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politik unterricht aktuell, Heft 1/2 - 1994

Wandlungen der Politischen Bildung II


Rezensionen

Rezension für die annotierte Bibliographie der Bundeszentrale für Politische Bildung 1991 – 1993

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Inhalt

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Rio: Dokumente der Hoffnung und der Skepsis

Engelhardt, Wolfgang/Weinzierl, Hubert (Hrsg.): Der Erd­gipfel. Per­spektiven für die Zeit nach Rio. Eco­no­mica Verlag, Bonn 1993. 267 S., 6 Tf.

Die „Conference on Environment and Development“ 1992 in Rio de Janeiro, langfristig vorbereitet, weck­te vor allem in der Drit­ten Welt Hoffnungen auf eine Annäherung der Ent­wick­lungs­ziele zwischen den In­dustrieländern und den Ent­wick­lungs­ländern, auch auf einen Ausgleich der sozialen Kosten der not­wen­di­gen Umweltschutzvorstellungen in der Dritten Welt. Die aktuelle Berichterstattung in Deutschland kon­sta­tier­te aber vor allem Enttäuschung und „Un­be­weg­lichkeit der Groß­en“ in ihrer Interessenver­tre­tung „zu Lasten der Dritten Welt“. Für eine dif­fe­ren­zierte Bewertung der Ergebnisse und mög­licher po­litischer Veränderungen nach dieser Konferenz ist aber eine umfassendere Dokumentation der Beiträge und Er­geb­nispapiere auch für diejenigen Politiker und auch Po­li­tik­leh­rer notwendig, die sich nicht selbst durch die Pa­pier­men­gen der Ta­gungs­ma­te­ria­lien durcharbeiten können. Diese not­wen­dige Funk­tion kann das Buch „Der Umweltgipfel“ in ge­eig­ne­ter Form übernehmen.

Eine differenzierende knappe Einführung in die The­men­ge­gen­stän­de des Umweltgipfels durch den Her­aus­ge­ber Hubert Wein­zierl gibt einen brauchbaren Ein­stieg in die Problematik die­ser letztlich zu um­fang­rei­chen und ambitiösen Konferenz, aber auch in die Er­wartung, dass nur eine eigentlich zum Schei­tern ver­urteilte Großveranstaltung eine Weltöffentlichkeit er­reicht, die es für die globalen Umweltprobleme zu sen­sibi­li­sie­ren gilt.

Redebeiträge der Schirmherren der Veranstaltung von Bou­tros-Ghali bis Mario Soares beschwören das aktu­el­le ge­mein­sa­me Ziel einer „nachhaltigen Ent­wick­lung“, die die sozialen Le­bens­bedürfnisse erfüllen soll, ohne damit durch irreversible Ein­griffe in die natürliche Umwelt die Lebensgrundlagen künf­­ti­ger Generationen zu zerstören. Hier liegt nicht nur die zen­trale politische Gestaltungsaufgabe der näch­sten Jahre, son­dern auch ein großer natur- und ge­sellschafts­wis­sen­schaft­licher Forschungsbedarf, um der Wissenschaft ihre der­zeit fraglich gewordene Funk­tion der Politikberatung wie­der­zu­gewinnen.

Eine knappe Dokumentation der Länderberichte, die als Reden oder als schriftliche Berichte vorgelegt wur­den, weist auf die bren­nenden regionalen Um­welt­pro­bleme hin, so auf den Kon­flikt­bereich Un­ter­ent­wick­lung und Überfluss, Klimagefährdung, De­serti­fi­ca­tion, Abholzung der Tropenwälder oder Ver­kehrs­kol­­laps und Abfallflut.

Wolfgang Engelhardt analysiert daraufhin Anspruch, Wirk­lich­keit und Konsequenzen der UNCED und er­öff­net damit eine Dis­kussion über notwendige po­li­ti­sche Folgen in den In­du­strie­ländern und damit auch bei uns in der EU. Wichtig ist dabei auch die kri­ti­sche Sichtung der Fehler in den Be­ra­tun­gen der Welt­konferenz und die Diskussion der noch un­ge­klär­ten Finanzierungsfragen.

Die Dokumente im letzten Abschnitt des Buches fin­den in wört­lichen Auszügen und sachlich ein­wand­frei­en Inhaltsabris­sen ein sinnvolles Maß zwischen Do­kumentation und Hand­hab­bar­keit, das vor allem den Po­litik- und Geographielehrer in sei­ner Un­ter­richts­praxis gut unterstützen kann. Eine wich­ti­ge, not­wendige Publikation.

Gerhard Voigt, Umwelt 6.13., Entwicklungspolitik 8.5.

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Wissenschaftliche Grundinformationen

Haber, Wolfgang: Ökologische Grundlagen des Um­welt­schut­zes. (Umweltschutz – Grundlagen und Praxis, her­ausgegeben von Konrad Buchwald und Wolfgang En­gel­hardt, Bd.1). Economica Verlag, Bonn 1993; 98 S.

Die 17 Bände der Reihe „Umweltschutz“ sind die grund­legende Neubearbeitung des vierbändigen „Hand­bu­ches für Planung, Ge­staltung und Schutz der Um­welt“ von 1978/80. Die wis­sen­schaftliche und um­welt­­politische Fortentwicklung seit Beginn der acht­­­ziger Jahre machte eine grundlegende Neu­kon­zep­tion not­wendig, bei der der Band 1 die notwendigen na­­tur­wis­sen­schaft­lichen, biologisch-ökologischen Grund­­­lagen knapp und sy­stematisch aufbereitet, die für eine Arbeit mit den themen- und problemzen­trier­­ten Folgebänden notwendig sind.

Auf­­bauend auf dem aktuellen Stand der biologisch-öko­­lo­gi­schen Forschung erläutert der Verfasser, Lehr­stuhlinhaber für Landschaftsökologie an der TU Mün­chen, nach einigen not­wendigen Be­griffs­be­stim­mun­gen und Problemabgrenzungen das Sy­stem der Um­weltsphären, der Ökosysteme und Ökotope, der Ökologie der Arten und Populationen und der Bio­zönosen – jeweils mit übersichtlichen gra­phi­schen Darstellungen und Sche­mata –, um abschließend in einem ausführlichen Kapitel die Stellung des Men­schen als Kulturwesen in seiner Umwelt zu un­ter­su­chen. Die Darstellung beschränkt sich dabei bewußt auf die naturwissenschaftliche Seite des Um­welt­be­griffs, wobei die heute oft erfolgende, in der kul­tur­wissenschaftlichen Diskussion wohl auch not­wen­dige, Ausweitung des Umwelt­be­griffs auf die so­zia­le, psychische, wirtschaftliche oder kul­tu­rel­le Um­welt „den Zuständigkeitsbereich der Ökologie weit über­­schreitet“ (S. 5). „Umwelt im ökologischen Sin­ne ist daher stets die biologisch wirksame Umwelt. Die Ökologie ist zu­stän­dig für die sog. Ele­men­tar­be­dürfnisse der Lebewesen, die stets erfüllt sein müs­sen, nämlich Licht, Wärme, Luft, Wasser, Nah­­rung, Raum und Partner-Lebewesen; hinzu kommt ein sieb­­tes, schwierig zu definierendes Bedürfnis, das ... den Orga­nis­men ermöglicht, sich in ihrer Umwelt zweck­mäßig zu ver­hal­ten oder auf sie zu reagieren“ (ibid.).

Was zunächst als thematische Einschränkung er­scheint, er­weist sich in der Darstellung mit dem Ziel der „Vernetzung“ der genannten Bedürfnisse und ih­rer ökologischen Grundlagen als äußerst komplexes und sensibles System, das es ver­ständ­lich macht, dass in einer oft eher holzschnittartig geführten Um­­weltauseinandersetzung im politischen Rahmen die sen­siblen Ur­sachen-Wirkungs-Gleichgewichte ver­nach­läs­sigt werden und Um­weltschutzmaßnahmen oftmals schon auf der ökologischen Ebe­ne zu nicht vorher ge­sehenen Ergebnissen führen. Um­welt­politikern wie Leh­rern, die in der Schule das notwendige The­ma „Um­welt“ gründlich und kompetent behandeln wollen, ist dieses Buch sehr zu empfehlen; gerade Politik- und Ge­sell­schaftswissenschaftler können durch eine Ein­arbeitung in die ökologischen Grundlagen zu dif­fe­renzierteren und sach­li­cheren Beurteilungen der drin­gend notwendigen Um­welt­orien­tie­rung des ge­sell­schaftlichen Handelns gelangen.

Die Zielrichtung ist in dem Band selbst schon an­ge­deu­tet, wenn Umweltschutz in der Fähigkeit der na­tür­lichen Ökosyste­me zur „Beständigkeit oder Nach­hal­tigkeit als Fähigkeit zur län­gerfristigen Auf­recht­erhaltung - unter möglichster Gleich­mä­ßigkeit der Abläufe – des Systems einschließlich seiner Pro­duk­tivität“ begründet wird und damit die Brücke zum glo­ba­len Entwicklungsziel der „nachhaltigen Ent­wicklung“ („Rio-Gipfel“) geschlagen wird.

Gerhard Voigt, Umwelt 6.13.

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Orientierungen zum Thema „Islam“

Falaturi, Abdoldjavad/Tworuschka, Udo: Der Islam im Unterricht. Beiträge zur inter­kulturellen Erziehung in Europa. (Beilage zu den Studien zur inter­natio­na­len Schulbuchforschung. Schriftenreihe des Georg-Eckert-Instituts) Braun­schweig 1991 (2. Aufl. 1992. Vertrieb: Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt/M.) 50 S., DM 7.50

Das Thema „Islam“ spielt im Politikunterricht wie in der außerschulischen Politischen Bildung eine zu­nehmende Rolle. Der Kenntnisstand der Lehrer ist wie der der Öffentlichkeit aber keineswegs ent­spre­chend besser geworden, so dass ein großes Bedürfnis an sachlicher Orientierung besteht. Ausgehend von einer umfassenden Schulbuchanalyse des Georg-Eckert-Instituts, die in den letzten Jahren in meh­re­ren Bänden vorgelegt worden ist, fassen die Her­aus­geber nun die inhaltlichen Ergebnisse bezogen auf die zentralen Informationsdefizite und Missverständnisse gegenüber dem Thema Islam in einem schma­len Heft systematisch zusammen und stellen the­matisch gegliedert „sachgemäße“ und „un­sach­ge­mäße“ Aussagen gegenüber. Sie orientieren sich da­bei an einem im genannten Projekt erarbeiteten in­halt­lichen Minimalkonsens europäischer Islamisten und muslimischer Wissenschaftler verschiedener Rich­tungen, so dass verlässliche und ausgewogene Aus­sa­gen und Urteile die Arbeit mit diesem Buch leicht machen.

Die inhaltlichen Kapitel gliedern sich nach den The­menbereichen, die im politischen Unterricht wie in der kritischen Auseinandersetzung mit der Be­richt­erstattung über die Ereignisse im Nahen Osten im­mer wieder angesprochen, und oft vor­ur­teils­be­la­den und sachlich falsch vermittelt werden, so z.B. der islamische Gottesbegriff, die Überlieferungen über die Person Muhammads und die Beziehungen des Is­lam zum Judentum und Christentum (wobei keine har­monisierende Ideologie die theologischen Grund­un­terschiede verwischt); vor allem aber sind die zen­tralen Aussagen über das islamische Recht, die Scharia, die Stellung der Frau und den Dschihad, der immer wieder sprachlich wie inhaltlich falsch mit „heiliger Krieg“ bezeichnet wird, von großem In­teresse.

Die Arbeit mit diesem Buch wird, über eine all­ge­mei­ne Grundinformation hinaus, wohl vor allem in sei­ner Eignung als „Messlatte“ für die Richtigkeit von vorgefundenen oder eigenen Aussagen über den Is­lam zu finden sein. Lehrerinnen und Lehrern kann nur empfohlen werden, im Unterricht verwendete Tex­te und Materialien vorab mit Hilfe dieses prak­ti­schen Heftes zu prüfen und die einzelnen Aussagen, die im Unterricht eine Rolle spielen, zu ve­ri­fi­zie­ren. Dadurch wäre vieles geleistet für ein vor­ur­teils­freieres und verständnisvolleres Miteinander zwi­schen uns Westeuropäern und den Menschen im is­la­misch geprägten Kulturkreis des Nahen Ostens. Die Her­ausgeber versuchen ihre Erkenntnisse denn auch in Zusammenarbeit mit deutschen Fach­wis­sen­schaft­lern zur Grundlage einer derzeit in Arbeit be­find­li­chen länderkundlichen und historischen Ar­beits­buch­reihe für die Schule zu machen („Der Islam: Raum-Geschichte-Religion“), die verdienstvolle An­stöße zur Revision gängiger Unterrichtsinhalte ge­ben kann.

Gerhard Voigt, Politische Bildung 1.0., Naher und Mittlerer Osten 10.9.

Nützliche Hilfe für das Lehrerstudium

Hermann Giesecke: Studium Pädagogik. Orientierungen und Hinweise für den Studienbeginn. Juventa Verlag, Wein­heim und München 1994. 148 S.

Das schmale Heftchen - Neubearbeitung der „Anleitung zum pädagogischen Studium“ von 1974 - gibt eine gut les­bare, pra­xis­be­zogene Handreichung für den Stu­dien­beginner nicht nur, wie als Ziel­grup­pe gedacht, für den Pädagogik- und Lehr­amts­kan­di­daten, sondern ganz allgemein für Stu­denten der gei­stes­wis­sen­schaft­li­chen Fächer. Der Ab­schnitt „Wis­senschaft und pä­d­ago­gischer Beruf“ (S. 39-66) gibt darüber hinaus Orien­tierungen für an­gehende Päd­agogen, die ihm hel­fen, sich von nai­ven Be­rufs­per­spektiven zu lösen und da­mit die Wi­der­sprüche in der Studienerfahrung und den dro­hen­den „Praxis­schock“ bewältigen zu lernen.

Sy­stematisch führt Giesecke als langjähriger Hoch­schul­­lehrer und anerkannter Didaktiker der Pä­da­go­gik und der Gesellschaftswissenschaften in die Stu­dien­si­tua­tion ein, ausgehend vom Studienbeginn, den Stu­dien­­motiven (S. 13) und den ersten Ori­en­tie­rungs­pro­ble­men im Massenbetrieb der heutigen Hoch­schu­len. Die Probleme einer sinnvollen in­di­vi­du­el­len Stu­dien­pla­nung werden erörtert (S. 67), die Lehr­ver­an­stal­tun­gen, die Arbeitsorganisation und die Studienleistun­gen, die letztlich hin zur Abschlussprüfung führen wer­den vorgestellt, wobei auf Schwie­rigkeiten und mög­liche Missverständnisse hin­ge­wiesen und erprobte Ar­beitsformen und ihre Ein­be­zie­hung in die eigene Stu­dienplanung anempfohlen werden.

Dass hier vor allem auch Schwerpunkte aus dem Er­fah­rungs- und Lehrbereich des Autors gesetzt werden, ist im Sinne der Konkretheit der Einführung nur sinn­­voll; andere Akzentsetzungen wären zwar mög­lich, doch werden die Ratschläge in diesem Heft in je­dem Fall eine konkrete Hilfe für den Stu­dien­be­gin­ner und den Abiturienten vor der eigentlichen Stu­dien­ent­schei­dung sein.

Studienerfolg wird sehr pragmatisch als Prü­fungs­er­folg verstanden, was sowohl Hinweise auf ent­spre­chen­de Prüfungs- und Ausleseverfahren im Berufs­le­ben recht­fertigt und auch letztlich – aus der prak­ti­schen Hoch­schulerfahrung heraus sicher nicht ohne Grund – „angepasste“ Studien- und Aneignungsformen als sinn­voll und erfolgsversprechend vorstellt. Nicht zu er­war­ten ist eine eingehendere kritische Re­­flexion der Stu­diensituation, soweit nicht Rat­schlä­­ge zum Umgang mit zu erwartenden Problem- und Kon­­fliktsituationen an­gesprochen werden (vor allem mit Hinweisen auf den heu­tigen Massenbetrieb und die Überfüllung von Vor­le­sungen und Seminaren, die die eigene Stu­dien­pla­nung beschränken). Die kri­ti­sche Perspektive des Ver­fas­sers, die immer wieder durch­­scheint, richtet sich eher gegen Ansprüche und all­tägliche Umgangsformen der heutigen Studenten. Da­rüber ließe sich trefflich streiten, gerade auch aus der Perspektive des politischen Unterrichtes in der Schule heraus...

Einige Kapitel, wie das über die Referate, sind - in über­tragener Situation - auch für Ober­stu­fen­schü­ler le­senswert. Das Heft sollte durchaus schon Schü­lern ab Klassenstufe 11 als orientierende An­re­gung und prak­tische Hilfe empfohlen werden (solange es eine sol­che sinnvolle Schrift für Schüler noch nicht gibt).

Gerhard Voigt, Politische Bildung. Allgemeines 1.0., Methodik/Didaktik 1.3.

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Umwelterziehung in der Krise

Helmut Schreier, Hrsg.: Die Zukunft der Umwelterziehung. Umwelterziehung Band 7. Verlag Dr. R. Krämer, Hamburg 1994. 275 S.

„Vor Illusionen muss man sich hüten. Die Vorstellung, dass man es nur deutlich genug auszusprechen braucht, damit auch danach gehandelt wird, darf man sich nicht machen. Doch die andere Sünde, vor der man sich hüten muss, ist der Fatalismus!“ Diese Sätze von Hans Jonas 1992, die Jürgen Liepe in seinem Nach­wort zitiert (S. 256), charakterisieren die Problematik des Selbstverständnisses heutiger Umwelterziehung und ziehen sich wie ein Leitfaden durch die Wider­sprüchlichkeiten der einzelnen Aufsätze dieses ansonsten anregenden und verdienstvollen Bandes, der aus Vortragsmanuskripten des Frankfurter Umwelttages 1992 hervorgegangen ist.

Der Herausgeber gliedert die Aufsätze in zwei Grup­pen: „Ideen“ und „Ansätze“, wobei letztere in exem­pla­ri­schen Beispielen die Spannweite praktischer, öko­lo­gisch orientierter Umgestaltungen belegen, ohne dabei das Feld systematischer Abstecken zu können. Um­welt­er­ziehung im ganzheitlichen Sinne wird von Gerhard Win­kel auf die verschiedenen Bereiche der Umwelt­er­fah­rung des Menschen bezogen – sinnliche, religiöse, künst­lerische, wissenschaftliche und soziale Zugänge wer­den reflektiert. Wilfried Buddensieck  stellt ein kon­kretes architektonisches Projekt einer „öko­lo­gi­schen Schule“ vor, Christa Müller prüft die Taug­lich­keit der Methode der „Spurensicherung“ für Projekte der Umwelterziehung in der Erwachsenenbildung, und noch stärker in die Methodik steigt Helmut Gärtner in sei­nen Überlegungen zur Planungspartizipation und Lern­ortdidaktik ein.

So anregend jedes dieser praktischen Beispiele zur Umwelterziehung ist, so deutlich werden dabei die kon­zeptionellen Schwächen von Aufsatzsammlungen, die letzt­lich aus dem gesprochenen Wort vor einem kon­kre­ten Publikum hervorgegangen sind, die not­wen­di­gen Diskussionen und Auseinandersetzungen aber nicht mit Dokumentieren können.

So fällt es auf, dass die sehr reflexiven Versuche, auch den sozialpsychologischen und gesellschaftlichen Aspekt des Umweltbegriffes und der ökologischen Er­kennt­nis darzustellen, wie es Mitchell Thomashow mit der Diskussion einer „Umwelt-Identität“ und Jürgen Hasse mit dem Aufzeigen der Spannung zwischen „Natur­idealisierung und politischer Intervention“ (wenn auch mit nicht unumstrittenen Ergebnissen) versuchen, in den „Ansätzen“ kaum Spuren hinterlassen. Das naive Verständnis „Natur ist gut“, das die gesellschaftliche Fundierung des Naturbegriffes außer Acht lässt, und der wenig reflektierte antiurbane und damit an­tizivilisatorische Affekt erschwert die sachgerechte Be­gründung ökologisch orientierten Handelns, das da­mit leicht wieder in sektiererische gesellschaftliche Ni­schen gedrängt wird. Hier aber bietet der umfassende Ein­führungsartikel des Herausgebers über die Mög­lich­keiten einer global orientierten „Erweiterung des Be­wusstseinshorizontes“ sinnvolle Perspektiven an.

Die Diskussion könnte hier bei dem zum Widerspruch rei­zenden, aber fundierten und gut systematisierten Auf­satz von Gerhard Trommer über „Das Wilde – Sub­jekt und Objekt landschaftsbezogenen Umweltbewusstseins“ ansetzen, der die amerikanische „wilderness“-Uto­pien (Walden etc.) für ein Plädoyer für eine Neu­be­wer­tung des Wildheitsmotives in der Umwelterziehung. Mit Ulrich Gebhard ist hier dann doch zu fragen: „Wie viel Natur braucht der Mensch?“

Es ist zumindest problematisch, wenn unter der Hand mensch­liche Zivilisation und Urbanität als negatives Ge­genbild zur „guten Natur“ entwickelt werden, wobei auch die angesichts der aktuellen Kriege und So­zial­ka­tastrophen mindestens ebenso wichtige Frage „Wie viel Zivilisation braucht der Mensch?“ an den Rand ge­drängt wird.

Gerhard Voigt, Umwelt 6.13., Methodik/Didaktik 1.3.

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Umweltzerstörung in der Dritten Welt

Wöhlcke, Manfred: Umwelt- und Ressourcenschutz in der internationalen Entwicklungspolitik: Probleme und Zielkonflikte. (Aktuelle Materialien zur Internationalen Politik. Stiftung Wissenschaft und Politik. Band 23). Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1990; 146 S.

Die Umweltprobleme in den Entwicklungsländern haben mittlerweile eine Dimension angenommen, dass auch die Industrienationen ein zunehmendes Interesse an dieser Verschärfung der globalen Umweltkrise zeigen, die die Erfolge der Entwicklungshilfe entwertet und gefährdet. Ausgehend von dieser Einsicht legt der Verfasser eine systematisch gegliederte Studie über die Zusammenhänge zwischen Entwicklungspolitik und Umweltproblemen in den Entwicklungsländern vor.

Ein erster, knapper allgemeiner Teil listet die Problemfelder und Faktoren der Umweltbelastung auf und nimmt eine erste Gewichtung in Hinblick auf die zukünftigen Entwicklungen vor. Dabei werden „Umweltzerstörung und Ressourcenvergeudung“ als interdependentes Gesamtproblem verstanden. Der zweite, gewichtigere Teil stellt die umweltpolitischen Programme und Aktivitäten internationaler Institutionen vor und befasst sich dann schwerpunktmäßig mit der „Ökologisierung der Entwicklungshilfe am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland“. Der Verfasser stellt dabei kritisch fest, dass „auch eine wesentliche Aufstockung und/oder eine zunehmende Ökologisierung der Entwicklungshilfe bei bestmöglichem Mitteleinsatz nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein bedeuten können“ [S. 38] und belegt das durch aktuelle Daten. Der dritte Hauptteil stellt die Umsetzungsprobleme ökologischer Zielsetzungen und Programme in der Entwicklungshilfe dar. Dabei wird das Spannungsverhältnis zwischen den Zielen „Maximierung ökonomischen Nutzens und Minimierung ökologischer Schäden“ ebenso deutlich herausgearbeitet wie der Widerspruch zwischen globaler ökologischer Verantwortung und nationalem Interesse. Es wird festgestellt, dass auch positive Programme und Umweltschutzgesetze in der Dritten Welt oft an den mangelnden materiellen Möglichkeiten scheitern.

Der Materialteil zitiert u.a. die „Anleitung zur Umweltverträglichkeitsprüfung“ in der Entwicklungshilfe, das „Memorandum zur Verantwortung... für den Erhalt der... tropischen Regenwälder“ sowie neben statistischen Tabellen weitere Berichte

und Memoranden zur Entwicklungspolitik aus dem Bereich der europäischen Institutionen.

Das Buch eignet sich als systematische Einführung mit vielfältigen Hinweisen zur Vertiefung und Weiterarbeit und einem praktikablen Materialanhang.

Der einleitende allgemeine Teil bleibt dabei recht knapp und exkursorisch und wird erst bei entsprechenden Vorkenntnissen als Überblick verwertbar.

Für die Konkretisierung der vielen erwähnten Beispiele und ihre individuelle Beurteilung ist die Heranziehung weiterer Materialien und Quellen sinnvoll. In Hinblick auf eine handlungsbezogene

Umsetzung in der Politikberatung könnten sich jedoch Probleme ergeben, die der Verfasser selbst anspricht: „Inwieweit eine solche Arbeit im operativen Sinne nützlich sein kann, ist nicht leicht zu bestimmen, da es in erster Linie um allgemeine und perspektivische Probleme geht, die sich nicht in jedem einzelnen operativen Vorgang unbedingt sehr konkret niederschlagen müssen (wohl aber in der Summe aller operativen Vorgänge)“ [S. 9].

Gerhard Voigt, Entwicklungspolitik 8.5, Umwelt 6.13

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Ökologische Krise

Henkenborg, Peter: Zwischen Mensch und Natur: Ökonomie, Politik und Gesellschaft. (Politische Bildung. Materialien für den sozialwissenschaftlichen Kursunterricht. Herausgegeben von Kurt Gerhard Fischer). J.B.Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1989; 84 S., DM 13,--

„Seitdem der Friede mit der Natur zu einem Thema der Politik geworden ist, vollzieht sich in den allermeisten Industrieländern eine historische Zäsur“ (S.7). Von diesem Befund ausgehend strukturiert der Verfasser sowohl seine knappe thematische Einleitung wie eine Materialsammlung relativ kurzer Texte und Quellen für den Politikunterricht in der gymnasialen Oberstufe um den zentralen Begriff der „ökologischen Krise“ herum. Die „historische Zäsur“ wird belegt mit Quellen zu der zentralen Fragestellung nach den „Grenzen des Wachstums“ (S.23ff.), der Rohstoff- und der Nahrungsproblematik. Von anderen Unterrichtswerken unterscheidet sich der Band vor allem durch den zweiten Materialblock, mit dem die ethischen und erkenntnistheoretischen Kontroversen um die „anthropozentrische Täuschung“ (S.38) im Umgang mit der Natur erarbeitet werden können. Klassische Zitate von Aristoteles, Bacon, Descartes und Condorcet belegen das Entstehen des naturwissenschaftlichen Weltbildes, Hannah Arendt, Carl Amery, P.C.Mayer-Tasch und Albert Schweitzer repräsentieren verschiedene Alternativen ethisch bestimmten Umganges mit der Natur. Wichtig zum Verständnis ist dabei die Einbeziehung der kritischen Ausführungen in dem entsprechenden Abschnitt der Einleitung (S. 9ff.). Weitere Abschnitte des einleitenden Textes wie dazu gehörende Materialblöcke befassen sich mit den Problemen der Wachstumsökonomie – auch der Begriff der „Risikogesellschaft“ (Ulrich Beck) wird vorgestellt - und der politischen Konsequenzen aus den gewonnenen allgemeinen Einsichten.

Positionen der „etablierten Parteien“ werden den „neuen sozialen Bewegungen“ (S.73ff.) gegenübergestellt und ermöglichen eine offene und kontroverse Unterrichtsgestaltung. So unterschiedliche Autoren wie Lothar Späth, Siegfried Lörcher, Jürgen Habermas, Herbert Gruhl u.a. markieren die Spannweite der Textauswahl.

Eine Erprobung im Unterricht zeigte die didaktische Eignung der Textauswahl und die Praktikabilität der - knappen - Arbeitsaufträge und Fragestellungen. Zu einigen zentralen Themenbereichen wären umfangreichere Textauszüge, die den Argumentationsgang der Verfasser deutlicher hervortreten ließen, wünschenswert. So bleibt die Materialarbeit etwas kurzatmig. Auch wären Angaben zu den Quellen und deren Verfassern sinnvoll, um den Schülern über die immanente Auseinandersetzung mit den Texten hinaus Kriterien an die Hand zu geben, den Stellenwert einer Quelle oder eines Verfassers in der „öffentlichen Diskussion“ besser einschätzen zu können, was für ein ideologiekritisches Arbeiten wichtig wäre.

Insgesamt folgt das Arbeitsbuch jedoch einem didaktisch ausgewogenen und offenen, jedoch nicht unverbindlichen Konzept, das es für den Einsatz in der Sekundarstufe II als recht geeignet erscheinen läßt.

Gerhard Voigt, Umwelt 6.13, Politische Bildung in der Schule 1.5

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Pädagogische Umweltethik

Mertens, Gerhard: Umwelterziehung. Eine Grundlegung ihrer Ziele. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1989

Sowohl im Gesamtaufbau des Buches wie in der eingehenden theoretisch-philosophischen Argumentation bezieht sich Mertens auf drei Grundkategorien, die für ihn konstitutiv für eine umfassende Fundamentierung der Umwelterziehung sind: die pädagogische Praxis im Beziehungsfeld pädagogischer Normen und Ziele, die ethische Normierung und die anthropologische Fundierung. Im einführenden Teil I („Thematische Exposition“, S. 19ff.) werden diese Kategorien aufgebaut, wobei die Strukturen auch der praktischen Pädagogik vor allem bezogen auf ihren immanenten Normorientierungen gesehen werden. Zentrale ethische und anthropologische Wertkategorien sind für den Verfasser die „Autonomie“, die „Vernunft“ und die „Würde des Menschen als Person“, die eine „ökologische Mündigkeit“ begründen können (S. 87f.). Die Kategorien werden weitgehend als absolute Wertkategorien außerhalb historisch-gesellschaftlicher Bedingtheiten definiert und aus dem philosophischen Diskurs, der auf die Klassiker zurückgreift, abgeleitet, wobei die Hermeneutik-Problematik eine bezeichnende Rolle spielt.

Der Grundlegung folgt in Teil II (in 2) die naturanthropologische und (in 3) die kulturanthropologische Spezifizierung. Ausgangspunkt ist der Rekurs auf den Dualismus Natur und Geist/Geschichte für die Bestimmung des Menschen (S. 107), aus dem das Bewusstsein der eigenen „Nichtigkeit“ gegenüber dem Absoluten der Schöpfung erwächst (S. 121). „Nur im Offenhalten des Überzweckhaften der Natur vermag der Mensch auf Dauer die Erfahrung des Selbstzwecklichen seiner selbst durchzutragen“ (S. 143). Die ökologisch-ethische Grundlegung der Umwelterziehung (4) setzt sich zunächst kritisch mit dem systemtheoretischen Ansatz Luhmanns auseinander und stellt diesem die „Ethisierung der Natur“ (S. 151f.) gegenüber. Der Verfasser fordert auch hier als Grundlage der ökologischen Ethik die „Respektierung des Eigenwertes der Natur“.

Im Teil III werden „ökologische Sachkompetenz“, „Ehrfurcht“ und „Obsorge“ als zentrale didaktische Leitbegriffe entwickelt. Umwelterziehung wird letztlich zum Religionsunterricht, in dem die „kosmische Einheitserfahrung“ (S. 243) zur Vermittlung von „Geborgenheit, Halt und Sinn“ (S. 252) in Wert gesetzt wird. Die praktische Umsetzbarkeit bleibt jedoch in diesen vorwiegend reflektiv-theoretischen Ausführungen nur umrisshaft angedeutet.

Mertens geht von einem christlich geprägten klassischen Erziehungsverständnis aus, das gesellschaftlich-politische Konfliktaufbereitung weitgehend negiert und anthropologische Problemen in der idealistisch-geisteswissenschaftlichen Tradition begegnet. Für den Praktiker mag dabei die Bestandsaufnahme und die Auseinandersetzung mit vorhandenen und erprobten Ansätzen der Umweltpädagogik zu kurz kommen. Bei einer kritischen Betrachtung kann auch eingewendet werden, dass hier zu sehr nur aus der Sicht der „Wertfächer“ argumentiert wird und sozial- und politikwissenschaftliche Kategorien kaum einbezogen werden. Das so entwickelte Konzept lässt sich nur schwer im Rahmen einer politischen Bildung umsetzen, die sich neueren, handlungs- und konfliktorientierten politikdidaktischen Ansätzen verpflichtet weiß.

Gerhard Voigt, Umwelt 6.13, Politische Bildung in der Schule 1.5

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Ökologische Alltagstheorien

Kahlert, Joachim: Alltagstheorien in der Umweltpädagogik. Eine sozialwissenschaftliche Analyse. Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1990

Lehrer sind „in der Regel weder aufgrund ihrer Ausbildung noch aufgrund ihrer pädagogischen Tätigkeit Experten für die wirtschaftlichen, juristischen, außen- und innenpolitischen Bedingungen einer wirksamen Umweltpolitik“ (S. 2); umso abhängiger sind sie von umweltpädagogischen Publikationen und veröffentlichten Unterrichtseinheiten.

Kahlert stellt in seiner umfangreichen empirisch-kritischen Bestandsaufnahme umweltpädagogischer Unterrichtseinheiten und didaktischer Aufsätze deutliche Defizite sowohl in der Sachkompetenz wie in der kritischen Reflexion der jeweiligen Urteils- und Handlungsgrundlagen fest. Diese nicht weiter hinterfragten „Alltagstheorien“, die gleichermaßen Aussagen über unsere Gesellschaft implizieren, sieht der Autor als wichtigstes Hemmnis für einen rationalen und praktisch umsetzbaren Umweltunterricht an. In der theoretischen Einleitung wird neben methodischen Hinweisen und einer Offenlegung des eigenen Erkenntnisinteresses vor allem der Kontext zwischen Werthaltungen und der Motivation, sich mit konkreten Umweltproblemen zu beschäftigen, thematisiert. Der theoretische Rahmen wird dabei, verkürzt gekennzeichnet, durch Max Webers sozialwissenschaftliche Werttheorie und die Systemtheorie Niklas Luhmanns abgesteckt.

Besonderes Charakteristikum der empirischen Bestandsaufnahme ist die systematische Formalisierung der Beurteilungskriterien, denen die untersuchten Aufsätze zugeordnet werden. „Die Fülle von 547 Stellungnahmen der umweltpädagogischen Literatur ließ sich dabei auf eine überschaubare Anzahl von 18 Grundpositionen mit zum Teil mehreren Varianten reduzieren“ (S. 264). In den Schlussfolgerungen kritisiert Kahlert als Ergebnis seiner Untersuchungen, entsprechend seinem einleitend vorgestellten wissenschaftlichen Konzept, dass die umweltpädagogische Literatur in hohem Maße durch natur- und gesellschaftswissenschaftliche Defizite gekennzeichnet ist, die meist schon durch den undifferenzierten Denkansatz bedingt werden, bei dem pauschal von „dem Menschen“ und „der Gesellschaft“ die Rede ist, denen „globale“ oder „ganzheitliche“ Katastrophen und Gefährdungen drohen. Diese Form Emotionen weckender Umweltliteratur hält Kahlert nicht nur für falsch sondern auch für gefährlich, da sie potentiell politische Apathie oder ethisch motivierte Radikalisierung hervorrufen könnte.

Einer stärkeren emotionalen oder moralisierenden Fundierung des Umweltunterrichtes steht der Autor daher weitgehend ablehnend gegenüber und rekurriert auf ein pragmatisches Politikmodell im Sinne von Popper. Er stellt dabei der „gesinnungsorientierten“ Kommunikation eine „verständigungsorientierte Kommunikation“ gegenüber.

In dieser Schärfe scheint jedoch eine solche Unterscheidung kaum durchzuhalten sein. Die kritische politikdidaktische Diskussion, die sich stärker mit den situativen und aktionistischen Bedingungen der Schülerexistenz auseinandersetzt, wird von Kahlert vernachlässigt. Seine apodiktische Kritik, bei aller Berechtigung im Einzelnen, schärft allzu leicht Frontlinien, die von einer „pragmatischen Realpolitik“ gegen die „neuen sozialen Bewegungen“ gezogen werden. Es ist fraglich, ob dies die Motivation zur Beschäftigung mit Umweltproblemen fördern hilft.

Gerhard Voigt, Umwelt 6.13, Politische Bildung in der Schule 1.5

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Modelle für Wege aus der Krise?

Brown, Lester R. (ed.): Zur Lage der Welt - 91/92. Daten für das Überleben unseres Planeten. Worldwatch Institute Report. Deutschsprachige Fassung, herausgegeben von Gerd Michelsen. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Welthungerhilfe. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1991 (DM 29.80)

Der Herausgeber Lester R. Brown stellt einen überraschenden Befund in den Vordergrund seiner thematischen Einleitung zu diesem Sammelband, dass nämlich für beinahe jeden politischen Sachbereich zwei kontroverse gleichermaßen datengestützte Sichtweisen möglich sind; so charakterisiert er die wirtschaftliche Entwicklung der Mehrzahl der Industrieländer folgendermaßen: „Während diese maßgeblichen, ausgesprochen wirtschaftsbezogenen Einschätzungen überwiegend positiv ausfallen, sind alle auf die Umwelt bezogenen Indikatoren durchgehend negativ“ (S. 17). Die nachfolgenden Einzelstudien zu den Sachbereichen umweltverträgliche Energiesysteme, Vermeidung von Abfall, Verkehr in den Städten, Forstwirtschaft, „Wiederherstellung der Umwelt in Osteuropa und der Sowjetunion“ und den „ökologischen Folgen der Kriegsführung“ betonen gleichermaßen den grundsätzlichen Widerspruch zwischen den „offiziellen“ optimistischen Lagebeurteilungen und der kritischen bis pessimistischen Datenauswertung aus der Sicht der Umweltgefährdungen. „Die Schwächung des Planeten ist weiter fortgeschritten trotz der Anstrengungen nationaler Regierungen auf dem Gebiet des Umweltschutzes während der letzten 20 Jahre“ (S. 10). Die Auswahl der politischen Sachbereiche zeigt, dass nicht so sehr die Vollständigkeit eines Globalmodelles in der Tradition Meadows angestrebt wurde, sondern dass eine sinnvolle Konzentration auf in der derzeitigen Situation dominante Bereiche erfolgen soll, bei denen die Chance gegeben ist, durch Bewusstseinsveränderung aktuell politisch wirksam werden zu können. Dass der Problemdruck hinsichtlich der Umweltsituation in Osteuropa, der ökologischen Kriegsführung in Nahost, des Kollaps des Verkehrs in den Metropolen etc. für die öffentliche politische Willensbildung groß genug ist, scheint evident zu sein. Die einzelnen Aufsätze des Sammelbandes folgen durchweg einer einheitlichen Argumentationsstruktur, bei der eine knappe - und in guter angelsächsischer Tradition lesbare - Problemdarstellung üblichen optimistischeren Beurteilungen gegenüber gestellt wird, um dann durchaus konkret und praxisbezogen Vorschläge für alternative politische Strategien der Problemlösung zu machen. Unterstützt wird die Darstellung durch umfangreiche Quellenverweise, Heraushebung von Kernsätzen und einige tabellarische Übersichten.

Der Band eignet sich gut für einen sachgerechten Einstieg in die genannten Problembereiche im Rahmen der politischen Arbeit von Parteien, Verbänden und Parlamentariern, wohl auch in der außerschulischen Bildungsarbeit und für das Selbststudium. Für eine intensivere Beschäftigung mit den einzelnen Themen z.B. in der Schule oder für eine Nutzung als Nachschlagewerk wäre eine detailliertere Ausstattung mit Daten und Tabellen und graphischen Darstellungen wünschenswert. Etwas kurz kommt die Erörterung der gesellschaftlichen und politischen Probleme bei der Umsetzung der „Alternativmodelle“; hier wird der Praktiker mit den eigenen Problemerfahrungen alleine gelassen. Leider ist die deutsche Übersetzung etwas flüchtig und nicht fehlerfrei.

Gerhard Voigt, Politische Sachbereiche, Allgemeines 6.0, Umwelt 6.13

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Ansätze des Umweltbewusstseins in Polen

Kremser, Doris und Schuller, Dieter (Hrsg.): Die Belastung der Danziger Bucht – ein europäisches Problem globaler Bedeutung. Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg (bis) 1992, 633 S., DM 29,--.

Als die ersten Verhandlungen über den Verkauf der Danziger Werft an eine amerikanische Investitorin an der mangelnden Rentabilitätsperspektive scheiterten, kamen durch die Untersuchungen amerikanischer Experten auch die Umweltprobleme in der Danziger Bucht deutlicher ins öffentliche Bewusstsein. In diesem Zusammenhang einbezogene polnische Experten und neu gegründete private Ingenieur- und Consultbüros haben jetzt weitere Basisdaten zur Umweltsituation der Danziger Bucht ermittelt und zusammen mit anderen Autoren in einer polnisch-deutschen Tagung der Universitäten Oldenburg und Gdansk im März 1991 in beeindruckender Vielfalt und Differenzierung vorgelegt. Der Tagungsbericht versammelt die Vorträge und Materialien in ihrer verständlichen Heterogenität, zeigt damit aber die grundsätzliche Schwäche aller solcher Sammelbände, denen es nicht gelingt, abseits des unmittelbaren Rezeptionszusammenhanges einer Tagung den problembezogenen Kontext darzustellen und über das sicherlich für die jeweils beteiligten Fachrichtungen (in diesem Falle vor allem auch der Ingenieurs- und Verwaltungswissenschaften) wichtige Materialangebot hinaus die lobenswerte interdisziplinäre Intention der Tagung in den faktischen Ergebnissen deutlich zu machen. Der erste allgemeinökologische und geographische Teil gibt jedoch eine vorzügliche Charakteristik der Danziger Bucht und des in ihr aufzufindenden Ökosystems und verdeutlicht die lang- und mittelfristigen Prozesse, die zur heutigen Umweltkatastrophe geführt haben.

Für den Wirtschaftsgeographen kommen dabei die notwendigen Informationen über die Umgestaltung der ökonomischen und sozialen Bedingungen in Polen zu kurz. Erst eine solche Erweiterung der Reflexion gibt Maßstäbe dafür, welche realen Möglichkeiten zu sehen sind für eine Verbesserung der Umweltsituation in der Danziger Bucht. Schnelles, aber kompetentes politisches Handeln ist dringlich, wie in diesem Band drastisch und konkret bewiesen wird.

Die aus dem deutschen Nordseeraum bzw. der deutschen Abwasserwirtschaft hinzugezogenen Vergleichsbeispiele hätten, um ihren Sinn deutlich zu machen, konkreter auf die Danziger Bucht übertragen oder zumindest in Hinblick auf allgemeinere Bewertungs- und Handlungsmaßstäbe ausgewertet werden müssen. Hier fehlt sicherlich die Dokumentation der Tagungsdiskussionen.

Der Titel des Bandes ist in seinem „europäischen“ und „globalen“ Anspruch eher peinlich: eine Nummer kleiner und bescheidener aufzutreten, hätte dem inhaltlich ja durchaus wichtigen und ernst zu nehmenden Vorhaben besser getan (und auf „Bestsellerehren“ reflektiert eine solche Publikation ja ohnehin nicht).

Gerhard Voigt

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Inhalt

Rio: Dokumente der Hoffnung und der Skepsis
Engelhardt, Wolfgang/Weinzierl, Hubert (Hrsg.): Der Erdgipfel. Perspektiven für die Zeit nach Rio

Wissenschaftliche Grundinformationen
Haber, Wolfgang: Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes

Orientierungen zum Thema „Islam“
Falaturi, Abdoldjavad/Tworuschka, Udo: Der Islam im Unterricht. Beiträge zur interkulturellen Erziehung in Europa.

Nützliche Hilfe für das Lehrerstudium
Hermann Giesecke: Studium Pädagogik. Orientierungen und Hinweise für den Studienbeginn.

Umwelterziehung in der Krise
Helmut Schreier, Hrsg.: Die Zukunft der Umwelterziehung.

Umweltzerstörung in der Dritten Welt
Wöhlcke, Manfred: Umwelt- und Ressourcenschutz in der internationalen Entwicklungspolitik: Probleme und Zielkonflikte.

Ökologische Krise
Henkenborg, Peter: Zwischen Mensch und Natur: Ökonomie, Politik und Gesellschaft.

Pädagogische Umweltethik
Mertens, Gerhard: Umwelterziehung. Eine Grundlegung ihrer Ziele.

Ökologische Alltagstheorien
Kahlert, Joachim: Alltagstheorien in der Umweltpädagogik. Eine sozialwissenschaftliche Analyse.

Modelle für Wege aus der Krise?
Brown, Lester R. (ed.): Zur Lage der Welt - 91/92. Daten für das Überleben unseres Planeten. Worldwatch Institute Report. Deutschsprachige Fassung, herausgegeben von Gerd Michelsen. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Welthungerhilfe.

Ansätze des Umweltbewusstseins in Polen
Kremser, Doris und Schuller, Dieter (Hrsg.): Die Belastung der Danziger Bucht – ein europäisches Problem globaler Bedeutung.

 

pua

ISSN

0945-1544

 

 

Dokument Information:

Veröffentlicht in politik unterricht aktuell  1995 Heft 1/2 - 1994 [ISBN 3-9804023-2-0] Printausgabe vergriffen

Wandlungen der Politischen Bildung I

Dieser Artikel erscheint nur in der Internetausgabe und wurde dem Heft 2011 hinzugefügt.

Bearbeitungsstand: 1992 / 1993, 18.10.2011

Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover

Vorsitzender; Gerhard Voigt, OStR i.R. (seit 2009). Kontakt vgl. Impressum (vgl. Seitennavigation)

eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de

http://www.voigt-bismarckschule.de I

 

 

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