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Gerhard Voigt:
Glosse: Das Jahr geht zu Ende und das Drei-Königs-Fest steht bevor; das sollte mir Anlaß sein, noch einmal auf Ihren kurzweiligen Artikel zu einer astronomischen Interpretation der Reise der Drei Heiligen Könige zurück zu kommen.[1] Viele kluge astronomische und astrologische Gedanken und Datierungsversuche sind durch die Drei-Königs-Geschichte provoziert und zu Datierungsversuchen von Christi Geburt genutzt worden. Ihre Ausführungen dazu sind aufschlußreich und überzeugend... ...wenn da nicht einfach der Entstehungshintergrund dieser Legende ausgeblendet worden wäre. Die Drei-Königs-Geschichte gehört zu den jüngeren Hinzufügungen zur in den Evangelien kompilierten Geburtsgeschichte Jesu und dürfte etwa im dritten Jahrhundert n.Chr. entstanden sein. Sicherlich gehört sie nicht zum Traditionsbestand der jüdisch-urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, der allein authentische Übermittlungen zuzugestehen sind. Ob ältere, der Zeit durchaus angemessene astrologische Überlieferungen in diese Geschichte eingeflossen sind, läßt sich wohl nicht feststellen. Für Datierungsversuche sind diese sicherlich zu schwach. Schon der Inhalt der Drei-Königs-Legende ist bezeichnend. Wer die Palastanlagen in Persepolis kennt, wird die die Treppen begleitenden Flachreliefs der „Gabenbringer“ bewundert haben, die detailgetreu Kleidung und Tributopfer der Abgesandten aller Regionen des Perserreiches darstellen. Sowohl im Altpersischen Reich wie in Zeit der Sassaniden war dieses jährliche Tributopfer nicht nur materielle Steuer sondern hoch ritualisierte Unterwerfungs-Symbolik, die für den Zusammenhalt des Reiches eine große Bedeutung hatte. Wenn nun drei „Magi“, wie die eigentliche Bezeichnung der „Könige“ lautet, dem Jesuskind „huldigen“, ist dies eine zur damaligen Zeit leicht verständliche Unterwerfungsgeste der Persischen Zarathustra-Religion unter das Christentum und seinen „göttlichen Herrscher“. Waren doch die „Magi“, von denen sich auch der Begriff der Magie und der Magier herleitet, die religiöse Herrscherkaste des Sassanidenreiches, die unter dem religiös sich legitimierenden Großkönig die religiösen Grundlagen des Reiches zu sichern hatten. Die Drei-Königs-Legende ist also ein typischer Legitimationsmythos, der den östlichen Machtrivalen des christlich werdenden Römischen Reiches, nämlich das Perserreich der Parther und Sassaniden (seit 225), zur Unterwerfung aufforderte. Diese religiöse Propaganda ist damals durchaus richtig verstanden worden. Daß daraus ein innerchristlicher Glaubenstatbestand geworden ist, zeigt, wie sehr sich jede soziale Gruppe, also auch das Christentum, Überlegenheitslegenden zur Sicherung der eigenen Identität zu Nutze macht. Gerhard Voigt [1] Wieso, weshalb, warum... reisten die Heiligen Drei Könige nach Bethlehem? Hannoversche Allgemeine Zeitung, Nr. 298, 21.12.01, S. 6 Impressum für diese Seite:
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politik unterricht aktuell
1/2-2001 / S. 135 / Voigt:
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Internetpublikation
01.07.2003.
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