Marginalien:
Das Leiden der Geographen
Verbandshistorisches Dokument von 1988
„Geographen leiden. Sie leiden an ihrem Gegenstand, der sich nicht verbindlich
definieren läßt und obendrein nicht ihnen allein gehört. Geographen leiden an
der Aufteilung der Wissenschaft, denn ihr Fach... ist keine exakte
Naturwissenschaft - und bei den Geisteswissenschaften nimmt man sie nicht
ernst.“ LEUTZINGER, Geogr.Helv. 1984, S. 107
„Im
Fall der Sozialgeographie (i.w.S.) besteht das Problem darin, daß sie
ebenfalls konstitutionell (...) darauf festgelegt ist, in einer räumlichen
Sprache über Soziales zu reden, und d.h. zum Beispiel: eine Struktur der
physischen Welt zu benutzen, um Phänomene der sozialen Welt zu ordnen, also
Phänomene in einer Welt, deren Charakteristikum gerade darin besteht, daß sie
- im Gegensatz zu den Gegenständen der physischen Welt - überhaupt keine
räumliche Existenz besitzen.“ [HARD 1987, S. 128]
„Ein
Problem der jüngeren Geographie ist sicherlich deren permanenter
Anachronismus... Wie wäre es stattdessen mit einer... Alternative, die die
Geographie einmal an sie „Spitze“ der gesellschaftlichen Entwicklung brächte:
der aktiven Mitarbeit an dem neuen Weltbild der Postmoderne, in Fortführung
der Aufklärung, ohne dem Mystizismus oder der Esoterik anheimzufallen, sondern
im Verfolgen eines Konzeptes der ‚Ökoregion‘?“ [BAHRENBERG 1987, S. 157]