20.09.1990
Von der militärischen Logik des Golfkrieges 1990
Kämpfen oder Pazifismus? Eine Replik auf einen Leserbrief
Ich gratuliere Ihnen, Herr Qwittnat, zu
Ihrem Entschluß, Ihr Blut, nicht mehr und nicht weniger wert als das der
anderen, im iraqischen Wüstensand zu vergießen. Auf jeden Fall wäre das
besser, als in Leserbriefen freihändig tausend Mitmenschen in den
unfreiwilligen Tod zu schicken!
Hände schmutzig zu machen, ist ja in Ihrem
Sinne ehrenhaft, moralische Bedenken gegen einen Kriegseinsatz, dessen
Sinn und Motiv doch mehr als umstritten sein sollte, gegen jeglichen
Kriegseinsatz gar - verwerflich?!
Ich billige keinem Staat zu, seine Bürger in
den Tod zu schicken, sogenannte Feinde zu töten - und das sind in der
Mehrzahl ebenso unschuldige Opfer! - und obendrein seine Führungschargen
sorgfältig vor jeder Gefahr und Blessur zu schützen. Solange unsere
Minister und Leitartikler nicht in der vordersten Front der Gefallenen
liegen, sollte man tunlichst nicht über die Moralvorstellungen Anderer
urteilen!
Sympathie oder Rechtfertigung für Saddam
Hussein? Nein, niemals! Aber wo war der empörte Aufschrei des Westens bei
dem iraqischen Überfall auf Iran? Hier galt: meines Feindes Feind ist mein
Freund. Belohnung: Aufrüstung und Wirtschaftshilfe durch Westeuropa, durch
die BRD. Wo war der empörte Aufschrei, als zehntausende Kurden durch
Giftgas getötet wurden? Hier galt: dadurch lassen wir uns unsere
Wirtschaftsbeziehungen nicht stören. Wo ist die Initiative Europas und der
USA gewesen, die offensichtlichen Konflikte der Nahostregion, den sozialen
Sprengstoff zwischen Reichtum und Armut durch Hilfe und Diplomatie
friedlich zu entschärfen? Hier galt: im Bündnis mit den Reichen und
Herrschenden läßt sich mehr verdienen als mit Verantwortung für die
Hungernden und Unterdrückten! Und jetzt sollen Völkerrecht und Moral die
Motive für die gewaltige westliche Truppenmassierung im Golfgebiet sein?
Da glaube ich aber lieber an den Weihnachtsmann, der uns das täglich Öl
bringt!
Haben die USA nichts aus
Vietnam gelernt? Wo haben militärische Härte und Blockaden gegen einen
entschlossenen Gegner in dessen eigenem Lande jemals genutzt? Die
militärische Gegendrohung ist die Bankrotterklärung der Friedenspolitik
und der Diplomatie. Das muß nicht sein!
Zu den Artikeln über die Golfkrise -
Leitartikel „Sie halten uns für Drückeberger“ in der Ausgabe vom 8.
September - und dem Leserbrief „Gute Krämerseelen“ in der Ausgabe vom 20.
September