27.10.96
Mohrenköpfe und »political correctness«
„Rassistisch und ehrverletzend“
Replik auf einen Leserbrief von Bernd Basten in der Frankfurter Rundschau
Nr. 246 vom Dienstag, 22.10.96, S. 18
Lieber Leser Basten, ja, ja, natürlich,
Richter denen der »Mohrenkopf« im Magen statt dem Verstand im juristischen
Hirn sitzt, haben eine Aussetzung ihres Prozesses redlich verdient,
vielleicht, bis sie vom siebzehnten Jahrhundert endlich in der Gegenwart
angekommen sind. Aber daß Sie nun gleich für alle Fälle die richtigen
Sprachregelungen parat haben, stößt ebenso sauer auf. Korrektheit und
sinnvoller Ausdruck stehen nun einmal auf verschiedenen Blättern. Jeder,
der eine schwarze Hautfarbe hat, muß also als »Afrikaner« oder »Afro-Amerikaner«
gleich aus Afrika oder gar aus Amerika und Afrika stammen? Da feiern doch
ethnizistische Abstammungsideologien fröhliche Urständ’! Und „ähnlich
aussehende Personen“? Bezüglich Körpergröße, Körperumfang (dies schreibt
ein gar nicht fröhlicher Übergewichtiger, den man daher überall wieder
erkennt, soweit zu »ähnlich«!) oder Hautfarbe? Schwarz, Neger,
Dunkelhäutig – rassistische werden diese Bezeichnungen durch Situation und
Kontext und nicht durch immanente Inkorrektheit. Der Eiertanz des sich
korrekt auf die Zunge beißen Müssens ist doch eher, lieber Leser Basten,
ein Zeichen einer alternativen intellektuellen Befähigung.
Quelle: Leserbrief Frankfurter Rundschau – Mohrenköpfe und Rassismus
961027.doc