 2001 (Vgl. Fußnote 1). [10] Daß zuvor überkommene sozialwissenschaftliche wie historisch-philosophische Paradigmen völlig neu hinterfragt werden müssen, hat Immanuel Wallerstein (1995) in seinem Buchtitel „Unthinking Social Sciences“ so provokant wie nachhaltig formuliert. [11] Claußen u.a., Hrsg., 2000 (Vgl. Fußnote 2, S. 14) und der Aufsatz von Claußen im Supplementheft zu dieser Ausgabe von »politik unterricht aktuell«. [12] Vgl. KOSIMO, 1998-1999, Heidelberg Institute for International Conflict Research HIIK e.V. (Tabelle der Kriege und Konflikte nach dem 2. Weltkrieg). [13] Vgl. Fußnote 9 [14] Voigt, Gerhard, 2001: Widerständigkeit als Gültigkeitsproblem der Politischen Bildung. Krisen und Konfliktfelder zwischen Universalisierungsanspruch und Nationfixierung. In: Claußen, Bernhard / Donner, Wolfgang / Voigt, Gerhard, Hrsg., 2001: Krise der Politik – Politische Bildung in der Krise? Diskussionsbeiträge aus der Arbeit der Akademie für Politik, Wirtschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit dem Verband der Politiklehrer. Demokratie und Aufklärung: Kritische Sozialwissenschaften und Politische Bildung im Diskurs – Materialien, Band 1. Galda + Wilch Verlag. Glienicke/Berlin / Cambridge/Massachusetts: 207-234. [15] Vgl. dazu u.a. die in diesem Aufsatz herangeogenen Titel von Kaldor (2000) oder Vargas Llosa (2000), die thematische Spannweite und Zielsetzung dieses Konzeptes markieren.
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1/2-2001 / S. 78-86 / Voigt:
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01.07.2003.
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