Weitere Informationen unter http://www.politiklehrerverband.org
eMail bismarckschule.voigt@gmx.de

Home
Nach oben
Inhalt: File Map
Heftübersicht
Autorenverzeichnis
Publikationen
Publikationsinhalte
Impressum
Verbandsinformation
Marginalien
Rechtsradikalismus
Polen
Polnische Nationalkultur
Dritte Welt
Staatsgesellschaft
Soziale Ungleichheit
pua 2013
pua 2012
pua 2011
pua 2010
pua 2005
pua 2004
pua 2003
pua 2002
pua 2000
pua 1999
pua 1998
pua 1997
pua 1996
pua 1995
pua 1994
pua 1993
pua 1992
pua 1991
pua 1989
pua 1988

politik unterricht aktuell: Heft 2001 S. 135

"Verändern und Verbinden"


Gerhard Voigt:

Glosse:
Heilige Drei Könige

Dokument Information

Seiten-navigation

 

Das Jahr geht zu Ende und das Drei-Königs-Fest steht bevor; das sollte mir Anlaß sein, noch ein­mal auf Ihren kurzweiligen Artikel zu einer astronomischen Interpretation der Reise der Drei Heili­gen Könige zurück zu kommen.[1]

Viele kluge astronomische und astrologische Gedanken und Datierungsversuche sind durch die Drei-Königs-Geschichte provoziert und zu Datierungsversuchen von Christi Geburt genutzt worden. Ihre Ausführungen dazu sind aufschlußreich und überzeugend...

...wenn da nicht einfach der Entstehungshintergrund dieser Legende ausgeblendet worden wäre. Die Drei-Königs-Geschichte gehört zu den jüngeren Hinzufügungen zur in den Evangelien kompilier­ten Geburtsgeschichte Jesu und dürfte etwa im dritten Jahrhundert n.Chr. entstanden sein. Sicherlich gehört sie nicht zum Traditionsbestand der jüdisch-urchristlichen Gemeinde in Je­rusalem, der allein authentische Übermittlungen zuzugestehen sind. Ob ältere, der Zeit durchaus angemessene astrologi­sche Überlieferungen in diese Geschichte eingeflossen sind, läßt sich wohl nicht feststellen. Für Datierungsversuche sind diese sicherlich zu schwach.

Schon der Inhalt der Drei-Königs-Legende ist bezeichnend. Wer die Palastanlagen in Perse­polis kennt, wird die die Treppen begleitenden Flachreliefs der „Gabenbringer“ bewundert haben, die detailgetreu Kleidung und Tributopfer der Abgesandten aller Regionen des Perserreiches dar­stellen. Sowohl im Altpersischen Reich wie in Zeit der Sassaniden war dieses jährliche Tributopfer nicht nur materielle Steuer sondern hoch ritualisierte Unterwerfungs-Symbolik, die für den Zu­sammenhalt des Reiches eine große Bedeutung hatte.

Wenn nun drei „Magi“, wie die eigentliche Bezeichnung der „Könige“ lautet, dem Jesuskind „huldigen“, ist dies eine zur damaligen Zeit leicht verständliche Unterwerfungsgeste der Persi­schen Zarathustra-Religion unter das Christentum und seinen „göttlichen Herrscher“. Waren doch die „Magi“, von denen sich auch der Begriff der Magie und der Magier herleitet, die religiöse Herr­scher­kaste des Sassanidenreiches, die unter dem religiös sich legitimierenden Großkönig die reli­giösen Grundlagen des Reiches zu sichern hatten.

Die Drei-Königs-Legende ist also ein typischer Legitimationsmythos, der den östlichen Machtri­valen des christlich werdenden Römischen Reiches, nämlich das Perserreich der Parther und Sassani­den (seit 225), zur Unterwerfung aufforderte. Diese religiöse Propaganda ist damals durchaus richtig verstanden worden. Daß daraus ein innerchristlicher Glaubenstatbestand gewor­den ist, zeigt, wie sehr sich jede soziale Gruppe, also auch das Christentum, Überlegenheitslegen­den zur Sicherung der eigenen Identität zu Nutze macht.

Gerhard Voigt


[1]    Wieso, weshalb, warum... reisten die Heiligen Drei Könige nach Bethlehem? Hannoversche Allge­mei­ne Zeitung, Nr. 298, 21.12.01, S. 6

pua

ISSN

0945-1544

 

 

Dokument Information:

Veröffentlicht in politik unterricht aktuell, Heft 1-2/2001
Verändern und Verbinden.

Hannover, 2001. 132 S., A 5, kart. [ISBN 3-9807714-2-3]. Publiziert: 01.06.02 (Priintausgabe vergriffen)

Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover [http://www.politiklehrerverband.org ]

Herausgegeben von Gerhard Voigt und Lothar Nettelmann

Vorsitzender: OStR Gerhard Voigt, OStR i.R. (seit 2009). Kontakt vgl. Impressum (vgl. Seitennavigation)

eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de

http://www.voigt-bismarckschule.de

Internetausgabe: 01.07.03 - Letzte Überarbeitung: 04.08.2011

 

 

 

Top

  Zur Textgestaltung und zur rechtlichen Distanzierung
von "gelinkten" Seiten vgl. Impressum.

Alle Rechte Vorbehalten

Seitennavigation

zurück und weiter: Zurück ] Nach oben ]
übergeordnete Ebene: Home ] Inhalt: File Map ] Heftübersicht ] Autorenverzeichnis ] Publikationen ] Publikationsinhalte ] Impressum ] Verbandsinformation ] Marginalien ] Rechtsradikalismus ] Polen ] Polnische Nationalkultur ] Dritte Welt ] Staatsgesellschaft ] Soziale Ungleichheit ] pua 2013 ] pua 2012 ] pua 2011 ] pua 2010 ] pua 2005 ] pua 2004 ] pua 2003 ] pua 2002 ] pua 2001 ] pua 2000 ] pua 1999 ] pua 1998 ] pua 1997 ] pua 1996 ] pua 1995 ] pua 1994 ] pua 1993 ] pua 1992 ] pua 1991 ] pua 1989 ] pua 1988 ]
gleiche Ebene: Haremsfrauen ] Transformation ] Globalisierung ] Gewalttaten ] Bildungsforschung ] Osteuropa ] Transformation ] KARTA ] Symboltheorie ] Amerikanische Demokratie ] Saudi Arabien ] [ Heilige Könige ]

untergeordnete Ebene:

Web-Fassung: 28.06.2013 - Verantwortlich: Gerhard Voigt, OStR i.R. <bismarckschule.voigt@gmx.de>