|
Das Jahr geht zu
Ende und das Drei-Königs-Fest steht bevor; das sollte mir Anlaß sein, noch
einmal auf Ihren kurzweiligen Artikel zu einer astronomischen
Interpretation der Reise der Drei Heiligen Könige zurück zu kommen.
Viele kluge
astronomische und astrologische Gedanken und Datierungsversuche sind durch
die Drei-Königs-Geschichte provoziert und zu Datierungsversuchen von
Christi Geburt genutzt worden. Ihre Ausführungen dazu sind aufschlußreich
und überzeugend...
...wenn da nicht
einfach der Entstehungshintergrund dieser Legende ausgeblendet worden
wäre. Die Drei-Königs-Geschichte gehört zu den jüngeren Hinzufügungen zur
in den Evangelien kompilierten Geburtsgeschichte Jesu und dürfte etwa im
dritten Jahrhundert n.Chr. entstanden sein. Sicherlich gehört sie nicht
zum Traditionsbestand der jüdisch-urchristlichen Gemeinde in Jerusalem,
der allein authentische Übermittlungen zuzugestehen sind. Ob ältere, der
Zeit durchaus angemessene astrologische Überlieferungen in diese
Geschichte eingeflossen sind, läßt sich wohl nicht feststellen. Für
Datierungsversuche sind diese sicherlich zu schwach.
Schon der Inhalt der
Drei-Königs-Legende ist bezeichnend. Wer die Palastanlagen in Persepolis
kennt, wird die die Treppen begleitenden Flachreliefs der „Gabenbringer“
bewundert haben, die detailgetreu Kleidung und Tributopfer der Abgesandten
aller Regionen des Perserreiches darstellen. Sowohl im Altpersischen
Reich wie in Zeit der Sassaniden war dieses jährliche Tributopfer nicht
nur materielle Steuer sondern hoch ritualisierte Unterwerfungs-Symbolik,
die für den Zusammenhalt des Reiches eine große Bedeutung hatte.
Wenn nun drei „Magi“,
wie die eigentliche Bezeichnung der „Könige“ lautet, dem Jesuskind
„huldigen“, ist dies eine zur damaligen Zeit leicht verständliche
Unterwerfungsgeste der Persischen Zarathustra-Religion unter das
Christentum und seinen „göttlichen Herrscher“. Waren doch die „Magi“, von
denen sich auch der Begriff der Magie und der Magier herleitet, die
religiöse Herrscherkaste des Sassanidenreiches, die unter dem religiös
sich legitimierenden Großkönig die religiösen Grundlagen des Reiches zu
sichern hatten.
Die
Drei-Königs-Legende ist also ein typischer Legitimationsmythos, der den
östlichen Machtrivalen des christlich werdenden Römischen Reiches,
nämlich das Perserreich der Parther und Sassaniden (seit 225), zur
Unterwerfung aufforderte. Diese religiöse Propaganda ist damals durchaus
richtig verstanden worden. Daß daraus ein innerchristlicher
Glaubenstatbestand geworden ist, zeigt, wie sehr sich jede soziale
Gruppe, also auch das Christentum, Überlegenheitslegenden zur Sicherung
der eigenen Identität zu Nutze macht.
Gerhard Voigt
|