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Die
verdienstvollen Aufsätze von P. Hampe, W. Klauderer und G. Mutz werden
sicherlich als Reader für Oberstufenkurse dienen. Zwei Ansätze kommen aber zu
kurz: Die notwendige Einbeziehung des Marktgedankens und der stringente
Bezug bzw. die Interdependenz zum ›Staat‹: ›Markt‹ ist elementaler Bestandteil
einer modernen Staatsgesellschaft. ›Markt‹ beinhaltet zudem die Beziehung
zwischen dem Binnen‑Arbeitsmarkt der EU und denen ihrer Randregionen.
Das Absinken
der Beschäftigten in Deutschland seit 1990 sowie den Anstieg der Beschäftigten
in den USA ohne den gesellschaftshistorischen Paradigmenwechsel und seine Zwänge
betreffend die BRD/DDR auch nur zu erwähnen und andererseits das Wachstum in
den USA auf der Basis von Niedriglohn-Bereichen unterhalb deutscher
Sozialstaats-Schwellen zu vernachlässigen, also ohne den dortigen spezifischen
gesellschaftlichen Kontext anzuführen, ist für betriebswirtschaftlich
orientierte Denkansätze immanent, für Volkswirtschaftler schon nicht
mehr verzeilich. Für Politikdidaktiker sollten sie einen Kernbereich kritischer
Betrachtung darstellen.
Von
»wünschenswerter Teilzeitarbeit seitens verheirateter Frauen« ohne ökonomischen
Kontext zu sprechen, hindert ebenfalls die Chance, frauenspezifische Themen
und Problemstellungen, wie auch den Werte-Wandel, in den Politikunterricht
einzubeziehen.
Ein
soziologisch zu hinterfragendes Beispiel
enthält der von G. Mutz dargestellte Ansatz, inwieweit gesellschaftliche
Veränderungsprozesse, auch von Sinngebung über die Schule, damit also über den
Staat, beeinflusst werden können und inwieweit ein Konsens betreffend der
Legitimation herbeigeführt werden kann. Oder verbleibt dies als Gegenstand hoch
distanzierter Ethik?
Ein
grundsätzliches Problem ist dabei, dass man von singulären positiven Beispielen
ausgeht, ohne diese auf größere Zusammenhänge übertragen zu können. In der
Unterrichtssituation kann es dann sehr leicht dazu führen, dass daraus ein
unkritischer Glaube an die Machbarkeit sozialer Veränderungen resultiert. Ein
ähnliches Problem besteht bei Haus- oder Abschlußarbeiten, in denen
beispielhaft Falluntersuchungen erfolgen und Einzelfalldarstellungen
entstehen.
Einmal mehr
ist es notwendig, zunächst die Problemebenen zu skizzieren; die sich aus dem
Gesamtkomplex zwingend ergeben:
a)
Innergesellschaftliche Machtbalancen
als Ausdruck gesellschaftlicher Spannungsbeziehungen; man mag sie bezeichnen
als ›Klassengegensätze‹, als ›soziale Schichtungen‹, ›Hierarchisierung‹ oder
›soziale Ungleichheit‹;
b)
das Vorhandensein und die Validität
von Nachfrage/Angebots‑Prinzipien in den Arbeitsmärkten;
c)
die Folgen von Europäisierung aller
Märkte in den Zentrums-Semiperipherie-Beziehungen;
d)
Internationalisierung von
Habitusentwicklungen, damit auch von sog. ›Wertsystemen‹;
e)
die Einbeziehung
gesellschaftshistorisch ableitbarer Bedingtheiten im Zusammenhang mit
Zivilisierungs‑ und den ihnen zugrunde liegenden Staatenbildungsprozessen;
f)
Globalisierung aller Märkte
eingebunden in die gesamten Zentrums-Peripherie-Beziehungen, abbildbar
gegebenenfalls über die Weltsystem-Theorie.
Wir müssen
nicht nur die zunehmenden Spannungen auf den Arbeitsmärkten zur Kenntnis nehmen
und problematisieren – sondern unsere eigene restriktive Betroffenheit mit
einbeziehen.
Ob das
französische Modell, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen
Erfolg verspricht, ist fraglich. Einzelne positive Beispiele sind noch kein
Beleg für eine positive Gesamtentwicklung. In Deutschland praktizierte
Modelle, Jugendliche ohne Schulabschlüsse oder Abbrecher über staatliche
Bildungs- und Ausbildungs-Einrichtungen zu versorgen, sind weiterhin
sozialethisch begründbar. Die Frage, wann die Grenze zur Kontraproduktivität
durchbrochen wird, ist angesichts des Überhangs für den Bildungsbereich hoch
qualifizierter, aber nicht übernommener jüngerer Kollegen/innen ein
Tabuthema. Andererseits sehen neoliberale Ökonomen kein Problem darin, ein
Drittel junger Menschen unqualifiziert zu belassen. Man benötigt sie seitens
der Wirtschaft nicht (mehr).
Folgende Fragen
müssen beantwortet werden:
–
Können west-mitteleuropäische soziale Stabilitätsinseln mittelfristig in ihrem
Niveau gehalten werden angesichts der Interdependenzen zu den
sozio-ökonomischen Prozessen der Instabilität den Regionen der
Semiperipherien Ostmittel- und Südosteuropas?
–
Wie greifen das staatliche Schulsystem und dort insbesondere die
naturwissenschaftlich-technischen sowie die der politischen Bildung dienenden
Fächer die Problematik auf, wenn sich zugleich bewahrheitet, dass zwanzig oder
mehr Prozent der Jugendlichen nicht den Ansprüchen von Ausbildungsbetrieben
genügen oder überhaupt nicht als ausbildungsfähig angesehen werden und dieser
Prozentsatz angesichts sich verändernder anspruchsvoller Bedingungen und
Voraussetzungen steigt?
–
Wie kann man in der Schule Tendenzen der Demotivation und sektorell sinkender
Lernbereitschaft von Schüler/innen entgegenwirken? Die Schere klafft
offenkundig auseinander und trotzdem ist sie ein großer Tabubereich.
Das Mogeln im
steuerrechtlichen Bereich hat längst die Grenze zum Straftatbestand einer
vorsätzlichen und systematischen Steuerhinterziehung überschritten. Dem Staat
fehlen zunehmend die Ressourcen, korrigierend eingreifend zu können.
Fragen der
›Lohnzurückhaltung‹, einer möglichen Kompensation durch ›Vermögensbildung in
Arbeitnehmerhand‹ sind Dauerbrenner seit den Diskursen der sechziger Jahre.
In diesem Zusammenhang muss die Frage gestellt werden, warum diese Themen
langjähriger Debatten nicht einmal ansatzweise neu gesetzt worden sind und ob
sie inzwischen nicht zu Scheinthemen aus ›Schattenbereichen‹ jenseits von
realen Macht- und Entscheidungsebenen mutiert sind, die nicht einmal mehr als
Themen im Politikunterricht geeignet sind, weil allzu abgegriffen und sich
jenseits (nicht wahrgenommener) Entwicklungen befinden.
»Ein sofort
möglicher Schuldenabbau ist in der derzeitigen Konjunkturlage mit dem
Beschäftigungsziel nicht vereinbar.« Wahrlich nicht.
Welcher über politisch-ökonomisches Wissen Verfügende glaubt aber an eine
bessere Entwicklungen für die Gesamtheit der auf unserer Insel der Stabiliät
befindlichen Mittelschichten? Es muss doch die Frage aufgeworfen werden nach
den sich permanent verändernden Rahmenbedingungen und der generellen
Steuerbarkeit sozialer Prozesse angesichts überbordender Krisenentwicklungen in
Bereichen der Semiperiperie.
Insgesamt
wird ein relativ ‚unpolitischer‘ und ‚abstrahierender‘ Bezug deutlich. Die hohe
Distanz, die z.B. Hafeneger zeigt, kann dabei sehr fruchtbar für den
Unterricht genutzt werden.
Eine
gegenwärtig nicht beantwortbare Frage ist, inwieweit Aspirationen nach
demokratischer und solidarischer Gesellschaft als Ausdruck neuen
Utopiedenkens diskutiert oder – weil Hoffnung verbreitend – tabu ist. Als
Gesellschaft deskribierende und noch weniger als analytische Kategorien sind
diese Begrife ungeeigent. Wahlkampfschlagworte aus dem links-intellektuellen
Milieu wie »Förderung sozialer Kohäsion vs. sozialer Ausgrenzung« helfen da
nicht weiter. Sie sollten einer Predigt von der Kanzel am zweiten Weihnachtstag
vorbehalten bleiben.
Es muss als
unredlich bezeichnet werden, Problematiken zentrumsspezifisch zu erörtern und
punktuelle Lösungsmöglichkeiten anzuführen. Osteuropäer betrachten die – für
uns Didaktiker bzw. Methodiker hervorragenden Beispiele, wie sie Mutz
aufzeigt, als westlichen Zynismus, als das Vergeuden intellektueller
Kapazitäten angesichts gigantischer und überbordender Probleme in europäischen
Zusammenbruchsgesellschaften in den ehemals (wohlmeinend) als ›Zweite Welt‹
bezeichneten Regionen Osteuropas.
Die These
betreffend partiell ehrenamtliche Bereiche,
so wünschenswert wie nachvollziehbar sie auch sind, der Paradigmenwechsel
betreffend sozialpolitisches Engagements sinkt und ist generell (nur noch) in
der nordamerikanischen, der deutschen wie der englischen Gesellschaft relativ
hoch.
Transformationsgesellschaften spüren seit langem realgesellschaftliche
Rigiditäten. In Polen z.B., wo der Anteil gesellschaftlichen Engagements bis
1987 relativ hoch war – sich aber wesentlich im funktionalen politischen
Zusammenhang sowie der Involviertheit in die katholische Kirche zeigte – hat
dieses schlagartig nachgelassen. Man sagt dort ganz klar, dass man zunächst
überleben müsse und arbeitet hin, bzw. hofft auf (besser) bezahlte
Überlebensmöglichkeiten durch die Westeuropa-Integration – aber eben alles
ohne das Vorhandensein, wie auch die Ablehnung staatlicher oder anderer
institutioneller Einflussnahmen. Ausgenommen werden jeweils die
Subventionen für die jeweils eigene Bezugsgruppe, der Figuration.
Wie können wir
die Prinzipien einer liberalen – also keine direkten Zwänge ausübenden
Gesellschaftsordnung – aufrechterhalten und gleichzeitig Probleme steigenden
sozialen Spannungs-Niveaus lösen? Nur müssen diese im Kontext zur
Realgesellschaft stehen. Dazu gehören:
–
ein stabiles Gleichgewicht im Hochlohnniveau;
–
labile Gleichgewichte in den abgesunkenen Einkommensbereichen;
–
erkennbar höhere rechtlich definierte und politisch durchgesetzte Ansprüche;
weiterhin:
–
die Bereiche des allgemeinen, umfassenden Gesundheitswesens;
–
Renten- bzw. Pensionsanspüche; die sog. Hinterbliebenenversorgung und
(gegenwärtig noch?) Ansprüche aus ABM, Kurzarbeit sowie Arbeitslosengeld;
Ansprüche die wesentlich gerichtet sind an die künftigen Mitglieder der
Solidargemeinschaft;
–
Bildungsansprüche an den Staat und die jeweils eigenen Eltern unabhängig von
ökonomischer Umsetzbarkeit?
Kann der
Konsens des insgesamt hohen Niveaus aufrechterhalten werden? Er hat seine
Wurzeln im Humboldtschen Bildungsideal und seine Basis in der Erkenntnis bzw.
politisch-ökonomischen Definition einer Notwendigkeit der Förderung von
Intellektualisierungs‑ und Qualifizierungsprozessen seit den sechziger
Jahren. Konsens ist (bisher) die Befriedung der Gesellschaft, Verhinderung von
›Spitzen eines Spannungsniveaus‹. Seit den achtziger Jahren steigt die
Wahrnehmung einer anwachsenden Konkurrenz- und Risikogesellschaft. Erzwingt
jetzt nicht die Europäisierung im Rahmen von Universalisierung und
Globalisierung ein Neudenken ehemals gut gemeinter Denkansätze und vertraut
gewordener Überzeugungswelten und die Bereitschaft, Neues zu formulieren und
umzusetzen? Dieses zu reflektieren ist Aufgabe der politischen Bildung. Der
umfassende distanzierte Blick sozio-ökonomischer Gesamtzusammenhänge ist dazu
didaktisch erforderlich.
Herbst
kritisiert die geforderte »Erziehung zur Anpassung an gesellschaftliche
Verhältnise und stattdessen Anpassung an die Forderungen der Herrschenden der
Welt, der Unterdrücker« – auf den ersten Blick zu Recht. Ist die Erziehung und
der Glaube daran – besser: deren jeweilige Staatsorganisation oktroyierte und
durchgesetzte Anspruch – aber nicht die Voraussetzung gewesen für die Agonie
der Industrie des ehemaligen Mitteldeutschlands?
Sieht dieser
Kollege die Dimensionen unserer gesellschaftliche Realität nicht? Ist er nicht
willens, nachzuvollziehen, aufgrund welcher Ursachen aus dem ehemals
blühenden Chemie-Dreieck trostlose Landschaften geworden sind? Welche Chemie-
und Schwerindustrie hat zudem nicht in ihrer Geschichte die
Militärgüterproduktion schlechthin dargestellt? Aus der realsozialistischen
Zeit ist ein ‚Schrotthaufen‘ oder bestenfalls ein industriegeschichtliches
Museum bewirkt und hinterlassen worden, über dem, wie bekannt, inzwischen das
Gras grünt. Es ist nicht nur kausal die Folge des ›Kalten Krieges‹ sondern
ursächlich auch die des sog. ›Realsozialismus‹. In der Verantwortung der dort
ehemals über die Macht verfügenden ist es zu suchen, strukturelle Defizite und
ein ca. 25 Jahre belaufender Entwicklungsrückstand gegenüber Westeuropa bewirkt
zu haben. Erklärungen dafür oder gar Entschuldigungen dafür sind in gegebenen
Zusammenhang inadäquat. Vielleicht will der Kollege nur nostalgisch seine
Anti-Unternehmergefühle neu auftischen.
Unsere
moderne Gesellschaft benötigt selbständig handelnde und denkende Menschen in
allen Bereichen des Arbeitslebens, überall und in jeder Ausprägung. Dies soll
nicht als Plädoyer für Out-Sourcing, für das Erzwingen von Selbständigkeit
bisher traditioneller Arbeitnehmerbereiche seitens größerer Firmen verstanden
sein. Wirtschaft und ›Politische Klasse‹ beklagen aber, dass es eher zu wenig
Selbstständige in Deutschland gibt! Dazu die Erkenntnis, irgendwann auch für
beamtete Lehrer/innen, dass unsere relativ weich gepolsterten
Arbeitnehmer-Stühle als Ziel und Wunsch im Vollkaskosinne möglicherweise der
Vergangenheit angehören werden.
Nicht
Behinderung von Strukturwandel, sondern Gestaltung im Rahmen des Gegebenen ist
notwendig und muss in der politische Bildung reflektiert werden. Wer an dieser
Aufgabe nicht zu partizipieren vermag oder dazu nicht gewillt ist, vermag nur
noch zu lamentieren. Die Larmoyance aller derjenigen DDR-Bürger, die das
Herausfallen ihrer zumeist selbst herbeigeführten geistigen Isolierung und
Engstirnigkeit nicht verarbeiten konnten, ist noch nicht verklungen.
Wo bleiben
die Möglichkeiten zur Problemorientierung, zur didaktischen Reduktion und der
Darstellung komplexer Zusammenhänge, wie auch deren Analyse?
Erst dann
kann eine Synthesebildung nach kritischer Aufarbeitung sowie Distanzgewinn
erfolgen. Wie sollen wir mit unsere Schülerinnen und Schülern über deren eigene
Chancen auf dem Arbeitsmarkt angesichts sich permanenter Veränderungen, sich
perpetuierenden Paradigmenwechsel beratend sprechen?
Wir können
in der Politikdidaktik ‚nur‘ die komplexen und global zusammenhängenden
Spannungsfelder skizzieren. In das Lamento darüber einzustimmen, dass es
Menschen gibt, die vom »Ertrag ihres Kapitals« leben, ist inadäquat und auch
moralisch überholt.
Es ist die eine Seite einer demokratisch verfassten und befriedeten
Gesellschaft.
Einige
Fraktionen der Linken – zumeist diejenigen, die realer Machtpartizipation fern
stehen – sei empfohlen, rückblickend das Verhalten der über die Macht
verfügenden Menschen in Osteuropa, der dortigen ehemaligen ‚alten Eliten‘, in
den Diskurs einzubeziehen: die rigiden Ausbeutungsverhältnisse großer hilfloser
Menschengruppen und ungeniertes Ausplündern von Volkseigentum und
verantwortungsloses Verhalten gegenüber künftigen Generationen. Gegenwärtig
bildet sich in verschärfter Form heraus, die Misere für die Bevölkerung wird
zunehmend größer. Die neu entstandenden dezentralen Machtmonopole sind oft
Segmente der alten Macht- bzw. Funktionseliten, besser: des alten (geheimen)
Machtmoloches, der nicht über ein staatliches Gewaltmonopol und demokratisch
legitimierte Träger der Gewalt bekämpft werden kann.
Selbst
Ansätze von sozialem Ausgleich, von solidarischem Denken des Abgebens sind in
der Semiperipherie fremd, dieses in erheblichem Maße als Folge der
Verhinderung einer demokratisch verfassten und zivilen Gesellschaft.
In jetziger
Sicht kann nur ein legitimierter Staat verantwortlich handeln. Stabilisierte
Gesellschaften müssen daher die Defizite der instabilen Gesellschaften
ausgleichen. Es ist irreal zu glauben, dass die künftigen Aufgaben auf einem
hohen finanziellen Niveau in allen Segmenten der gesellschaftlichen Bereiche
erhalten bleiben würden.
Es kann
nicht Aufgabe von Didaktikern sein, unkritisch Ziele der sechziger Jahre in
Westdeutschland, als gesellschaftliches Überleben noch weitgehend mit
Erwerbstätigkeit verknüpft und das Anstreben dessen konsensuales Ziel war, als
Sakrileg nicht zu hinterfragen. Angesichts innergesellschaftlicher
Angebotsüberhöhung hoher Arbeitsqualifikationen, verbunden mit
millionenfacher Ausgrenzung von Anbietern wenig qualifizierter Tätigkeiten,
muss auch hier der europäische Paradigmenwechsel in den Diskurs einbezogen
werden: Die Realität der Dreispaltung von Arbeitstätigkeiten muss
wahrgenommen werden:
die traditionell (gut) bezahlte
Erwerbstätigkeit des Ersten Sektors;
die ständige Ausweitung des
Zweiten Sektors, der aus gering(er) bezahlten, sog. ›geförderten‹, in
berufliche Ausbildungsprozesse integrierten gering oder gar nicht bezahlten
Tätigkeiten besteht;
der Dritte Sektor
ehrenamtlicher und anderer nicht bezahlter Tätigkeiten, den Konservative
offen als die Lösung künftiger Probleme der Erwerbsgesellschaft propagieren.
Es wird
zweifellos weiterhin legitim sein, Utopien zu denken und ›Sein-sollens‹-Fragen
aufzuwerfen. Die Analyse gegenwärtiger Problemkomplexe kann aber grundsätzlich
nicht ohne gesellschaftshistorische Bezugnahme erfolgen.
›Kritische
Analysen‹ sind weiterhin notwendig und möglich; sie müssen nur unter
erweitertem Sichtkreis erfolgen. Problem für die politische Bildung ist eine
Synthesebildung, die ethisch begründetes Verhalten, ein auf
innergesellschaftliche Integration, wie im gesamteuropäischen Rahmen
angelegtes Verhalten perspektiert.
Gegenstand
einer didaktischen Reduktion kann es nicht sein, exemplarisch Untersuchungen
aufzuarbeiten oder gar zu reproduzieren. Anspruch eines themenübergreifenden
Bezuges muss eine Zerlegung des komplexen Sachverhalts und Zuordnung zu den
entsprechenden Problemebenen sein. Wir orientieren uns damit an einer inter-
bzw transdisziplinären Vorgehensweise der universitären Ebene und haben
dadurch die Chance, singuläre Ansätze zu verknüpfen und ggf. auf andere Ebenen
zu transferieren.
Gegenstand
der Politischen Bildung im Sinne einer Hinführung junger Menschen im
Allgemeinen, wie Beruflichen Bildungssektor, muss weiterhin die
Hinführung zu einer Befähigung eines ›zoon politicon‹ sein. Das
schließt die Wahrnehmung ›legitimer‹ eigener Interessen in der
Gesellschaft und ein durchaus ›interessengeleitetes‹ Erreichen
idividuellen wie auch verantwortungsbewussten Handelns in der Gemeinschaft
ein.
Wir
benötigen in der Lehre die distanzierte Sphäre reiner Politischer Bildung, die
Fähigkeit, Interessenkonflikte ›zivil‹ auszutragen. Dazu zählen nach
wie vor ein ›emanzipativer‹ Ansatz wie auch die ›kritische‹
Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Realitäten. Die Forderung nach
einem ›normativen‹ Ansatz mit Rückgriff auf die Politische Philosophie
ist zweifellos sinngegeben und legitim. Die Ansicht z.B., dass ”eine Erosion des
demokratischen Bewusstseins kritisch gegenüberstehende politische Bildung ihr
Fundament in einer normativen Geschichte der politischen Ideen finden (kann)“,
wirkt irritirend. Sie erweckt Konnotationen zu Ansätzen aus dem Milieu der ›grünen
FDP‹, bildungsbürgerliches Utopiedenken wieder in den Lernzielen der
Schule zu verankern. Eine erneute Flucht des Bildungsbürgertums aus der
gesellschaftlichen Realität? Wenn aber – und die Sinngebundenheit ist
prinzipiell nicht strittig – dann gehört sie in den Kanon der
Unterrichtsfächer Philosophie und Werte und Normen. Aber auch
dort stellt sich die Diskussion, ob es als Ziel genügt, die Schülerinnen und
Schüler zu ethisch verantwortbarem Handeln hinzuführen.
Bezug zu den Beispielen aus der ›Dritten Welt‹: der ‘berühmte’ ›gebohrte
und dann versandete Brunnen‹ oder der ›verrostete, herumstehende
Traktor‹. Man reflektierte in den 70er Jahren noch nicht, warum die gut
gemeinten und sinnvollen Hilfeleistungen scheiteten, sondern schmollte
und lamentierte vielfach seitens der Entwicklungshelfer und der Medien.
Auch dies ist eine Form von Rassismus, da die gesellschaftshistorichen
Begebenheiten nicht erforscht und beachtet worden sind.
vgl.: Hannoversche Allgemeine Zeitung v. 28.12.1998, S. 4
Der langjährige Meister einen größeren KfZ-Betriebes klagte gegenüber dem
Verfasser unverblümt, dass die neuen Azubis (3 männlich und 1 weiblich)
im Vergleich zu denen früherer Jahre erheblich weniger geeignet seien, nur
habe man keine besseren bekommen und dies alles angesichts zusätzlich
steigender Anforderungsprofile. Jeder Kunde erwarte einen best möglichst
qualifizierten Mechaniker und eine zuverlässige Mitarbeiterin im
kaufmännischen Bereich.
Oder doch? Man vergleiche die jüngsten Bestrebungen zur
Haushaltskosolidierung und zu Einsparungen nach dem Sieg Schröders im
Machtkampf mit Lafontaine.
Aus Albanien sollen seit 1990 ca. eine halbe Million Menschen emigriert
sein. Ein Drittel seiner Bevölkerung soll eine Ausgewanderung planen oder
wünschen. Dieser Exodus betrifft vor allem die Qalifizierten, die in ihrem
Land keinerlei Lebenschancen mehr sehen. (vgl.: HAZ v. 29.12.1998).
DVPB aktuell, 4/98, S. 18.
Dies ist insofern grotesk, als künftig von allen erwerbstätigen
Bürgerinnen und Bürgern erwartet wird zur eigenen Alterssicherung privat
beizutragen. Dies geschieht ausschließlich durch diverse Formen von
Kapitalbildung.
Dazu gehören letztlich auch: Referendar/innen; ‘freiwillige’
Praktikant/innen, Wehr- und Zivildienstleistende, in der Medizin ‘PJ’ und ‘AiP’,
die oftmals jahrelange Ausbildung zu Fachärzten/innen, sowie Diplomanden,
Promovenden und Habilitanten.
Schäuble und Kohl haben in der Vergangenheit mehrfach
darauf hingewiesen. In den USA wird von Konservativen der wasp der
Kommunitarismus als neue Legitimationsideologie gedanklich entwickelt und
propagiert.
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