Der VERBAND DER
POLITIKLEHRER e.V. sieht mit Sorge, daß auf die schulpolitische Ausgrenzung
des Politikunterrichtes und seine Fesselung in einer konservativen
Staatsdidaktik eine Krise des Selbstverständnisses der Politikdidaktik gefolgt
ist. An den Schulen findet eine politikdidaktisch verantwortete Gestaltung von
„Politische Bildung“ nicht mehr statt. Die Folgen des Verdrängens eines
kritischen Politikunterrichtes aus den Schulen, vor denen der VERBAND DER
POLITIKLEHRER e.V. schon vor einem Jahrzehnt eindringlich in der
Öffentlichkeit gewarnt hatte, sind nun in bestürzendem Maße eingetreten:
sogenannte „Republikaner“ und Neonazis, Ausländerhatz und Verlust an
Liberalität und Rechtstaatlichkeit gehören zum Alltag unserer „politischen
Unkultur“. Hier Einhalt zu gebieten, Umkehr zu fordern und zu einer positiven
Neubewertung der politischen Bildung als Grundlage von Demokratie und sozialem
Rechtstaat zu gelangen, sieht der VERBAND DER POLITIKLEHRER e.V. als seine
ureigenste Aufgabe an.
Politische Bildung und
Politikdidaktik müssen sich in der konkreten gesellschaftlichen Situation und
an den aktuellen gesellschaftlichen Konflikten bewähren und beweisen, daß sie
dazu beitragen, den Schülern in der Gesellschaft die notwendige Orientierung
und rationale Konfliktfähigkeit zu vermitteln und sie politisch handlungsfähig
zu machen. Zum Prüfstein unserer „politischen Kultur“ wird in zunehmendem Maße
unsere gesellschaftliche Fähigkeit, die sogenannte „Ausländerproblematik“ als
unsere eigene „deutsche Problematik“ des Umgangs mit Vorurteilen, Stereotypen
und sozialen Problemlagen zu begreifen.
„Ausländerpädagogik“
bekommt aus der Sicht der Politikdidaktik unterschiedliche Dimensionen, deren
Kontext erkannt und unterrichtspraktisch umgesetzt werden muß:
- „Ausländerpädagogik“
konfrontiert mit den sozialen Bedürfnissen und den ..Akkulturationsproblemen
ausländischer Schüler in der Schule, wobei das ..Kriterium „Ausländer“ nicht
als staatsrechtliches sondern als sozialpsychologisches Agens zu werten ist.
In dieser Dimension wird der fundamentale Perspektivunterschicht deutlich
zwischen individualpsychologisch ..orientierter Pädagogik, die Probleme vor
allem als individuell bedingt definiert und auf dieser Basis lösen will, und
den sozial-kollektiv argumentierenden Politik- und
Gesellschaftswissenschaften.
- „Ausländerpädagogik“
ist aber gleichermaßen Bestandteil einer umfassenderen „interkulturellen
Erziehung“, die sich an alle Schüler unabhängig ..von ihrer Herkunft wendet
und den interkulturellen Kontakt selbst unterrichtlich thematisiert.
Im März 1988 hat sich
der VERBAND DER POLITIKLEHRER e.V. an einem Symposium „Probleme der
weiterführenden Schulbildung für Ausländer, z.B. Türken im Gymnasium“ des
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V.,
beteiligt und beabsichtigt, in Kürze die Arbeitsergebnisse dieser
Veranstaltung - mit einiger durch Probleme der Fertigstellung der
Tonbandprotokolle verursachten Verspätung - als Informationsheft für seine
Mitglieder zu publizieren, da uns das Thema, wie erwähnt, von besonderer
Aktualität und didaktischem Interesse erscheint. Auf dieser Grundlage möchten
wir weiterarbeiten und eine auf breitere organisatorische Basis gestellte
Nachfolgeveranstaltung durchführen, wobei wir auf die Beteiligung
interessierter Institionen und Verbände hoffen.
Wir planen zum Thema
Ausländerpädagogik ein Wochenendseminar, das sich an unsere Mitglieder und an
andere interessierte Kolleginnen und Kollegen verschiedener Schulstufen und
Schulformen wendet, wobei wir auch die berufliche Bildung im Auge haben, um so
zu einem Erfahrungsaustausch, zu Anstößen für eine innovative didaktische
Diskussion und zu praxisbezogenen und umsetzbaren Anregungen zu gelangen.
Der organisatorische
Rahmen soll folgendermaßen aussehen:
Thema:
Ausländerpädagogik: Herausforderung und Prüfstein der Politikdidaktik
Termin: Fr., 1.12., bis
So., 3.12.1989
Ort: Noch unbestimmt
(ich bitte um Vorschläge)
Wir möchten zu dieser
Veranstaltung Vertreter der Deutschen Vereinigung für politische Bildung, der
GEW und, vor allem was die Perspektive der beruflichen Chancen der
ausländischen Schüler angeht, des DGB sowie der Niedersächsischen
Landeszentrale für politische Bildung einladen und könnten diesen
Institutionen bei Interesse auch eine Mitveranstalterrolle zubilligen.
Referenten und Teamer für die Arbeitsgruppenarbeit müssen noch gefunden
werden. Vorschläge aus der Mitgliedschaft sind willkommen!
DIDAKTIKSEMINAR DES
VERBANDES DER POLITIKLEHRER
Ausländerpädagogik:
Herausforderung für den Politikunterricht
- Vorläufiger
Programmentwurf -
Freitag, 1. Dezember
1989
bis 15.00 Uhr Anreise,
Kaffee
16.00 Uhr Begrüßung,
Vorstellung des Tagungsprogrammes
16.30-18.30 Uhr Vortrag
(NN):
Akkulturationsprobleme
in pädagogischer und gesellschaftswissenschaftlicher Sicht
19.00 Uhr Abendessen
20.00 Uhr Film.
Aussprache
Samstag, 2. Dezember
1989
9.00 Uhr Berichte über
Förderungsmöglichkeiten für ausländische Schüler in verschiedenen Schulformen
und Altersstufen
- Einblicke in die
Praxis -
11.00 Uhr Arbeitsgruppen
zu den Themen (Vorschläge):
I. Bildungsförderung,
Integration, Identität
II. Praxis und Kritik
des Förderunterrichtes
III. Weiterführende
Bildung und Berufsqualifikation
13.00 Uhr Mittagessen.
Pause
15.30 Uhr Vortrag (NN):
Paradigmenwechsel in der
Politikdidaktik vor den gesellschaftlichen Aufgaben der 90er-Jahr
17.00 Uhr Weiterarbeit
in den Arbeitsgruppen unter besonderer Berücksichtigung der Möglichkeiten der
Politikdidaktik
19.00 Uhr Abendessen
20.00 Uhr Aussprache im
persönlichen Kreis
Sonntag, 3. Dezember
1989
9.00 Uhr Bericht über
die Ergebnisse der Arbeitsgruppen
11.00 Uhr Plenum:
Verabschiedung eines
Forderungskataloges zur Weiterentwicklung der Ausländerpädagogik¤
und der interkulturellen
Erziehung
Anschließend
Pressekonferenz und Abschluß der Tagung
13.00 Uhr Mittagessen
anschließend:
Verbandsöffentliche Vorstands- und Redaktionssitzung
Erörterung der
Publikationsform der Tagungsergebnisse
Aufteilung der
redaktionellen Aufgaben
Beim MK und der Nds.
Landeszentrale soll beantragt werden, für die Teilnehmer der Tagung
Sonderurlaub (für Lehrer) bzw. Bildungsurlaub (für sonstige Arbeitnehmer) zu
befürworten.