|
Rio:
Dokumente der Hoffnung und der Skepsis
Engelhardt,
Wolfgang/Weinzierl, Hubert (Hrsg.): Der Erdgipfel. Perspektiven für die
Zeit nach Rio. Economica Verlag, Bonn 1993. 267 S., 6 Tf.
Die „Conference on
Environment and Development“ 1992 in Rio de Janeiro, langfristig
vorbereitet, weckte vor allem in der Dritten Welt Hoffnungen auf eine
Annäherung der Entwicklungsziele zwischen den Industrieländern und den
Entwicklungsländern, auch auf einen Ausgleich der sozialen Kosten der
notwendigen Umweltschutzvorstellungen in der Dritten Welt. Die aktuelle
Berichterstattung in Deutschland konstatierte aber vor allem
Enttäuschung und „Unbeweglichkeit der Großen“ in ihrer
Interessenvertretung „zu Lasten der Dritten Welt“. Für eine
differenzierte Bewertung der Ergebnisse und möglicher politischer
Veränderungen nach dieser Konferenz ist aber eine umfassendere
Dokumentation der Beiträge und Ergebnispapiere auch für diejenigen
Politiker und auch Politiklehrer notwendig, die sich nicht selbst
durch die Papiermengen der Tagungsmaterialien durcharbeiten
können. Diese notwendige Funktion kann das Buch „Der Umweltgipfel“ in
geeigneter Form übernehmen.
Eine differenzierende
knappe Einführung in die Themengegenstände des Umweltgipfels durch
den Herausgeber Hubert Weinzierl gibt einen brauchbaren Einstieg in
die Problematik dieser letztlich zu umfangreichen und ambitiösen
Konferenz, aber auch in die Erwartung, dass nur eine eigentlich zum
Scheitern verurteilte Großveranstaltung eine Weltöffentlichkeit
erreicht, die es für die globalen Umweltprobleme zu sensibilisieren
gilt.
Redebeiträge der
Schirmherren der Veranstaltung von Boutros-Ghali bis Mario Soares
beschwören das aktuelle gemeinsame Ziel einer „nachhaltigen
Entwicklung“, die die sozialen Lebensbedürfnisse erfüllen soll, ohne
damit durch irreversible Eingriffe in die natürliche Umwelt die
Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu zerstören. Hier liegt nicht
nur die zentrale politische Gestaltungsaufgabe der nächsten Jahre,
sondern auch ein großer natur- und gesellschaftswissenschaftlicher
Forschungsbedarf, um der Wissenschaft ihre derzeit fraglich gewordene
Funktion der Politikberatung wiederzugewinnen.
Eine knappe
Dokumentation der Länderberichte, die als Reden oder als schriftliche
Berichte vorgelegt wurden, weist auf die brennenden regionalen
Umweltprobleme hin, so auf den Konfliktbereich Unterentwicklung
und Überfluss, Klimagefährdung, Desertification, Abholzung der
Tropenwälder oder Verkehrskollaps und Abfallflut.
Wolfgang Engelhardt
analysiert daraufhin Anspruch, Wirklichkeit und Konsequenzen der UNCED
und eröffnet damit eine Diskussion über notwendige politische Folgen
in den Industrieländern und damit auch bei uns in der EU. Wichtig ist
dabei auch die kritische Sichtung der Fehler in den Beratungen der
Weltkonferenz und die Diskussion der noch ungeklärten
Finanzierungsfragen.
Die Dokumente im
letzten Abschnitt des Buches finden in wörtlichen Auszügen und sachlich
einwandfreien Inhaltsabrissen ein sinnvolles Maß zwischen
Dokumentation und Handhabbarkeit, das vor allem den Politik- und
Geographielehrer in seiner Unterrichtspraxis gut unterstützen kann.
Eine wichtige, notwendige Publikation.
Gerhard Voigt,
Umwelt 6.13., Entwicklungspolitik 8.5.
۞
Wissenschaftliche Grundinformationen
Haber, Wolfgang:
Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes. (Umweltschutz – Grundlagen
und Praxis, herausgegeben von Konrad Buchwald und Wolfgang Engelhardt,
Bd.1). Economica Verlag, Bonn 1993; 98 S.
Die 17 Bände der Reihe
„Umweltschutz“ sind die grundlegende Neubearbeitung des vierbändigen
„Handbuches für Planung, Gestaltung und Schutz der Umwelt“ von
1978/80. Die wissenschaftliche und umweltpolitische Fortentwicklung
seit Beginn der achtziger Jahre machte eine grundlegende
Neukonzeption notwendig, bei der der Band 1 die notwendigen
naturwissenschaftlichen, biologisch-ökologischen Grundlagen knapp
und systematisch aufbereitet, die für eine Arbeit mit den themen- und
problemzentrierten Folgebänden notwendig sind.
Aufbauend auf dem
aktuellen Stand der biologisch-ökologischen Forschung erläutert der
Verfasser, Lehrstuhlinhaber für Landschaftsökologie an der TU München,
nach einigen notwendigen Begriffsbestimmungen und
Problemabgrenzungen das System der Umweltsphären, der Ökosysteme und
Ökotope, der Ökologie der Arten und Populationen und der Biozönosen –
jeweils mit übersichtlichen graphischen Darstellungen und Schemata –,
um abschließend in einem ausführlichen Kapitel die Stellung des Menschen
als Kulturwesen in seiner Umwelt zu untersuchen. Die Darstellung
beschränkt sich dabei bewußt auf die naturwissenschaftliche Seite des
Umweltbegriffs, wobei die heute oft erfolgende, in der
kulturwissenschaftlichen Diskussion wohl auch notwendige, Ausweitung
des Umweltbegriffs auf die soziale, psychische, wirtschaftliche oder
kulturelle Umwelt „den Zuständigkeitsbereich der Ökologie weit
überschreitet“ (S. 5). „Umwelt im ökologischen Sinne ist daher stets
die biologisch wirksame Umwelt. Die Ökologie ist zuständig für die sog.
Elementarbedürfnisse der Lebewesen, die stets erfüllt sein müssen,
nämlich Licht, Wärme, Luft, Wasser, Nahrung, Raum und Partner-Lebewesen;
hinzu kommt ein siebtes, schwierig zu definierendes Bedürfnis, das ...
den Organismen ermöglicht, sich in ihrer Umwelt zweckmäßig zu
verhalten oder auf sie zu reagieren“ (ibid.).
Was zunächst als
thematische Einschränkung erscheint, erweist sich in der Darstellung mit
dem Ziel der „Vernetzung“ der genannten Bedürfnisse und ihrer
ökologischen Grundlagen als äußerst komplexes und sensibles System, das es
verständlich macht, dass in einer oft eher holzschnittartig geführten
Umweltauseinandersetzung im politischen Rahmen die sensiblen
Ursachen-Wirkungs-Gleichgewichte vernachlässigt werden und
Umweltschutzmaßnahmen oftmals schon auf der ökologischen Ebene zu nicht
vorher gesehenen Ergebnissen führen. Umweltpolitikern wie Lehrern, die
in der Schule das notwendige Thema „Umwelt“ gründlich und kompetent
behandeln wollen, ist dieses Buch sehr zu empfehlen; gerade Politik- und
Gesellschaftswissenschaftler können durch eine Einarbeitung in die
ökologischen Grundlagen zu differenzierteren und sachlicheren
Beurteilungen der dringend notwendigen Umweltorientierung des
gesellschaftlichen Handelns gelangen.
Die Zielrichtung ist
in dem Band selbst schon angedeutet, wenn Umweltschutz in der Fähigkeit
der natürlichen Ökosysteme zur „Beständigkeit oder Nachhaltigkeit als
Fähigkeit zur längerfristigen Aufrechterhaltung - unter möglichster
Gleichmäßigkeit der Abläufe – des Systems einschließlich seiner
Produktivität“ begründet wird und damit die Brücke zum globalen
Entwicklungsziel der „nachhaltigen Entwicklung“ („Rio-Gipfel“) geschlagen
wird.
Gerhard Voigt,
Umwelt 6.13.
۞
Orientierungen zum Thema „Islam“
Falaturi,
Abdoldjavad/Tworuschka, Udo: Der Islam im Unterricht. Beiträge zur
interkulturellen Erziehung in Europa. (Beilage zu den Studien zur
internationalen Schulbuchforschung. Schriftenreihe des
Georg-Eckert-Instituts) Braunschweig 1991 (2. Aufl. 1992. Vertrieb:
Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt/M.) 50 S., DM 7.50
Das Thema „Islam“
spielt im Politikunterricht wie in der außerschulischen Politischen
Bildung eine zunehmende Rolle. Der Kenntnisstand der Lehrer ist wie der
der Öffentlichkeit aber keineswegs entsprechend besser geworden, so dass
ein großes Bedürfnis an sachlicher Orientierung besteht. Ausgehend von
einer umfassenden Schulbuchanalyse des Georg-Eckert-Instituts, die in den
letzten Jahren in mehreren Bänden vorgelegt worden ist, fassen die
Herausgeber nun die inhaltlichen Ergebnisse bezogen auf die zentralen
Informationsdefizite und Missverständnisse gegenüber dem Thema Islam in
einem schmalen Heft systematisch zusammen und stellen thematisch
gegliedert „sachgemäße“ und „unsachgemäße“ Aussagen gegenüber. Sie
orientieren sich dabei an einem im genannten Projekt erarbeiteten
inhaltlichen Minimalkonsens europäischer Islamisten und muslimischer
Wissenschaftler verschiedener Richtungen, so dass verlässliche und
ausgewogene Aussagen und Urteile die Arbeit mit diesem Buch leicht
machen.
Die inhaltlichen
Kapitel gliedern sich nach den Themenbereichen, die im politischen
Unterricht wie in der kritischen Auseinandersetzung mit der
Berichterstattung über die Ereignisse im Nahen Osten immer wieder
angesprochen, und oft vorurteilsbeladen und sachlich falsch
vermittelt werden, so z.B. der islamische Gottesbegriff, die
Überlieferungen über die Person Muhammads und die Beziehungen des Islam
zum Judentum und Christentum (wobei keine harmonisierende Ideologie die
theologischen Grundunterschiede verwischt); vor allem aber sind die
zentralen Aussagen über das islamische Recht, die Scharia, die Stellung
der Frau und den Dschihad, der immer wieder sprachlich wie inhaltlich
falsch mit „heiliger Krieg“ bezeichnet wird, von großem Interesse.
Die Arbeit mit diesem
Buch wird, über eine allgemeine Grundinformation hinaus, wohl vor allem
in seiner Eignung als „Messlatte“ für die Richtigkeit von vorgefundenen
oder eigenen Aussagen über den Islam zu finden sein. Lehrerinnen und
Lehrern kann nur empfohlen werden, im Unterricht verwendete Texte und
Materialien vorab mit Hilfe dieses praktischen Heftes zu prüfen und die
einzelnen Aussagen, die im Unterricht eine Rolle spielen, zu
verifizieren. Dadurch wäre vieles geleistet für ein
vorurteilsfreieres und verständnisvolleres Miteinander zwischen uns
Westeuropäern und den Menschen im islamisch geprägten Kulturkreis des
Nahen Ostens. Die Herausgeber versuchen ihre Erkenntnisse denn auch in
Zusammenarbeit mit deutschen Fachwissenschaftlern zur Grundlage einer
derzeit in Arbeit befindlichen länderkundlichen und historischen
Arbeitsbuchreihe für die Schule zu machen („Der Islam:
Raum-Geschichte-Religion“), die verdienstvolle Anstöße zur Revision
gängiger Unterrichtsinhalte geben kann.
Gerhard Voigt,
Politische Bildung 1.0., Naher und Mittlerer Osten 10.9.
Nützliche Hilfe für das Lehrerstudium
Hermann Giesecke:
Studium Pädagogik. Orientierungen und Hinweise für den Studienbeginn.
Juventa Verlag, Weinheim und München 1994. 148 S.
Das schmale Heftchen -
Neubearbeitung der „Anleitung zum pädagogischen Studium“ von 1974 - gibt
eine gut lesbare, praxisbezogene Handreichung für den
Studienbeginner nicht nur, wie als Zielgruppe gedacht, für den
Pädagogik- und Lehramtskandidaten, sondern ganz allgemein für
Studenten der geisteswissenschaftlichen Fächer. Der Abschnitt
„Wissenschaft und pädagogischer Beruf“ (S. 39-66) gibt darüber hinaus
Orientierungen für angehende Pädagogen, die ihm helfen, sich von
naiven Berufsperspektiven zu lösen und damit die Widersprüche in
der Studienerfahrung und den drohenden „Praxisschock“ bewältigen zu
lernen.
Systematisch führt
Giesecke als langjähriger Hochschullehrer und anerkannter Didaktiker
der Pädagogik und der Gesellschaftswissenschaften in die
Studiensituation ein, ausgehend vom Studienbeginn, den
Studienmotiven (S. 13) und den ersten Orientierungsproblemen im
Massenbetrieb der heutigen Hochschulen. Die Probleme einer sinnvollen
individuellen Studienplanung werden erörtert (S. 67), die
Lehrveranstaltungen, die Arbeitsorganisation und die
Studienleistungen, die letztlich hin zur Abschlussprüfung führen werden
vorgestellt, wobei auf Schwierigkeiten und mögliche Missverständnisse
hingewiesen und erprobte Arbeitsformen und ihre Einbeziehung in die
eigene Studienplanung anempfohlen werden.
Dass hier vor allem
auch Schwerpunkte aus dem Erfahrungs- und Lehrbereich des Autors gesetzt
werden, ist im Sinne der Konkretheit der Einführung nur sinnvoll; andere
Akzentsetzungen wären zwar möglich, doch werden die Ratschläge in diesem
Heft in jedem Fall eine konkrete Hilfe für den Studienbeginner und
den Abiturienten vor der eigentlichen Studienentscheidung sein.
Studienerfolg wird
sehr pragmatisch als Prüfungserfolg verstanden, was sowohl Hinweise auf
entsprechende Prüfungs- und Ausleseverfahren im Berufsleben
rechtfertigt und auch letztlich – aus der praktischen
Hochschulerfahrung heraus sicher nicht ohne Grund – „angepasste“ Studien-
und Aneignungsformen als sinnvoll und erfolgsversprechend vorstellt.
Nicht zu erwarten ist eine eingehendere kritische Reflexion der
Studiensituation, soweit nicht Ratschläge zum Umgang mit zu
erwartenden Problem- und Konfliktsituationen angesprochen werden (vor
allem mit Hinweisen auf den heutigen Massenbetrieb und die Überfüllung
von Vorlesungen und Seminaren, die die eigene Studienplanung
beschränken). Die kritische Perspektive des Verfassers, die immer
wieder durchscheint, richtet sich eher gegen Ansprüche und alltägliche
Umgangsformen der heutigen Studenten. Darüber ließe sich trefflich
streiten, gerade auch aus der Perspektive des politischen Unterrichtes in
der Schule heraus...
Einige Kapitel, wie
das über die Referate, sind - in übertragener Situation - auch für
Oberstufenschüler lesenswert. Das Heft sollte durchaus schon
Schülern ab Klassenstufe 11 als orientierende Anregung und praktische
Hilfe empfohlen werden (solange es eine solche sinnvolle Schrift für
Schüler noch nicht gibt).
Gerhard Voigt,
Politische Bildung. Allgemeines 1.0., Methodik/Didaktik 1.3.
۞
Umwelterziehung in der Krise
Helmut Schreier,
Hrsg.: Die Zukunft der Umwelterziehung. Umwelterziehung Band 7. Verlag Dr.
R. Krämer, Hamburg 1994. 275 S.
„Vor Illusionen muss
man sich hüten. Die Vorstellung, dass man es nur deutlich genug
auszusprechen braucht, damit auch danach gehandelt wird, darf man sich
nicht machen. Doch die andere Sünde, vor der man sich hüten muss, ist der
Fatalismus!“ Diese Sätze von Hans Jonas 1992, die Jürgen Liepe in seinem
Nachwort zitiert (S. 256), charakterisieren die Problematik des
Selbstverständnisses heutiger Umwelterziehung und ziehen sich wie ein
Leitfaden durch die Widersprüchlichkeiten der einzelnen Aufsätze dieses
ansonsten anregenden und verdienstvollen Bandes, der aus
Vortragsmanuskripten des Frankfurter Umwelttages 1992 hervorgegangen ist.
Der Herausgeber
gliedert die Aufsätze in zwei Gruppen: „Ideen“ und „Ansätze“, wobei
letztere in exemplarischen Beispielen die Spannweite praktischer,
ökologisch orientierter Umgestaltungen belegen, ohne dabei das Feld
systematischer Abstecken zu können. Umwelterziehung im ganzheitlichen
Sinne wird von Gerhard Winkel auf die verschiedenen Bereiche der
Umwelterfahrung des Menschen bezogen – sinnliche, religiöse,
künstlerische, wissenschaftliche und soziale Zugänge werden reflektiert.
Wilfried Buddensieck stellt ein konkretes architektonisches Projekt
einer „ökologischen Schule“ vor, Christa Müller prüft die
Tauglichkeit der Methode der „Spurensicherung“ für Projekte der
Umwelterziehung in der Erwachsenenbildung, und noch stärker in die
Methodik steigt Helmut Gärtner in seinen Überlegungen zur
Planungspartizipation und Lernortdidaktik ein.
So anregend jedes
dieser praktischen Beispiele zur Umwelterziehung ist, so deutlich werden
dabei die konzeptionellen Schwächen von Aufsatzsammlungen, die letztlich
aus dem gesprochenen Wort vor einem konkreten Publikum hervorgegangen
sind, die notwendigen Diskussionen und Auseinandersetzungen aber nicht
mit Dokumentieren können.
So fällt es auf, dass
die sehr reflexiven Versuche, auch den sozialpsychologischen und
gesellschaftlichen Aspekt des Umweltbegriffes und der ökologischen
Erkenntnis darzustellen, wie es Mitchell Thomashow mit der Diskussion
einer „Umwelt-Identität“ und Jürgen Hasse mit dem Aufzeigen der Spannung
zwischen „Naturidealisierung und politischer Intervention“ (wenn auch mit
nicht unumstrittenen Ergebnissen) versuchen, in den „Ansätzen“ kaum Spuren
hinterlassen. Das naive Verständnis „Natur ist gut“, das die
gesellschaftliche Fundierung des Naturbegriffes außer Acht lässt, und der
wenig reflektierte antiurbane und damit antizivilisatorische Affekt
erschwert die sachgerechte Begründung ökologisch orientierten Handelns,
das damit leicht wieder in sektiererische gesellschaftliche Nischen
gedrängt wird. Hier aber bietet der umfassende Einführungsartikel des
Herausgebers über die Möglichkeiten einer global orientierten
„Erweiterung des Bewusstseinshorizontes“ sinnvolle Perspektiven an.
Die Diskussion könnte
hier bei dem zum Widerspruch reizenden, aber fundierten und gut
systematisierten Aufsatz von Gerhard Trommer über „Das Wilde – Subjekt
und Objekt landschaftsbezogenen Umweltbewusstseins“ ansetzen, der die
amerikanische „wilderness“-Utopien (Walden etc.) für ein Plädoyer für
eine Neubewertung des Wildheitsmotives in der Umwelterziehung. Mit
Ulrich Gebhard ist hier dann doch zu fragen: „Wie viel Natur braucht der
Mensch?“
Es ist zumindest
problematisch, wenn unter der Hand menschliche Zivilisation und Urbanität
als negatives Gegenbild zur „guten Natur“ entwickelt werden, wobei auch
die angesichts der aktuellen Kriege und Sozialkatastrophen mindestens
ebenso wichtige Frage „Wie viel Zivilisation braucht der Mensch?“ an den
Rand gedrängt wird.
Gerhard Voigt,
Umwelt 6.13., Methodik/Didaktik 1.3.
۞
Umweltzerstörung in der Dritten Welt
Wöhlcke, Manfred:
Umwelt- und Ressourcenschutz in der internationalen Entwicklungspolitik:
Probleme und Zielkonflikte. (Aktuelle Materialien zur Internationalen
Politik. Stiftung Wissenschaft und Politik. Band 23). Nomos
Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1990; 146 S.
Die Umweltprobleme in
den Entwicklungsländern haben mittlerweile eine Dimension angenommen, dass
auch die Industrienationen ein zunehmendes Interesse an dieser
Verschärfung der globalen Umweltkrise zeigen, die die Erfolge der
Entwicklungshilfe entwertet und gefährdet. Ausgehend von dieser Einsicht
legt der Verfasser eine systematisch gegliederte Studie über die
Zusammenhänge zwischen Entwicklungspolitik und Umweltproblemen in den
Entwicklungsländern vor.
Ein erster, knapper
allgemeiner Teil listet die Problemfelder und Faktoren der Umweltbelastung
auf und nimmt eine erste Gewichtung in Hinblick auf die zukünftigen
Entwicklungen vor. Dabei werden „Umweltzerstörung und
Ressourcenvergeudung“ als interdependentes Gesamtproblem verstanden. Der
zweite, gewichtigere Teil stellt die umweltpolitischen Programme und
Aktivitäten internationaler Institutionen vor und befasst sich dann
schwerpunktmäßig mit der „Ökologisierung der Entwicklungshilfe am Beispiel
der Bundesrepublik Deutschland“. Der Verfasser stellt dabei kritisch fest,
dass „auch eine wesentliche Aufstockung und/oder eine zunehmende
Ökologisierung der Entwicklungshilfe bei bestmöglichem Mitteleinsatz nicht
viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein bedeuten können“ [S. 38]
und belegt das durch aktuelle Daten. Der dritte Hauptteil stellt die
Umsetzungsprobleme ökologischer Zielsetzungen und Programme in der
Entwicklungshilfe dar. Dabei wird das Spannungsverhältnis zwischen den
Zielen „Maximierung ökonomischen Nutzens und Minimierung ökologischer
Schäden“ ebenso deutlich herausgearbeitet wie der Widerspruch zwischen
globaler ökologischer Verantwortung und nationalem Interesse. Es wird
festgestellt, dass auch positive Programme und Umweltschutzgesetze in der
Dritten Welt oft an den mangelnden materiellen Möglichkeiten scheitern.
Der Materialteil
zitiert u.a. die „Anleitung zur Umweltverträglichkeitsprüfung“ in der
Entwicklungshilfe, das „Memorandum zur Verantwortung... für den Erhalt
der... tropischen Regenwälder“ sowie neben statistischen Tabellen weitere
Berichte
und Memoranden zur
Entwicklungspolitik aus dem Bereich der europäischen Institutionen.
Das Buch eignet sich
als systematische Einführung mit vielfältigen Hinweisen zur Vertiefung und
Weiterarbeit und einem praktikablen Materialanhang.
Der einleitende
allgemeine Teil bleibt dabei recht knapp und exkursorisch und wird erst
bei entsprechenden Vorkenntnissen als Überblick verwertbar.
Für die
Konkretisierung der vielen erwähnten Beispiele und ihre individuelle
Beurteilung ist die Heranziehung weiterer Materialien und Quellen
sinnvoll. In Hinblick auf eine handlungsbezogene
Umsetzung in der
Politikberatung könnten sich jedoch Probleme ergeben, die der Verfasser
selbst anspricht: „Inwieweit eine solche Arbeit im operativen Sinne
nützlich sein kann, ist nicht leicht zu bestimmen, da es in erster Linie
um allgemeine und perspektivische Probleme geht, die sich nicht in jedem
einzelnen operativen Vorgang unbedingt sehr konkret niederschlagen müssen
(wohl aber in der Summe aller operativen Vorgänge)“ [S. 9].
Gerhard Voigt,
Entwicklungspolitik 8.5, Umwelt 6.13
۞
Ökologische Krise
Henkenborg, Peter:
Zwischen Mensch und Natur: Ökonomie, Politik und Gesellschaft. (Politische
Bildung. Materialien für den sozialwissenschaftlichen Kursunterricht.
Herausgegeben von Kurt Gerhard Fischer). J.B.Metzlersche
Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1989; 84 S., DM 13,--
„Seitdem der Friede
mit der Natur zu einem Thema der Politik geworden ist, vollzieht sich in
den allermeisten Industrieländern eine historische Zäsur“ (S.7). Von
diesem Befund ausgehend strukturiert der Verfasser sowohl seine knappe
thematische Einleitung wie eine Materialsammlung relativ kurzer Texte und
Quellen für den Politikunterricht in der gymnasialen Oberstufe um den
zentralen Begriff der „ökologischen Krise“ herum. Die „historische Zäsur“
wird belegt mit Quellen zu der zentralen Fragestellung nach den „Grenzen
des Wachstums“ (S.23ff.), der Rohstoff- und der Nahrungsproblematik. Von
anderen Unterrichtswerken unterscheidet sich der Band vor allem durch den
zweiten Materialblock, mit dem die ethischen und erkenntnistheoretischen
Kontroversen um die „anthropozentrische Täuschung“ (S.38) im Umgang mit
der Natur erarbeitet werden können. Klassische Zitate von Aristoteles,
Bacon, Descartes und Condorcet belegen das Entstehen des
naturwissenschaftlichen Weltbildes, Hannah Arendt, Carl Amery,
P.C.Mayer-Tasch und Albert Schweitzer repräsentieren verschiedene
Alternativen ethisch bestimmten Umganges mit der Natur. Wichtig zum
Verständnis ist dabei die Einbeziehung der kritischen Ausführungen in dem
entsprechenden Abschnitt der Einleitung (S. 9ff.). Weitere Abschnitte des
einleitenden Textes wie dazu gehörende Materialblöcke befassen sich mit
den Problemen der Wachstumsökonomie – auch der Begriff der
„Risikogesellschaft“ (Ulrich Beck) wird vorgestellt - und der politischen
Konsequenzen aus den gewonnenen allgemeinen Einsichten.
Positionen der
„etablierten Parteien“ werden den „neuen sozialen Bewegungen“ (S.73ff.)
gegenübergestellt und ermöglichen eine offene und kontroverse
Unterrichtsgestaltung. So unterschiedliche Autoren wie Lothar Späth,
Siegfried Lörcher, Jürgen Habermas, Herbert Gruhl u.a. markieren die
Spannweite der Textauswahl.
Eine Erprobung im
Unterricht zeigte die didaktische Eignung der Textauswahl und die
Praktikabilität der - knappen - Arbeitsaufträge und Fragestellungen. Zu
einigen zentralen Themenbereichen wären umfangreichere Textauszüge, die
den Argumentationsgang der Verfasser deutlicher hervortreten ließen,
wünschenswert. So bleibt die Materialarbeit etwas kurzatmig. Auch wären
Angaben zu den Quellen und deren Verfassern sinnvoll, um den Schülern über
die immanente Auseinandersetzung mit den Texten hinaus Kriterien an die
Hand zu geben, den Stellenwert einer Quelle oder eines Verfassers in der
„öffentlichen Diskussion“ besser einschätzen zu können, was für ein
ideologiekritisches Arbeiten wichtig wäre.
Insgesamt folgt das
Arbeitsbuch jedoch einem didaktisch ausgewogenen und offenen, jedoch nicht
unverbindlichen Konzept, das es für den Einsatz in der Sekundarstufe II
als recht geeignet erscheinen läßt.
Gerhard Voigt,
Umwelt 6.13, Politische Bildung in der Schule 1.5
۞
Pädagogische Umweltethik
Mertens, Gerhard:
Umwelterziehung. Eine Grundlegung ihrer Ziele. Ferdinand Schöningh,
Paderborn 1989
Sowohl im Gesamtaufbau
des Buches wie in der eingehenden theoretisch-philosophischen
Argumentation bezieht sich Mertens auf drei Grundkategorien, die für ihn
konstitutiv für eine umfassende Fundamentierung der Umwelterziehung sind:
die pädagogische Praxis im Beziehungsfeld pädagogischer Normen und Ziele,
die ethische Normierung und die anthropologische Fundierung. Im
einführenden Teil I („Thematische Exposition“, S. 19ff.) werden diese
Kategorien aufgebaut, wobei die Strukturen auch der praktischen Pädagogik
vor allem bezogen auf ihren immanenten Normorientierungen gesehen werden.
Zentrale ethische und anthropologische Wertkategorien sind für den
Verfasser die „Autonomie“, die „Vernunft“ und die „Würde des Menschen als
Person“, die eine „ökologische Mündigkeit“ begründen können (S. 87f.). Die
Kategorien werden weitgehend als absolute Wertkategorien außerhalb
historisch-gesellschaftlicher Bedingtheiten definiert und aus dem
philosophischen Diskurs, der auf die Klassiker zurückgreift, abgeleitet,
wobei die Hermeneutik-Problematik eine bezeichnende Rolle spielt.
Der Grundlegung folgt
in Teil II (in 2) die naturanthropologische und (in 3) die
kulturanthropologische Spezifizierung. Ausgangspunkt ist der Rekurs auf
den Dualismus Natur und Geist/Geschichte für die Bestimmung des Menschen
(S. 107), aus dem das Bewusstsein der eigenen „Nichtigkeit“ gegenüber dem
Absoluten der Schöpfung erwächst (S. 121). „Nur im Offenhalten des
Überzweckhaften der Natur vermag der Mensch auf Dauer die Erfahrung des
Selbstzwecklichen seiner selbst durchzutragen“ (S. 143). Die
ökologisch-ethische Grundlegung der Umwelterziehung (4) setzt sich
zunächst kritisch mit dem systemtheoretischen Ansatz Luhmanns auseinander
und stellt diesem die „Ethisierung der Natur“ (S. 151f.) gegenüber. Der
Verfasser fordert auch hier als Grundlage der ökologischen Ethik die
„Respektierung des Eigenwertes der Natur“.
Im Teil III werden
„ökologische Sachkompetenz“, „Ehrfurcht“ und „Obsorge“ als zentrale
didaktische Leitbegriffe entwickelt. Umwelterziehung wird letztlich zum
Religionsunterricht, in dem die „kosmische Einheitserfahrung“ (S. 243) zur
Vermittlung von „Geborgenheit, Halt und Sinn“ (S. 252) in Wert gesetzt
wird. Die praktische Umsetzbarkeit bleibt jedoch in diesen vorwiegend
reflektiv-theoretischen Ausführungen nur umrisshaft angedeutet.
Mertens geht von einem
christlich geprägten klassischen Erziehungsverständnis aus, das
gesellschaftlich-politische Konfliktaufbereitung weitgehend negiert und
anthropologische Problemen in der idealistisch-geisteswissenschaftlichen
Tradition begegnet. Für den Praktiker mag dabei die Bestandsaufnahme und
die Auseinandersetzung mit vorhandenen und erprobten Ansätzen der
Umweltpädagogik zu kurz kommen. Bei einer kritischen Betrachtung kann auch
eingewendet werden, dass hier zu sehr nur aus der Sicht der „Wertfächer“
argumentiert wird und sozial- und politikwissenschaftliche Kategorien kaum
einbezogen werden. Das so entwickelte Konzept lässt sich nur schwer im
Rahmen einer politischen Bildung umsetzen, die sich neueren, handlungs-
und konfliktorientierten politikdidaktischen Ansätzen verpflichtet weiß.
Gerhard Voigt,
Umwelt 6.13, Politische Bildung in der Schule 1.5
۞
Ökologische Alltagstheorien
Kahlert, Joachim:
Alltagstheorien in der Umweltpädagogik. Eine sozialwissenschaftliche
Analyse. Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1990
Lehrer sind „in der
Regel weder aufgrund ihrer Ausbildung noch aufgrund ihrer pädagogischen
Tätigkeit Experten für die wirtschaftlichen, juristischen, außen- und
innenpolitischen Bedingungen einer wirksamen Umweltpolitik“ (S. 2); umso
abhängiger sind sie von umweltpädagogischen Publikationen und
veröffentlichten Unterrichtseinheiten.
Kahlert stellt in
seiner umfangreichen empirisch-kritischen Bestandsaufnahme
umweltpädagogischer Unterrichtseinheiten und didaktischer Aufsätze
deutliche Defizite sowohl in der Sachkompetenz wie in der kritischen
Reflexion der jeweiligen Urteils- und Handlungsgrundlagen fest. Diese
nicht weiter hinterfragten „Alltagstheorien“, die gleichermaßen Aussagen
über unsere Gesellschaft implizieren, sieht der Autor als wichtigstes
Hemmnis für einen rationalen und praktisch umsetzbaren Umweltunterricht
an. In der theoretischen Einleitung wird neben methodischen Hinweisen und
einer Offenlegung des eigenen Erkenntnisinteresses vor allem der Kontext
zwischen Werthaltungen und der Motivation, sich mit konkreten
Umweltproblemen zu beschäftigen, thematisiert. Der theoretische Rahmen
wird dabei, verkürzt gekennzeichnet, durch Max Webers
sozialwissenschaftliche Werttheorie und die Systemtheorie Niklas Luhmanns
abgesteckt.
Besonderes
Charakteristikum der empirischen Bestandsaufnahme ist die systematische
Formalisierung der Beurteilungskriterien, denen die untersuchten Aufsätze
zugeordnet werden. „Die Fülle von 547 Stellungnahmen der
umweltpädagogischen Literatur ließ sich dabei auf eine überschaubare
Anzahl von 18 Grundpositionen mit zum Teil mehreren Varianten reduzieren“
(S. 264). In den Schlussfolgerungen kritisiert Kahlert als Ergebnis seiner
Untersuchungen, entsprechend seinem einleitend vorgestellten
wissenschaftlichen Konzept, dass die umweltpädagogische Literatur in hohem
Maße durch natur- und gesellschaftswissenschaftliche Defizite
gekennzeichnet ist, die meist schon durch den undifferenzierten Denkansatz
bedingt werden, bei dem pauschal von „dem Menschen“ und „der Gesellschaft“
die Rede ist, denen „globale“ oder „ganzheitliche“ Katastrophen und
Gefährdungen drohen. Diese Form Emotionen weckender Umweltliteratur hält
Kahlert nicht nur für falsch sondern auch für gefährlich, da sie
potentiell politische Apathie oder ethisch motivierte Radikalisierung
hervorrufen könnte.
Einer stärkeren
emotionalen oder moralisierenden Fundierung des Umweltunterrichtes steht
der Autor daher weitgehend ablehnend gegenüber und rekurriert auf ein
pragmatisches Politikmodell im Sinne von Popper. Er stellt dabei der
„gesinnungsorientierten“ Kommunikation eine „verständigungsorientierte
Kommunikation“ gegenüber.
In dieser Schärfe
scheint jedoch eine solche Unterscheidung kaum durchzuhalten sein. Die
kritische politikdidaktische Diskussion, die sich stärker mit den
situativen und aktionistischen Bedingungen der Schülerexistenz
auseinandersetzt, wird von Kahlert vernachlässigt. Seine apodiktische
Kritik, bei aller Berechtigung im Einzelnen, schärft allzu leicht
Frontlinien, die von einer „pragmatischen Realpolitik“ gegen die „neuen
sozialen Bewegungen“ gezogen werden. Es ist fraglich, ob dies die
Motivation zur Beschäftigung mit Umweltproblemen fördern hilft.
Gerhard Voigt,
Umwelt 6.13, Politische Bildung in der Schule 1.5
۞
Modelle für Wege aus der Krise?
Brown, Lester R.
(ed.): Zur Lage der Welt - 91/92. Daten für das Überleben unseres
Planeten. Worldwatch Institute Report. Deutschsprachige Fassung,
herausgegeben von Gerd Michelsen. In Zusammenarbeit mit der Deutschen
Welthungerhilfe. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1991 (DM 29.80)
Der Herausgeber Lester
R. Brown stellt einen überraschenden Befund in den Vordergrund seiner
thematischen Einleitung zu diesem Sammelband, dass nämlich für beinahe
jeden politischen Sachbereich zwei kontroverse gleichermaßen
datengestützte Sichtweisen möglich sind; so charakterisiert er die
wirtschaftliche Entwicklung der Mehrzahl der Industrieländer
folgendermaßen: „Während diese maßgeblichen, ausgesprochen
wirtschaftsbezogenen Einschätzungen überwiegend positiv ausfallen, sind
alle auf die Umwelt bezogenen Indikatoren durchgehend negativ“ (S. 17).
Die nachfolgenden Einzelstudien zu den Sachbereichen umweltverträgliche
Energiesysteme, Vermeidung von Abfall, Verkehr in den Städten,
Forstwirtschaft, „Wiederherstellung der Umwelt in Osteuropa und der
Sowjetunion“ und den „ökologischen Folgen der Kriegsführung“ betonen
gleichermaßen den grundsätzlichen Widerspruch zwischen den „offiziellen“
optimistischen Lagebeurteilungen und der kritischen bis pessimistischen
Datenauswertung aus der Sicht der Umweltgefährdungen. „Die Schwächung des
Planeten ist weiter fortgeschritten trotz der Anstrengungen nationaler
Regierungen auf dem Gebiet des Umweltschutzes während der letzten 20
Jahre“ (S. 10). Die Auswahl der politischen Sachbereiche zeigt, dass nicht
so sehr die Vollständigkeit eines Globalmodelles in der Tradition Meadows
angestrebt wurde, sondern dass eine sinnvolle Konzentration auf in der
derzeitigen Situation dominante Bereiche erfolgen soll, bei denen die
Chance gegeben ist, durch Bewusstseinsveränderung aktuell politisch
wirksam werden zu können. Dass der Problemdruck hinsichtlich der
Umweltsituation in Osteuropa, der ökologischen Kriegsführung in Nahost,
des Kollaps des Verkehrs in den Metropolen etc. für die öffentliche
politische Willensbildung groß genug ist, scheint evident zu sein. Die
einzelnen Aufsätze des Sammelbandes folgen durchweg einer einheitlichen
Argumentationsstruktur, bei der eine knappe - und in guter
angelsächsischer Tradition lesbare - Problemdarstellung üblichen
optimistischeren Beurteilungen gegenüber gestellt wird, um dann durchaus
konkret und praxisbezogen Vorschläge für alternative politische Strategien
der Problemlösung zu machen. Unterstützt wird die Darstellung durch
umfangreiche Quellenverweise, Heraushebung von Kernsätzen und einige
tabellarische Übersichten.
Der Band eignet sich
gut für einen sachgerechten Einstieg in die genannten Problembereiche im
Rahmen der politischen Arbeit von Parteien, Verbänden und Parlamentariern,
wohl auch in der außerschulischen Bildungsarbeit und für das
Selbststudium. Für eine intensivere Beschäftigung mit den einzelnen Themen
z.B. in der Schule oder für eine Nutzung als Nachschlagewerk wäre eine
detailliertere Ausstattung mit Daten und Tabellen und graphischen
Darstellungen wünschenswert. Etwas kurz kommt die Erörterung der
gesellschaftlichen und politischen Probleme bei der Umsetzung der
„Alternativmodelle“; hier wird der Praktiker mit den eigenen
Problemerfahrungen alleine gelassen. Leider ist die deutsche Übersetzung
etwas flüchtig und nicht fehlerfrei.
Gerhard Voigt,
Politische Sachbereiche, Allgemeines 6.0, Umwelt 6.13
۞
Ansätze des Umweltbewusstseins in Polen
Kremser, Doris und
Schuller, Dieter (Hrsg.): Die Belastung der Danziger Bucht – ein
europäisches Problem globaler Bedeutung. Oldenburg: Bibliotheks- und
Informationssystem der Universität Oldenburg (bis) 1992, 633 S., DM 29,--.
Als die ersten
Verhandlungen über den Verkauf der Danziger Werft an eine amerikanische
Investitorin an der mangelnden Rentabilitätsperspektive scheiterten, kamen
durch die Untersuchungen amerikanischer Experten auch die Umweltprobleme
in der Danziger Bucht deutlicher ins öffentliche Bewusstsein. In diesem
Zusammenhang einbezogene polnische Experten und neu gegründete private
Ingenieur- und Consultbüros haben jetzt weitere Basisdaten zur
Umweltsituation der Danziger Bucht ermittelt und zusammen mit anderen
Autoren in einer polnisch-deutschen Tagung der Universitäten Oldenburg und
Gdansk im März 1991 in beeindruckender Vielfalt und Differenzierung
vorgelegt. Der Tagungsbericht versammelt die Vorträge und Materialien in
ihrer verständlichen Heterogenität, zeigt damit aber die grundsätzliche
Schwäche aller solcher Sammelbände, denen es nicht gelingt, abseits des
unmittelbaren Rezeptionszusammenhanges einer Tagung den problembezogenen
Kontext darzustellen und über das sicherlich für die jeweils beteiligten
Fachrichtungen (in diesem Falle vor allem auch der Ingenieurs- und
Verwaltungswissenschaften) wichtige Materialangebot hinaus die lobenswerte
interdisziplinäre Intention der Tagung in den faktischen Ergebnissen
deutlich zu machen. Der erste allgemeinökologische und geographische Teil
gibt jedoch eine vorzügliche Charakteristik der Danziger Bucht und des in
ihr aufzufindenden Ökosystems und verdeutlicht die lang- und
mittelfristigen Prozesse, die zur heutigen Umweltkatastrophe geführt
haben.
Für den
Wirtschaftsgeographen kommen dabei die notwendigen Informationen über die
Umgestaltung der ökonomischen und sozialen Bedingungen in Polen zu kurz.
Erst eine solche Erweiterung der Reflexion gibt Maßstäbe dafür, welche
realen Möglichkeiten zu sehen sind für eine Verbesserung der
Umweltsituation in der Danziger Bucht. Schnelles, aber kompetentes
politisches Handeln ist dringlich, wie in diesem Band drastisch und
konkret bewiesen wird.
Die aus dem deutschen
Nordseeraum bzw. der deutschen Abwasserwirtschaft hinzugezogenen
Vergleichsbeispiele hätten, um ihren Sinn deutlich zu machen, konkreter
auf die Danziger Bucht übertragen oder zumindest in Hinblick auf
allgemeinere Bewertungs- und Handlungsmaßstäbe ausgewertet werden müssen.
Hier fehlt sicherlich die Dokumentation der Tagungsdiskussionen.
Der Titel des Bandes
ist in seinem „europäischen“ und „globalen“ Anspruch eher peinlich: eine
Nummer kleiner und bescheidener aufzutreten, hätte dem inhaltlich ja
durchaus wichtigen und ernst zu nehmenden Vorhaben besser getan (und auf
„Bestsellerehren“ reflektiert eine solche Publikation ja ohnehin nicht).
Gerhard Voigt
۞
Inhalt
Rio: Dokumente der Hoffnung und
der Skepsis
Engelhardt, Wolfgang/Weinzierl, Hubert (Hrsg.): Der Erdgipfel.
Perspektiven für die Zeit nach Rio
Wissenschaftliche Grundinformationen
Haber, Wolfgang: Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes
Orientierungen zum Thema
„Islam“
Falaturi, Abdoldjavad/Tworuschka, Udo: Der Islam im Unterricht.
Beiträge zur interkulturellen Erziehung in Europa.
Nützliche Hilfe für
das Lehrerstudium
Hermann Giesecke: Studium Pädagogik. Orientierungen und Hinweise
für den Studienbeginn.
Umwelterziehung in
der Krise
Helmut Schreier, Hrsg.: Die Zukunft der Umwelterziehung.
Umweltzerstörung in der
Dritten Welt
Wöhlcke, Manfred: Umwelt- und Ressourcenschutz in der
internationalen Entwicklungspolitik: Probleme und Zielkonflikte.
Ökologische Krise
Henkenborg, Peter: Zwischen Mensch und Natur: Ökonomie, Politik und
Gesellschaft.
Pädagogische
Umweltethik
Mertens, Gerhard: Umwelterziehung. Eine Grundlegung ihrer Ziele.
Ökologische
Alltagstheorien
Kahlert, Joachim: Alltagstheorien in der Umweltpädagogik. Eine
sozialwissenschaftliche Analyse.
Modelle für Wege aus der
Krise?
Brown, Lester R. (ed.): Zur Lage der Welt - 91/92. Daten für das
Überleben unseres Planeten. Worldwatch Institute Report. Deutschsprachige
Fassung, herausgegeben von Gerd Michelsen. In Zusammenarbeit mit
der Deutschen Welthungerhilfe.
Ansätze des
Umweltbewusstseins in Polen
Kremser, Doris und Schuller, Dieter (Hrsg.): Die Belastung der
Danziger Bucht – ein europäisches Problem globaler Bedeutung.
|