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Positionen zur
interkulturellen Erziehung:
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Angesichts
der
drohenden
globalen ökologischen Krise
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angesichts der
weltweiten Sozialkatastrophen, die längst mich mehr auf die Elendszonen
der Dritten Welt beschränkt sind, sondern ebenso die osteuropäischen
Gesellschaften bedrohen und in den klassischen Industrieländern
Großbritannien und USA immer größere Bevölkerungsanteile ins Elend
stürzen,
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angesichts der
sich vermehrenden und weltweit bedrohlicher werdenden regionalen
Konflikte und Kriege,
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angesichts des
Lebens im „Jahrhundert der Flüchtlinge“,
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verursacht durch
das Versagen klassischer europäischer Politik,
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verursacht durch
das Versagen des Weltwirtschaftssystems,
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verursacht durch
das Versagen des Konzeptes der Nationalstaaten und der
Hegemonialmachtsysteme,
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verursacht durch
das Versagen der westlichen Industriegesellschaften, die globalen
Bedrohungen als ihre eigenen zu verstehen,
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ist festzustellen,
daß sich die globalen Bedrohungen und Konflikte in unserer eigenen
Gesellschaft widerspiegeln,
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ist festzustellen,
daß wir längst in einer multikulturellen, offenen Gesellschaft leben,
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ist festzustellen,
daß die immer unwahrscheinlicher werdende Lösung der globalen Probleme
im Zusammenhang gesehen werden muß mit der Unfähigkeit, ihre
Widerspiegelung in der eigenen Gesellschaft zu verstehen, in ihrem
weltweiten Zusammenhang zu begreifen und abseits jeder nationalen
Perspektivverengung systemverändernden Lösungen näher zu bringen.
Die ökologische
Problematik und die multikulturellen Konflikte sind die bestimmenden
Themen einer zukunftsgestaltenden Politik. Beide Themen sind aufeinander
bezogen; mögliche Lösungsansätze müssen beide Bereiche gleichermaßen
berücksichtigen. Ökologische und interkulturelle Erziehung sind zentraler
Bildungsauftrag der Schule. Ökologische Erziehung ist Bestandteil der
interkulturellen, global orientierten Erziehung.
Die Erziehungsziele und
Unterrichtsinhalte der heutigen Schule sind in gefährlicher Weise
nationalistisch geprägt und eurozentrisch eingeengt. Das
bildungspolitische Argument, „wir leben nun einmal in der BRD“, greift zu
kurz und hat höchstens im Bereich der mittelfristig wichtigen
instrumentalen Fähigkeiten (Orientierungswissen) eine gewisse Bedeutung
(Verhalten im Straßenverkehr, Kennen der gesetzlichen Rechte und Pflichten
des Bürgers, Rechtschreibung etc.), wobei gerade hier die Vermittlung
durch die Schule zusehends an Bedeutung verliert und durch andere
Vermittlungsinstanzen (Medien, private Ausbildungsinstitutionen) verdrängt
wird. Ureigenste Aufgabe der Schule bleibt es aber, die Schülerinnen und
Schüler zu befähigen, die großen Zukunftsprobleme und globalen Bedrohungen
zu verstehen und zu bewältigen.
Interkulturelles Lernen
ist in diesem Zusammenhang keineswegs ein kurzfristiges Reagieren auf
sogenannte „Ausländerprobleme“, sie richtet sich auch nicht in erster
Linie an die bei uns lebenden Ausländer, sondern sie ist zentrales
Bildungsziel der Schule und eine Bereicherung der Gesellschaft und Chance
zur Entwicklung einer selbstbewußten, verantwortungsbereiten und politisch
handlungsfähigen Persönlichkeit. Darüber hinaus hat die Schule den
unverzichtbaren Auftrag, defizitäre Lernvoraussetzungen der Schüler, sei
es aus ihrer sozialen Herkunft heraus, sei es als Akkulturationsproblem
der ausländischen Herkunft auszugleichen und den Schulerfolg zu
ermöglichen.
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Interkulturelle
Orientierung auf der Ebene der Unterrichtsinhalte (Rahmenrichtlinien)
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Politische Bildung muß
im gedanklichen Ansatz interkulturell sein (vgl. z.B. NSG § 2;
Grundrechtsorientierung).
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Zentrale Inhalte der
gesellschaftswissenschaftlichen Fächer müssen ihres ethno- und
eurozentrischen Charakters enthoben werden, z.B. durch einen kritischen,
interkulturell vergleichenden Ansatz, so z.B.
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kritisch vergleichende
Rechtskunde, Rechtsquellen, Gesellschaftsbezüge;
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kritisch vergleichende
Untersuchung von Sozialisationsbedingungen, Erziehungsgängen,
Kinderschicksalen;
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kritisch vergleichende
Untersuchung der sozio-ökonomischen Lebensbedingungen;
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europäisch – deutsche
Inhaltsschwerpunkte des Faches Geschichte werden ersetzt durch den
doppelten Ansatz: „Spurensicherung vor Ort, oral history, entdeckende
Geschichte“ (mit interkulturellen Themen wie: Geschichte der
Zwangsarbeiter, Umsiedler, Arbeitsmigranten, oder Geschichte des
Rassismus in der eigenen Gesellschaft) und „Weltgeschichte“ (mit
exemplarischem und vergleichendem Ansatz, bei dem gerade auch
ethnozentrische Perspektiven aufgearbeitet werden, z.B. Kreuzzüge,
Inquisition, Kolonialismus); einbezogen werden die kulturellen und
historischen Hintergründe der ausländischen Schülerinnen und Schüler in
den Lerngruppen. Differenzierte regionale Schwerpunkte erfordern
gemeinsames „entdeckendes Lernen“ bei Lehrern und Schülern;
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das Fach Erdkunde hat
sich als kritisch-vergleichende Sozial- und Kulturwissenschaft zu
verstehen, deren traditionellen naturgeographischen Fragestellungen in
einer umfassenderen Umweltkunde aufgehen.
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Interkulturelle
Prioritäten auf der Ebene der Unterrichtsorganisation
(Organisationserlasse)
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Interdisziplinäre und
„polyvalent“ anzurechnende Unterrichtsvorhaben sind zuzulassen und zu
fördern.
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Projektunterricht ist
als gleichwertige Unterrichtsveranstaltung in regelmäßiger oder
geblockter Form in allen Schulstufen zuzulassen und zu fördern
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Interkulturelles
Projektlernen orientiert sich an der konkreten Situation der betroffenen
Schülerinnen und Schüler und ihrer Eltern und wird in Zusammenarbeit mit
der Lerngruppe konzipiert und gestaltet; es entzieht sich engen
Fachbindungen, arbeitet schwerpunktmäßig mit handlungsorientierten,
empirischen, entdeckenden und schülerbezogenen Aktionsformen und ist
tendenziell ergebnisoffener Unterricht.
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Über die
Schulinstitution hinaufgreifende integrative und kommunikative Lern- und
Aktionsformen sind zuzulassen und zu fördern (bis hin zum Konzept der „Community
School“).
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Die Reduzierung der
verpflichtenden Stundentafeln ist zu verbinden mit neuen
Fachzuschnitten, Zielbestimmungen und Schwerpunktsetzungen der
traditionellen Fächer; neue Fächer können im Angebotsbereich hinzukommen
(so z.B. über die bisherigen Einzelversuche hinaus Pädagogik und
Philosophie).
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Interkulturelle Konzepte
im Bereich der Schulorganisation und der Fördermaßnahmen.
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Förderunterricht bis hin
zum Einzelunterricht muß weiterhin und verstärkt in allen Schulformen
und -stufen einklagbares individuelles Recht der Schüler bleiben und
dient dem Ausgleich von Defiziten und Problemlagen im Bereich der
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Enkulturation
(Förderung sozial benachteiligter Gruppen) und der
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Akkulturation
(Förderung von Schülerinnen und Schülern ausländischer oder kulturell
differenzierter Herkunft unabhängig von der Nationalität).
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Ziel des
Förderunterrichtes ist es, den Anteil aller Bevölkerungsgruppen in allen
Schulformen und bei allen Schulabschlüssen entsprechend ihres Anteils an
der Gesamtbevölkerung zu sichern.
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Schüler, die ohne
deutsche Sprachkenntnisse eingeschult werden, haben einen Anspruch auf
zweisprachige Alphabetisierung und Einführung in die Fachbildung
entsprechend ihrer jeweiligen Sprachkompetenz. Die bezieht sich
ausdrücklich und sinngemäß auch auf die Einschulung in höhere
Klassenstufen und auf die Beschulung von Kindern von Asylbewerbern.
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Muttersprachlicher
Unterricht muß als selbstverständliches Recht und Angebot in allen
Schulstufen verwirklicht werden und durch Angebotsform, kompetente
Unterrichtserteilung und Integration in das Fächerangebot der Schule
jeden möglichen gruppendiskriminierenden und separierenden Charakter
verlieren. Muttersprachlicher Unterricht darf nicht zugunsten anderen
Unterrichts ausfallen oder verkürzt werden.
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Muttersprachlicher
Unterricht wird fortgeführt und ggf. geöffnet als neue Fächerangebote
auch für deutsche Schüler.
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Wo es, wie z.B. im
städtischen Bereich, organisatorisch möglich ist, wählen die Schulen in
gegenseitiger Absprache Betreuungsschwerpunkte für Schüler bestimmter
Herkunftsländer, um bezogen auf diese Bereiche verstärkten
muttersprachlichen Unterricht anzubieten, zweisprachige Alphabetisierung
durchzuführen, die betreffenden Sprachen als zusätzliche allgemeine
Fremdsprachenangebote aufzunehmen und in den gesellschafts- und
kulturwissenschaftlichen Fächern verstärkt Inhalte aus den
Bezugsregionen aufzunehmen (z.B. türkische Literatur, Musik und
Geschichte) und im Sinne der interkulturellen Erziehung für alle Schüler
zu gestalten. Diese Schulen sind bevorzugt auszustatten mit
fremdsprachlichen Unterrichtsmaterialien und Büchern (z.B. türkische
Kinder- und Jugendbücher). Versuche mit dieser Schwerpunktbildung können
vor allem zunächst an den UNESCO-Modellschulen durchgeführt werden.
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Für jede in der
Schülerschaft einer Schule vertretene Nationalität bzw. Sprachherkunft
ist für die Lehrer- und Schülerbibliothek zumindest ein Lexikon bzw.
Wörterbuch anzuschaffen.
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Jede Schule wählt einen
Betreuungslehrer bzw. eine Betreuungslehrerin (oder einen
Ausländerbeauftragten bzw. eine Ausländerbeauftragte) für die
ausländischen Schüler. Eine angemessene Stundenentlastung muß gesichert
sein. Es werden Qualifikationslehrgänge beim NLI eingerichtet.
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Fachberater für jeden
Sprachunterricht, d.h. auch für den muttersprachlichen Unterricht,
müssen umfassende Sprachkompetenz in der betreuten Fremdsprache
nachweisen. Ausländische Lehrkräfte dürfen bei der Übernahme von
Fachberaterfunktionen nicht ausgeschlossen werden.
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„Patenschaftssysteme“
zur Einführung und Betreuung jüngerer (ausländischer) Schülerinnen und
Schüler durch Angehörige der oberen Klassenstufen sollten gefördert
werden. Die SV einer Schule ist bei der Einrichtung solcher
Patenschaften zu beteiligen. Informationsveranstaltungen für
„Patenschüler“ sind einzurichten. Die Teilnahme an Patenschaftssystemen
soll als SV-Aktivität oder als AG-Teilnahme anerkannt werden und durch
im Stundenplan verankerte Beratungsstunden ermöglicht werden. Die
vorgesehenen Entlastungen im Pflichtstundenbereich machen solche Formen
des sozialen Lernens als interkulturelle Schulaktivität möglich.
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Vorschläge zur
interkulturellen Erziehung für die Schulen:
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Ein Buch von
ausländischen Schülern in der Muttersprache vorlesen lassen und dann in
der Klasse darüber sprechen.
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Berichte von
ausländischen Schülern über ihre Heimatländer vortragen lassen;
Diaabende veranstalten.
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Interkulturelle Feste
feiern: Musik, Tanz, Ausstellung, Dias, Imbiß.
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Länder- und
kulturkundliche Arbeitsgemeinschaften („Türkei-AG“).
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Nationale Feiertage
gemeinsam feiern.
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Zwei- oder mehrsprachige
Liederbücher selbst zusammenstellen lassen.
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Gemeinsames Singen in
zwei Sprachen.
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Projektwochen zu
interkulturellen Themen.
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Gegenseitig Familien
besuchen.
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Gemeinsam international
kochen.
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Theater spielen, Stücke
schreiben.
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Internationale
Schulzeitungen herausgeben (mehrsprachig?)
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Wandzeitungen erstellen
(Berichte, Kommentare, Aktuelles, Privates.)
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„Patenschaften“
zwischen älteren und jüngeren Schülern: Hilfe, Orientierung, Einführung.
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Kinder über Feiern
berichten lassen
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Internationale Spiele
spielen
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Projekte:
Landheimbesuch, Gesundheitserziehung (Jungen/Mädchen).
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Moscheebesuch /
Kirchbesuch („Werte und Normen“, Ethik, Religion)
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Identifikationsspiele,
interkulturelle Rollenspiele
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EDV-Kurse für Mädchen
(ausländische Mädchen ansprechen!)
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Expertenbefragungen
(Asyl, Flüchtlingsbetreuung, Menschenrechte)
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Projekt zum Thema
„Heimat“
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„Dritte-Welt-Laden“
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Schulpatenschaften mit
der Dritten Welt
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Neue Fächer der Kultur-
und Umwelterziehung? Projektunterricht
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Projektphasen im
Kursunterricht (z.B. Gemeinschaftskunde/Politik, Erdkunde, Geschichte,
„Werte und Normen“)
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Planspiele mit
internationaler Thematik (Konfliktsimulationen, UNO/UNESCO,
Kulturkolonialismus, Teilnahme an Wettbewerben, „THIMUN“ [The Hague
Model United Nations], „BERMUN“ [Berlin Model United Nations], „BISMUN“
[Bismarckschule Model United Nations] )
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Türkei-Arbeits-Gemeinschaft (Schulpartnerschaften, Studienfahrten)
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Regionale bzw.
konfliktbezogene Ausstellungen vorbereiten (Golfkrise?)
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Gemeinschaftskundliche
und erdkundliche Unterrichtsergebnisse in Gruppenarbeits- und
Projektphasen zu Dokumentationen und Informationsschriften aufbereiten
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Sprechen über Sprechen
und Sprache („Metakommunikation“)
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Soziale Situationen
„nachspielen“ und wechselseitig „erklären“
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Reflexion, Distanz,
Freiheit
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Biographien und
Autobiographien auswerten
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im fächerübergreifenden
Ansatz (Deutschunterricht, Sozialkunde)
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Informationen über
Länder und Kulturen
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Hintergründe,
Entwicklungen, Geschichte: „verstehen“
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Reflexion ethno- und
eurozentrischer Werthaltungen und -urteile
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Zeitungen lesen,
kritischer Umgang mit Medien
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Lesen lernen
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Rechtsvergleiche,
kritische Rechtskunde, normative Quellen, gesellschaftliche Bedingtheit
der Rechtsvorstellungen, geschichtliche Hintergründe der
Rechtsentwicklung
im
interkulturellen Zusammenhang
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Erstellen eines
Informationsheftes für ausländische Mitschülerinnen und Mitschüler über:
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Rechte, Chancen und
Mitwirkungsmöglichkeiten in der eigenen Schule [SV, Konferenzen,
Tutorien etc.]
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Schulabschlüsse und das
deutsche Schulsystem
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über Mitwirkungs- und
Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit
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über weitere
Informationsmöglichkeiten, Medien und Ämter
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über soziale Hilfs- und
Betreuungsangebote des Staates und privater Organisationen
Verband der Politiklehrer
Arbeitsmaterialien zum
Didaktikseminar „Ausländerpädagogik“
28.-30.11.1990 in Loccum
I. Thesen zur
Akkulturationsproblematik
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Akkulturation
als „Einführung in das Verhaltens- und Wertsystem einer Kultur“ ist als
Teil der Sozialisation Aufgabe der Erziehungsinstitutionen unabhängig
von der Nationalität und Herkunft der Schülerinnen und Schüler.
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Art, Zielrichtung und
Umfang der im Erziehungsprozeß vom Individuum abzuverlangenden
Akkulturationsleistung ist grundsätzlich umstritten und problematisch.
Die Ziele emanzipativer und affirmativer pädagogischer Konzeptionen
unterscheiden sich hier deutlich.
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Akkulturation
im Bereich der „Ausländerpädagogik“ (wobei der Begriff „Ausländer“ in
diesem Sinne die Herkunft und nicht die Staatsangehörigkeit meint) ist
doppelt problematisch, da jede Einführung in die „herrschende politische
Kultur“ tendenziell Abkehr von den Zielen und Inhalten einer
vorausgegangenen primären Sozialisation meint.
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Akkulturation
im Bereich der Schule hat dabei einen anderen Charakter, biografischen
Stellenwert als Akkulturationsprobleme in der außerschulischen
Erwachsenenbildung. Zu Berücksichtigen ist bei einer Beurteilung der
fortexistierende familiäre Kontext, die altersentsprechend geringere
Einsicht in den pädagogischen Prozeß und die daraus entstehenden
Konflikte, die Unfreiwilligkeit der Unterwerfung unter
staatlich-schulische Ziele und Zwänge. Akkulturationsforderungen in der
Schule sind daher doppelt problematisch und mit aller Behutsamkeit zu
diskutieren.
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Art, Zielsetzung und
Umfang von geplanten und gewollten Akkulturationsprozessen in der Schule
sind abhängig von grundlegenden Zielsetzungen der politischen Bildung
(also von der Politikdidaktik zu thematisieren) und der kritischen
Rezeption der Ziele der interkulturellen Erziehung.
II. Ausländerpädagogik
in der konkreten politischen Situation
Eine Stellungnahme des
Verbandes der Politiklehrer
Der Verband der
Politiklehrer e.V. sieht mit Sorge, daß auf die schulpolitische
Ausgrenzung des Politikunterrichtes und seine Fesselung in einer
konservativen Staatsdidaktik eine Krise des Selbstverständnisses der
Politikdidaktik gefolgt ist. An den Schulen findet eine politikdidaktisch
verantwortete Gestaltung von „Politische Bildung“ nicht mehr statt.
Die Folgen des Verdrängens
eines kritischen Politikunterrichtes aus den Schulen, vor denen der
Verband der Politiklehrer e.V. schon vor einem Jahrzehnt eindringlich in
der Öffentlichkeit gewarnt hatte, sind nun in bestürzendem Maße
eingetreten: sogenannte „Republikaner“ und Neonazis, Ausländerhatz und
Verlust an Liberalität und Rechtstaatlichkeit gehören zum Alltag unserer
„politischen Unkultur“. Hier Einhalt zu gebieten, Umkehr zu fordern und zu
einer positiven Neubewertung der politischen Bildung als Grundlage von
Demokratie und sozialem Rechtstaat zu gelangen, sieht der Verband der
Politiklehrer e.V. als seine ureigenste Aufgabe an.
Politische Bildung und
Politikdidaktik müssen sich in der konkreten gesellschaftlichen Situation
und an den aktuellen gesellschaftlichen Konflikten bewähren und beweisen,
daß sie dazu beitragen, den Schülern in der Gesellschaft die notwendige
Orientierung und rationale Konfliktfähigkeit zu vermitteln und sie
politisch handlungsfähig zu machen. Zum Prüfstein unserer „politischen
Kultur“ wird in zunehmendem Maße unsere gesellschaftliche Fähigkeit, die
sogenannte „Ausländerproblematik“ als unsere eigene „deutsche Problematik“
des Umgangs mit Vorurteilen, Stereotypen und sozialen Problemlagen zu
begreifen.
„Ausländerpädagogik“
bekommt aus der Sicht der Politikdidaktik unterschiedliche Dimensionen,
deren Kontext erkannt und unterrichtspraktisch umgesetzt werden muß:
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„Ausländerpädagogik“
konfrontiert mit den sozialen Bedürfnissen und den
Akkulturationsproblemen ausländischer Schüler in der Schule, wobei das
Kriterium „Ausländer“ nicht als staatsrechtliches sondern als
sozialpsychologisches Agens zu werten ist. In dieser Dimension wird der
fundamentale Perspektivunterschied deutlich zwischen
individualpsychologisch orientierter Pädagogik, die Probleme vor allem
als individuell bedingt definiert und auf dieser Basis lösen will, und
den sozial-kollektiv argumentierenden Politik- und
Gesellschaftswissenschaften.
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„Ausländerpädagogik“ ist
aber gleichermaßen Bestandteil einer umfassenderen „interkulturellen
Erziehung“, die sich an alle Schüler unabhängig von ihrer Herkunft
wendet und den interkulturellen Kontakt selbst unterrichtlich
thematisiert.
III. Zur besonderen
Situation der türkischen Minderheit
Die türkische Minderheit
stellt die größte Ausländergruppe in der deutschen Gesellschaft wie im
Schulwesen. Es fällt auf, daß Türken gegenüber anderen Ausländergruppen
noch deutlich benachteiligt sind. Zu erkennen ist das vor allem auch an
der signifikant geringeren Zahl türkischer Schüler und vor allem
Schülerinnen, die über das Mindestschulangebot der Gesellschaft – Grund-,
Haupt- und Berufsschule – hinaus weiterführende Bildungsgänge besuchen.
Vielfältige gesellschaftliche, schulstrukturelle, familiäre und
sozialisationspsychologische Filter bewirken diese Auslese. Diese
deutliche Benachteiligung auch im Vergleich zu anderen Ausländergruppen
hat vor allem zwei Ursachen:
-
Das Verhalten der
deutschen Gesellschaft gegenüber ihrer türkischen Minderheit ist stärker
diskriminierend als gegenüber anderen Ausländergruppen; das oft zu
beobachtende „Sich-Absondern“ türkischer Familien ist auch eine
unmittelbare Reaktion auf das „Abgesondert-Werden“ durch die deutsche
Mehrheit; dies beeinträchtigt in doppelter Weise die Teilhabe z.B. an
den Bildungsangeboten des Schulwesens.
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Kinder aus Familien
Asiens oder Afrikas, die bei uns politisches Asyl gefunden haben,
stammen, im Gegensatz zur Mehrzahl der bei uns lebenden türkischen
Familien, überwiegend aus den Oberschichten ihrer Heimatländer und haben
oft schon in ihrer alten Heimat trotz aller politischen Bedrohung und
Repression das Selbstbewußtsein kultureller Eliten verinnerlicht und
verfügen damit über die international schon recht nivellierten Symbole
und Verhaltensweisen einer Bildungsschicht, durch die eine Integration
in unser bürgerliches Gymnasium trotz aller Sprachanpassungsprobleme
erheblich erleichtert wird.
Von der Häufigkeit des
Auftretens wie von der Gewichtigkeit der Problemlage her konzentriert sich
unser Thema daher schwerpunktmässig auf folgende Aspekte:
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Wie kann die Anzahl
türkischer Jugendlicher am Gymnasium erhöht werden, um unter anderem
auch diese „Bildungsreserve“ auszuschöpfen und um dabei fruchtbare
Ansätze kultureller Erziehung zu finden, die auch das Gymnasium selbst
inhaltlich positiv verändern könnten?
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Wie kann der türkischen
Minderheit ein gleicher Anteil an Bildungschancen, wie sie von deutschen
Kindern selbstverständlich in Anspruch genommen werden, gesichert
werden?
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Wie können die
innerschulischen strukturellen Barrieren überwunden werden, die sich vor
allem im Vorhanden sein typischer „Hürdenfächer“ am Gymnasium
ausdrücken?
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Wie können
Vorurteilshaltungen bei Lehrern wie bei Mitschülern abgebaut werden und
wie kann ein fruchtbarer interkultureller Austausch, als Bereicherung
des Schullebens, in die Institution Gymnasium fest integriert werden?
IV. Thesen zur
„Interkulturellen Erziehung“
„Interkulturelle
Erziehung“ ist ein „Modebegriff“ wie „Interkulturelle Gesellschaft“, der
eher plakativ eine existierende Problemlage kennzeichnet denn praktische
Wege zur Bewältigung der erkannten Probleme weist.
Mehrfach sind in Literatur
und Publizistik mißverständliche oder bedenkliche Ausprägungen des
Begriffs „Interkulturelle Erziehung“ kritisiert worden, so die Vorstellung
-
einer interkulturellen
Begegnung im Sinne der Koexistenz mit „exotischer Folklore“; die
„Exotikmotivation“ ist in der gesellschaftswissenschaftlichen Literatur
längst als gefährlich undnicht dem tatsächlichen Verständnis dienend
zurückgewiesen worden;
-
oder die
„Pädagogisierung“ interkultureller Begegnung im Sinne von
„Vormundschaft“ – einer Gefahr, die in der Schule immer droht;
-
aber auch, von einer
anderen Perspektive her: interkulturelle Toleranz, die als solche sicher
unverzichtbar ist, als Akzeptieren völliger Gruppenautonomie und im
Extrem die Hinnahme von Bevölkerungsgruppen, die mit Verweis auf ihre
Kultur außerhalb der Rechtsordnung d.h. auch der Grundrechtsgarantien
des Grundgesetzes leben wollen (Frauenunterdrückung, unkontrollierter
Waffengebrauch, Blutrache, politischer Terrorismus etc.). Doch besteht
gerade bei einer Betonung dieser Befürchtungen (die zahlenmäßig kaum ins
Gewicht fallen), die Gefahr einer ausländerfeindlichen
Funktionalisierung einer ursprünglich ernst zu nehmenden Problematik.
Es liegt nahe, den Begriff
„interkulturell“ zu differenzieren und, entsprechend einer
politisch-sozialen Bewertung der Lebensverhältnisse von Ausländern in
Deutschland, auf verschiedenen Bedeutungsebenen unterschiedlich inhaltlich
zu füllen:
-
Die „interkulturellen
Probleme“ haben immer eine materielle und ökonomische Dimension und
Grundlage. Ohne Thematisierung der sozialen Probleme einer Gesellschaft
ist es müßig, politisch-kulturelle Probleme lösen zu wollen: sie
regenerieren sich zusehends. Hier sind die Voraussetzungen: Politische
Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit gegenüber allen
Bevölkerungsgruppen, Teilhabe an den ökonomischen Erträgen der
Volkswirtschaft, soziale Sicherung.
-
Ein Konzept einer
interkulturellen Gesellschaft setzt voraus:
-
Gleichheit im
Rechtssystem, Teilhabe an den Bürgerrechten;
-
Teilhabe an der
politischen Meinungs- und Willensbildung;
-
gleichen Zugang zu
sozialen Positionen (Chancengleichheit).
-
In diesen Bereichen
herrscht das Integrationsziel vor.
-
Kulturelle Vielfalt –
soziokulturell wie örtlich-regional – ist Ausfluß der individuellen
Freiheit und des Toleranzgebotes und ist als solche vorrangig von allen
Institutionen des Staates zu schützen und zu fördern, also auch von der
Schule. Chancengleichheit der kulturellen Entfaltung ist durch geeignete
politische, rechtliche und ökonomische, in der Schule auch pädagogische
Maßnahmen herzustellen.
-
Interkulturelle
Akkulturation ist ein „Prozeß auf Gegenseitigkeit“, bei dem die deutsche
politische Kultur ebensoviel aufnimmt wie es ausländische Gruppen an
kultureller Integration abverlangt.
V. Motivationsprobleme
Lehrer verstehen
„Motivation“ als Ergebnis eines methodischen Kunstgriffes oder gezielter
pädagogischer Manipulation, um einen gewünschten Zustand der Disziplin und
Aufmerksamkeit in der Klasse zu erzielen, der möglichst noch begleitet
wird von einigen themenbezogenen mehr oder weniger freiwilligen
Schüleraktionen und Wortmeldungen, die der jeweiligen Lehrererwartung
entsprechen. Tausende von Unterrichtsentwürfen in der Lehrerausbildung
wurden erstellt, um diesen ritualisierten, an einem behavioristischen
Lernkonzept entwickelten „Unterrichtszustand“ als vernünftige Basis für
den „Lernerfolg“ darzustellen. Das Ziel der Lehrerausbildung ist dabei,
Lehrer in Unterrichtsrituale einzuweisen, die der durch Schaden und
Erfahrung entsprungenen ebenso ritualisierten Schülererwartung
entsprechen. Wenn dann am Ende der Schulzeit Abiturarbeiten auf dem Tisch
liegen, die die Fähigkeit des entfremdeten Materialumgangs und des
Ausschließens der persönlichen Betroffenheit, die Fähigkeit des
vorausschauenden Gehorsams gegenüber den von der Schule erwarteten Sprach-
und Argumentationsritualen entsprechen, die Fähigkeit zum inhaltlichen
Desinteresse erweisen, gilt die gymnasiale Sozialisation als erfolgreich
beendet. Eine nächste Generation der Ritualvermittlung tradiert beliebige
Inhalte und entfremdetes Bewußtsein.
Wenn auch die pädagogische
Wissenschaft einiges dazu getan hat, diese Rituale zu legitimieren, zu
perfektionieren und mit einem Sinnüberbau zu versehen, haben doch
kritische gesellschaftswissenschaftliche Ansätze, haben Vertreter der
Politikdidaktik den Mechanismus dieses verdeckten Curriculums aufgedeckt
und auch Alternativen zu entwickeln versucht. Auch wenn die
Auseinandersetzung mit der allgemeinen Pädagogik der Institution Schule
und der Paradigmengeschichte der Politikdidaktik nicht zentrales Anliegen
dieser Arbeit sein soll, werden diese Aspekte in einem späteren
Zusammenhang wieder aufzugreifen sein.
Motivation bedeutet hier
mehr. Motivation ist Funktion der „Betroffenheit“, ist im besten Falle das
Zusammenfallen von objektivem und subjektivem Interesse. Motivation in
diesem Sinne hat daher drei Dimensionen:
-
Die Erfahrung der
Abhängigkeit und der Möglichkeiten des Handelns,
-
die Erfahrung von
Kommunikation und Interaktion im sozialen Kontext
-
und die Erfahrung der
Handlungssituationen;
oder
anders ausgedrückt:
-
Verhaltenspotentiale:
Antriebe und Hemmnisse,
-
Verhaltensstrategien:
Finalität, Rationalität und Soziabilität,
-
Verhaltensanstöße:
Reaktion und Wille.
Motivation in diesem Sinne
verliert damit ihren instrumentellen Charakter und wird als
sozialpsychologische Kategorie vor dem Hintergrund einer
schülerzentrierten Bildungsanthropologie verstanden.
Der Gegenstand des
Lernens, über dessen motivationale Begründung gehandelt wird, berührt
damit den Schüler in seiner personalen Identität. Seine situative, in
unserem Falle auf die Schule bezogene Verhaltensdisposition ist Resultat
von Erfahrungen und vermittelten Verhaltensdeterminanten. Dadurch können
zwei Formen der „Betroffenheit“ nebeneinander, wenn nicht gegeneinander
gestellt werden:
-
Die Betroffenheit durch
soziale Erfahrungen, Konflikte, Leiden und Zukunftsängste, die der
Schüler selbst und unmittelbar erfährt und die einen eigenen
Problemdruck erzeugen, der zur Resignation oder zum politischen Handeln
führen kann;
-
die Betroffenheit durch
vermittelte Inhalte, Wertungen, Normen und Zielperspektiven der
politischen Kultur, deren realer Gehalt sich dem Schüler verschließt,
die aber nichtsdestoweniger einen größeren Teil von Alltagsbewußtsein
und Alltagsverhalten prägen als die aus individueller Erfahrung
gewonnenen Möglichkeiten der sozialen Konfliktbewältigung.
Die Schule mit ihrem
offiziellen Vermittlungskanon, ebenso wie mit den Ritualen des verdeckten
Curriculums ist gesellschaftliches Element, gesellschaftliche
Vermittlungsinstanz dieser zweiten Art von Betroffenheit. In immer
stärkerem Maß tritt das durch Medien, Werbung und Moden vermittelte
Sekundärbewußtsein in seiner sozialen Wirksamkeit gleichsinnig und
verstärkend neben die entfremdete Erfahrung der Welt in der Schule.
Eine Brücke zwischen
politischer Erfahrung der Schüler und kollektivem Erfahrungsschatz der
politischen Kultur kann die Schule nur noch errichten, indem sie
Erfahrungen manipuliert und eine den sozialen Realitäten entfremdete
Lernumwelt, eine ritualisierte Surrogatwirklichkeit schafft, die die
Schüler von ihren selbst erfahrenen Interessen entfremdet und sie bereit
macht, die herrschenden Sinngebungsinstanzen zu akzeptieren. Emotional
wird dies als Entfremdung empfunden.
Eine radikale Abkehr von
der Vermittlungspädagogik hin zur Erfahrungspädagogik ist somit nicht nur
im Sinne der der Schule gestellten gesellschaftlichen Aufgaben utopisch,
sondern auch im Sinne einer schülerzentrierten Pädagogik nicht akzeptabel,
da sie das Herausfallen der Schüler aus ihrer eigenen politischen Kultur,
den Verlust ihrer Sozialbezüge und das Abgleiten in vorrationale
Privatmythen impliziert. Die Schule muß, auch wenn sie sich, anders als es
die offizielle Schultradition will, emanzipativ und konfliktorientiert
definiert die Vermittlung der kollektiven Erfahrungen und Werte der
eigenen Gesellschaft leisten, muß das Angebot einer kulturellen Identität
zumindest als Möglichkeit mit einschließen. Das heißt jedoch nicht, daß
erfahrungsbezogene Lernsituationen nicht in weit größerem Maße als üblich
in den Mittelpunkt der Schule gestellt werden müssen und das heißt auch
nicht, daß nicht jeder Unterrichtsinhalt auf seine subjektive und
objektive Erfahrbarkeit hin untersucht werden müßte.
Ausländische Schüler am
Gymnasium sollten nicht in erster Linie als Problem, sondern als Chance
und Selbstverständlichkeit verstanden werden!
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didaktisch-methodischen Grundlagen der Bearbeitung des Themas Migration
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