20.10.89
Ein großer Lacherfolg:
Über die Suche nach der Arche Noah
Welch Geistes Kind sind diese
fundamentalistischen Bibelgläubigen, die unbeirrt am Berg Ararat nach der
Arche suchen? Unmittelbar vor dem Aufbruch zu einer eigenen Reise in die
Türkei reizt mich dieser Artikel doch dazu, den Unfug einmal ernst zu
nehmen und an einige, bei Archäologen und Orientalisten unstrittige
Sachverhalte zu erinnern (damit nicht ein neuer Noah-Massentourismus
diese großartige Landschaft „überschwemmt“):
Der Ararat an der nordöstlichen Grenze der
Türkei hat mit dem biblischen Berg Ararat, der in den alten Schriften
zwar ähnlich lautet, aber erst in einer später unverstandenen
Textüberlieferung dem nun nur noch bekannten Ararat sprachlich
angeglichen wurde, nichts zu tun. Der biblische Ort, der nicht mehr
widerspruchsfrei zu lokalisieren ist, liegt im Zweistromland und ist
sicherlich einer der Hügelzüge, die auch bei katastrophalen
Überschwemmungen trocken blieb. Der türkische Berg Ararat hat seinen
Namen von dem altorientalischen Reich Urartu, das in anderem zeitlichen
Kontext zwar auch im alten Testament erwähnt wird, niemals aber in der
Namensform Ararat.
Und im Übrigen: muß Bibelglauben auch
bedeuten, den Sintfluttext so zu verstehen, daß es auf einmal auf der Erde
Wassermassen gab, die die Erdoberfläche in einer Mächtigkeit von 5000 m
überdeckten und dann wieder spurlos verschwanden?
An solchen Absurditäten
sollte auch echte Gläubigkeit nicht hängen (vor allem, da die
Originalüberlieferungen etwas ganz anderes meinen). Die
Sintflutüberlieferung, von ihrem viel bedeutsameren ethischen
Aussagewert einmal angesehen, bezieht ihren Realitätsgehalt aus einer
oder mehreren katastrophalen Überflutungen, die das Zweistromland
tatsächlich kannte. Daß andererseits am türkischen Ararat Artefakte zu
finden sind, ist bei einem so alten Kulturland nicht verwunderlich -
eher, wenn man nichts derartiges fände. Was aber immer gefunden wird:
die „Arche Noah“ kann es nicht sein.
Quelle: Leserbrief Frankfurter Rundschau - Noah Ararat 891020