Weitere Informationen unter http://www.politiklehrerverband.org
eMail politiklehrerverband.voigt@web.de

Home
Nach oben
Publikationen
Punlikationsinhalte
Impressum
Schulpolitik
Verbandsinformation
Rechtsradikalismus
Polen
Polnische Nationalkultur
Dritte Welt
Staatsgesellschaft
pua 2004-1
pua 2003-2
pua 2003-1
Schulreform
pua 2002-2
pua 2002-1
pua 2000
pua 1999
pua 1998
pua 1997
pua 1-2/1996
pua 1995
pua 1/2-1994
pua 1993
pua 1992
pua 1988
File Map

Gerhard Voigt:

Rezension:
Globalisierung, Nationalismus und die neuen Kriege

Nur exemplarisch an drei sich an eine breitere politisch interessierte Öffentlichkeit wendende, es­sayistische Werke, die als Diskussionsstoff und Grundlegung im aktuellen Politikunterricht eine wichtige Rolle spielen könnten, sollen hier in einem eigenen argumentativen Kontext[1] vorgestellt und rezensiert werden – wobei auch weiterführende Bezüge nicht ausgespart bleiben sollen:

Vargas Llosa, Mario, 2000: Nationalismus als neue Bedrohung Edition Zweite Moderne, Hg. von Ulrich Beck. Frankfurt am Main (Suhrkamp Verlag). [Aufsätze von 1993, 1995, 1996, 1998, 1999].

Kaldor, Mary, 2000: Neue und alte Kriege. Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisie­rung. Edition Zweite Moderne, Hg. von Ulrich Beck. Frankfurt am Main (Suhrkamp Verlag). {New & Old Wars. Organized Violence in a Global Era, 1999).

Burke, Peter, 2000: Kultureller Austausch. Erbschaft unserer Zeit. Vorträge über den Wis­sens­stand der Epoche Band 8. Im Auf­trag des Einstein Forums hg. von Gary Smith.  Frank­furt am Main (edition suhrkamp 2170).[2]

„Camus und Orwell in Tschetschenien. In einem seiner Essays schreibt Orwell, man müsse nicht herausfinden, was vorgefallen sei, wenn Arbeiter einer Gruppe von Polizisten gegenüberstehen, um sich mit den Arbeitern solidarisch zu fühlen. Und in einer berühmten Erklärung erläutert Al­bert Ca­mus kurz und bündig, warum er in einer gerechten Sache wie der Unabhängigkeit Alge­ri­ens nicht Partei ergriff: ‚Weil ich mich bei der Wahl zwischen der Gerechtigkeit und meiner Mut­ter für meine Mutter entscheide!‘ (Sie war eine spanische Hausangestellte aus Oran.)“

So leitet Mario Vargas Llosa, Philosoph, Literat und aktiver oppositioneller Politiker in Peru, seinen Essay über den Tschetschenienkrieg (Vargas Llosa, 2000: 69) ein und spannt dabei einen literarischen Bogen über die Kontinente: ein historisch-philosophisches Bewußtsein, in Per­spekti­ven und Maßstäben nicht durch nationale Grenzen eingeschränkt, dennoch den geistigen, kontro­versen Diskursen Europas über Werte und Zugehörigkeiten exemplarisch verpflichtet – auch in ih­ren Wider­sprüchlichkeiten –, bezeichnend für die immer dringlicher werdende Entgren­zung der Realitätsdeu­tungen und die Suche nach Grenzen und Evidenzen, die quer zu den einge­fahrenen Kategorien und Alltagsrealitäten stehen.

Über Grenzen kann nur der sinnvoll sprechen, der sie von innen wie von außen kennt,[3] der weiß, daß die Evidenz des Unbegrenzten in der Existenz der Grenzen ebenso liegt, wie die Evi­denz der Grenze die Existenz des Unbegrenzten voraussetzt.[4]

Vargas Llosa steht für diese Zweideutigkeit der europäischen Kultur und Geschichte, die sich aus ihrem Verständnis der Grenzen heraus begreifen läßt: Aus dem Verfestigen der euro­päischen Grenzen zum Staat und gesellschaftlich zur Staatsgesellschaft mit ihrem Ausschließlich­keitsan­spruch entsteht eine Hegemonialvorstellung, die Europa durch den Kolonialismus und Im­perialis­mus zum politischen und kulturellen Oktroy ders eurozentrischen Weltbilder verkommen läßt.

Der Band versammelt Texte, die Mario Vargas Llosa zwischen 1993 und 1999 an verschie­de­nen Orten zu verschiedenen Gelegenheiten vorgelegt bzw. vorgetragen hat. Entsprechend viel­fältig sind die inhaltlichen Ansätze und Themen, die vom Erschrecken über den Bürgerkrieg in Bosnien („Mäuseträume“, 1993) bis zur Frage nach der „Französischen Identität“ (1995) reicht, als Rezension den „perfekten lateinamerikanischen Idioten“ (1995) vorstellt und, wie schon Ein­gangs zitiert, „Camus und Orwell in Tschetschenien“ (1995) aufsucht.

Immer aber ist eine kritische, humanistische und prononciert liberale Position seines Denkens erkennbar, in der die Vorstellung von ideologischem Denken bezeichnet wird als politische und gesellschaftliche Dummheit, die in verblendete Grausamkeit mündet, die Mario Vargas Llosa vor allem in kollektivistischen politischen Vorstellungen begründet sieht. Er spricht damit direkt das In­dividuum an, dessen Möglichkeit und Fähigkeit, sich selbst aus der Verstrickung aus ideologi­scher Borniertheit und politischer Dummheit zu befreien, für ihn außer Frage steht.

Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Zwangssystems in der von der UdSSR be­herrsch­ten Einflußsphäre sieht Mario Vargas Llosa in erster Linie im Nationalismus und im reli­giösen Fundamentalismus heutige existenzielle Bedrohungen für die Menschheit.

„Die Bekämpfung des Nationalismus, dieser hitzköpfigen und engstirnigen politischen Hal­tung, dieser Religion der Kleingeister und ungebildeten Leute, scheint mir am Ende unseres Jahrtau­sends ebenso große Priorität zu haben wie die ausnahmslose Verteidigung der fort­schreitenden Internationalisierung des Lebens, der schrittweisen Auflösung der Grenzen. Denn von diesem Kampf wird es in den kommenden Jahren abhängen, ob der Sieg, den die liberale Kultur mit dem Zusammenbruch des Kommunismus feiern konnte, sich bestätigt oder in Frage gestellt wird. Es ist eine Schlacht, die mit Ideen, Argumenten, politischen Aktionen, ökonomischen und kulturel­len Initiativen, also mit allen Waffen der Intelligenz und der Ver­nunft zu schlagen und zu ge­winnen ist. Doch wir dürfen nicht die Polizei zur Verstärkung rufen, damit sie unseren Argumen­ten mit Knüppelschlägen Nachdruck verleiht – wir müssen, in anderen Worten, bereit sein, uns geschlagen zu geben. Bomben und Knüppel verzerren nämlich ideologische Debatten immer und geben am Ende wie in Tschetschenien möglicher­weise denen recht, die es nicht haben, und be­rauben jene des Rechts und der Wahrheit, die im Recht waren. Das ist die weise geheime Lehre des allegorischen Bilds Orwells, auf die auch das Diktum Albert Camus’ zielt: Es gibt keine vertretbare politische Einstellung, keine Philo­sophie, keine Überzeugung, in deren Namen ich rechtfertigen müßte, daß man meine Mutter tötet“ (S. 75).

Zwei Momente scheinen mehrfach auf: Einmal die Erkenntnis, daß positiv motivierte ideologische Prämissen letztlich in gegenteilige Folgen umschlagen können, und, andererseits, daß Nationalis­mus und ethnischer Konflikt nicht zwangsläufiges Ergebnis der geschichtlichen Erfahrung, son­dern von und im Interesse der Herrschaft gemachter Ideologien sind:

„Müssen wir also annehmen, daß die Einwohner Bosniens, die über Generationen friedlich zu­sammenlebten und so vieles miteinander teilten, einfach gerissene Schwindler waren? Daß Kin­der, Eltern, Enkel und Urenkel, während sie Schulter an Schulter schufteten, Güter und Dienst­leistungen austauschten und sogar untereinander heirateten, nur so taten, als ob? Die einen wie die anderen Heuchler von Geburt, programmierte Verräter, warteten sie über Jahr­zehnte der vor­getäuschten Toleranz und Freundschaft auf den geeigneten Augenblick, einan­der Dolchstöße zu versetzen? – Ich vermute eher, daß Koexistenz und allmähliche Integra­tion eine Realität waren, die bewußt zerstört wurde, und zwar von verantwortungslosen Po­litikern, die wissen, daß in Übergangszeiten – und in Zeiten ideologischer Verwirrung – der kürzeste Weg zur Befriedigung ihres Machthungers der Nationalismus ist.

Es ist kein Zufall, daß Präsident Slobodan Milosevic, bis gestern noch ein verbohrter Kom­mu­nist, aus heiterem Himmel eine nationalistische Bekehrung erfuhr, um dann der Vorkämp­fer Großserbiens und der Hauptanstifter, ‑komplize und ‑waffenlieferant Radovan Karadzics, des »ethnischen« Führers der bosnischen Serben, zu werden. Die nationalistische oder ethni­sche Alibiideologie erlaubte vielen Machthabern der alten stalinistischen Regime – Ru­mänien ist ein jüngstes Beispiel –, an der Macht zu bleiben und ein neues politisches Leben zu begin­nen, ausge­rüstet mit einem Beglaubigungsschreiben, das – jedenfalls im Westen – jede Kritik dämpft, wenn nicht gar verstummen läht: Sie treten als Beschützer unterdrückter Minderhei­ten auf, die ihr Recht auf Unabhängigkeit einklagen. Was aber, wenn diese Ethnien in Auflö­sung begriffen oder eine bloße historische Tatsache ohne Aktualität sind? Dann werden sie wieder restauriert oder gar erst produziert – vorzugsweise durch den Krieg, diesen Brenn­stoff, der die Patriotismen er­zeugt und bis zur Weißglut schürt, rationale Erwägungen bei­seite schiebt und sie durch die Irra­tionalität der Leidenschaft ersetzt. Das ist die Geschichte vom Zusammenbruch Jugoslawiens und der Geburt der neuen »Nationen« auf dem Balkan.

Diejenigen, die es in den demokratischen Ländern eilig hatten, die Loslösung Sloweniens, Kroa­tiens und Bosniens zu bejubeln und für die frischgebackenen Staaten internationale An­erken­nung zu fordern, wurden von jenen guter Absichten geleitet, mit denen, wie das Sprichwort sagt, die Hölle gepflastert ist (S 8-9).

Die andere Dimension seiner Kritik, die „Entlarvung“ der „wohlmeinenden Ideologien“ über die globalen Opfer der Geschichte (wobei die lateinamerikanischen dependencia-Theoretiker einem gleichnamigen von ihm rezensierten Buches folgend im Zentrum seiner polemischen Kritik des „perfekten lateinamerikanischen Idioten“ stehen) ist gerade für Soziologen und Zivilisationstheo­re­ti­ker – die Mario Vargas Llosa unmittelbar anspricht – von einiger Brisanz, da der ethische Indi­vidua­lismus, den er postuliert, durchaus Auswirkungen auf die Urteilskontexte der Sozialwis­sen­schaften hat und mit ihnen tendenziell im Konflikt steht. Sicher ist seine scharfe Kritik an einem undistanzier­ten Kollektivismus oder eines wissenschaftlichen Kollektiv-Determinismus wichtig und nicht von der Hand zu weisen. Doch ist der Ansatz von Mario Vargas Llosa, indivi­duelle Verant­wortung in den Mittelpunkt zu stellen, letztlich ethisch und nicht sozialwissenschaft­lich fundiert.

Wie bei allen fundamentalen ethischen Fragen gibt es hier keine letztgültige Beweiskraft im Sinne einer wissenschaftlichen Deduktion. Im Kern werden hier Auseinandersetzungen aktuali­siert, die in anderen zeitgeschichtlichen Kontexten schon zu den Leitfragen sozialwissenschaftli­cher Theo­riebildung gehören. Mario Vargas Llosa arbeitet heraus, daß aus dem wissenschaftli­chen ein ethisch-politischer Widerspruch folgt. Das Theorem des fortschrittlichen politikwissen­schaftlichen „Kollektivismus“ basiert auf der Überzeugung einer gesamtgesellschaftlichen Ver­antwortung und Fundamentierung der individuellen Identität. Sehr bald folgt daraus die These von einer kollektiven Identität, die wissenschaftlich wie ethisch sehr fragwürdig und bestreitbar ist, aber letztlich die not­wendige Grundlage sowohl für nationalistische wie für geschlossene religiöse Gruppenüberzeugun­gen darstellt. Betreffen solche Konzepte die Legitimationsbemühungen der gesellschaftlich Etablierten und der Herrschenden, ist ihre Kritik und Abweisung Grundüberzeu­gung der political correctness. Anders sieht es bei der postulierten kollektiven Identität der Opfer und ihrer kollektiven Überzeu­gungen aus. Politisch wohlmeinende Konzepte halten das in diesem Falle für wissenschaftlich legitim, was in einer grundsätzlicheren Ebene als inadäquat abgewiesen wird. Dieser Widerspruch, political correctness zur Richtlinie der Realitätsdefinition zu machen, ist Kern der Kritik in den Aufsätzen von Mario Vargas Llosa.

Den Traditionen und Selbstverständnissen der Unterlegen wird in den kollektivistischen politi­schen Realitätssichten ein höherer selbstbezüglicher Wert zugesprochen. Die Konsequenz ist damit die (Neu‑)Konzeption von Ethnien, Völkern und Nationalitäten, die letztlich in ihrer Aus­differen­zie­rung kein Ende, in der Geschichte aber auch keine Legitimation finden (am Beispiel Bosniens und des Kossovo dargestellt z.B. auf S. 7-9 oder 118 ff, und passim).

Es wäre hier zu fragen, wie sich ein vor allem in den Industrieländern selbst geführter „Kampf für die bedrohten Völker“, der mehr sein will, als das Eintreten für international akzep­tierte Men­schenrechte und ethische Normen, sondern „alte Kulturen“ museal erhalten will, davon befreien kann, wiederum Menschen kollektiv einer wohlmeinenden Fremdbestimmung zu unter­werfen, in­dem in­dividuelle Emanzipations- und Modernisierungshoffnungen anathematisiert und unterdrückt werden im Namen einer kulturellen Wertvorstellung, die eher Erfindung von Ethno­graphen denn persistente Entität ist.

Die „heile Welt der Ethnien“ und Kulturen ist alles andere als die erhoffte Abwendung vom Eu­rozentrismus; sie ist nur eine neue und gefährliche Façette machtstärkeren Hochmuts, der sich mit einer moralischen Legitimität der „Uneigennützigkeit“ umgibt. Lateinamerikanischen Theoreti­kern der Dependenz wirf Mario Vargas Llosa „Idiotie“ vor:

„Diese künstliche, mutwillige und ausgesuchte Dummheit nimmt man aus intellektueller Träg­heit, ethischer Müdigkeit und einem Mangel an Zivilcourage bewußt an. Sie ist ideolo­gisch und politisch, vor allem aber frivol, denn sie zeugt von der Verweigerung, sich des eige­nen Verstan­des zu bedienen, die Worte mit den Tatsachen abzugleichen, die sie vorgeb­lich beschreiben, die Rhetorik zu zerpflücken, die sich als Denken ausgibt. Sie ist die Schein­hei­ligkeit der herrschen­den Mode, das ewige Mit-dem-Strom-Schwimmen, der Kult des Ste­reo­typs und der Floskeln. Keiner ist davor gefeit, in seinem Leben einmal dieser Art von Dumm­heit auf den Leim zu ge­hen“ (S. 63).

An dieser Stelle kann der grundsätzliche Diskurs über den ethischen Liberalismus von Mario Vargas Llosa nicht in der notwendigen Breite fortgeführt werden. Das Werk „Nationalismus als Bedrohung“ ist auch und gerade durch seine aktuellen Bezüge, die immer wieder die nationalisti­schen und parti­kularistischen Entwicklungen im ehemaligen Jugoslawien aufgreifen, aber auch durch die façettenrei­che grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Nationalismus und seiner ethnizistischen Begrün­dung, ein notwendiges und lesenswertes Buch, das für die Fundierung eines kritisch-distanzierten Politikunterricht wichtige Impulse setzen kann.

Die Grenzen des Ansatzes von Mario Vargas Llosa werden jedoch auch deutlich, vor allem im letzten Aufsatz des Bandes „Der Liberalismus am Übergang des zweiten in das dritte Jahrtau­send“ (1998, S. 132 ff.), der zunächst die Kritik am „Neoliberalismus“ polemisch zurückweist und vor allem semantisch diesen Begriff selbst als unsinnig charakterisiert, da es nur einen „Liberalis­mus“ ge­ben könne, der politische, bürgerliche und ökonomische Freiheiten gleicherma­ßen umfaßt und umfas­sen muß. In seiner „Kritik der Kritiker“ baut Mario Vargas Llosa jedoch einen undiffe­renzierten Popanz auf. Kritiker des uneingeschränkten Marktes und der gesellschaftli­chen und ökonomischen Universalisierungs- und Globalisierungsprozesse argumentieren längst nicht so un­differenziert und „kollektivistisch“ (oder meint Mario Vargas Llosa hier „sozialistisch“?), wie es in dem Buch immer wieder unterstellt wird. Mario Vargas Llosa sieht den Liberalismus als Gra­rant gegen undemokrati­sche und unlegitimierte Herrschaft – was seiner latein­amerikanischen Er­fahrung mit Diktaturen jegli­cher Coleur entspricht –, er übersieht aber, daß Wirtschaftsliberalis­mus ohne gesellschaftliche Kon­trolle ebenso unlegitimierte Herrschaft hervor­rufen und begrün­den kann, daß also ein ungezügelt liberalistischer Kapitalismus ebenso „kollektivistische“ Herr­schaftssysteme oder Diktaturen hervor­ruft. Auch für liberale Demokraten – auch unter Wirt­schaftswissenschaftlern – ist distanzierte und rationale Kritik am sich globalisie­renden Kapitalis­mus und seinen Institutionen (WTO) und politi­schen Trägern (vor allem den USA) heute nicht mehr ungewöhnlich oder systemfremd.[5]

Diese Überlegungen verlangen nach einigen grundsätzlichen Erörterungen, die letztlich über den Rahmen einer Rezension hinausgehen und daher hier nur andeutungsweise skizziert werden kön­nen. Sie beziehen sich auf aktuelle Ausführungen vor allem bei Mary Kaldor (2000). Dieses schmale Werk aus der Reihe „Edition Zweite Moderne“ gehört zu dem Wichtigsten, was der Re­zensent als Politiklehrer in der letzten Zeit gelesen hat. Mary Kaldor hat praktische Arbeit im Rahmen der NGOs in Bosnien und in anderen Krisenregionen geleistet und dabei nicht nur die humanitären Katastrophen und Aufgaben kennen gelernt sondern wesentliche sozialwissenschaft­lich reflektierte Erkenntnisse über Stukturen, Ursachen und Folgen von sogenannten „Bür­ger­krie­gen“ erarbeiten können.

Sehr wichtig ist die Einsicht, daß es sich eben nicht um Kriege der „Bürger“ gegeneinander han­delt, sondern um interessengeleitete Herrschaftskonflikte kleiner, unlegitimierter Machteliten, wie es am Beispiel von Milošević auch Mario Vargas Llosa (S. 7 ff.) ausgeführt hat.[6] „Bür­ger­krie­ge“ sind ebenso wie die „alten Kriege“ der Staaten gemachte und grewollte Kriege. Sie sind „Neue Kriege“ im Sinne von Mary Kaldor, weil sie sich dem formalisierten nationalstaatlichen Kriegsverständnis als Fortsetzung nationaler Politik mit anderen Mitteln entziehen und sich auf die Interessendurchset­zung von Gruppen beziehen, die im modernen Nationalstaatensystem nicht als legitime staatliche Vertretungen angesehen und anerkannt werden.

Im zivilisationstheoretischen Kontext nach Norbert Elias handelt es sich aber gleichermaßen um in sich abgeschlossene bzw. sich abschließende „Überlebenseinheiten“, deren „Überleben“ vom eigenen Machterhalt abhängt, und die sich durch die Konstruktion von Ethnien in ihrer sozia­len Basis verbreitern, was ihre Kampf- und Überlebensfähigkeit vergrößert und sichert. Nicht zu vergessen ist dabei aber auch, wie es Mary Kaldor herausarbeitet, daß nicht nur die eigenen Herr­schafts- und Gruppeninteressen diese Bürgerkriege ermöglichen und begründen, sondern daß sie eingebunden sind in Netze globalisierter ökonomischer Interessen. An den aktuellen „Bal­kan­krie­gen“ verdienen interne Gruppen, internationale Waffenliferanten, indirekt auch die europäi­schen Staaten und irregu­läre ökonomische Netze, die in der Öffentlichkeit als mafiös wahrge­nommen werden, in Wirklichkeit aber eng verknüpft sind mit der legalen Ökonomie und ihr zu­sätzliche Gewinne einbringen.

Daß diese Verknüpfung von „legalen (d.h. nationalstaatlichen und weltwirtschaftlichen) In­ter­­es­sen“ mit „kriminellen“ Machtgruppen auch für den „Terrorismus“ gilt, haben Jean-Charles Bris­ard und Guillaume Dasquié in einem kürzlich in Frankreich erschienenen Buch über Osama bin Laden. „Osama bin Laden ist kein ‚von Fanatismus verblendeter Terroristenchef‘. Vielmehr das gera­dezu unvermeidliche Ergebnis jahrzehntelanger Politik seines Heimatlandes Saudi-Arabi­en.“[7] Die Eskalation des Terrors im Herbst 2001 setzen die Autoren mit dem Amtsantritt von Ge­orge W. Bush in den USA in Verbindung, der offensichtlich als Interessenrepräsentant texanischer Erdölproduzenten auf Distanz zu den nahöstlichen Erdölliferanten und damit auch Saudi Arabien gehen kann. Eine Folge ist, daß das Terrorismus-Verdikt der USA, das lange Jahre die Gruppe um Bin Laden ausge­spart hatte, nun auch ihn traf und ihn öffentlich zum Staatsfeind Nr. 1 der Ver­einigten Staaten mach­te. Die lange und geheimgehaltene Vorgeschichte wird von den beiden fran­zösischen Autoren in aller Breite dargestellt und belegt die These, daß der „Kampf gegen den Ter­rorismus“ nicht in erster Linie ethisch-moralisch motiviert ist, sondern einer ökonomischen Interes­sen-Neubestimmung folgt.

In diesem Kontext wird verständlich, warum Mary Kaldor „Alte Kriege“ den „Neuen Krie­gen“ gegenüberstellen kann: Wegen der neuartigen Verknüpfung vor-staatsgesellschaftlicher, auf sich selbst ethnifizierenden Machtklientelen basierenden lokalen Herrschaftsgruppen und interna­tionalen ökonomischen Interessennetzen, in die letztlich auch die Nationalstaaten selbst eingebun­den sind. Es ist daher notwendig, Erklärungsansätze für die heutige Weltlage zu finden, die Staats­gesellschaft und Nationalstaatlichkeit in Kontext setzen zu den spezifischen Bedingungen der Herr­schaft in den Semi­peripherien, zu denen die Türkei immer noch ebenso gehört wie die jugoslawi­schen Nachfolgestaa­ten.

Notwendig sind für die Herrschaftsdurchsetzung in den Semiperipherien vor allem durchge­setzte Realitätsdefinitionen, die – wie der Nationalismus für das nation building der Nationalstaa­ten in der europäischen Neuzeit – ethnische Zugehörigkeits- (Integrations‑)Ideo­lo­gien postulie­ren. Dies geschieht durch die bewußte Konstruktion von Feindbildern, Erschließung von Aggressi­onspotentia­len und einer allgemeinen gesellschaftlichen Brutalisierung. Am historischen Beispiel der Balkan­kriege des Osmanischen Reiches an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat dies Elçin Kürşat-Ahlers[8] exemplarisch herausgearbeitet und historisch-soziologisch mit dem nation building der Tür­kei, d.h. der „Erfindung des Türken“ durch die militärische Herrschaft verknüpft und dabei vor allem die Rolle der Intellektuellen, hier vor allem der Schriftsteller, her­ausgearbeitet. Wie kommt es aber, daß Intellektuelle, deren Sichtweise über die Grenzen hinaus gehen könnte und deren existen­zielle Interessen letztlich keinem nationalistischen Eingrenzugsver­such zu unter­werfen sind, sich im Prozeß der Nationalstaatenbildung in der Neuzeit zum Interes­senwalter eines aggressiven, auf Stereo­typen rekurrierenden Nationalismus und Etatismus ma­chen? Welche diver­genten Begriffe von Mo­dernisierung stehen hinter diesen Konzepten der In­tellektualisierung einer Gesellschaft? Hier ver­sucht Peter Burke eine Antwort zu finden.

Mit der Entwicklung des europäischen Systems der Staatsgesellschaften entwickelt die damit ver­bundene europäische Intellektualisierung einer neuen, Grenzen negierenden – wenn auch auf den europäischen Raum beschränkten – ‚Gelehrtenrepublik‘, deren Entstehung und Konzept Peter Burke (2000: 74-101) in seinem Essay „Erasmus und die Gelehrtenrepublik“ nachgeht.

Voraussetzung dieser frühen paneuropäischen intellektuellen Diskurse war zunächst die Exi­stenz einer lingua franca, des Lateinischen. Daß diese Gelehrtenrepublik ‚elitär‘ war, ist unbestreit­bar; Elite bedeutet hier intellektuelle Avantgarde. Doch sie war Voraussetzung dafür, daß in Euro­pa in der Neuzeit an die Stelle des kulturellen Bandes des Christentums eine säkulare Zivilisation treten konn­te, die Voraussetzung war für das, was wir mit der Entwicklung der Na­tionalstaatsidee verbinden und als ‚europäische Modernisierung‘ in all ihren Auswirkungen be­zeichnen.

Es ist kein Zufall, wenn Norbert Elias die Belege für seine Zivilisationstheorie ebenfalls im­mer wieder bei Erasmus findet.

Wieder diese Zwiespältigkeit der europäischen Geschichte: Die Entwicklung der euro­päischen Zivilisation fundiert die nationalstaatliche Begrenzung, Verengung und die Hypertro­phien des ag­gressiven Nationalismus, die der ‚Gelehrtenrepublik‘ zunächst die Freiheit des Den­kens über die Begrenzungen der Herrschaftsbereiche hinweg nimmt, indem sie nationale Staats­raison einfordert, und schließlich auch die lingua franca als Medium des intellektuellen Austauschs nimmt, indem Na­tionalsprachen zum Medium nationalgesellschaftlicher Homogenisie­rung gemacht werden.[9]

Wie so oft in der Geschichte, zerstören die Folgen einer Modernisierung die gesellschaftliche Basis, die diese Modernisierung erst möglich machten. Daher ist begriffliche und historische Skepsis gegenüber der Kategorie der ‚Modernisierung‘ selbst angebracht. Die Herausbildung des National­staates war in dieser europäischen Entwicklung ein folgerichtiger Schritt. Doch die Vor­stellungen der ‚Gelehrtenrepublik‘ wurden nur noch als intellektuelle Gegen- und Unterströmung  der oppositionel­len Denker und Literaten tradiert: einer ‚Republik‘, die sich im antiken Sinne der res publica, der allgemeinen Sache, d.h. dem Gemeinwohl der Stadtbürger verpflichtet sah, das sich weder durch feudale Herrschaftsloyalitäten noch durch nationale Staatsraison eingrenzen läßt.

Bedeutsam für die zivilisatorische Entwicklung Europas ist es seither, daß die gedachte ‚Ge­lehrtenrepublik‘ eine europäische Option geblieben ist, daß oppositionelles Denken und Wi­der­ständigkeit gegenüber Herrschaftsanmaßungen seither zur geistigen Tradition Europas gehören und als Handlungsmotivation gerade in Hinblick auf den neuzeitlichen Kampf um Bürger- und Men­schenrechte, um Herrschaftslegitimation und -begrenzung, um Machtkontrolle und Gerechtig­keitspo­stulat Teil der Politischen Kultur sind. Es gibt neben dem grausamen, kriegeri­schen und eu­rozentri­schen Europa, das weltweit immer wieder Beklemmungen und Ängste evo­ziert, immer auch das andere Europa, das sich auf die Aufklärung der ‚Gelehrtenrepublik‘ zu­rückführen läßt und dessen Werte und politischen Perspektiven lebendige Handlungsoptionen bleiben müssen.

In diesem Kontext kann im 19. Jahrhundert auch Karl Marx als später Vertreter der europäi­schen ‚Gelehrtenrepublik‘ verstanden werden, dessen Gesellschaftsanalyse der Aufklärung und dem Säkularismus verpflichtet war und dessen kommunistische Utopie einer gerechten klassenlo­sen Ge­sellschaft ein Gegenentwurf zur nationalstaatlich verengten Staatsgesellschaft war. In die­sem Sinne kann seine Perspektive vom Absterben des Staates und vom Internationalismus des Kommunismus als provokant aktuell gedeutet werden, wenn wir heute die Entwicklungsgrenzen des Nationalstaates erkennen und vor der Aufgabe einer inhaltlichen Gestaltung der Globalisie­rung stehen. Diese wird wahrgenommen als ‚Entgrenzung‘ der Nationalstaaten, was ihre Validität als Ordnungsmuster gesell­schaftlicher und politischer Realität sinken läßt. Dabei darf nicht über­sehen werden, daß in den Peri­pherien der jetzigen wie einer zukünftig nach Osten und Südosten hin er­weiterten Europäischen Union die verstärkte und zum Teil auch primäre Durchsetzung staatsge­sellschaftlicher Prinzipien – Gewaltmonopl des Staates, Steuermonopol, Rechtseinheit etc. – nach wie vor ultima ratio ist. Alle diese Offenheit haben spätere Marxisten ignoriert und z.T. pervertiert. Die Tradition, die Rosa Lu­xemburg noch hätte weiter führen können, wurde mit ihrer Ermordung durch den politi­schen Gegner endgültig anathematisiert. Nationalstaatlichkeit, territo­rial begrenzte Herrschaft und Weltrevolution legten sich als globaler Herrschaftsanspruch und Machtoktroy über die kommuni­stische Utopie. Damit hat letztlich der politische und intellektuelle Gegner des Marxismus in der kommunistischen Bewegung selbst gesiegt, so daß Zusammenbruch und Ende eines hohlen Machtapparates letztlich nur noch eine Frage der Zeit war. Das bedeutet aber auch eine Chance, sich auf Karl Marx neu zu besin­nen und seine Modernität zu begreifen und neu zu denken.[10]

Kritische didaktische Überlegungen müssen zu allererst begreifen, daß  das europäische Poli­tik- und Staatsverständnis des 20. Jahrhunderts an das Ende einer ebenso sinn- wie verhängnisvol­len Entwicklung gelangt ist und daß diese Krise der Politik fokussiert wird in einer fundamentalen Krise der Politischen Bildung.[11]

Die Krise der Politik ist äußerlich evident, betrachtet man die Vielzahl der Kriege[12] auch noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie müssen in ihrer inhaltlichen und strukturellen In­terpreta­tion zu einem neuen und differenzierteren Verständnis der fundamentalen Transformati­onsprozesse der Gegenwart führen, indem das Augenmerk z.B. auf die internationalisierten Kon­texte auch schein­bar lokaler Konflikte (Kambodja, Ruanda, Kongo, Bosnien oder Kosovo) ge­lenkt wird, wie es z.B. Mary Kaldor in ihrer These von den „Neuen Kriegen“ tut, oder wie es in ein umfassenderes Globali­sierungsverständnis eingebunden werden muß, wie es von Stein Rokkan[13] angeregt wird.

Der didaktische Paradigmenwechsel muß sich aus der staatsaffirmativen Einbindung lösen, ja zur Widerständigkeit gegenüber gesellschaftlicher Opportunität hinführen.[14] Das bedeutet einer­seits ein neues, diskursiv fundiertes Selbstverständnis, das sich ebenso auf Habermas wie auf Foucault berufen wird, als auch die Rezeption gesellschaftswissen­schaftlicher Traditionen, die den staatsgesell­schaftlichen Homogenisierungsanspruch in historischer Distanz analysieren und damit relativieren, die sich als selbst aus ihren staatsaffirmativen Fesseln zu lösen verstehen und dem Blick auf das ‚andere Europa‘, von dem schon die Rede war, ver­pflichtet sind.

Dies wäre der Ansatz einer „Zweiten Moderne“, wie es Ulrich Beck im Titel einer von ihm her­ausgegebenen sozialwissenschaftlichen Buchreihe formuliert hat.[15] Ein notwendiger und ak­tuel­ler Ansatz, der dem gesellschaftlichen ‚mainstream‘ durchaus entgegenzustellen ist und der in sei­ner didaktischen Umsetzung auf älteren reformpädagogischen Fundierungen aufbaut und sich nicht den oberflächlichen Effizienzideologemen der heutigen Bildungspolitik unterordnet.

Letzlich geht es darum, der durch Implikationen wie ‚Ersatzmachtkämpfe in den ›weichen‹ poli­tischen Bereichen‘ wie diversen z.T. irrationalen gesellschaftlichen Spannungsbeziehungen ge­prägten Bildungspolitik und dem oberflächlich-akzeptierenden Umgang mit den gesellschaftlichen Transfor­mations- und Globalisierungsprozessen die Orientierung an den Potentialen einer neuen, virtuellen ‚Gelehrtenrepublik‘ gegenüberzustellen, die sich bewußt an der gegenwärtigen res publi­ca zu messen bereit ist und einem sozial-elitären Anspruch heute widerspricht, da die Kom­muni­kationstechnolo­gien, die Internationale von Technik und Wirtschaft einen Bildungsanspruch mit viel weiterer sozia­len und regionalen Reichweite ermöglichen.

Gerhard Voigt


 

[1]    Der argumentative Rahmen folgt einigen Ausführungen des Verfassers im Aufsatz von Nettelmann, Lo­thar / Voigt, Gerhard / Plavišić, Vesna / Holm, Helena, 1999: Zur Bestimmung des Be­griffes einer »Staats­­ge­sellschaft«. Eine Einführung. In: Voigt, Gerhard, Hrsg., 2001: „Staatsgesellschaft“. Histo­risch-sozialwissenschaftliche Beiträge zur Diskussion von Entwick­lungen, Problemen und Perspekti­ven. Forum Politologie und Soziologie (Hrsg. Bernhard Claußen) Band 9.  Galda + Wilch Verlag. Glienicke/Berlin / Cam­bridg­e/Massachusetts: Einführung.

[2]    Darin vor allem: Burke, Peter, 2000: Erasmus und die Gelehrtenrepublik. In: Kultureller Austausch. Erb­schaft unserer Zeit. Vorträge über den Wis­sensstand der Epoche Band 8. Im Auftrag des Einstein Forums hg. von Gary Smith. Frankfurt am Main (edition suhr­kamp 2170). S. 74-102.

[3]    „I looked on clouds from both sides now, from up and down, but still somehow, it’s cloud’s illusions I recall, I really don’t know clouds at all!“ (Joni Mitchell).

[4]    Das psychische Dilemma, das aus dem Bewußt-Werden dieses Paradoxon hervorgeht, ist Antrieb des europäischen Entdeckers und Forschers, der damit der existentiellen Krise zu entgehen vermeint, die Eugene O’Neill in seinem Drama „Beyond The Horizon“ beklemmend darstellt. Interessant ist es, die­sen typischen psychischen topos in Kontext zu setzen mit der Überwindung der ‚bergenden Ge­schlos­senheit‘ der traditionalen, ruralen Feudalgesellschaft des europäischen Mittelalters. Parallelen sind aber in den Werken sich schon früher aus der ruralen Fesselung emanzipierender Angehöriger von In­telli­genzschichten auch in anderen Kulturen auszumachen, vor allem auch im nahöstlichen Kultur­kreis, wo, auch in der entsprechenden persönlichen Funktionalisierung der islamischen Pilger­fahrt zur Welterkun­dung, literarische Belege bei Ibn Khaldun, Omar Khayyam, Hâfez, Nîzâmi und anderen über den ara­bisch-persischen Sprachkreis hinaus rezipiert und verstanden worden sind.

[5]    Vgl dazu die Aufsätze in: Loch, Dietmar / Heitmeyer, Wilhelm, Hrsg., 2001: Schattenseiten der Glo­bali­sierung. Rechtsradika­lismus, Rechtspopulismus und separatistischer Regionalismus in westlichen Demokratien. Kultur und Konflikt. edition suhrkamp 2093. Frankfurt (vgl. Rezension von B. Clau­ßen in diesem Heft, S. 56). Ebenso: Rieger, Elmar / Leibfried, Stephan, 2001: Grundlagen der Glo­balisie­rung. Perspektiven des Wohlfahrtstaates. edition suhrkamp 2207. Frankfurt am Main.

[6]    Wie in Bosnien die Ethnifizierung politisch durchgesetzt wurde, schildert exemplarisch Smajlović, Ljil­jana, 1995: Desintegration, Ethnisierung, Krieg: Der Fall Bosnien. In: Hatschikjan, Ma­garditsch A. / Weilemann, Peter R., Hrsg., 1995: Nationalismen im Umbruch. Ethnizität, Staat und Po­litik im neuen Osteuropa. Herausgegeben im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bereich Forschung und Bera­tung. Verlag Wissenschaft und Politik. Köln. S. 170-195.

[7]    Zitiert nach Neue Presse (Hannover), Nr. 281, Sonnabend, 1. Dezember 2001, Seite 4: Aus Angst ums Öl sehen USA Terror-Treiben zu.

[8]    KürÕat-Ahlers, Elçin, 1995: Die Brutalisierung von Gesellschaft und Kriegsführung im Osmanischen Reich während der Balkankriege (1903-1914). Brutalisierung der Gesellschaft und literarische Intel­li­genz. In: Ge­strich, A., Hg., 1995: Gewalt im Krieg: Ausübung, Erfahrung und Verweigerung von Ge­walt in Kriegen des 20. Jahrhunderts. Jahrbuch für Historische Friedensforschung 4. Münster 1995. S. 51-74.

[9]    Am Beispiel Spaniens und der neuen Nationalsprache, die aus dem Kastilischen entwickelt wird, hat dies Ivan Illich (1982: Vom Recht auf Gemeinheit. Reinbek bei Hamburg) deutlich herausgearbeitet. Reflexionen über die Bedeutung der Nationalsprachen im Prozeß des nation building und in der Her­ausbildung eines durch zentral-periphere Disparitäten gekennzeichneten Weltsystems (vgl. Immanuel Wallersteins theoretische Konzeption der ‚Weltsystemtheorie‘) finden sich im Werk von Rokkan, Stein, 2000: Staat, Nation und Demokratie in Europa. Die Theorie Stein Rokkans aus seinen gesam­melten Werken re­kon­struiert und eingeleitet von Peter Flora. Frankfurt am Main (suhrkamp taschen­buch wis­senschaft 1473). Vgl. auch die rezensierenden Ausführungen im Vorwort von Voigt, Ger­hard, Hrsg., 2001 (Vgl. Fußnote 1).

[10]   Daß zuvor überkommene sozialwissenschaftliche wie historisch-philosophische Paradigmen völlig neu hinterfragt werden müssen, hat Immanuel Wallerstein (1995) in seinem Buchtitel „Unthinking Social Sciences“ so provokant wie nachhaltig formuliert.

[11]   Claußen u.a., Hrsg., 2000 (Vgl. Fußnote 2, S. 14) und der Aufsatz von Claußen im Supplementheft zu dieser Ausgabe von »politik unterricht aktuell«.

[12]   Vgl. KOSIMO, 1998-1999, Heidelberg Institute for International Conflict Research HIIK e.V. (Tabelle der Kriege und Konflikte nach dem 2. Weltkrieg).

[13]   Vgl. Fußnote 9

[14]   Voigt, Gerhard, 2001: Widerständigkeit als Gültigkeitsproblem der Politischen Bildung. Krisen und Kon­fliktfelder zwischen Universalisierungsanspruch und Nationfixierung. In: Claußen, Bernhard / Donner, Wolfgang / Voigt, Gerhard, Hrsg., 2001: Krise der Politik – Politi­sche Bildung in der Kri­se? Diskussionsbeiträge aus der Arbeit der Akademie für Politik, Wirt­schaft und Kultur in Meck­len­burg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit dem Verband der Po­litiklehrer. Demokratie und Aufklä­rung: Kri­tische Sozialwissenschaften und Politische Bildung im Diskurs – Materialien, Band 1. Galda + Wilch Verlag. Glienicke/Berlin / Cam­bridge/Massachusetts: 207-234.

[15]   Vgl. dazu u.a. die in diesem Aufsatz herangeogenen Titel von Kaldor (2000) oder Vargas Llosa (2000), die thematische Spannweite und Zielsetzung dieses Konzeptes markieren.

 

top


Impressum für diese Seite:

 

 Druckausgabe in:

pua 1-2/01

 

politik unterricht aktuell
Verändern und Verbinden. Hannover, 2001. 132 S., A 5, kart.

 

[ISBN 3-9807714-2-3]  14,00 EURO

 

Zur Textgestalt und der Behandlung von Links vgl. Impressum 
Verantwortlich für diese Seite: Gerhard Voigt, OStR, Vorsitzender des Verbandes der Politiklehrer e.V., D 30880 Laatzen, Pettenkoferstr. 13
politiklehrerverband.voigt@web.de

politik unterricht aktuell 1/2-2001 / S. 78-86 / Voigt: Rezensionen:
Globalisierung, Nationalismus und die neuen Kriege
. / Text.  01.06.02 Version 2, P1-1RZ1X.DOC / Netzpublikation 01.07.03 / P101-RV1.htm.

Internetpublikation 01.07.2003.
Kontakt über: 
<politiklehrerverband.voigt@web.de> und
<bismarckschule.voigt@gmx.de>.
Vgl. das Impressum dieser Homepage.

 

Bestellzettel im WORD-Format

 

[Zurück] [Home] [Nach oben] [Weiter]
Web-Fassung: 10.08.2004 - Verantwortlich: Gerhard Voigt <politiklehrerverband.voigt@web.de>