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politik unterricht aktuell
Marginalien aus zehn Jahren
Verbandsarbeit:
Stellungnahmen und Leserbriefe zu aktuellen Themen
Gesamttext in politik unterricht aktuell, Heft 1/2003
Gesamttext auch als PDF-Dokument |
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Dokument Information |
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21.07.95
Rechtschreibreform:
„Alles Rhabarber? Vom Mut der Ortografen“
Das „Experiment“ der Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung, eine Seite in neuer Orthographie zu setzen, war
aufschlußreich und ermutigend. Zufällig hatte ich mehrere Artikel dieser
Seite gelesen, ehe ich mich mit dem Hauptartikel über die
Rechtschreibereform auseinandersetzt. Und: mir war bis dahin nichts
aufgefallen! Alles war lesbar wie sonst, die wenigen abweichenden
Schreibweisen fallen weder besonders auf, noch hindern sie das Verständnis
(und der Medienalltag bringt eine solche Fülle von Neologismen und
unüblichen Schreibweisen, daß solche kaum noch Aufmerksamkeitswert
besitzen — ob man das nun begrüßt oder beklagt).
Vier Fragen und Thesen möchte ich kurz
anfügen, die meine Praxis als Lehrer und »Korrigierender« von Klausuren
und Abiturarbeiten unmittelbar berührt:
-
Orthographie, die sich
an »Zweifelsfällen« und »Ausnahmen« orientiert hat doch wohl nichts mit
dem berechtigten Wunsch nach Verständlichkeit und schneller
Kommunikation zu tun; sie ist eher ein soziales Selektionssymbol
(Bildungsarroganz der Lehrer!);
-
vom Duden lasse ich
meine eigene Orthographie in Zweifelsfällen nicht bestimmen; bevorzuge
ich aus dem Kontext heraus sprachwurzelorientierte oder fremdsprachliche
Schreibweisen, werde ich sie auch benutzen, ebenso nutze ich
Neologismen dort, wo sie mir sinnvoll erscheinen; (warum sollte in der
»Neuen Ortografie« das Wortungeheuer Zooorchester nicht mit dem
praktischen, sinnvollen, geliebten Bindestrich »Zoo-Orchester«
geschrieben werden? Ich werde es jedenfalls immer so schreiben);
-
ich lese schnell und
oft in Teilsätzen; mir sind Bagatellfehler völlig egal (übrigens auch in
meinen Korrekturen); warum in Fach-Abiturarbeiten Rechtschreibefehler
zum Punktabzug führen, ist mir nicht einsichtig;
-
als Historiker und
Gesellschaftswissenschaftler weiß ich und kann es an vielen Beispielen
belegen, daß Hochsprachen nicht zur besseren Verständigung, sondern zur
Durchsetzung des Kulturmonopols und Hegemonialanspruches des zentralen
Nationalstaats eingeführt wurden (Spanien, Frankreich, heute auch die
Türkei). Rigider Hochsprachenzentralismus ist auch ein Stück sozialer
und kultureller Verarmung.
Bezug: HAZ Nr. 167 vom 20.07.95, S. 7
Quelle: HAZ-Leserbrief: Alles Rhabarber – Vom Mut der
Ortografen, 950720
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pua 1/2003
ISSN
0945-1544
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Dokument
Information:
Veröffentlicht in
politik unterricht aktuell:
"Interkulturelle
Konflikte"
Hannover, 2004. A
5, kart.
Herausgeber: Verband der Politiklehrer
e.V., Hannover
Vorsitzender: OStR Gerhard Voigt,
Pettenkoferstraße 13, D 30880 Laatzen
[ISBN 3-9807714-6-6]
8,00 EURO
eMail:
politiklehrerverband.voigt@web.de
http://www.voigt-bismarckschule.de
Internetausgabe: - Letzte
Überarbeitung: 3.8.2004
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