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politik unterricht aktuell: Heft 2001 S. 133

"Verändern und Verbinden"


Dr. Dariusz Adamczyk

Annotation:
„KARTA“ - eine polnische Zeitschrift zur Geschichte Ost- und Ostmitteleuro­pas im 20. Jahrhundert

Dokument Information

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Zum ersten Mal ist in Deutschland die Zeitschrift „KARTA“ erschienen. „KARTA“, deren Name an die Charta der Menschen- und Bürgerrechte anknüpfte, wurde während des Kriegsrechts 1982 als ei­ne Untergrundzeitschrift herausgegeben. Ihr Ziel bestand darin, die aktuellen politischen Er­eignisse in Polen in einer Perspektive darzustellen, die sich von der der herrschenden Parteielite abhob. Sie druckte in erster Linie persönliche Aufzeichnungen sowie Photographien ab. Mittler­weile hat „KARTA“ 1450 persönliche Berichte, 3400 Memoiren und Tagebücher, 4200 illegale Bücher und Broschüren sowie etwa 40 000 Photographien aus Polen, Russland, der Ukraine und dem Baltikum gesammelt.

„KARTA“ ist eine Zeitschrift, in deren Mittelpunkt neben der Dokumentierung und Aufzeich­nung der Vergangenheit vor allem „die nahe Geschichte“ steht, also die „Erzählung“ der Vergangen­heit vom individuellen Standpunkt. Die Autoren heben überall hervor, dass in der Zeit­schrift „die Geschichte selbst das Wort hat – und in viel geringerem Grade ihre Erforscher.“ Nichtsdestotrotz sind fast alle Beiträge mit einem knappen Kommentar versehen, der die Ereig­nisse historisch einzuordnen hilft. Außerdem zeigt die Zeitschrift den Verlauf bedeutender histori­scher Ereignisse aus persönlicher Sicht nicht nur im Wort, sondern auch im Bild – jedes Heft ent­hält durchschnittlich etwa hundert Archivphotos.

Die deutschsprachige „KARTA“, die alle sechs Monate in Buchform erscheint, setzt sich mit  vielen kontroversen Themen der Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinander. Hierbei lassen sich die Themen der ersten zwei Bänder drei inhaltlichen Schwerpunkten zuordnen. Insgesamt über­wiegt die polnisch-russische Thematik, was angesichts des bis 1989 staatlich verordneten Schwei­gens hinsicht­lich der polnisch-sowjetischen Beziehungen (sie in erster Linie bildeten bis 1989 den Großteil der „weißen Flecken“, also der verbotenen Themen aus der Vergangenheit Polens) nach­vollziehbar er­scheint. So werden z.B. persönliche Schicksale polnischer Bürger in der Sowjet­union nach 1939 dargestellt und einzige, in den 30er Jahren aufgenommene Photos, die die Zwangsarbeit der Vertreter ostmitteleuropäischer Nationen beim Bau des Weißmeerkanals zeigen, präsentiert. Der zweite Band enthält neben einem Bericht über Russland 1905 und einer Schilde­rung der Verbannung einer Polin 1940-1946 nach Kasachstan auch Dokumente über die Säube­rung Lembergs nach dem Einmarsch der Roten Arme 1939. Diese Akten sind im Verein mit der persönlichen Geschichte von Micha Sob­ków im ersten Band ein eindrucksvolles Zeugnis der Wandlung Ostgaliziens und auch Ostmitteleuro­pas von einer „multikulturellen Gesellschaft bis zur von Hass geprägten Nachkriegsordnung“.

Einen zweiten Schwerpunkt der Zeitschrift „KARTA“ stellen Erzählungen dar, die sich auf die einzelnen Aspekte der polnischen Geschichte nach 1944 beziehen. Dazu gehören im ersten Band u.a. ein Bericht über die Überwachung am 1. Mai im stalinistischen Polen sowie die Reakti­onen von Prominenten (u.a. W. Bartoszewski, W. Frasyniuk, J. J. Szczepaski, T. omnicki), aber auch „einfachen“ Bürgern auf das Kriegsrecht 1981. Im zweiten Band wird die Problematik des Kriegszu­stands fortgesetzt, nämlich in Berichten über Alexander Janyschew, der im Herbst 1981 aus einer in Polen stationierten Einheit der Roten Armee desertierte. Ihnen folgt ein kurzes Ge­spräch mit ihm. Im zweiten Band ist zudem auf eine persönliche Geschichte von Ludwika Zacha­riasiewicz, einer Solda­tin der Heimatarmee, hinzuweisen.

Genauso dramatisch und komplex wie die polnisch-russischen/sowjetischen Beziehungen war die deutsch-polnische Geschichte im 20. Jahrhundert. Sie findet ihren Niederschlag in einem inter­es­santen Bericht über die polnischen und deutschen Soldaten der Wehrmacht sowie in den per­sönlichen Erinnerungen von Franz Brachmann über seine Verfolgungen, u.a. in einem Internie­rungslager in witochowice (Schwientochlowitz), im Nachkriegspolen. Das ist auch bislang der einzige Bericht in den zwei publizierten Bändern, in dem die Polen nicht als Opfer, sondern als Täter geschildert wer­den.

Außerdem ist das polnisch-jüdische und polnisch-ukrainische Verhältnis nicht frei von Mythen und oftmals schmerzhaften Erinnerungen, in denen die Polen sich nicht nur in einer Opfer­rolle finden werden. Dies zeigt deutlich die Debatte um den Anteil der „ganz normalen“ Polen an der Ermordung von Juden in Jedwabne und anderen Orten. Vor diesem Hintergrund kommt auf die „KARTA“ noch viel Arbeit zu. Sie wird sich auch an der Aufgabe messen lassen müssen, in­wieweit sie ihrem selbst gesetzten Ziel, Mythen zu zerstören und Stereotype abzubauen, gerecht wird. Nur dann kann sie einen wichtigen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis der Völker Ost-, Ostmittel- wie Mitteleuropas lei­sten.

Dr. Dariusz Adamczyk

Redaktionsanschrift der KARTA in Deutschland:

KARTA, Postf. 65 21 26, 13316 Berlin

Tel.: 030 - 499 12569; Fax: 030 - 499 12 568

Preis DM 10,--  (2000)

pua

ISSN

0945-1544

 

 

Dokument Information:

Veröffentlicht in politik unterricht aktuell, Heft 1-2/2001
Verändern und Verbinden.

Hannover, 2001. 132 S., A 5, kart. [ISBN 3-9807714-2-3]. Publiziert: 01.06.02 (Priintausgabe vergriffen)

Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover [http://www.politiklehrerverband.org ]

Herausgegeben von Gerhard Voigt und Lothar Nettelmann

Vorsitzender: OStR Gerhard Voigt, OStR i.R. (seit 2009). Kontakt vgl. Impressum (vgl. Seitennavigation)

eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de

http://www.voigt-bismarckschule.de

Internetausgabe: 01.07.03 - Letzte Überarbeitung: 04.08.2011

 

 

 

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