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politik unterricht aktuell, Heft 1-2/1997

Politisches Denken – Politisch Handeln.
pua spezial 1997


Neue Kontroverse um die Bundeswehr
in der Politischen Bildung

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In Heft 2/97 von »DVPB aktuell« der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung findet sich der Ansatz zu einer, ich möchte sagen: für die heutigen Irritationen in der Politischen Bildung bezeichnenden und für das Selbstverständnis von uns Politiklehrerinnen und -lehrern typischen (vgl. auch politik unterricht aktuell 1997/1-2), Kontroverse, über die Rolle der Bundeswehr in der Politischen Bildung – damit aber auch über die Rolle des Militärs und des Militärischen in unserer Gesellschaft überhaupt.

Professor Gotthart Breit skizziert knapp und nur ansatzweise kommentierend und wertend (S. 5/6) das Verhalten einer Schülergruppe der 10. Klasse eines Gymnasiums und ihres Lehrers anläßlich eines Besuches bei der Bundeswehr. Typische Verhaltensweisen werden schlaglichtartig deutlich: die – in diesem Alter voraussehbare – Naivität und Faszination bei der spielerischen Begegnung mit der Waffentechnik, aber auch das Unbehagen des Politiklehrers an dieser Distanzlosigkeit, die zum uns allen bekannten Abtoben der Klasse bei der Rückfahrt im Zug und damit zum disziplinarischen Eklat führt. Breit legt nun besonderes Gewicht auf die Beschreibung des Lehrerverhaltens nach dem Bundeswehrbesuch, als der Kollege den Schülerinnen und Schülern seine eigene Betroffenheit als ehemaliger Kriegsdienstverweigerer offenlegt und damit eine neue Diskursebene mit der Klasse anstößt. Breit resümiert abschließend: „Nach dieser Erklärung war den Schülern der Wutanfall ihres Lehrers im Zug verständlich. Darüber hinaus hat er ihnen gezeigt, was Respekt vor der Meinung und den Ansichten anderer bedeutet. Mit seiner Entscheidung, trotz starker persönlicher Vorbehalte dem Wunsch der Klasse nachzugeben und einen Truppenmbesuch zu unternehmen, hat er der Klasse ein Beispiel für Liberalität gegeben, das sicher einigen von ihnen über den Tag, ja über die Schulzeit hinaus in Erinnerung bleiben wird. Sein Verhalten dürfte den Schülern mehr über das Wesen der Zivilgesellschaft gezeigt haben, als es jeder noch so gelungene Unterricht mit ausführlicher Textarbeit vermocht hätte.“

Dieser Auffassung widerspricht nun (S. 7/8) Manfred Wissel, Gymnasiallehrer in Flensburg, ganz entschieden, er lehnt die persönliche Perspektive des Politiklehrers ab, indem er einen Referendar zitiert, der sich „mit Grausen“ an solche Schülererfahrungen erinnert: „Mit solchen Betroffenheitsritualien bin ich in meiner niedersächsischen Schulzeit regelmäßig traktiert worden.“ Wissel wertet und resümiert dies sehr apodiktisch: „Eine politische Kultur in Deutschland ist zu Ende gegangen. In einer bestimmten Phase der bundesrepublikanischen Geschichte hat sie das Land modernisiert. Heute ist sie strukturkonservativ geworden.“ Was meint er aber genau damit? Das ist nur immanent erschließbar und bezieht sich sicher auf liberale Gewissensorientierungen, das Pragmatische überwindende Wertperspektiven und persönliche Betroffenheit von Lehrenden und Lernenden – letztlich damit auf einen Politikunterricht, der mehr ist als Wissensvermittlung, und auch die affektiven und kommunikativ-situativen Element mit einbeziehen will, wie es die Schulreform seit den 70er Jahren in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen gestellt hat. Was soll an ihre Stelle treten? Wissel fordert vor allem einen „pragmatischen Zugang zum Militärischen“, von dem her gesehen Kriegsdienstverweigerung keine Gewissensentscheidung und kein Grundrecht, sondern eine „friedenspolitisch aufgemotzte Ohne-Mich-Haltung... unter dem Dach des atomaren Schutzschildes der NATO“ und eine „friedensbewegte Hysterie“ ist. Der unersetzliche friedensschaffende Wert des Militärischen und der Bundeswehr wird natürlich an den segensreichen Einsätzen im ehemaligen Jugoslawien exemplifiziert...

Eigentlich diskreditiert sich der Aufsatz von Wissel schon durch seine inadäquate und beleidigende Terminologie. Doch möchte der Vorstand des Verbandes der Politiklehrer die zutage tretende politische Position als nicht untypisch für unsere heutige gesellschaftliche Situation ernst nehmen und fügt eine grundsätzlichere Stellungnahme unseres Kollegen Dr. Lothar Nettelmann an, die auch der Redaktion von »DVPB aktuell« zugeschickt worden ist.

 

pua

ISSN

0945-1544

 

 

Dokument Information:

Veröffentlicht in politik unterricht aktuell Heft 1-2/1997
Politisches Denken – Politisch Handeln. Hannover,
Hannover, 1988. A 5, 134 S., geheftet.
[ISBN 3-9804023-5-5] - Printausgabe vergriffen.

Internetausgabe: 24.10.02  - Letzte Überarbeitung: 10.08.2004  / 07.08.2011

Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover

Vorsitzender: Gerhard Voigt OStR i.R. (seit 2009). Kontakt vgl. Impressum (vgl. Seitennavigation).

Impressum: »politik unterricht aktuell spezial«, September 1997 [=Heft 3/1997].     ISSN 0945-1544

Herausgegeben vom Verband der Politiklehrer e.V., Hannover.

Verantwortlicher Redakteur: Gerhard Voigt, (2011: vgl. Impressum).

Dieses Heft wird nicht durch den Buchhandel vertrieben. Es wird den Mitgliedern des Verbandes der Po­li­tik­leh­rer e.V., Hannover, als Beilage zum Heft 1/2-1997 von politik unterricht aktuell zur Verfügung ge­stellt.

eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de

http://www.voigt-bismarckschule.de I

 

 

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